10. Arrondissement (Paris)
Arrondissement municipal von Paris | ||||||
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Datei:Paris 10e arr jms.gif|300x375px|center|Karte der Pariser Arrondissements poly 377 323 397 285 402 284 407 291 496 325 472 378 444 354 1. Arrondissement poly 407 281 453 269 511 287 496 320 414 290 2. Arrondissement poly 516 286 552 298 565 327 571 371 538 360 527 346 499 332 3. Arrondissement poly 497 336 521 346 536 361 571 375 572 388 562 425 555 432 531 411 476 382 4. Arrondissement poly 475 385 521 407 559 443 544 473 502 493 441 475 5. Arrondissement poly 471 383 437 472 357 431 399 403 406 400 427 354 444 360 6. Arrondissement poly 243 356 272 327 361 321 419 350 418 357 423 361 403 397 392 399 343 434 328 420 315 424 7. Arrondissement poly 297 319 293 312 286 308 266 256 280 229 398 196 398 256 392 283 371 322 363 319 8. Arrondissement poly 403 194 412 191 453 204 493 195 494 210 488 239 486 276 453 267 396 280 402 257 400 235 9. Arrondissement poly 497 194 571 191 579 200 579 230 607 270 555 295 489 276 492 248 10. Arrondissement poly 559 298 611 273 653 329 661 358 678 370 702 423 638 407 618 404 577 389 11. Arrondissement poly 557 434 565 431 578 392 620 410 633 409 690 425 769 436 762 475 759 478 755 516 769 518 799 504 802 502 792 461 801 454 810 466 846 471 846 591 818 574 757 570 736 557 715 539 680 553 664 563 12. Arrondissement poly 464 486 502 497 549 476 560 446 661 565 619 592 556 623 521 623 509 615 495 616 482 625 472 625 474 601 461 580 461 528 13. Arrondissement poly 386 453 458 485 458 584 468 602 467 625 423 620 423 613 287 567 371 468 14. Arrondissement poly 128 509 241 358 314 430 327 424 340 438 354 434 383 452 375 462 370 465 285 566 193 520 165 549 146 550 145 528 158 516 145 507 15. Arrondissement poly 124 509 96 504 81 480 79 455 84 438 41 421 27 406 2 397 2 280 32 267 54 239 95 256 111 215 188 229 198 227 264 257 283 311 230 365 177 423 16. Arrondissement poly 202 223 205 196 223 175 267 149 314 114 371 83 411 82 392 168 399 193 276 227 265 253 17. Arrondissement poly 413 82 583 77 580 110 585 119 580 125 565 174 557 188 453 203 412 188 402 190 395 167 18. Arrondissement poly 564 187 569 177 585 127 592 118 586 106 586 77 643 76 666 84 685 98 696 126 704 166 701 186 717 208 744 221 750 229 705 245 664 245 653 251 611 267 583 230 583 198 573 189 19. Arrondissement poly 613 272 660 255 664 250 705 250 752 234 758 243 766 298 762 308 766 350 772 416 769 432 704 424 699 399 682 368 663 356 654 325 20. Arrondissement </imagemap> | ||||||
| Koordinaten | 48° 52′ 16″ N, 2° 21′ 20″ O
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| Höhe | 35 m (33–60 m) | |||||
| Fläche | 2,89 km² | |||||
| Einwohner | 83.873 (1. Jan. 2023) | |||||
| Bevölkerungsdichte | 29.022 Einwohner/km² | |||||
| INSEE-Code | 75110 | |||||
| Postleitzahl | 75010 | |||||
| Website | mairie10.paris.fr | |||||
| Gliederung | ||||||
| Quartiers | ||||||
Das 10. Pariser Arrondissement, das Arrondissement de l’Entrepôt, ist eines von 20 Pariser Arrondissements. Es liegt am nordöstlichen Rand des historischen Zentrums. Seine Struktur wird vor allem von den beiden Bahnhöfen Gare de l’Est und Gare du Nord sowie dem das Arrondissement quer passierenden Canal Saint-Martin bestimmt. Seine Erschließung erfolgte vor allem im 19. Jahrhundert; heute ist es ein stark multikulturell geprägter Bezirk mit Quartieren unterschiedlichen Charakters und Zuschnitts.
Geographische Lage
Das 10. Arrondissement liegt auf dem rechten Seineufer. Es grenzt im Südosten an das 11. Arrondissement, im Osten an das 19. Arrondissement im Süden an das 3., im Westen an das 9. und im Norden an das 18. Arrondissement. Im Uhrzeigersinn umfasst wird es – vom Place de la République an seiner südlichen flachen Spitze nach Westen hin ausgehend – von Boulevard Saint-Martin und Boulevard de Bonne Nouvelle, an seiner Westseite von der Rue du Faubourg Poissonnière, an seiner Nordseite vom Boulevard de la Chapelle und an seiner Ostseite vom Boulevard de la Villette. Begrenzung von der Südostecke bis zum Place de la Republique ist die Rue du Faubourg du Temple.<ref name="gm">Siehe Umriss des Arrondissements bei Google Maps; aufgerufen am 10. Februar 2025</ref>
Markante Punkte innerhalb des Bezirks sind vor allem die beiden Bahnhöfe Gare de l’Est und Gare du Nord. Für den Schienenverkehr in Richtung Nord und Nordost zuständig, nehmen sie mit ihren Gleisanlagen das Gros der nördlichen Arrondissementhälfte in Beschlag. Die südöstliche Ecke wird vom Canal Saint-Martin vom Rest des Bezirks abgetrennt. Kommend vom Bassin de la Villette, quert er das Arrondissement als offen darliegender Kanal, bevor er – kurz vor seiner Querung der Rue du Faubourg de Temple – in überbauter Form weiterverläuft. Zentrale Straßen sind die Boulevard de Magenta (in Nord-Süd-Richtung) und die Rue La Fayette (in West-Ost-Richtung).<ref name="gm" />
Eine historisch bedeutsame Rolle im Westteil des Arrondissements hat die Rue du Faubourg Saint-Denis – die nach Norden hin fortgesetzte Rue Saint-Denis. Die von beiden Straßen gebildete Achse verläuft linksseitig parallel zum Boulevard de Sébastopol beziehungsweise dessen zum Gare de l’Est führende Fortsetzung Boulevard de Strasbourg. Auf der rechten Seite werden die beiden Boulevards flankiert von der Achse Rue Saint-Martin und – innerhalb der Arrondissementgrenzen – der Rue du Faubourg Saint-Martin. In letzterer befindet sich auch das Rathaus des Bezirks. Weitere markante Punkte sind die beiden Pforten Porte Saint-Denis und Porte Saint-Martin an der Südflanke des Bezirks sowie die großen Metro-Umsteigestationen Barbès – Rochechouart in der Nordwest- sowie nahe des Bassin de la Villette in der Nordostecke (Stalingrad und Jaurès).<ref name="gm" />
Die Topografie des Bezirks verläuft speziell in seinen nördlichen Bereichen leicht ansteigend – allerdings nicht so deutlich und stetig wie im westlich gelegenen, auf die Höhen von Montmartre hinführenden 9. Arrondissement. Die vier Quartiere weisen eine unterschiedliche Prägung auf. Die Urbanisierung der beiden südlich gelegenen – Quartier de la Porte-Saint-Denis und Quartier de la Porte-Saint-Martin – begann bereits im 18. Jahrhundert. Strukturell sind sie von Altbauten sowie nachbarschaftlich orientierter Dienstleistungswirtschaft geprägt.<ref name="faz">Wohnen in Paris: Labor für neue Lebensformen, Stefanie von Wietersheim, faz.net, 22. April 2016, aufgerufen am 8. Februar 2025 (Paywall)</ref> Mit einer vorwiegend gründerzeitlichen Bebauung warten auch die beiden Quartiere im Norden und Osten auf. Das im Norden gelegene Quartier Saint-Vincent-de-Paul beinhaltet die beiden großen Bahnhöfe, das den Osten des Arrondissements einnehmende Quartier de l’Hôpital Saint-Louis das gleichnamige Krankenhaus.<ref name="gm" />
Geschichte
Bis weit ins Mittelalter hinein gehörte Gebiet des heutigen 10. Arrondissements zum ländlichen Umland außerhalb der Stadt, deren Siedlungskern sich damals auf die Île de la Cité sowie deren nähere Umgebung auf dem linken und rechten Seineufer beschränkte.<ref name="middleage">Paris im Mittelalter, leben-im-mittelalter.net, aufgerufen am 10. Februar 2025</ref> Die fruchtbaren Böden und die Nähe zu wichtigen Straßenverbindungen prädestinierten es für landwirtschaftliche Nutzung, die Begründung von Klöstern und später für die ersten Vorstädte (Faubourgs). Auch die Entfernung war überschaubar: Sowohl zum Stadtkern als auch zu dem auf dem Butte Montmartre präsenten Kloster betrug die Luftlinienentfernung rund zwei Kilometer.<ref name="gm2">Gemäß mit Seiten-Tool vorgenommenen Luftlinienmessungen bei Google Maps; aufgerufen am 10. Februar 2025</ref> Ein frühes Monument dieser frühen Besiedlungsphase ist die Kirche Saint-Laurent: In ihrer heutigen Form wurde sie zwar erst im Spätmittelalter errichtet. Zuvor befand sich auf ihren Gebiet jedoch ein Kloster, welches auf die merowingische Zeit zurückgeht und im Zug der Wikingerüberfälle zerstört wurde.<ref name="nachparis">Église Saint-Laurent, nachparis.de, aufgerufen am 10. Februar 2025</ref>
Mit dem Bau der Stadtmauer von Philipp-August gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde das Zentrum der Stadt klar von den umliegenden Gebieten abgegrenzt. Das heutige 10. Arrondissement blieb größtenteils außerhalb dieser Befestigungslinie und begann eine Funktion als Vorstadt („faubourg“) zu übernehmen.<ref name="pa-wall">Siehe Grafik des Verlaufs der Stadtmauer von Philipp-August auf Wall of Philip II Augustus</ref> Die Faubourgs Saint-Denis und Saint-Martin entstanden als Siedlungen entlang der wichtigen Straßen nach Norden, die durch die beiden gleichnamigen Stadttore führten. Diese Achsen – nach Norden ausgerichtet und von den beiden Verlängerungsstraßen Rue de Faubourg Saint-Denis und Rue du Faubourg Saint-Martin gebildet – entwickelten sich rasch zu wirtschaftlich bedeutenden Handels- und Handwerkszonen.<ref name="maps">Siehe Ausbreitung der Besiedlung von Paris in den Karten Atlas curieux, Nicolas de Fer (circa 800), Atlas curieux (circa 1300), Sixième plan de la ville de Paris (1589) und Nouveau plan de la ville et faubourgs de Paris (1775)</ref>
Ein dritter Vorstadt-Ansiedlungspunkt bildete sich im Spätmittelalter heraus: der im Südosten des heutigen Bezirks gelegene, ins 11. Arrondissement hineinreichende Faubourg du Temple entlang der gleichnamigen Straße. Der Temple-Faubourg war als Exklave der alten Templer-Siedlung (3. Arrondissement) entstanden – einer Kommende des Tempelritter-Ordens, die – aufgrund von Konflikten mit der monarchistischen Zentralgewalt – im 14. Jahrhundert zwangsweise aufgelöst worden war.<ref name="temple">Die Ritter des Tempels, parismarais.com, aufgerufen am 10. Februar 2025</ref> In seiner Peripherie entstand 1607 das – bis heute als Krankenhaus genutzte – Pestkranken-Sanatorium Hôpital Saint-Louis. Eine ähnlichen Zwecken dienende Einrichtung war das Hôpital Saint-Lazare – eine Leprakranken-Station, die 1632 von dem in der Armenfürsorge tätigen Priester Vincent de Paul gegründet worden war und nach der Französischen Revolution nacheinander als psychiatrische Anstalt, Arbeitshaus sowie Haftanstalt für Frauen fungierte.<ref name="lavignette">Frédéric Lavignette: Histoires d’une vengeance – L’Affaire Liabeuf, Fage éditions, Lyon 2011, ISBN 978-2-84975-205-0, S. 95 ff. (französisch)</ref>
Unmittelbarer in das Gefüge von Paris eingegliedert wurden die in seiner nördlich bis nordöstlichen Peripherie gelegenen Vorstädte durch den Bau einer neuen Stadtmauer – den ab Ende des 16. Jahrhunderts in Angriff genommenen Befestigungsanlagen Ludwigs XIII. Die zunehmende Einbeziehung in die Stadt führte zu einer baulichen Ausdifferenzierung innerhalb des heutigen 10. Arrondissements: Während der westliche Teil um die Faubourgs Saint-Denis und Saint-Martin durch ältere, oft kleinteilige Bebauung geprägt blieb sowie die Textilproduktion, die hier einen innerstädtischen Schwerpunkt hatte, erfuhr der östliche Teil im Zuge der Industrialisierung und städtischen Expansion eine andere, oft großflächigere Entwicklung.<ref name="faz" />
Mit dem Bau des Canal Saint-Martin zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde ein bedeutendes Infrastrukturelement geschaffen, welches den Warentransport innerhalb der Stadt auf eine neue Grundlage stellte. Die Errichtung der Bahnhöfe Gare du Nord (1846) und Gare de l’Est (1849) verstärkte die Rolle des heutigen Bezirksgebiets als Verkehrsknotenpunkt sowie wirtschaftliches Zentrum. Die Nähe zu den Bahnhöfen machte das Viertel zu einem Anziehungspunkt für Händler, Handwerker sowie industrielle Betriebe, die sich vor allem entlang des Kanals niederließen.<ref name="canalsm">Am Canal Saint-Martin von Paris, Hilke Maunder, meinfrankreich.com, aufgerufen am 10. Februar 2025</ref>
Eine deutliche Strukturierung erfuhr das Gebiet auch im Zug der Haussmann’schen Stadterneuerungsmaßnahmen. Zu einer neuen zentralen Achse avancierte der Boulevard de Strasbourg – die Verlängerung des zwischen Rue Saint-Denis / Rue de Faubourg Saint-Denis und Rue Saint-Martin / Rue de Faubourg Saint-Martin gebauten Boulevard de Sébastopol. Eine weitere neue Durchstich-Straße war der Boulevard de Magenta.<ref name="haussmann">Und er erschuf Paris, Stefan Ulrich, Süddeutsche Zeitung, 16. Juni 2017, aufgerufen am 10. Februar 2025</ref> Er führte westlich an den beiden Bahnhöfen vorbei und auf den Place de la Republique zu – ein markanter Platz, auf dem früher die Porte du Temple stand und dem 1882 seine heutige Bedeutung zugewiesen wurde.
Der Bau der Thiersschen Stadtbefestigung 1840–44 sowie die neuen Pariser Stadtgrenzen von 1860 brachten den Prozess der Integration ins Stadtgefüge zum Abschluss. Das neugegründete 10. Arrondissement wurde zusammengesetzt aus Teilen des alten Montmartre-Bezirks sowie Teilen der alten Bezirke Porte Saint-Denis und Porte Saint-Martin. Die Südflanke des neuen Bezirks bildete nunmehr der östliche Teil der unter Ludwig XIV. errichteten Grands Boulevards mit den beiden Pforten Saint-Denis und Saint-Martin sowie deren Verlängerung nach Osten, die Rue du Faubourg du Temple. Im Norden grenzte der neue Bezirk an die neugeschaffenen Bezirke Montmartre und La Villette.<ref name='1860"'>Siehe Grafik mit alter Arrondissement-Aufteilung bis 1860 Plan des anciens arrondissements de Paris avec leurs quartiers</ref>
Industrialisierung und Urbanisierung prägten das optische Erscheinungsbild einiger Straßenzüge stark. Die Verkehrsführung des Boulevard de la Chapelle am nördlichen Bezirksrand wurde durch die – hier als Hochbahn geführte – Linienführung der Métrolinie 2 in zwei Hälften aufgeteilt. Das spektakuläre Métro-Unglück im Bahnhof von Couronnes 1903 mit 84 Toten ereignete sich zwar im benachbarten 11. Arrondissement. Initiierender Vorfall war allerdings ein Kabel-Schwelbrand auf dem Terrain der Station Boulevard Barbès (heute: Barbès – Rochechouart). Die nur wenige Jahre nach Inbetriebnahme der Pariser Metro stattfindende Katastrophe führte in der Folge zu einigen technischen Modifikationen, in deren Zug die Stromversorgung der einzelnen Métro-Züge dezentraler gestaltet wurde.<ref name="couronnes">Couronnes Métro Disaster 1903, Soundlandscapes' Blog, 3. November 2012 (englisch) und U-Bahn-Unfall vom 10. August 1903 in Paris, loquis.com; beide aufgerufen am 10. Februar 2025</ref>
Im 20. Jahrhundert erlebte das Arrondissement-Gebiet eine anhaltende Zuwanderung. Die Nähe zu den Bahnhöfen machte es zu einem Ankunftsort für Migranten – zunächst aus anderen Teilen Frankreichs und später aus Nordafrika, Subsahara-Afrika sowie anderen Regionen. Diese Entwicklung führte zu einer stark durchmischten Bevölkerung, insbesondere in den westlichen Teilen des Arrondissements rund um den Boulevard de Magenta und die Métro-Station Barbès-Rochechouart.<ref name="faz" /> Während sich das Gebiet um den Canal Saint-Martin zu einem geschäftigen und wohlhabenden Quartier entwickelte, blieben die Viertel um die beiden Faubourg-Straßen im Westen ein bunter Schmelztiegel von Arbeitern, Einwanderern und kleinen Gewerbetreibenden.<ref name="parisinfo">Paris im Überblick Die Arrondissements, parisinfo.de, aufgerufen am 8. Februar 2025</ref>
Im Zweiten Weltkrieg war das Viertel stark betroffen – viele jüdische Bewohner, die vor allem in der Gegend um die Bahnhöfe lebten, wurden deportiert. Als Verlängerung des Marais in nördliche Richtung war das 3. Arrondissement einer jener Pariser Bezirke, die von den Judendeportationen der NS-Besatzung besonders in Mitleidenschaft bezogen wurden.<ref name="shoah">Siehe Judenverfolgung in Frankreich: Das dunkelste Kapitel der französischen Vergangenheit, Léonardo Kahn, deutschlandfunk kultur, 13. Juli 2022, aufgerufen am 10. Februar 2025</ref> Die innerbezirkliche Ausdifferenzierung setzte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fort. Während die Umgebung des Canal Saint-Martin durch Gentrifizierung, kreative Milieus und eine neue Gastronomieszene eine Aufwertung erfuhr, geriet der westliche Teil um die Rue du Faubourg Saint-Denis und Rue du Faubourg Saint-Martin zunehmend in den Hintergrund.<ref name="paris360">10. Arrondissement, paris360.de, aufgerufen am 8. Februar 2025</ref>
Besonders der obere Teil der Rue du Faubourg Saint-Denis wird oft mit baulichen Problemen, versteckter Prostitution und urbaner Vernachlässigung in Verbindung gebracht.<ref name="pariszigzag">Pourquoi la rue Saint-Denis a toujours été liée à la prostitution?, pariszigzag.fr, aufgerufen am 10. Februar 2025 (französisch)</ref> Das auch unter der Bezeichnung „Little India“ bekannte Viertel entwickelte sich zu einem Zentrum für südasiatische Communities. Die Passage Brady etwa ist bekannt für ihre indischen und pakistanischen Restaurants, die Passage du Prado für ihre Mischung aus afrikanischen und nahöstlichen Geschäften.<ref name="spiegel">10. Arrondissement in Paris: Die Welt in einem Stadtteil, spiegel.de, 5. Juli 2016, aufgerufen am 8. Februar 2025</ref> Der zwischenzeitlich weitgehend abgerissene Komplex des Frauengefängnisses Saint-Lazare steht in Resten unter Denkmalschutz und beherbergt mittlerweile die Médiathèque Françoise-Sagan.<ref name="sagan">Médiathèque Françoise Sagan, ekopolis.fr, aufgerufen am 10. Februar 2025 (französisch)</ref>
Viertel im 10. Arrondissement
Das 10. Arrondissement besteht aus den folgenden vier Stadtvierteln:
- Quartier Saint-Vincent-de-Paul
- Quartier de la Porte-Saint-Denis
- Quartier de la Porte-Saint-Martin
- Quartier de l’Hôpital Saint-Louis
Nach der offiziellen Zählung der Pariser Stadtviertel handelt es sich dabei um die Quartiers 37 bis 40.
- Sehenswürdigkeiten, markante Punkte und Plätze
-
Kirche Saint-Vincent-de-Paul
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Kirche Saint-Laurent
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Hôpital Saint-Louis
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Porte Saint-Denis
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Porte Saint-Denis
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Passage Brady
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Canal Saint-Martin
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Gare de l'Est
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Gare du Nord
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Place de la République
Bevölkerung und Verwaltung
Demografische Entwicklung
Den Zahlen des Statistik-Portals citypopulation.de von 2021 zufolge leben in dem 2,89 Quadratkilometer großen Arrondissement 83.543 Einwohner. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 28.908 Personen pro Quadratkilometer. Die Bevölkerungsabnahme zwischen 2015 und 2022 lag mit −1,6 % im für Paris durchschnittlichen Bereich. 41.684 der aufgeführten Bewohner waren männlich, 41.859 weiblich, 13.555 jünger als 18 Jahre, 59.059 zwischen 18 und 65 und 11.158 über 65 Jahre. Die französische Staatsbürgerschaft besaßen 71.370, eine andere 12.173. Als Nichtimmigranten führte die Statistik 66.664 Bewohner auf, als Immigranten 16.679.<ref name="population">Paris 10e arrondissement, citypopulation.de, aufgerufen am 10. Februar 2025</ref>
Die Einwohnerentwicklung ist – wie bei der überwiegenden Mehrzahl der Pariser Arrondissements – von einer deutlichen Zunahme im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, einem Plateau bis in die 1960er Jahre sowie einem deutlichen Rückgang seither geprägt – auch wenn letzterer nicht so deutlich ausfällt wie in einigen bürgerlich geprägten Arrondissements. Der Anstieg vom Zeitpunkt der Eingemeindung bis zur Belle Epoque vollzog sich rasant (113.571 im Jahr 1861; Allzeit-Zenit 159.809 im Jahr 1881). Von 151.161 im Jahr 1911 sank der Einwohnerbestand dann ab bis zu 113.372 im Jahr 1968, und von da an auf 89.612 im Jahr 1999. Seit Mitte der 2010er-Jahre hat sich die Rückläufigkeit – siehe letzter Abschnitt – auf einen Durchschnittswert von −1,6 % eingepegelt.<ref name="demographia">Paris Arrondissements: Post 1860 Population & Population Density, demographia.com, aufgerufen am 10. Februar 2025 (englisch)</ref>
Bei der Bevölkerungsverteilung rangieren die vier Quartiere des Arrondissements grob gleichwertig. Mit 26.940 Einwohnern ist die Einwohneranzahl des Quartier l’Hôpital Saint-Louis zwar deutlich die höchste. Allerdings korrespondiert sie mit der größten nicht durch Bahnanlagen beeinträchtigten Nutzfläche. Die Quartierszahlen im Überblick:<ref name="population" />
- Saint-Vincent-de-Paul: 20.216 Einwohner
- Porte-Saint-Denis: 15.116 Einwohner
- Porte-Saint-Martin: 21.267 Einwohner
- l’Hôpital Saint-Louis: 26.940 Einwohner
Rathaus und Bürgermeisteramt
Das Rathaus des 10. Arrondissements befindet sich in 72 rue du Faubourg Saint-Martin. Bürgermeisterin ist seit 2017 die Sozialistin Alexandra Cordebard.<ref>Alexandra Cordebard — 10e arrondissement — Groupe socialiste et apparentés. In: Website der Stadt Paris. 23. Mai 2018, abgerufen am 11. Juni 2018.</ref>
Sehenswürdigkeiten
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- Kirche St. Vincent-de-Paul (Kirche von Vinzenz von Paul)
- Kirche Saint-Laurent
- Canal Saint-Martin
- Porte Saint-Denis
- Porte Saint-Martin
- ehemaliges Rekollektenkloster Couvent des Récollets
- Passage Brady (überdachte Passage)
- Passage du Prado (überdachte Passage)
- Théâtre Antoine – Simone-Berria
- Kleinstes Haus von Paris
Infrastruktur
- Gare de l’Est
- Gare du Nord
- Hôpital Saint-Louis
- Hôpital Lariboisière
- Hôpital Fernand-Widal
- Hôpital Saint-Lazare
- Prison Saint-Lazare (Gefängnis Saint-Lazare, mittlerweile geschlossen)
Brücken über den Canal Saint-Martin
- Pont de la rue Louis-Blanc
- Passerelle Bichat
- Pont tournant de la Grange-aux-Belles
- Passerelle Richerand
- Passerelle Alibert
- Pont tournant de la rue Dieu
- Passerelle des Douanes
Wichtige Straßen
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- Place de la République
- Boulevard de Magenta
- Boulevard de la Chapelle
- Boulevard Saint-Martin
- Boulevard Saint-Denis
- Boulevard de Strasbourg
Berühmte Einwohner
- Der Maler Jean-Baptiste Camille Corot hatte sein Atelier in der rue de Paradis 58 und wohnte in Nummer 56 der rue du Faubourg Poissonnière.
- Vinzenz von Paul wohnte im Haus Saint-Lazare (107 rue du Faubourg-Saint-Denis) im Jahre 1632, dort gründete er die Congrégation de la Mission, wo er predigte und im Jahre 1660 starb.
- Louis Antoine Fauvelet de Bourrienne, Privatsekretär von Napoleon Bonaparte, wohnte in der rue d’Hauteville.
- Der Schriftsteller Rémy de Gourmont wohnte zwischen 1880 und 1887 in 41 rue d’Hauteville.
- Der Maler Eduard Clemens Fechner wohnte bis zu seinem Tode 1861 in der 92 rue d’Hauteville.
Literarische Bedeutung
Der Nestor-Burma-Roman M’as-tu vu en cadavre? (dt. Wie steht mir Tod?) von Léo Malet spielt im 10. Arrondissement.
Literatur
- Thomas Clerc: Paris, musée du XXIe siècle – Le dixième arrondissement. Éditions Gallimard (Reihe: l’arbalète gallimard), Paris 2007, ISBN 978-2-07-078485-1.
Weblinks
- www.mairie10.paris.fr Offizielle Website des Arrondissement
- www.parisbalades.com Detaillierte Beschreibung des Arrondissement
Einzelnachweise
<references />
1. (Louvre) | 2. (Bourse) | 3. (Temple) | 4. (Hôtel de Ville) | 5. (Panthéon) | 6. (Luxembourg) | 7. (Palais Bourbon) | 8. (Élysée) | 9. (Opéra) | 10. (Entrepôt) | 11. (Popincourt) | 12. (Reuilly) | 13. (Gobelins) | 14. (Observatoire) | 15. (Vaugirard) | 16. (Passy) | 17. (Batignolles-Monceaux) | 18. (Buttes-Montmartre) | 19. (Buttes-Chaumont) | 20. (Ménilmontant)
1. Sektor (Paris Centre) (Verwaltungsbezirk für die Arrondissements 1 bis 4)