Hans Oeschger
Hans Oeschger (* 2. April 1927 in Ottenbach ZH; † 25. Dezember 1998 in Bern) war ein Schweizer Physiker und ein Pionier der Klimaforschung.
Leben
Oeschger studierte Physik an der ETH Zürich. Er promovierte 1955 an der Universität Bern unter der Leitung von Friedrich Georg Houtermans. Er gründete 1963 die Abteilung für Klima- und Umweltphysik am Physikalischen Institut der Universität Bern und leitete diese bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1992.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />A Pioneer in Environmental Physics ( vom 2. Juni 2000 im Internet Archive)</ref>
Wissenschaft
Oeschger entwickelte 1955 ein Instrument zur Messung sehr schwacher Radioaktivität. Dieses Messgerät für die Aktivität natürlich vorkommender Radioisotope, der Oeschger-Zähler, hatte eine wesentlich höhere Empfindlichkeit als alle bestehenden Instrumente. Dadurch wurde es unter anderem möglich, die C14-Methode auf geophysikalische Fragestellungen auszudehnen. Oeschger bestimmte damit als Erster das „Alter“ der pazifischen Tiefsee.
Oeschger war ein Pionier in der Erforschung von Eisbohrkernen. In Zusammenarbeit mit seinen Kollegen mass er als Erster die unterschiedlichen Anteile atmosphärischen Kohlenstoffs in Warm- und Kaltzeiten. 1979 stellte er die These auf, dass die Konzentration atmosphärischen Kohlenstoffs während der letzten Kaltzeit fast 50 % niedriger war als heute. Oeschger und seine Kollegen Chester S. Langway und Willi Dansgaard dokumentierten eine Serie schneller Klimafluktuationen während und nach dem Ende der letzten Eiszeit bei Eisbohrkernen in Grönland, die heute als Dansgaard-Oeschger-Ereignisse bekannt sind.
Schon 1975 warnte er ein breites Publikum in der Neuen Zürcher Zeitung:
„Auf Grund relativ konservativer Prognosen könnte sich schon gegen Ende des nächsten Jahrhunderts eine Verdoppelung des atmosphärischen CO2-Gehalts einstellen. Zuständige Wissenschafter sagen voraus, dass als Folge eines solchen Anstiegs die Erdtemperatur im Mittel um mehr als 2 Grad Celsius und an den Polen um 10 Grad Celsius zunehmen würde. Mit der Konsequenz weltweiter Katastrophen (Dürren, Ueberschwemmungen wegen Abschmelzens von Polareis) müsste gerechnet werden. (...) Aus der Sicht der Verantwortung den nachfolgenden Generationen gegenüber muss daher eine rigorose Abkehr von der konventionellen und die Umstellung auf neue Methoden der Energieerzeugung gefordert werden.“
Er war Mitautor des ersten Berichts des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC-Bericht) von 1992. Oeschger war sehr besorgt um einen möglichen Treibhauseffekt durch verstärkten CO2-Ausstoss.<ref>Republik: Das verlorene Jahrzehnt: Wie die Schweizer Klimapolitik durchstartete – und abstürzte. Abgerufen am 5. Juni 2021.</ref> Er nahm seine Rolle als Forscher gegenüber der Gesellschaft sehr ernst und sagte: „Das Schlimmste wäre es, wenn es in den nächsten fünf bis zehn Jahren ernstzunehmende Veränderungen geben würde und wir Forscher nichts dagegen tun könnten und nicht den Mut hatten, früh genug auf solche Entwicklungen hinzuweisen.“
Ehrungen
Im Jahr 1988 wurde Oeschger zum Mitglied der Leopoldina gewählt, 1990 in die National Academy of Sciences. Zu seinen Ehren verleiht die Europäische Gesellschaft für Geographie seit 2001 die Hans Oeschger Medaille. Das im Oktober 2007 an der Universität Bern gegründete Kompetenzzentrum für Klimaforschung (Oeschger-Zentrum für Klimaforschung) ist nach Hans Oeschger benannt. Bereits seit 1975 ist der Namensgeber für das Oeschger Bluff in der Antarktis.
Auszeichnungen
- Harold Urey Medaille, 1987
- Marcel-Benoist-Preis, 1990
- Seligman Crystal Preis, 1991
- Tyler Prize for Environmental Achievement, 1996
- Roger Revelle Medal der American Geophysical Union, 1997
Weblinks
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Nachruf ( vom 5. Juni 2000 im Internet Archive) von Thomas Stocker (englisch)
- Nachruf in der New York Times (englisch)
- Webseite des Oeschger-Zentrum für Klimaforschung (OCCR)
- Webseite des Oeschger-Zentrum für Klimaforschung (OCCR) 2016
- Mit Vollgas in die Klimakatastrophe «Rundschau» vom 10. Oktober 1990, SRF Archiv, mit Hans Oeschger
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Oeschger, Hans |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Geophysiker, Professor für Physik und Klimaforscher |
| GEBURTSDATUM | 2. April 1927 |
| GEBURTSORT | Ottenbach ZH |
| STERBEDATUM | 25. Dezember 1998 |
| STERBEORT | Bern |