Christean Wagner
Günther-Christean Wagner (* 12. März 1943 in Königsberg (Preußen); † 4. Juli 2025<ref>Die Gemeinde Lahntal trauert. In: lahntal.de. Abgerufen am 8. Juli 2025.</ref><ref>Traueranzeigen von Christean Wagner. In: lebenswege.faz.net. 9. Juli 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref>) war ein deutscher Politiker (CDU). Er war hessischer Kultus- und Justizminister und von November 2005 bis Januar 2014 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag. Wagner war Mit-Initiator des Berliner Kreises in der Union und seit 2018 Vorsitzender des Zentrums gegen Vertreibungen.<ref>Zentrum gegen Vertreibungen: Erika Steinbach gibt Vorsitz der Vertriebenenstiftung ab, zeit.de, Artikel vom 28. Februar 2018.</ref>
Leben
Günther-Christean Wagner (kurz: Christean Wagner), Sohn von Ursula Wagner, geborene Meyer, und des kaufmännischen Angestellten Hans-Günther Wagner, war evangelisch<ref>Wagner, Günther-Christean. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1296.</ref> und wurde wie sein Vater im Königsberger Dom getauft. Nach Krieg und Vertreibung ließ sich die Familie in Alsfeld nieder, wo Wagner bis zur Gymnasialklasse acht zur Schule ging. Bedingt durch eine berufliche Neuorientierung des Vaters, verzog die Familie nach Bremen, wo Christean Wagner an der Oberschule am Leibnizplatz sein Abitur bestand.<ref>Auf festem Fundament. Festschrift für Christean Wagner zum 70. Geburtstag. Hrsg. Michael Demel, Stefan Heck, Thomas Schäfer, Duncker & Humblot, Berlin 2013, ISBN 978-3-428-14014-5, S. 17. </ref> Anschließend studierte er von 1962 bis 1966 an der Philipps-Universität Marburg und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Rechtswissenschaft. Das Studium und die anschließende Referendarausbildung schloss er mit beiden Staatsexamen (1966 und 1971) ab. 1972 wurde Günther-Christean Wagner mit der Arbeit Individualisierungsprobleme der Teilleistungsklage<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bibliothekskatalog ( vom 19. Oktober 2023 im Internet Archive).</ref> zum Dr. iur. promoviert.<ref>Günther-Christean Wagner: Individualisierungsprobleme der Teilleistungsklage. Juristische Dissertation Marburg 1972.</ref><ref>Katalogeintrag der Universitätsbibliothek Heidelberg, abgerufen am 14. November 2011</ref>
Politischer Werdegang
Nach seiner Position als Stadtdirektor im niedersächsischen Holzminden von 1972 bis 1975 setzte Wagner seine politische Laufbahn in Hessen fort, von 1977 bis 1981 als Vorsitzender des Gemeinderats seines Wohnortes Lahntal. Von 1975 bis 1981 war er Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Marburg-Biedenkopf und danach dort von 1981 bis 1985 Landrat.<ref name=":0" /> Er führte dort zu Beginn seiner Amtszeit als erster hessischer Landrat ein Umweltamt ein. Er war auch stellvertretender Vorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung Hessen und Mitglied des Bundesvorstandes der Kommunalpolitischen Vereinigung CDU/CSU-Deutschland.
Von 1986 bis 1987 war Wagner Staatssekretär im Bundesumweltministerium und 1987–1991 Kultusminister in Hessen. Er wurde bei der Landtagswahl in Hessen 1991 über die Landesliste in den Hessischen Landtag gewählt und übernahm nach dem Sieg der CDU bei der Landtagswahl in Hessen 1999 das Amt des Justizministers.<ref name=":0" /> In seinem Wahlkreis Marburg-Biedenkopf I konnte er 2003 und 2009 das Direktmandat gewinnen. Am 15. November 2005 wurde Wagner zum Vorsitzenden der CDU-Fraktion im hessischen Landtag gewählt.<ref name=":0" /> Dieses Amt hatte zuvor Franz Josef Jung inne, der am 22. November 2005 als Bundesminister der Verteidigung vereidigt wurde. Vom 19. November 2007<ref name=":0" /> bis zum 6. Mai 2013 war Wagner zudem Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzendenkonferenz in Deutschland. Bei der Landtagswahl in Hessen 2013 trat er nicht mehr an.
Er war Vorsitzender des Finanzausschusses des Hessischen Landkreistages und des Rechtsausschusses. Außerdem war Wagner seit 1989 Mitglied im Kreistag des Landkreises Marburg-Biedenkopf.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lebenslauf Christean Wagner auf Webseite des Hessischen Landtags ( vom 2. November 2013 im Internet Archive), abgerufen am 29. Juli 2013</ref><ref name=":0"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lebenslauf Christean Wagner auf Christean Wagners Webseite ( vom 7. September 2013 im Internet Archive), abgerufen am 29. Juli 2013</ref>
Wagner war Mit-Initiator des Berliner Kreises in der Union, einer informellen Gruppe von Landtags-, Bundestags- und Europaabgeordneten von CDU und CSU. Ziel des Berliner Kreises war eine deutlichere Profilierung der Union und Rückbesinnung auf ihre „christlich-sozialen, wirtschaftsliberalen und wertkonservativen“ Wurzeln. Insbesondere sollten die zahlreichen ehemaligen Wähler und Stammwähler der Union angesprochen und für die Union zurückgewonnen werden.<ref>Parteiprofil Die konservativen Rebellen der CDU zaudern zeit.de, 20. August 2012, abgerufen am 22. August 2012</ref><ref>Die Quadratur des Berliner Kreises, Die Welt, 3. November 2012, abgerufen am 15. Dezember 2012</ref>
Sonstiges Engagement
Wagner war Mitglied in der Studentenverbindung ATV Marburg und Vorsitzender von deren Korporationsaltherrenverband. Wagner war Vorsitzender des DRK-Kreisverbands Marburg und des Verwaltungsrats der Kreissparkassen Marburg und Biedenkopf.<ref>Wagner, Günther-Christean. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1296.</ref>
Privates
Wagner lebte in Lahntal-Goßfelden und war in dritter Ehe verheiratet. Seine erste Ehe mit Roswitha Wagner, geborene Grychtolik, wurde 1970 geschlossen und im April 1999 geschieden. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.<ref>Wagner, Günther-Christean. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1296.</ref> Vor dem Marburger Amtsgericht und dem Bundesgerichtshof wurden mehrere Rechtsstreite zwischen Wagner und seiner früheren Familie geführt.<ref>Wagner gegen Wagner, Der Spiegel, 26. Juni 2000, abgerufen am 4. März 2013</ref>
Politische Positionen
Schul- und Hochschulpolitik
Wagner war ein entschiedener Gegner der Gesamtschule.<ref>Konservative und Reformer begraben das Kriegsbeil cicero.de, 6. Juni 2013, abgerufen am 20. Juni 2013</ref> Stattdessen vertrat er die unter Walter Wallmann eingeführte „Wahlfreiheit“, d. h. das Wahlrecht der Eltern zwischen Gesamtschule und gegliedertem Schulsystem.<ref>Anke Petermann: Scheitern oder gelingen. In: deutschlandfunkkultur.de. 26. Mai 2008, abgerufen am 11. August 2025.</ref> Als Fraktionsvorsitzender sprach sich Wagner bis 2008 immer für Studiengebühren für Langzeitstudenten aus und unterstützte die Einführung von allgemeinen Studiengebühren.<ref>Christean Wagner: "Abschaffung der Langzeitstudienbeiträge ist Skandal“"– "20 Semester auf Kosten der Allgemeinheit studieren ist nicht akzeptabel" (Pressemitteilung). In: CDU-Fraktion Hessen. 30. Mai 2008, abgerufen am 11. August 2025.</ref>
Elektronische Fußfesseln für kriminelle Langzeitarbeitslose
In seiner Zeit als Justizminister war Wagner Initiator der sogenannten elektronischen Fußfessel und des § 238 Strafgesetzbuch (Stalking).<ref>Mirjam Utsch: Strafrechtliche Probleme des Stalking. Google Books, abgerufen am 21. Februar 2014.</ref>
An verschiedenen Äußerungen Wagners, der als Kopf des konservativen CDU-Flügels galt, entzündete sich Kritik der Opposition: So sprach sich Wagner in einer offiziellen Presseerklärung des Hessischen Justizministeriums vom 10. März 2005 für den Einsatz elektronischer Fußfesseln zur „Motivation“ krimineller Langzeitarbeitsloser aus.<ref>wikinews: „Hessischer Justizminister fordert elektronische Fußfessel für Arbeitslose“, 27. April 2005</ref><ref>wikinews: „Aussage des hessischen Justizministers Wagner wegen der elektronischen Fußfessel wurde als Missverständnis dargestellt“, 27. April 2005</ref>
Strafvollzug
Als Justizminister kündigte Wagner an, den „härtesten Strafvollzug“ Deutschlands umzusetzen.<ref>Konservative und Reformer begraben das Kriegsbeil cicero.de, 6. Juni 2013, abgerufen am 20. Juni 2013</ref>
Abschiebung von Ausländern
Im Landtagswahlkampf 2008 sprach sich Wagner für die sofortige Abschiebung von Ausländern aus, wenn sie Einheimische mit den Worten „Scheiß-Deutscher“ beleidigen. Er wolle „nicht den Eindruck haben, als ob wir unterwandert werden nach und nach hier in unserem Vaterland“.<ref>Panorama-Bericht: „Wer Deutsche beschimpft, fliegt raus“. 2007 (PDF; 20 kB)</ref>
Profilschärfung der CDU
Nach der Entlassung von Norbert Röttgen im Mai 2012 sagte Wagner im Magazin Focus, dass er sich eine Profilschärfung wünsche. „Wir müssen uns auf unser C [christlich] besinnen und klare wirtschaftsliberale Akzente setzen.“<ref>Nach dem Rauswurf: Die Post-Röttgen-CDU auf Kurssuche. In: abendblatt.de. 20. Mai 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. Dezember 2015; abgerufen am 5. Juli 2025.</ref>
Biblische Schöpfungsgeschichte im Biologieunterricht
Wagner unterstützte zusammen mit Roland Koch das in der Öffentlichkeit stark kritisierte Vorhaben von Karin Wolff, die biblische Schöpfungsgeschichte künftig im Biologieunterricht zu behandeln. Zahlreiche Medien sahen in diesem Vorschlag einen Versuch der Etablierung des Kreationismus in hessischen Schulen, nachdem Wolff zuvor erklärt hatte, dass sie keinen Widerspruch zwischen der biologischen Evolutionstheorie und der Erklärung in der Bibel sehe.<ref>Arno Widmann: Die Bio-Bibel. 29. Juni 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Juli 2007; abgerufen am 5. Juli 2025.</ref><ref>Mit der Bibel in den Biologie-Unterricht? spiegel.de, 29. Juli 2007, abgerufen am 5. Juni 2012.</ref><ref>Kreationismus-CSU-Politiker unterstützt Wolffs Bio-Schöpfungslehre welt.de, 7. Juli 2007, abgerufen am 5. Juni 2012.</ref>
Ehrungen
1991 erhielt Christean Wagner den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Bundesverdienstkreuz am Bande).<ref>Verleihung von Verdienstorder der Bundesrepublik Deutschland vom 23. April 1991. In: Der Hessische Ministerpräsident (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1991 Nr. 19, S. 1210, Punkt 460 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 2,2 MB]).</ref>
Literatur
- Michael Demel, Stefan Heck, Thomas Schäfer (Hrsg.): Auf festem Fundament. Festschrift für Christean Wagner zum 70. Geburtstag. Duncker & Humblot, Berlin 2013.
- Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Band 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Band 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 294.
- Wagner, Günther-Christean. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1296.
Weblinks
- Literatur von und über Christean Wagner im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lebenslauf Christean Wagner auf Webseite des Hessischen Landtags ( vom 2. November 2013 im Internet Archive)
- Wagner, Christean. Hessische Biografie. (Stand: 9. Juli 2025). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Vorlage:Parlamente in Hessen
Einzelnachweise
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Robert Fritz (1945) | Georg-August Zinn (1945–1949) | Erwin Stein (1949–1951) | Georg-August Zinn (1951–1963) | Lauritz Lauritzen (1963–1966) | Johannes Strelitz (1967–1969) | Karl Hemfler (1969–1974) | Herbert Günther (1974–1987) | Karl-Heinz Koch (1987–1991) | Christine Hohmann-Dennhardt (1991–1995) | Rupert von Plottnitz (1995–1999) | Christean Wagner (1999–2005) | Jürgen Banzer (2005–2009) | Jörg-Uwe Hahn (2009–2014) | Eva Kühne-Hörmann (2014–2022) | Roman Poseck (2022–2024) | Christian Heinz (seit 2024) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wagner, Christean |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (CDU), MdL, Landesminister |
| GEBURTSDATUM | 12. März 1943 |
| GEBURTSORT | Königsberg (Preußen) |
| STERBEDATUM | 4. Juli 2025 |
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