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Naegleria fowleri

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Naegleria fowleri
Datei:Naegleria trophA.JPG

Naegleria fowleri

Systematik
ohne Rang: Discoba
ohne Rang: Discicristata
ohne Rang: Heterolobosea
ohne Rang: Tetramitia
Gattung: Naegleria
Art: Naegleria fowleri
Wissenschaftlicher Name
Naegleria fowleri
Carter, 1970

Naegleria fowleri ist ein amöbenähnlicher Rhizopode (Wurzelfüßer), der als fakultativer (nicht auf einen Wirt angewiesener) Parasit den Menschen befallen kann. In manchen Medien wird die Art auch „hirnfressende Amöbe“ genannt.<ref>Was Sie über "hirnfressende" Amöben wissen sollten – DW – 04.08.2023. Abgerufen am 18. September 2023.</ref>

Merkmale

Als Trophozoit hat Naegleria Ähnlichkeit mit Amöben, da sie sich mit Pseudopodien (Scheinfüßchen) fortbewegt. Fällt jedoch der Elektrolytwert der Umgebung, so bildet die Zelle Geißeln aus, mit denen sie aus dem ungünstigen Milieu fliehen kann. Der Trophozoit hat eine Größe von bis zu 30 Mikrometer, seine Cysten nur bis 15 Mikrometer.

Lebenszyklus

Datei:Naegleria (formes).png
Stadien von Naegleria fowleri

Naegleria fowleri bildet Kolonien aus, in denen mehrere Hundert Trophozoiten zusammen leben. Sie ernähren sich hauptsächlich von Bakterien und Detritus (abgestorbenen Pflanzen).

Verbreitung

Naegleria fowleri ist auf der ganzen Welt verbreitet, mit Schwerpunkten in Australien, USA und Frankreich. Da N. fowleri auf Feuchtigkeit angewiesen ist, kommt sie vor allem im feuchten Erdreich und in stehenden Gewässern vor. Sie kann sich optimal in warmen Gewässern ausbreiten und bildet dort kleinere Kolonien. Ihr Vorkommen ist daher meistens noch auf Schwimmbäder, Badeseen und Industrieabwässer beschränkt. Aufgrund des Klimawandels gehen Experten davon aus, dass sich ihr Vorkommen in Zukunft weiter verbreiten wird. Es wird vor neuen Risiken, auch für Deutschland, gewarnt.<ref>Hirnfressende Amöben breiten sich aus - Gefahr wächst durch Klimawandel. In: n-tv.de. 5. Februar 2026, abgerufen am 5. Februar 2026.</ref>

Pathogenität

Datei:Méningo-encéphalite amibienne primitive.JPG
Histopathologie der Amöben-Meningoenzephalitis.

Wenn Trophozoiten, etwa beim Schwimmen, in die Nase eines Menschen gelangen, können sie entlang des Riechnervs ins Gehirn vordringen und dort eine eitrige Hirnhautentzündung hervorrufen, die Primäre Amöben-Meningoenzephalitis ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), PAM oder PAME), auch als Naegleriasis beziehungsweise Schwimmbadamöbose bezeichnet. Davon sind vorwiegend Kinder und junge Erwachsene betroffen. PAME kann innerhalb von drei bis sieben, spätestens nach 14 Tagen nach der Infektion plötzlich ausbrechen. Nach massivem Auftreten von Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Nackensteifheit kommt es zu einer pyogenen Meningoenzephalitis, gefolgt von Koma und dem Tod innerhalb einer Woche. Nur in wenigen Fällen konnte eine frühzeitige Behandlung den Tod verhindern. Die CDC empfehlen, Infizierte mit dem Wirkstoff Miltefosin zu behandeln.<ref>Parasites: Naegleria fowleri: Treatment. Webseite der CDC, 4. April 2019, abgerufen am 27. September 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zur Behandlung von Infektionen mit weiteren Naegleria-Arten steht auch Amphotericin B, ggf. in Kombination mit Rifampicin, zur Verfügung.<ref>Marianne Abele-Horn u. a.: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 293.</ref>

Von 1962 bis 2024 wurden in den USA 167 Infektionsfälle<ref>Naegleria fowleri Infections. bei CDC, abgerufen am 24. Juli 2025.</ref> bekannt, von denen nur vier überlebten.<ref name="nyt">Jacey Fortin: Man Dies of ‘Brain-Eating’ Amoeba After Swimming in Lake. In: New York Times. 25. Juli 2019.</ref><ref>L. G. Capewell, A. M. Harris, J. S. Yoder, J. R. Cope, B. A. Eddy, S. L. Roy, G. S. Visvesvara, L. M. Fox, M. J. Beach: Diagnosis, clinical course, and treatment of primary amoebic meningoencephalitis in the United States, 1937–2013. In: J Pediatric Infect Dis Soc. Band 4, Nr. 4, 23. Oktober 2014, S. e68–e75, doi:10.1093/jpids/piu103.</ref>

Beispiele (weltweit):

In Endemiegebieten sind bei vielen Jugendlichen spezifische Antikörpertiter nachweisbar, was ein Hinweis darauf ist, dass viele Naegleria-Infektionen symptomlos verlaufen.

Eine Vorbeugung kann durch Desinfektion von Schwimmbädern und Meidung von Abwässern und Flachwässern vor allem in wärmeren Gebieten erfolgen. Auch Nasenklammern beim Schwimmen können einer Infektion vorbeugen.<ref>Facts About Naegleria fowleri and Primary Amebic Meningoencephalitis, Informationsblatt der CDC</ref> Es gibt keine gesetzlichen Regelungen (wie Meldepflicht) für diese Krankheit. Die Diagnose kann durch Nachweis schnell beweglicher Amöben im Liquor erfolgen.

Fallzahlen

Mitte September 2025 wurde ein Anstieg der jährlichen Fälle im indischen Bundesstaat Kerala auf 72 berichtet. Weltweit wurden ab 1962 bis dato knapp 550 Infektionsfälle gemeldet. Diese liegen vor allem in den USA, Indien, Pakistan und Australien.<ref>Behörden alarmiert – Schon 19 Tote: Alarm wegen "hirnfressender Amöben". In: oe24.at. 18. September 2025, abgerufen am 24. September 2025.</ref>

Infektionswege und Prävention

Datei:Nfowleri LifeCycle.gif
Beispiele für potenzielle Infektionswege, die vermieden werden sollten, Grafik der Centers for Disease Control and Prevention.

Als empfohlene Maßnahme zur Prävention gelten all jene Schritte, die dazu führen, dass die Infektion vermieden wird. Hierzu empfiehlt es sich, den Aufenthalt in nicht regelmäßig gesäuberten Gewässern sowie Nasenduschen mit verunreinigtem Wasser zu vermeiden.

Gegenspieler

In der Kläranlage in Klosterneuburg () bei Wien fanden Wissenschaftler der Universität Wien ein Naegleriavirus (NiV) genanntes Riesenvirus aus der Mimiviridae-Unterfamilie Klosneuvirinae (Klosneuviren), vorgeschlagene Gattung „Catovirus“. NiV-Partikel werden von Naegleria fowleri als vermeintliche Nahrung aufgenommen und können dann die Amöbenzellen binnen Stunden zerstören.<ref name="Arthofer2024" />

Namensherkunft

Die Gattung Naegleria ist nach dem deutschen Protozoologen Kurt Nägler benannt.<ref name="DeJonckheere" />

Der Artnamenzusatz fowleri verweist auf den australischen Pathologen Malcolm Fowler vom Adelaide Children's Hospital, der Erstautor der ursprünglichen Fallberichtsserie (British Medical Journal, ab 1965) über PAM war.<ref name="Fowler1965" /><ref name="samhs" />

Literatur

  • S. C. Parija, S. R. Jayakeerthee: Naegleria fowleri. A free living amoeba of emerging medical importance. In: The Journal of Communicable Diseases. Bd. 31, Heft 3, 1999, S. 153–159, ISSN 0019-5138 PMID 10916609.

Weblinks

Commons: Naegleria fowleri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="CDC2025"> Olivia A. Smith, Whitney Tillman, Jantel B. Lewis, Stephen White, Mia Mattioli, Julia Haston, Megan Dorris, Amy Kahler, Alexis Roundtree, Ibne Karim Ali, Shantanu Roy, Taylor Yakubik, Lauren Sisco, Jasen Kunz: Notes from the Field: Primary Amebic Meningoencephalitis Associated with Nasal Irrigation Using Water from a Recreational Vehicle — Texas, 2024. In: CDC: Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR), Band 74, Nr. 19, 29. Mai 2025, S. 334–335; MMWR:7419a4 (englisch). Dazu:

</ref> <ref name="samhs"> Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig The discovery of amoebic meningitis in Northern Spencer Gulf towns.] In: samhs.org. South Australian Medical Heritage Society Inc, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 7. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung </ref> <ref name="Arthofer2024"> Patrick Arthofer, Florian Panhölzl, Vincent Delafont, Alban Hay, Siegfried Reipert, Norbert Cyran, Stefanie Wienkoop, Anouk Willemsen, Ines Sifaoui, Iñigo Arberas-Jiménez, Frederik Schulz, Jacob Lorenzo-Morales, Matthias Horn: A giant virus infecting the amoeboflagellate Naegleria. In: Nature Communication, Band 15, Nr. 3307, 24. April 2024; doi:10.1038/s41467-024-47308-2 (englisch). Dazu:

</ref> <ref name="DeJonckheere"> Johan F. De Jonckheere: What do we know by now about the genus Naegleria? In: Experimental Parasitology, Band 145, November 2014, Supplement S. 2–9; doi:10.1016/j.exppara.2014.07.011, PMID 25108159 (englisch). </ref> <ref name="Fowler1965"> Malcolm Fowler, R. F. Carter: Acute pyogenic meningitis probably due to Acanthamoeba sp.: a preliminary report. In: BMJ. Band 2, Nr. 5464, September 1965, S. 740–742; doi:10.1136/bmj.2.5464.734-a, PMC 1846173 (freier Volltext), PMID 5825411 (englisch). </ref> </references>