Abbauhammer
Der Abbauhammer,<ref name="Quelle 1" /> auch Pickhammer genannt,<ref name="Quelle 2" /> ist ein mit Druckluft betriebenes Handwerkzeug, das im Bergbau verwendet wird, um Kohle, Erze oder Gestein abzubauen.<ref name="Quelle 1" /> Entstanden ist der Abbauhammer aus dem Bohrhammer. Ein erster Vorläufer war die in den 1890er-Jahren im Mansfeldschen Kupfer(erz)bergbau eingesetzte Frankesche Schrämmaschine.<ref name="Quelle 2" />
Geschichte
Die ersten Abbauhämmer wurden im deutschen Steinkohlenbergbau bereits um 1900 eingesetzt.<ref name="Quelle 3" /> Der Abbauhammer erlebte seine Blüte in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Noch in den 1950er- / 1960er-Jahren wurden die Kohlen in den Ländern Belgien, Deutschland (außer Saarland), Holland und Frankreich überwiegend mit dem Abbauhammer gewonnen. Bereits zu dieser Zeit wurden im Saarbergbau, im britischen und im nordamerikanischen Bergbau die dort vorhandenen härteren und festeren Kohlen mittels Schrämmaschine gewonnen.<ref name="Quelle 4" /> In den 1970er-Jahren bis Anfang der 1980er-Jahre wurden Abbauhämmer nur noch in einigen Streben der stark geneigten und in der steilen Lagerung zu nichtmechanisierten Gewinnung eingesetzt.<ref name="Quelle 5" /> Seit den 1980er-Jahren wird der Abbauhammer nur noch sehr selten eingesetzt. Sein Einsatz beschränkt sich nur noch auf wenig umfangreiche Arbeiten.<ref name="Quelle 6" />
Aufbau
Der Abbauhammer besteht aus dem Gehäuse, dem Griff, der Schlageinrichtung, der Haltekappe und dem Spitzeisen.<ref name="Quelle 4" /> Im Gehäuse befindet sich die Schlageinrichtung, bestehend aus dem Zylinder mit Schlagkolben und der dazugehörenden Steuerung.<ref name= "Quelle 8" /> Der Kolben des Abbauhammers hat in der Regel einen Durchmesser von maximal 35 Millimetern. Dies ist erforderlich, um das Gehäuse schlank und griffig gestalten zu können.<ref name="Quelle 4" /> Der Griff wird meistens aus Kunststoff angefertigt, um die Auswirkungen auf den Benutzer, die durch den Rückstoß der Schlageinrichtung entstehen, zu minimieren.<ref name="Quelle 1" /> Eine andere Möglichkeit zur Reduzierung der Vibrationseinwirkungen sind Griffe, die mit Federn versehen sind.<ref name="Quelle 7" /> Am Griff befindet sich ein Schlauchanschlussnippel, über den die Schlageinrichtung mit Druckluft versorgt wird. Der Betriebsdruck liegt bei 5 bar, der maximale Druck darf 30 bar nicht überschreiten.<ref name="Quelle 4" /> Der Druckluftverbrauch liegt bei Betriebsdruck, je nach Hammer, zwischen 100 und 120 Liter Druckluft pro Minute.<ref name="Quelle 2" /> In den Griff integriert ist die Anlassvorrichtung, mit der das Schlagwerk betätigt wird.<ref name= "Quelle 8" /> In der Haltevorrichtung,<ref name="Quelle 7" /> den Haltekappen,<ref name="Quelle 4" /> wird das Spitzeisen festgehalten.<ref name="Quelle 7" /> Es gibt zwei Typen von Spitzeisen, Spitzeisen mit Einsteckende und Spitzeisen ohne Einsteckende.<ref name="Quelle 4" /> Je nach Bauart wiegt ein Abbauhammer zwischen fünf<ref name="Quelle 2" /> und vierzehn Kilogramm.<ref name="Quelle 4" /> Die Länge des Abbauhammers beträgt ohne Spitzeisen etwa 0,5 Meter.<ref name="Quelle 2" /> Aufgrund des maximalen Kolbendurchmessers von 35 Millimetern sind schwere Abbauhämmer länger als leichte Abbauhämmer.<ref name="Quelle 4" /> Es gibt auch Abbauhämmer, mit denen es möglich ist, den während der Arbeit entstehenden Staub zu binden.<ref name= "Quelle 8" /> Diese als Nassabbauhämmer bezeichneten Abbauhämmer besitzen zwei Zerstäuber, aus denen während des Betriebes ein feiner Wassernebel sprüht.<ref name="Quelle 4" /> Während des Betriebes wird solchen Abbauhämmern ständig Druckwasser zugeführt.<ref name= "Quelle 8" /> Hierfür haben Nassabbauhämmer neben dem Druckluftanschluss auch einen besonderen Wasseranschluss am Griff. Der Hammer ist so konstruiert, dass er nur funktioniert, wenn er neben der Druckluft auch mit Wasser beaufschlagt wird. Der Wasserverbrauch des Nassabbauhammers beträgt 60 Liter Wasser pro Stunde.<ref name="Quelle 4" />
Funktion
Sobald das Einlassventil durch Drücken des Handgriffs gegen den Arbeitszylinder gedrückt oder durch Drücken des Griffventils geöffnet wird, tritt Druckluft in den Zylinder. Die Druckluft wird im Zylinder entspannt.<ref name= "Quelle 8" /> Dadurch wird der Kolben im Zylinder mit großer Wucht gegen das Spitzeisen geschleudert.<ref name="Quelle 7" /> Die Zufuhr der frischen Druckluft und die Abfuhr der verbrauchten Luft des Schlageinrichtung wird durch die Steuerung geregelt.<ref name="Quelle 4" /> Bedingt durch den Rückprall und die Rückholluft wird der Kolben wieder in seine Ausgangsposition getrieben.<ref name= "Quelle 8" /> Durch Ausnutzung von Druckdifferenzen erfolgt nach jedem Schlag eine Umsteuerung der Druckluft.<ref name="Quelle 7" /> Beim Schlaghub erfolgt eine weitestgehende Entlüftung des Zylinders. Damit der Kolben beim Rückstoß durch ein komprimiertes Luftpolster gebremst wird, wird der hintere Zylinderraum beim Rückhub nicht voll entlüftet.<ref name= "Quelle 8" /> Die Zahl der Schläge, mit der der Schlagkolben gegen den Meißel geschlagen wird, liegt bei 1500 bis 2000 Schlägen pro Minute.<ref name="Quelle 2" /> Bei schweren Abbauhämmern liegt die Schlagzahl deutlich niedriger. Sie liegt bei diesen Abbauhämmern, je nach Gewicht des Hammers, zwischen 600 und 1200 Schlägen pro Minute.<ref name="Quelle 4" />
Verwendung und Folgen
Abbauhämmer werden zum Schrämen oder zur Hereingewinnung des unterschrämten Kohlenstoßes eingesetzt.<ref name="Quelle 2" /> Dazu wird der Abbauhammer im schrägen Winkel an den Kohlenstoß gedrückt.<ref name="Quelle 4" /> Aber auch zur Nachzerkleinerung von großen Erz- und Bergebrocken wird der Abbauhammer genutzt.<ref name= "Quelle 8" /> Zur Erhöhung der Effektivität des Abbauhammers werden im Mineral vorhandene Ablösungen oder Schlechten genutzt. Wichtig für die Haltbarkeit des Hammers und für den Arbeitserfolg ist bei jeder Anwendung, dass der Hammer dauerhaft und fest gegen das Mineral gedrückt wird. Durch diese Anwendung machen sich die Rückstöße des Hammers weniger bemerkbar.<ref name="Quelle 2" /> Problematisch ist der bei der Arbeit entstehende Staub, insbesondere wenn es sich um Gesteinsstaub handelt.<ref name= "Quelle 8" /> Durch die jahrzehntelange Arbeit mit dem Abbauhammer kommt es zu einer krankhaften Veränderung in den Armgelenken. Diese Erkrankung wird als Abbauhammerkrankheit bezeichnet.<ref name="Quelle 1" />
Ähnliche Geräte
Literatur
- Steffen, Praun: Der praktische Bergmann, Lehrmitteldienst G.m.b.H. Hagen/Essen, 4. Auflage 1954
Weblinks
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Einzelnachweise
<references> <ref name="Quelle 1">Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. Verlag Glückauf GmbH, Essen 1988, ISBN 3-7739-0501-7.</ref> <ref name="Quelle 2">Fritz Heise, Fritz Herbst: Lehrbuch der Bergbaukunde mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaus. Erster Band, Fünfte verbesserte Auflage, Verlag von Julius Springer, Berlin 1923.</ref> <ref name="Quelle 3">RAG-Stiftung (Hrsg.): Chronik des Steinkohlenbergbaus im Ruhrrevier. S. 3</ref> <ref name="Quelle 4">Carl Hellmut Fritzsche: Lehrbuch der Bergbaukunde. Erster Band, 10. Auflage, Springer Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1961.</ref> <ref name="Quelle 5">Heinz Kundel: Kohlengewinnung. 6. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen, 1983, ISBN 3-7739-0389-8.</ref> <ref name="Quelle 6">Ernst-Ulrich Reuther: Einführung in den Bergbau. 1. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen, 1982, ISBN 3-7739-0390-1.</ref> <ref name="Quelle 7">Horst Roschlau, Wolfram Heinze, SDAG Wismut (Hrsg.): Wissensspeicher Bergbautechnologie. 1. Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1974, S. 18–19.</ref> <ref name="Quelle 8">Horst Roschlau, Wolfram Heintze: Bergmaschinentechnik. VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1977</ref> </references>