Dieter Salomon
Dieter Klaus Salomon (* 9. August 1960 in Melbourne, Australien) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen). Von 2002 bis 2018 war er Oberbürgermeister der Stadt Freiburg im Breisgau.<ref>Wahlergebnis</ref> Zuvor war er ab 1992 Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg für die Grünen sowie ab 2000 deren Fraktionsvorsitzender.
Leben
Salomons Großvater war mit seiner dritten Ehefrau und seinen acht Kindern nach Australien ausgewandert. Eines dieser Kinder war Salomons Mutter, die dort seinen Vater kennenlernte. Der Hesse war mit einem Dachdeckerunternehmen ebenfalls nach Australien gekommen und arbeitete später als Schaffner bei der Straßenbahn sowie bei Volkswagen.<ref name="kirk">Gerhard M. Kirk: Freiburg: OB-Wahl: Dieter Salomon gewährt Einblicke ins Fotoalbum, Badische Zeitung vom 31. März 2010, Zugriff am 28. Dezember 2010</ref>
Als Salomon drei Jahre alt war, zog die Familie nach Missen bei Immenstadt im Allgäu; die Eltern übernahmen dort die kleine Gastwirtschaft seines Großvaters.<ref>Dieter Salomon - Munzinger Biographie. Abgerufen am 14. Juli 2025.</ref><ref name="kirk" /> 1968 trennten sich die Eltern und Salomon wuchs mit seiner drei Jahre jüngeren Schwester bei der Mutter auf.<ref name="kirk" /> Sein Abitur absolvierte Salomon 1979 am Gertrud-von-le-Fort-Gymnasium in Oberstdorf. 1981 begann er an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ein Studium der Politikwissenschaft, Finanzwissenschaft und Romanischen Philologie, das er 1987 mit dem akademischen Grad Magister artium abschloss. Im Februar 1992 wurde Salomon im Fach Politikwissenschaft bei Dieter Oberndörfer in Freiburg mit einer Studie über Die Grünen und ihr Konzept der Basisdemokratie zum Dr. phil. promoviert (Zweitgutachter war Hans F. Illy). 2011 trennte er sich von seiner zweiten Ehefrau Helen Hall-Salomon.<ref>OB Salomon trennt sich von seiner Ehefrau in: Badische Zeitung 3. November 2011.</ref> Ende 2015 heiratete er in Melbourne seine neue Lebensgefährtin Helga Mayer.<ref>OB Dieter Salomon und Helga Mayer haben in Melbourne geheiratet in: Badische Zeitung vom 11. Januar 2016. Abgerufen am 11. Januar 2016.</ref> Salomon hat eine Tochter aus erster Ehe.
Politischer Werdegang
Seit 1980 ist Salomon Mitglied der Grünen und war in verschiedenen Funktionen beim Freiburger Kreisverband aktiv. Von 1990 bis 2000 war Salomon Stadtrat in Freiburg und seit 1992 Abgeordneter für den Wahlkreis Freiburg II im Landtag von Baden-Württemberg; von April 2000 an übte er diese Funktion als Vorsitzender der grünen Landtagsfraktion und Spitzenkandidat im Wahlkampf aus. Nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister von Freiburg legte er sein Landtagsmandat im August 2002 nieder. Für ihn rückte Edith Sitzmann nach. Im Jahr 1995 kandidierte er als OB für die Stadt Lörrach, belegte dort den 3. Platz.
2002 kandidierte Salomon bei der Freiburger Oberbürgermeisterwahl. Im zweiten Wahlgang am 5. Mai 2002 wurde er mit 64,4 Prozent der Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren zum ersten grünen Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt gewählt. Bei der Oberbürgermeisterwahl am 25. April 2010 wurde Salomon im ersten Wahlgang mit 50,5 Prozent der abgegebenen Stimmen für weitere acht Jahre in seinem Amt bestätigt.<ref>Freiburgs Rathauschef Salomon im Amt bestätigt. In: stimme.de. 25. April 2010, abgerufen am 6. März 2024.</ref>
Seit 2002 ist Salomon Mitglied des Präsidiums des Deutschen Städtetags, seit 2004 gehört er dem World Executive Committee des International Council of Local Environmental Initiatives (ICLEI) an. Seit 2008 ist er Vorsitzender des kommunalen Arbeitgeberverbandes (KAV) Baden-Württemberg.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lebenslauf auf der Homepage der Stadt Freiburg ( vom 18. Mai 2012 im Internet Archive)</ref>
2003 geriet er aufgrund der Ausrichtung der Geburtstagsfeier für den umstrittenen Gründer des rechtskonservativen bzw. neurechten Studienzentrum Weikersheim, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs und des im Zweiten Weltkrieg als Marinerichter eingesetzten Hans Filbinger in die Kritik und Schlagzeilen.<ref>Grüne Kommune feiert furchtbaren Juristen, von Ralph Bollmann, taz 31. Juli 2003</ref><ref> Streit um Filbinger-Geburtstag Und mir feiere doch! Der Spiegel, 5. August 2003.</ref><ref>Joachim Röderer: Filbinger in Gottes Händen. taz, 12. April 2007.</ref>
2011 wurde Salomon als Nachfolger von Ivo Gönner zum Sprecher der Großstädte und damit zum Vize-Präsidenten des Städtetag Baden-Württembergs gewählt.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Landesportal Baden-Württemberg: Freiburger OB wird Sprecher der Großstädte.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Als erster Grünen-Politiker wurde er 2017 zum Präsidenten des baden-württembergischen Städtetags gewählt.
Zu Beginn seiner Amtszeit formulierte er als drängendste Probleme der Städte die Modernisierung der Schulen und den sozialen Wohnungsbau. Später verwies er auf die Integration der Flüchtlinge, die während der Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015 aufgenommen wurden, sowie die finanziellen Probleme der Städte.<ref>Neuer Städtetagspräsident Salomon fordert mehr Mittel für Schulsanierungen. In: schwaebische.de. 30. Januar 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 31. Januar 2017; abgerufen am 9. März 2024.</ref>
Bei der Oberbürgermeisterwahl am 22. April 2018 erhielt er mit 31,3 % im ersten Wahlgang 3,4 Prozentpunkte weniger Stimmen als sein Herausforderer Martin Horn.<ref>Rüdiger Soldt: Oberbürgermeister Salomon unterliegt in erster Wahlrunde. Frankfurter Allgemeine vom 23. April 2018.</ref> Im zweiten Wahlgang am 6. Mai 2018, einer Neuwahl mit vier Kandidaten, unterlag Salomon mit 30,7 Prozent erneut dem parteilosen Horn, der 44,2 Prozent der Stimmen erhielt<ref>Jakob Schulz, Stephan Haselberger: Freiburg hat einen neuen Oberbürgermeister: Grüner Salomon in Freiburg abgewählt – Sieger Martin Horn bei Wahlparty Zahn ausgeschlagen. In: tagesspiegel.de. 7. Mai 2018, abgerufen am 31. Januar 2024.</ref> und ihn zum 1. Juli 2018 als neuen Oberbürgermeister bzw. Amtsverweser<ref>Uwe Mauch: Martin Horn wird wegen Klage erst einmal Amtsverweser. Badische Zeitung, 13. Juni 2018, abgerufen am 30. Juni 2018.</ref> der Stadt Freiburg im Breisgau ablöste.<ref>Schwäbische Zeitung: Martin Horn ist neuer Oberbürgermeister von Freiburg. In: Schwäbische. (schwaebische.de [abgerufen am 6. Mai 2018]).</ref> Noch am Wahlabend erklärte Salomon gegenüber der Badischen Zeitung,<ref>Interview Badische Zeitung vom 6. Mai 2018 (Video auf YouTube)</ref> nach 16 Jahren an der Spitze der Stadt in den Ruhestand zu gehen.
Seit Juni 2019 ist er Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein.<ref>Neues Duo an der Spitze der IHK Südlicher Oberrhein. Abgerufen am 27. Oktober 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Er ist seit Oktober 2023 Vorsitzender des Normenkontrollrats Baden-Württemberg.<ref>Neuer Normenkontrollrat nimmt Tätigkeit auf. In: normenkontrollrat-bw.de. 19. Oktober 2023, abgerufen am 20. Oktober 2023.</ref>
Oberbürgermeister
Salomon hat sich als Präsident der Regio Schwarzwald-Oberrhein für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz im Rahmen der so genannten RegioTriRhena eingesetzt und dies im Rahmen des Pilotprojekts zum Eurodistrikt für Freiburg, Mülhausen und Colmar weitergeführt. Der aktive Einsatz für die deutsch-französische Zusammenarbeit wurde unter anderem mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft durch Besançon sowie der Verleihung des französischen Nationalen Verdienstordens an Salomon 2006 gewürdigt.<ref>Verleihung der Insignien eines Offiziers im Nationalen Verdienstorden an den Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon Website der französischen Botschaft Berlin, 28. Juli 2006.</ref>
Wesentliche stadtpolitische Entscheidungen wurden mit einer Mehrheit von Grünen, CDU, der regionalen Liste Junges Freiburg und Freien Wählern durchgesetzt, was überregionales Interesse wie parteiinterne Konflikte hervorrief. Salomon und seine Koalition gelten innerhalb der Bundesgrünen als prominente Vorreiter von Bündnissen jenseits von Rot-Grün.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Karl Otto Sattler: Schwarz-grüne Planspiele wirbeln Staub auf ( vom 13. Mai 2007 im Internet Archive), in Das Parlament, Nr. 40, 4. Oktober 2005.</ref>
In der alternativen Szene umstritten war unter anderem Salomons Vorgehen 2005 gegen die Freiburger „Wagenburgler“. Salomon hatte als Oppositionspolitiker noch Polizeieinsätze gegen Platzbesetzungen von Alternativen abgelehnt.<ref>Der grüne OB schickt die grüne Minna</ref>
Überregionales Interesse rief der Konflikt um den geplanten Verkauf der kommunalen Freiburger Stadtbau GmbH mit 7900 Wohnungen und von 1000 Wohnungen im Besitz der Stadt an Investmentfonds hervor.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. Amtsblatt der Stadt Freiburg vom 15. April 2006</ref> Der im OB-Wahlkampf noch ausdrücklich ausgeschlossene Verkauf wurde angesichts der Haushaltslage der Stadt von einer schwarz-grün-freien Ratsmehrheit beschlossen, von den Bürgern aber im Rahmen eines Bürgerentscheids abgelehnt.<ref>„Heuschrecken“ ante portas. Baden-Württemberg: Kampf um Wohnungsverkauf in Freiburg „Das Parlament“ mit der Beilage „Aus Politik und Zeitgeschichte“, Ausgabe 40 vom 2. Oktober 2006</ref>
Ein von der schwarz-grün-freien Rathausmehrheit 2007 beschlossenes Verbot des Alkoholkonsums in der Öffentlichkeit löste Proteste aus. Das Verbot wurde vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg für nichtig erklärt<ref>Wie ein Doktorand das Alkoholverbot kippte</ref>, was in Teilen des Stadtrats inklusive der Rathausmehrheit begrüßt wurde. Salomon forderte nach diesem Urteil die damalige Landesregierung (Kabinett Oettinger II) zu einer Gesetzesänderung auf; die Landtagsfraktion der Grünen stellte sich einstimmig hinter Salomon.<ref>Badische Zeitung vom 29. Juli 2009: Urteil zu Alkoholverbot: Landtagsgrüne stellen sich hinter Salomon</ref>
Während seiner Amtszeit kam es zur Abspaltung der Grünen Alternative Freiburg von den Grünen, die bei der Kommunalwahl 2009 zwei Mandate im Freiburger Rathaus erhielt.<ref>Kleine grüne Spaltung im Südwesten</ref>
Im Juli 2009 griff Salomon in seiner Funktion als Präsident der kommunalen Arbeitgeberverbände (KAV) Baden-Württemberg streikende Erzieherinnen scharf an, was überregional insbesondere von Gewerkschaftsvertretern kritisiert wurde.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. Stuttgarter Zeitung vom 9. Juli 2009</ref><ref> "Verdi nimmt die Kinder in Haftung"</ref>
Die letzten Jahre seiner Amtszeit waren unter anderem von der Flüchtlingskrise in Deutschland seit 2015 und hohen Mieten in Freiburg geprägt.<ref>zeit.de vom 6. Mai 2018 / Fabian Federl: Angezählt</ref>
Veröffentlichungen
- Grüne Theorie und graue Wirklichkeit. Die GRÜNEN und die Basisdemokratie. Arnold-Bergstraesser-Institut (ABI), Freiburg im Breisgau 1992, ISBN 3-928597-03-5 (Zugl.: Freiburg (Breisgau), Univ., Diss., 1992 u.d.T.: Die Grünen und ihr Konzept der Basisdemokratie. Entstehung, theoretischer Hintergrund, Funktion und Praxis).
- mit Winfried Thaa und Gerhard Gräber [Hrsg.]: Grüne an der Macht. Widerstände und Chancen grün-alternativer Regierungsbeteiligungen. Köln: Bund-Verlag 1994, 212 S., ISBN 3-7663-2521-3
Weblinks
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wahlkampf-Auftritt von Dieter Salomon als Oberbürgermeister ( vom 11. März 2018 im Internet Archive)
Einzelnachweise
<references />
<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Salomon, Dieter |
| ALTERNATIVNAMEN | Salomon, Dieter Klaus (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen), MdL |
| GEBURTSDATUM | 9. August 1960 |
| GEBURTSORT | Melbourne, Australien |
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- Deutscher
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- Mann