Schotterflug
Als Schotterflug wird im Bahnverkehr das Hochwirbeln von Schottersteinen aus dem Gleisbett bezeichnet. Verursacht wird Schotterflug durch den bei hohen Geschwindigkeiten am Unterboden von Schienenfahrzeugen auftretenden Staudruck zusammen mit einem auslösenden Ereignis, wie beispielsweise der Aufprall von abgelösten Eismassen in das Schotterbett.<ref>Angekündigter Wintereinbruch. Deutsche Bahn, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. Januar 2016; abgerufen am 8. Januar 2025.</ref> Ungeschützte Komponenten von Schienenfahrzeugen können beim Anprall der aufgewirbelten Schottersteine beschädigt werden. Zum Schutz gefährdeter Teile werden diese beispielsweise in Gehäusen verbaut oder mit Windleitblechen und Schlagschutzbeschichtungen<ref>Schutz vor Schotterflug. In: WELT. 15. Dezember 2013, abgerufen am 8. Januar 2025 (Radsätze mit Schlagschutzbeschichtung).</ref> versehen.
Schotterflug tritt nur beim Hochgeschwindigkeitsverkehr mit Geschwindigkeiten über 200 km/h auf. Er wird begünstigt durch hohe Schotterschüttungen und geringe Korngrößen.<ref name="ei-56-82">Christoph Müller: ICE 3: Nun auch in Frankreich. In: Der Eisenbahningenieur, Jahrgang 56 (2005), Heft 11, S. 82–84.</ref> Schotterflug lässt sich vermeiden durch:
- Reduzieren der Fahrgeschwindigkeit
- Verdichten und Absenken des Schotters unter das Bahnschwellenniveau („Tieferkehren“) und Aufsammeln freiliegender Steine<ref name="Spiegel">Christian Wüst: Steinschlag von unten. In: Der Spiegel. 4. September 2005, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 8. Januar 2025]).</ref><ref name="rv-2020-2-52">Steiniger Weg. In: Regionalverkehr. Band 23, Nr. 2, März 2020, ISSN 1615-7281, S. 48–52.</ref>
- Verkleben der oberen Schotterschichten mit speziellen Klebstoffen
- Umbau des Schotterbetts in eine feste Fahrbahn
Der Effekt wurde unter anderem 2003 bei mehreren Testfahrten des ICE 3M in Frankreich und Belgien beobachtet und die Ursachen in eingehenden Untersuchungen ermittelt.<ref name="eri-2005-514">Frank Panier: Zulassung des ICE 3 in Frankreich – die praktische Erprobung. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 11/2005, S. 514–517.</ref> Das Phänomen trat in Deutschland selbst bei sehr hohen Geschwindigkeiten nicht auf, wie beispielsweise der ICE-Weltrekordfahrt am 1. Mai 1988 (406,9 km/h), da die Deutsche Bahn den Schotter unter die Schwelle absenkt.<ref name="Spiegel" /> Auch im Hinblick auf erwogene Geschwindigkeitserhöhungen auf bis zu 300 km/h auf Schnellfahrstrecken mit Schotteroberbau gilt aerodynamisch induzierter Schotterflug als unwahrscheinlich.<ref name="ei-2024-05-23">Hannes Lorenz Naumann, Peter Reinhart, Michael Schedel: (Bis zu) 300 km/h auf „alten“ Schnellfahrstrecken. In: Der Eisenbahningenieur. Band 75, Nr. 5, Mai 2024, ISSN 0013-2810, S. 23–28 (PDF).</ref>
Infolge eines Wintereinbruchs in Frankreich wurden ab 23. Januar 2019 mehrere Triebzüge der Baureihe 407 durch Schotterflug auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Paris und Straßburg erheblich beschädigt. Zeitweise waren 10 von 17 Triebzügen nicht mehr einsatzfähig.<ref name="eri-2019-156">Schotterflug in Frankreich beschädigt ICE-Züge. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 3, März 2019, ISSN 1421-2811, S. 156.</ref>
Literatur
- Bernhard Knoll: Eisabwurf und Schotterflug im Winter - ein Problem für Infrastrukturbetreiber und Eisenbahnverkehrsunternehmen. Präsentation zu Fachvortrag. Hrsg.: ÖBB Infra. (oevg.at [PDF]).
Einzelnachweise
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