Zum Inhalt springen

Burkhard Garweg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 8. April 2026 um 06:41 Uhr durch imported>Sokrates 399 (Typografie (braucht keine Versalien -> Wikipedia:Rechtschreibung#Groß-_und_Kleinschreibung)).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Burkhard Maria Heimfried Garweg<ref>Burkhard Garweg. 1. September 1968, abgerufen am 3. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> (* 1. September 1968 in Bonn<ref>Garweg, Burkhard. Fahndungshinweis. In: BKA.de. 18. Mai 2016. Dieselben Angaben bei Butz Peters: Tödlicher Irrtum. Die Geschichte der RAF. Argon, Berlin 2004, S. 709.</ref>) gilt als deutsches ehemaliges Mitglied der linksextremistischen Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF). Nach ihm wird international gefahndet.

Leben

Als er sechs Jahre alt war, zog Garweg mit seinen Eltern von Bonn nach Hamburg, wo er seine Jugend verbrachte. Sein Vater Gerhard Garweg war bis 1982 Professor der Anatomie an der Universität Hamburg und dann niedergelassener Arzt in Hamburg.<ref name="DZ 10.10.24">Anne Kunze, Der Therapeut, DIE ZEIT vom 10. Oktober 2024, S. 16.</ref><ref>Vater von Burkhard Garweg ist tot. In: spiegel.de. 14. Oktober 2024, abgerufen am 15. Oktober 2024.</ref><ref>Garweg, Gerhard. In: Universität Hamburg. Abgerufen am 3. Dezember 2024.</ref> Er hat fünf Geschwister.<ref>79-jähriger Hausarzt springt in die Bresche. In: AerzteZeitung.de. (aerztezeitung.de [abgerufen am 18. Juni 2025]).</ref> 1987 brach er die Schule ab und begann, sich in der linken Hausbesetzer-Szene der Hamburger Hafenstraße zu bewegen,<ref>Butz Peters: Tödlicher Irrtum. Die Geschichte der RAF. Argon, Berlin 2004, S. 709.</ref> in der er sich laut dem Journalisten Michael Sontheimer radikalisierte.<ref>Michael Sontheimer: Spur zur RAF: Überfall aus dem revolutionären Ruhestand. In: Spiegel Online, 19. Januar 2016.</ref> Um die Jahreswende 1989/90 ging er in den Untergrund und schloss sich vermutlich der dritten Generation der RAF an.<ref>Sie werden noch immer gesucht. In: Die Welt, 4. Februar 2007.</ref> Die Bundesanwaltschaft wirft Garweg die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor.<ref>Philipp Wittrock: Weiterstadt-Anschlag: Ermittler suchen RAF-Trio. In: Spiegel Online, 24. Oktober 2007.</ref>

Verdacht auf Überfälle und Anschläge

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass Garweg 1993 am Sprengstoffanschlag gegen die JVA Weiterstadt beteiligt war, zusammen mit Daniela Klette, Ernst-Volker Staub und anderen. Das gab sie im Oktober 2007 bekannt. An einer am Tatort in Weiterstadt gefundenen Strickleiter wurden DNA-Spuren von Klette, Staub und einer bisher nicht identifizierten Person gefunden. Bei ihr könnte es sich nach Ansicht der Bundesanwaltschaft um Garweg handeln.<ref>Weiterstadt: Täter des letzten RAF-Anschlags identifiziert. In: Der Spiegel. 24. Oktober 2007, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 9. April 2024]).</ref><ref>Weiterstadt: Letzter RAF-Anschlag scheint aufgeklärt - WELT. 3. Februar 2016, abgerufen am 9. April 2024.</ref><ref>Stefan Otto: Das Nichts nach dem Knall. Abgerufen am 9. April 2024.</ref>

Bei einem missglückten Überfall auf einen Geldtransport im Juni 2015 in Groß Mackenstedt bei Bremen wurden neben DNA-Spuren Garwegs auch solche von Staub und Klette gefunden.<ref>Spuren nach Raubüberfall führen zu RAF-Mitgliedern. In: Zeit Online, 18. Januar 2016.</ref> Das Amtsgericht Verden (Aller) erließ deshalb gegen die drei Personen Haftbefehl wegen des Verdachts des versuchten Mordes und versuchten schweren Raubes. Auch bei einem weiteren gescheiterten Überfall auf einen Geldtransport in Wolfsburg im Dezember 2015 wurde DNA der drei Genannten gefunden. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Verden und des Juristen und Publizisten Butz Peters hatten die Taten keinen terroristischen Hintergrund, sondern sollten der Finanzierung des Lebens im Untergrund dienen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Überfall auf Geldtransporter in Stuhr – drei ehemalige Mitglieder der RAF verdächtig. Keine Hinweise auf terroristischen Hintergrund. (Memento vom 19. Januar 2016 im Internet Archive) Pressemitteilung. In: Staatsanwaltschaften.Niedersachsen.de, 19. Januar 2016; <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Überfälle auf Geldtransporter führen zu RAF-Mitgliedern (Memento vom 19. Januar 2016 im Internet Archive) In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 18. Januar 2016 (aktualisiert am 19. Januar 2016; DPA-Meldung).</ref><ref>DPA: Ex-RAF offenbar weiter aktiv, in: Süddeutsche Zeitung, 28. Mai 2016, S. 7.</ref>

Fahndung

Garweg ist neben Staub die zweite nach der Festnahme von Daniela Klette im Februar 2024 verbliebene Person, nach der im Zusammenhang mit der RAF bis heute steckbrieflich gefahndet wird. Seit 2015 wurde die öffentliche Fahndung nach ihnen deutlich intensiviert,<ref>Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof: Pressemitteilung 2/2016: Ermittlungsverfahren gegen Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette. In: generalbundesanwalt.de. 19. Januar 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. August 2016; abgerufen am 4. Juli 2016.</ref> von Mai bis August 2020 EU-weit mittels eumostwanted.eu.<ref>RAF-Trio Staub, Klette, Garweg auf Liste der meistgesuchten Verbrecher Europas. In: spiegel.de. Abgerufen am 3. Mai 2020.</ref> Für entscheidende Hinweise, die zu einer rechtskräftigen Verurteilung von Garweg und Staub führen, ist eine Belohnung von bis zu 150.000 € ausgesetzt.<ref>Fahndung LKA Niedersachsen</ref><ref>Sebastian Stoll: (S+) Suche nach RAF-Verdächtigen; Darum geht es bei einem Kopfgeld – und das sind Ihre Aussichten, es zu kassieren. In: Der Spiegel. 13. März 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 14. März 2024]).</ref>

Im Jahr 2023 durchsuchte die Polizei Immobilien in Garwegs familiären Umfeld und stellte dabei Datenträger, Mobiltelefone und Briefe sicher, die Garweg zugeordnet werden.<ref>Vermutlich Briefe von Burkhard Garweg gefunden: Post vom ehemaligen RAF-Mann? In: Der Spiegel. 31. März 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 31. März 2023]).</ref> Anfang Februar 2024 startete die Polizei erneut eine Öffentlichkeitsfahndung. So wurde in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst am 14. Februar 2024 der Fahndungsaufruf gezeigt. Bis zum 23. Februar gingen rund 250 Hinweise bei der Staatsanwaltschaft Verden ein, von denen fünf die höchste Priorität beigemessen wurde. Die Fahndung wurde international ausgeweitet.<ref>150.000 Euro Belohnung: Ermittler hoffen auf Hinweise zu RAF-Terroristen. In: NDR. Abgerufen am 11. Februar 2024.</ref> Als die Polizei am 26. Februar 2024 in Berlin Daniela Klette festnahm, gelang es ihr nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch, Garweg per Handynachricht über ihre Festnahme zu informieren.<ref>Daniela Klette: Ex-RAF-Terroristin soll Burkhard Garweg gewarnt haben. In: Der Spiegel. 13. März 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 13. März 2024]).</ref> Wenige Tage nach der Festnahme von Klette veröffentlichte die Polizei neue Fahndungsbilder von Garweg, die aus der Wohnung von Klette stammten.<ref>LKA-NI: Fahndung nach Burkhard Garweg - aktuelle Bilder. Presseportal, 2. März 2024, abgerufen am 2. März 2024.</ref> Sie durchsuchte ein Industriegelände am Markgrafendamm im Berliner Stadtteil Friedrichshain, auf dem Garweg in einem alten Bauwagen eine Zeit lang unter den Decknamen Martin Bäcker, Martin Becker, Martin Martens, Martin von Staden und Jens<ref>Lea Busch, Antonius Kempmann, NDR, Martin Kaul WDR: Wie die mutmaßliche RAF-Terroristin Klette im Untergrund lebte. Abgerufen am 12. März 2025.</ref> gelebt haben soll.<ref>RAF-Terrorist auf der Flucht – das ist über Burkhard Garweg bekannt. 4. März 2024, abgerufen am 4. März 2024.</ref><ref>Hannah Knuth: RAF: Sie nannten ihn den „Schatzi Martin“. In: Die Zeit. 11. März 2024, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 11. März 2024]).</ref><ref>Aliaspersonalien und Hundenamen: Ermittler veröffentlichen neue Hinweise zu Ex-RAF-Terroristen Garweg und Staub. In: NDR. Abgerufen am 27. März 2024.</ref> Nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes Niedersachsen betrieb Garweg in dem Bauwagen eine Werkstatt zum Fälschen von Dokumenten. Entsprechende Geräte und Werkzeuge wurden beschlagnahmt.<ref>RAF-Fahndung: Fälscherwerkstatt in Garwegs Bauwagen entdeckt bei ndr.de vom 13. März 2024</ref> Zudem wurde eine Wohnung in Friedrichshain durchsucht, zu der er mutmaßlich Zugang hatte, weil er dort eine Seniorin im Alltag unterstützt haben soll.<ref>Jonah Lemm, Elisa Schwarze: (S+) Burkhard Garweg: Ex-RAF-Terrorist kümmerte sich offenbar um eine ältere Dame. In: Der Spiegel. 6. März 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 6. März 2024]).</ref><ref>Fahndung nach Ex-RAF-Terroristen: Berliner Polizei durchsucht weitere Wohnung – keine Festnahmen. In: Der Spiegel. 4. März 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 4. März 2024]).</ref>

Am 11. September 2024 thematisierte die ZDF-Sendung Aktenzeichen XY erneut die Fahndung nach Garweg. Dabei wurde ein kurzes, mit einem Mobiltelefon aufgenommenes Video, abgespielt. Darin wünscht ein Mann, bei dem es sich um Garweg handeln soll, einer unbekannten Frau namens Karin Erfolg für eine Prüfung.<ref>Neue Hinweise zu Ex-RAF-Terrorist Garweg. In: tagesschau.de. 12. September 2024, abgerufen am 12. September 2024.</ref>

Ende Dezember 2024 verschickte Garweg einen achtseitigen Brief aus dem Untergrund, in dem er auch über die RAF, die Festnahme seiner mutmaßlichen Komplizin Klette und anderes schreibt. Mit dem Schreiben wandte er sich laut taz an seine Familie, an frühere Bekannte, an den Wagenplatz, an „Genoss*innen“. Er sehe sich als politischen Aktivisten und als Teil einer „revolutionären Linken“. RAF-Terroristen wie Ulrike Meinhof und Sigurd Debus stellte er in eine Reihe mit Personen wie Thomas Müntzer, Georg Elser, Che Guevara und Nelson Mandela.<ref>Konrad Litschko: Exklusiv: RAF-Verdächtiger Garweg: Meldung aus dem Untergrund. In: Die Tageszeitung: taz. 20. Dezember 2024, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 20. Dezember 2024]).</ref> Im März 2025 meldete sich Garweg mit einem weiteren Brief aus dem Untergrund, in dem er die Geschichte der RAF auch als eine Geschichte strategischer und taktischer Fehler bezeichnete.<ref>nd - Journalismus von links: Burkhard Garweg: Welt bewegt sich auf Kipppunkt zu. Abgerufen am 19. Mai 2025.</ref><ref>n-tv Nachrichten: Früherer RAF-Terrorist Garweg meldet sich per Brief aus dem Untergrund. Abgerufen am 12. März 2025.</ref>

Literatur

  • Butz Peters: Tödlicher Irrtum. Die Geschichte der RAF. 2. Auflage. Argon-Verlag, Berlin 2004, ISBN 978-3-87024-673-0, S. 709.

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive />

Vorlage:Hinweisbaustein