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Dischwefeldichlorid

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Strukturformel
Struktur von Dischwefeldichlorid
Allgemeines
Name Dischwefeldichlorid
Andere Namen
  • Chlorschwefel
  • Dichlordisulfan
  • halb Chlorschwefel (veraltet)
  • Schwefel(I)-chlorid
  • Schwefelchlorür<ref></ref>
  • Schwefelmonochlorid
Summenformel S2Cl2
Kurzbeschreibung

goldgelbe Flüssigkeit mit üblem Geruch<ref name="GESTIS" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 233-036-2
ECHA-InfoCard 100.030.021
PubChem 24807
DrugBank DB14647
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 135,04 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig<ref name="GESTIS" />

Dichte

1,69 g·cm−3 (20 °C)<ref name="GESTIS" />

Schmelzpunkt

−80 °C<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Siedepunkt

138 °C<ref name="GESTIS" />

Dampfdruck

9,2 hPa (20 °C)<ref name="GESTIS" />

Löslichkeit
  • heftige Zersetzung mit Wasser<ref name="GESTIS" />
  • löslich in Ethanol und Diethylether<ref name="merck" />
Brechungsindex

1,658 (20 °C)<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.030.021">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 301+331​‐​314​‐​400
EUH: 014​‐​029
P: 261​‐​273​‐​280​‐​303+361+353​‐​304+340+310​‐​305+351+338<ref name="GESTIS" />
MAK
Toxikologische Daten

131 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="merck" />

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Dischwefeldichlorid ist eine anorganische chemische Verbindung aus der Gruppe der Schwefelchloride, die vor allem als Sulfidierungs- und Chlorierungsmittel eingesetzt wird.

Herstellung

S2Cl2 wird erzeugt durch Chlorierung von elementarem Schwefel:<ref>F. Fehér in: G. Brauer (Hrsg.), Handbuch der Präparativen Anorganischen Chemie, 3. Auflage, Band 1, F. Enke Verlag, Stuttgart, 1975, S. 380–381.</ref>

<chem>S8 + 4Cl2 -> 4S2Cl2</chem> (ΔH = −58,2 kJ/mol S2Cl2)

Mit überschüssigem Chlor reagiert das Produkt in Gegenwart von Eisenchloriden weiter zu Schwefeldichlorid:

<chem>S2Cl2 + Cl2 -> 2SCl2</chem> (ΔH = −40,6 kJ/mol)

Praktisch erfolgt die Herstellung durch Einleiten von Chlor in geschmolzenen Schwefel und anschließende fraktionierte Destillation.<ref name="Roempp" /> Industriell erfolgt die Chlorierung kontinuierlich bei 240 °C. Das Nebenprodukt Schwefeldichlorid wird durch Erhitzen zum Rückfluss unter Zugabe von Schwefel in Dischwefeldichlorid überführt.

Eigenschaften

Datei:Дитиодихлорид.jpg
Eine Flasche gefüllt mit Dischwefeldichlorid

Physikalische Eigenschaften

Dischwefeldichlorid ist eine klare goldgelbe, rauchende, ölige Flüssigkeit mit einem durchdringenden erstickenden Geruch, die sich in Kohlenstoffdisulfid löst<ref name="Roempp">Eintrag zu Schwefelchloride. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref> und bei Normaldruck bei 138 °C siedet. Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach Antoine entsprechend log10(P) = A−(B/(T+C)) (P in bar, T in K) mit A = 4,0648, B = 1417,43 und C = −61.685 im Temperaturbereich von 266 bis 411 K.<ref>D. R. Stull: Vapor Pressure of Pure Substances Organic Compounds in Ind. Eng. Chem. 39 (1947) 517–540, doi:10.1021/ie50448a022.</ref> Die Wärmekapazität beträgt bei 25 °C 124,3 J·mol−1·K−1 bzw. 0,92 J·g−1·K−1.<ref>M. W. Chase, Jr., NIST-JANAF Themochemical Tables, Fourth Edition, J. Phys. Chem. Ref. Data, Monograph 9, 1998, 1-1951.</ref> Es besitzt eine Viskosität von 0,9 mPa·s bei 20 °C.<ref name="merck">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei MerckVorlage:Abrufdatum</ref>

Chemische Eigenschaften

Die Verbindung reagiert mit Wasser zu einer Vielzahl von Produkten wie Schwefel, Chlorwasserstoff, Schwefeldioxid, Schwefelwasserstoff und Thiosulfat. In Dischwefeldichlorid können bei Raumtemperatur bis zu 67 % Schwefel gelöst werden,<ref name="Roempp" /> wobei dieser beim Erwärmen teilweise unter Ausbildung von kettenförmigen Chlorsulfanen SnCl2 mit n > 2 eingebaut wird.<ref>L. Kolditz: Anorganische Chemie. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1983, S. 469.</ref>

Dischwefeldichlorid ist ein Sulfidierungs- und Chlorierungsmittel, das sich einerseits wie gelöstes Chlor verhält, andererseits aber mit einer Vielzahl (organischer) Verbindungen Kohlenstoff-Schwefel-Bindungen ausbildet.

In der organischen Synthesechemie dient es als Reagenz zur Herstellung verschiedener schwefelhaltiger organischen Verbindungen. So können Thioketone und Thioaldehyde durch die Umsetzung mit Hydrazonen erhalten werden. Die Additionsreaktion an Alkene ergibt über primäre Additionszwischenprodukte die entsprechenden Episulfide. Über Substitutionsreaktionen mit Aromaten können Disulfide gewonnen werden. Durch die Umsetzung mit Oximen sind heterocyclische Verbindungen des Typs der Dithiazole zugänglich.<ref name="eEROS">e-EROS Encyclopedia of Reagents for Organic Synthesis, 1999–2013, John Wiley and Sons, Inc., Eintrag für Disulfur Dichloride, abgerufen am 25. Juli 2017.</ref>

Verwendung

Dischwefeldichlorid wird industriell verwendet zur Herstellung von:

Es dient auch als Katalysator bei Chlorierungsreaktionen, z. B. Chlorierung von Essigsäure.

Sicherheitshinweise

Dischwefeldichlorid ist ein Ausgangsstoff zur Herstellung von chemischen Kampfstoffen und steht deshalb unter Ausfuhrkontrolle.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ausfuhrkontrolle (Memento vom 10. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref>

Weblinks

Commons: Disulfur dichloride – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />