Alle meine Entchen
Alle meine Entchen (auch Alle meine Entlein, in älteren Quellen auch Alle unsre Enten<ref name="Raabe" /><ref name="Eskuche" /><ref name="Böhme" />) ist ein deutsches Kinderlied.
Es handelt sich um ein Volkslied, dessen Verfasser sowie Komponist nicht überliefert sind.<ref name=":0">Carolin Eberhardt: Alle meine Entchen. In: Deutschland-Lese. Abgerufen am 28. Mai 2022.</ref> Die Melodie entstand vermutlich in der Mitte des 18. Jahrhunderts, während die Entstehung des Textes eher dem 19. Jahrhundert zugeordnet wird.
Inhaltlich handelt das Lied vom Gründeln der Enten.<ref name=":0" /> In einigen Liederbüchern ist das Lied mit weiteren Strophen abgedruckt, deren Alter und Herkunft nicht geklärt ist, in denen auch Tauben, Hühner, Gänse und andere Tiere besungen werden.<ref name="Irrgang" /><ref name="Pachnicke" />
Das Lied eignet sich als Spiellied, bei dem die Kinder im Kreis stehen oder gehen und beim Singen die entsprechenden Bewegungen machen.<ref name="Pachnicke" /><ref name="Rölleke" />
Textlich verwandt ist das Lied mit dem niederländischen Kinderlied Alle eendjes zwemmen in het water.<ref>WN: „Alle eendjes zwemmen in het water“. In: Dülmener Zeitung. Abgerufen am 22. Dezember 2024.</ref>
Überlieferungen
Gelegentlich wird das Lied Ernst Anschütz (1780–1861) zugeschrieben,<ref name="Säbi" /> jedoch ist das Lied in der vorgeblichen Quelle, dem 1824 erschienenen Musikalischen Schulgesangbuch, nicht nachzuweisen.<ref name="Anschütz" /> Wilhelm Raabe zitiert den Text in seinem 1859 erschienenen Roman Die Kinder von Finkenrode als „Kinderreim“.<ref name="Raabe" /> Gelegentlich wird der Gymnasiallehrer Gustav Eskuche (1865–1917) als Textautor genannt,<ref name="Volksliedarchiv-Eskuche" /> er hat das Lied jedoch lediglich in seinen 1891 erschienenen Hessischen Kinderliedchen herausgegeben.<ref name="Eskuche" /> Dass Eskuche trotz der nachgewiesenen früheren Veröffentlichung des Liedes als Autor genannt wird, geht möglicherweise auf einen missverstandenen Hinweis des Volksliedforschers Franz Magnus Böhme zurück, der das Lied in seiner Sammlung Deutsches Kinderlied und Kinderspiel 1897 mit dem Quellenhinweis „Aus Kassel: Eskuche Nr. 167“ abdruckt.<ref name="Böhme" /> Gelegentlich findet sich die Herkunftsangabe „aus dem Nassauischen“.<ref name="Mang" /><ref name="notendownload" />
Text
Der Text der ersten Strophe lautet:
| 1859 | 1891 | geläufige Fassung | |
|---|---|---|---|
|
<poem style="margin-left:2em;"> Alle uns’re Enten Schwimmen auf der See: Kopf in dem Wasser, Schwanz in der Höh’.<ref name="Raabe" /> </poem> |
<poem style="margin-left:2em;"> Alle unsre Enten Schwimmen auf dem See, Stecken den Kopf in’s Wasser, Den Bürzel in die Höh’.<ref name="Eskuche" /><ref name="Enzensberger" /> </poem> |
<poem style="margin-left:2em;"> Alle meine Entchen |
Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh.<ref name="Pachnicke" /><ref name="Rölleke" /><ref name="Mang" /> </poem> |
Weitere Strophen lauten: <poem style="margin-left:2em;"> Alle meine Täubchen |: gurren auf dem Dach, :| fliegt eins in die Lüfte, fliegen alle nach.
Alle meine Hühner |: scharren in dem Stroh, :| finden sie ein Körnchen, sind sie alle froh.
Alle meine Gänschen |: watscheln durch den Grund, :| suchen in dem Tümpel, werden kugelrund.<ref name="Irrgang" /><ref name="Pachnicke" /> </poem>
Melodie
<score sound="1"> \relative c' {\autoBeamOff
c8 d8 e8 f8 g4 g4 | a8 a8 a8 a8 g2 | a8 a8 a8 a8 g2
f8 f8 f8 f8 e4 e4 | d8 d8 d8 d8 c2 \bar "|."
} \addlyrics {
Al -- le mei -- ne Ent -- chen | schwim -- men auf dem See, | schwim -- men auf dem See, Köpf -- chen in das Was -- ser, | Schwänz -- chen in die Höh’.
} </score>
Die Melodie basiert auf der Dur-Tonleiter, ist jedoch wegen der ungewöhnlichen fünftaktigen Form und des wiederholten zweiten Taktes relativ charakteristisch. Mehrere Belege für diese charakteristische Melodie finden sich in Tanzmusikhandschriften des 18. Jahrhunderts. Es findet sich als Lied mit sorbischem Textinzipit im Kralschen Geigenspielbuch<ref name=":1">Handschrift aus dem Besitz von Mikławš Kral, im Faksimile findet sich die Angabe: „Seit 1961 befindet sich das Kralsche Geigenspielbuch als Leihgabe in der Bibliothek des Institutes für sorbische Volksforschung.“ Faksimile: Jan Raupp: Das Kralsche Geigenspielbuch. Fotomechanischer Erstdruck. VEB Domowina-Verlag, Bautzen 1983.</ref> von 1784 und als Bouree in einer anonymen Handschrift im Österreichischen Volksliedarchiv von „ca. 1750“.<ref>Anonyme Handschrift, mit den Angaben „um 1750“ und „Mitteldeutschland, vielleicht Franken“, Österreichisches Volksliedarchiv, Signatur E 97</ref>
Die Melodieführung verwendet in einer bekannten Liedfassung neben Tonwiederholungen ausschließlich Sekundschritte, in einer anderen bekannten Fassung noch je einen einzelnen Terz- und Quintsprung. Wegen dieser Einfachheit und wegen des geringen Tonumfanges von nur einer Sexte kann die Melodie schon von ein- bis zweijährigen Kindern nachgesungen werden.<ref name="Mang" /> Ebenso ist es aus demselben Grund oft das erste Stück, das von Anfängern auf einem neuen Musikinstrument relativ einfach bewältigt werden kann. Auch andere europäische Kinder- und Volkslieder wie Fuchs, du hast die Gans gestohlen oder Häschen in der Grube verwenden ähnliche Melodiemodelle, ebenso manche auf Volksliedern basierende Kompositionen wie die israelische Nationalhymne haTikwa oder Bedřich Smetanas sinfonische Dichtung Die Moldau, hier jeweils in Moll verkehrt und im absteigenden Teil stark variiert.
Weblinks
- Alle meine Entchen im Liederprojekt von Carus Verlag und SWR2
- Weitere Textstrophen
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Melodie und Gesang ( vom 20. April 2016 im Internet Archive)
Einzelnachweise
<references responsive> <ref name="Säbi">Manfred Altner: Ernst Anschütz. In: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (Hrsg.): Sächsische Biografie.</ref> <ref name="Anschütz">Ernst Anschütz: Musikalisches Schulgesangbuch nach einer genauen Stufenfolge vom Leichtern zum Schwerern. In: Wolfenbütteler Digitale Bibliothek. Abgerufen am 22. Dezember 2024.</ref> <ref name="Raabe">Jakob Corvinus (= Wilhelm Raabe): Die Kinder von Finkenrode. Schotte, Berlin 1859, S. 161 f. (Digitalisat in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> <ref name="Volksliedarchiv-Eskuche">Eskuche. In: Liederlexikon im Volksliedarchiv. Abgerufen am 22. Dezember 2024.</ref> <ref name="Eskuche">Gustav Eskuche, Johann Lewalter: Hessische Kinderliedchen. E. Kühn, Kassel 1891, S. 61 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> <ref name="Böhme">Franz Magnus Böhme: Deutsches Kinderlied und Kinderspiel: Volksüberlieferungen aus allen Landen deutscher Zunge. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1897, S. 140 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> <ref name="notendownload">Alle meine Entchen aus dem Nassauischen. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. Mai 2016; abgerufen am 22. Dezember 2024.</ref> <ref name="Irrgang">Horst Irrgang (Hrsg.): Ein Männlein steht im Walde. Die schönsten alten Kinderlieder. 2. Auflage. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1970, S. 4.</ref> <ref name="Pachnicke">Bernd Pachnicke (Hrsg.): Deutsche Volkslieder. Singstimme und Klavier. Edition Peters, Leipzig 1976, DNB 1006936580, S. 75.</ref> <ref name="Rölleke"></ref> <ref name="Enzensberger">Diese Textfassung findet sich ohne genaue Quellenangabe, aber offenbar zitiert nach Franz Magnus Böhmes Deutsches Kinderlied, leicht verändert auch in: Hans Magnus Enzensberger: Allerleihrauh. Viele schöne Kinderreime. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1961, S. 94 (Taschenbuchausgabe: insel taschenbuch 115. 13. Auflage. Insel, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-458-31815-6; eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> <ref name="Mang"></ref> </references>