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Westfleisch

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Westfleisch SCE mit beschränkter Haftung

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Westfleisch logo.svg
Rechtsform Societas Cooperativa Europaea mit beschränkter Haftung
Gründung 1928
Sitz Münster
Leitung
  • Wilhelm Uffelmann, Vorsitzender
  • Carsten Schruck
  • Michael Schulze Kalthoff
  • Johannes Steinhoff<ref name="abschluss2021">Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2022 bis zum 31. Dezember 2022 der Westfleisch SCE mit beschränkter Haftung, Münster. In: Bundesanzeiger, 31. August 2022. Abgerufen im Bundesanzeiger am 19. Februar 2023.</ref>
Mitarbeiterzahl 7.600 (2026)<ref name="geschäftsbericht2023">Geschäftsbericht 2023. In: Westfleisch.de. 2024, abgerufen am 10. November 2024.</ref>
Umsatz 3,35 Mrd. Euro (2023)<ref name="wirtschaft-aktuell">Westfleisch wächst weiter. In: Wirtschaft aktuell. 5. März 2024, abgerufen am 6. März 2024.</ref>
Branche Fleischindustrie
Website westfleisch.de
Datei:WestfleischSCE Fleischcenter Coesfeld.jpg
Werksgelände der Firma Westfleisch an der Borkener Str. in Coesfeld

Westfleisch ist ein nordwestdeutscher Konzern der Fleischindustrie mit Sitz in Münster. Westfleisch ist der zweitgrößte Schlachtkonzern in Deutschland<ref>Ranking of the meat industry 2021: The top 100 in the In industry. In: english.fleischwirtschaft.de. 3. November 2021, abgerufen am 19. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und einer der größten Schlachtkonzerne Europas.<ref>Companies: dominating the market from farm to display case. In: eu.boell.org. Heinrich Böll Stiftung – Brussels office - European Union, 7. September 2021, abgerufen am 19. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Das genossenschaftlich organisierte Mutterunternehmen ist die Westfleisch SCE mit beschränkter Haftung mit rund 5.200 Mitgliedern. Über das Konzernunternehmen Westfleisch Finanz AG erfolgt die Versorgung der Unternehmensgruppe mit langfristigen Darlehen.<ref name="geschäftsbericht2022">Westfleisch Geschäftsbericht 2022. In: westfleisch.de. 15. Mai 2023, abgerufen am 6. März 2024.</ref>

Westfleisch ist wiederholt in die Kritik geraten. Unter anderem wurden der Unternehmensgruppe mangelhafte Arbeitsbedingungen und Tierquälerei vorgeworfen.

Geschichte

1928: Gründung als genossenschaftlicher Viehhandel

Westfleisch wurde am 19. Oktober 1928 als Westfälische Provinzial-Viehverwertungsgenossenschaft WPVG gegründet, um die Vermarktung von Schlachtvieh der Bauern an Rhein und Ruhr zu organisieren.<ref name="chronik2003">1928 – 2003: Fleischvermarktung zwischen Wachstum und Wandel. Westfleisch, 2003, abgerufen am 19. Februar 2023.</ref> Mitglieder waren hauptsächlich örtlich tätige Viehverwertungsgenossenschaften. Bis in die 1960er Jahre hinein dominierte die Lebendvermarktung in mehr als 30 Außen- und Verkaufsstellen das Geschäft.

Seit 1932 betrieb die WPVG zusätzlich zum Schlachtvieh-Handel auch Versteigerung von Milchvieh. 1937 belief sich der Umsatz der durchgeführten Milchviehversteigerungen auf 4.871 Stück bzw. über 2,1 Millionen RM.<ref name="chronik2003" />

1962: Eröffnung des ersten Schlachthofs und Expansion als Fleischvermarkter

1962 eröffnete die WPVG in Lübbecke den ersten Schlachthof. Seither verlagerte sich die wirtschaftliche Tätigkeit immer mehr von der Handelsorganisation auf die Schlachtung und Vermarktung veredelter Fleischwaren. Den heutigen Namen Westfleisch trägt die Gruppe im Firmenlogo seit 1965. Der offizielle Name lautete 1965 VFZ Vieh- und Fleischzentrale Westfalen eGmbH.<ref>Westfleisch-Firmenchronik. In: westfleisch.de. Abgerufen am 10. November 2024.</ref>

In den 1960er-Jahren schlossen viele kommunale Schlachthöfe, während der Umsatz des genossenschaftlichen Schlachthofs stieg. 1969 erreichte der Umsatz erstmals die Grenze von 300 Millionen Euro.

1970er-Jahre: Ausbau mit weiteren Schlachthöfen

Seit der Gründung der Finanzierungsgesellschaft 1971 starteten 1972 die neugebauten Schlachthöfe Coesfeld, 1978 Paderborn und 1980 Hamm. 1973 übergab das Unternehmen das Geschäft der Milchviehversteigerungen an das Westfälische Rinderstammbuch der Rotbuntzüchter und an die Westfälische Herdbuchgesellschaft. Dadurch entwickelt sich das Unternehmen endgültig von der regionalen Viehzentrale zum über alle Produktionsstufen integrierten Fleischvermarkter.<ref name="chronik2003" />

In der Folge nahmen die Schlachtzahlen deutlich zu. Die Schweineschlachtungen stiegen von knapp 760.000 im Jahr 1970 auf 3,17 Millionen im Jahr 1987. Die Rinderschlachtungen stiegen ebenfalls deutlich, von 63.800 (1970) auf 323.750 (1991). Die Anzahl der geschlachteten Kälber stieg von 4.100 im Jahr 1975 auf rund 20.000 im Jahr 1986.<ref name="chronik2003" />

1994: Öffnung der Genossenschaft für Einzelmitglieder

1994 öffnete sich die Genossenschaft für Einzelmitglieder und vergrößerte so die Kapitalbasis. Seitdem stiegen die Mitgliederzahlen von rund 100 auf über 4.000 Mitglieder an.<ref name="GeschäftsberichtEG2009">Geschäftsbericht der Westfleisch eG 2009. In: westfleisch.de. 28. April 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 2. November 2013; abgerufen am 7. März 2024.</ref>

Seit 1994 wurden auch Gespräche mit dem ebenfalls genossenschaftlichen Fleischvermarkter Nordfleisch geführt hinsichtlich einer möglichen Fusion. 2002 scheiterte die Fusion allerdings endgültig, Konkurrent Bestmeat (heute VION) übernahm Nordfleisch schließlich 2003.<ref name="chronik2003" /><ref>Bestmeat übernimmt Nordfleisch. In: fleischwirtschaft.de. 10. November 2003, abgerufen am 6. Februar 2023.</ref>

2003: Umbenennung in Westfleisch

2003 wurde das Unternehmen in „Westfleisch eG“ umbenannt.<ref name="GeschäftsberichtEG2009"/>

2004 übernahm Westfleisch das Wurstunternehmen Barfuss GmbH in Erkenschwick und integrierte es in der Folge in die eigene Veredelung. 2007 beendete Westfleisch die seit 2001 betriebene Vermarktung von Weißfleisch (Geflügel).

2008 eröffnete Westfleisch mit der HanWei Frozen Foods die erste Niederlassung in China. Im selben Jahr überschritt das Unternehmen erstmals die Umsatzmarke von 2 Milliarden Euro.<ref name="chronik2023">Westfleisch - Chronik. In: westfleisch.de. Abgerufen am 19. Februar 2023.</ref>

Im Dezember 2012 nahm Westfleisch einen eigenen Zerlege- und Verarbeitungsbetriebs in Rumänien in Betrieb und gründete zudem ein Vertriebsbüro in Korea.<ref name="chronik2023"/> Im Jahr 2015 übernahm Westfleisch die insolvente Rindfleischsparte des niedersächsischen Verarbeiters Gausepohl.<ref>Westfleisch übernimmt Rindfleischsparte von Gausepohl. In: westfleisch.de. 2. Februar 2015, abgerufen am 1. März 2025.</ref>

2015: Umwandlung in eine Europäische Genossenschaft

Nach über 85 Jahren wandelte Westfleisch 2015 die Rechtsform. Auf der Generalversammlung 2015 stimmte eine Mehrheit von 96,8 Prozent der Mitglieder dafür, die „eingetragene Genossenschaft“ (eG) in eine Europäische Genossenschaft „Societas Cooperativa Europaea“ (SCE) umzuwandeln.

Der Grund für die neue Rechtsform: Westfleisch engagiert sich seit Jahren auch außerhalb von Deutschland, das Umfeld zur Fleischvermarktung wird zunehmend internationaler. Die Zusammenarbeit mit europäischen Handelspartnern sei mit dieser Identität deutlich einfacher und biete der Genossenschaft neben verbesserten Wettbewerbschancen eine internationale Unternehmenskultur und breitere Finanzierungsmöglichkeiten.<ref>Geschäftsbericht 2015. In: Geschäftsbericht 2015. Westfleisch, 2015, abgerufen am 18. April 2017.</ref>

Am 8. Februar 2016 kam es zu einem Brand am Standort Paderborn, wodurch eine Lagerhalle und Bereiche der Produktion großteils zerstört wurden.<ref>Großbrand zerstört große Teile der Produktion in Paderborn – zwei Verletzte. In: Westfalen-Blatt. 8. Februar 2016, abgerufen am 10. November 2024.</ref> Aufgrund des Produktionsausfalls ließ Westfleisch am Schlachthof Gelsenkirchen im Auftrag schlachten. Mitte 2016 übernahm Westfleisch schließlich den Schlachthof Gelsenkirchen mit einer Kapazität von 30.000 Schweineschlachtungen pro Woche.<ref>Westfleisch übernimmt Schlachthof in Gelsenkirchen. In: Die Welt mobil. 11. Juli 2016, abgerufen am 10. November 2024.</ref> Im September 2017 beschloss Westfleisch, den Schlachthof Paderborn nicht wieder aufzubauen, da die Kapazitäten durch die Übernahme sowie Erweiterungen an anderen Standorten ausreichten.<ref>Westfleisch wird in Paderborn nicht wieder aufgebaut. In: nw.de. 13. September 2017, abgerufen am 3. Oktober 2017.</ref>

Die Sauenzerlegung in Schöppingen auf einem von der Lohnschlachterei Tummel gemieteten Grundstück wurde 2016 nach Dissen verlegt, wo sie als 50/50-Gemeinschaftsunternehmen mit Danish Crown namens WestCrown betrieben wird.<ref>'Westcrown' genehmigt: Danish Crown und Westfleisch dürfen kooperieren. In: agrarheute.com. 4. Dezember 2015, abgerufen am 10. November 2024.</ref>

Struktur

Kennzahlen

Im Geschäftsjahr 2023 belief sich der Konzernumsatz auf rund 3,35 Milliarden Euro.<ref name="wirtschaft-aktuell" /> Der Auslands-Anteil betrug rund 27 %.<ref name="geschäftsbericht2023" />

Die Anzahl der Beschäftigten betrug 2023 7.085 Vollzeitkräfte, 183 in Teilzeit sowie 82 Auszubildende.<ref name="geschäftsbericht2023" />

Die Schweineschlachtungen beliefen sich 2023 auf rund 6,6 Mio. Stück.<ref name="geschäftsbericht2023" /> der Marktanteil in Deutschland betrug 14,8 %.<ref>ISN-Schlachthofranking 2023: Konsolidierung in der Schlachtbranche setzt sich fort. In: schweine.net. 24. Mai 2024, abgerufen am 10. November 2024.</ref> Die Schlachtungen von Rindern und Kälbern beliefen sich 2023 auf rund 380.800 Stück.<ref name="geschäftsbericht2023" />

Standorte

  • Fleischcenter Coesfeld
  • Fleischcenter Hamm
  • Fleischcenter Lübbecke
  • Fleischcenter Oer-Erkenschwick
  • Vieh-Logistikzentrum Paderborn
  • Nutzviehzentrum Münster-Nienberge
  • Fleischcenter Dissen
  • Fleischcenter Bakum
  • Fleischcenter Gelsenkirchen

Beteiligungen (Auswahl)

Westfleisch ist an folgenden Unternehmen beteiligt:

Kritik

Sozialversicherungsbetrug bei Subunternehmen

Bundesweites Aufsehen erregte 2005 der von der Bielefelder Staatsanwaltschaft geäußerte Vorwurf der illegalen Arbeitnehmerüberlassung gegen Sub-Unternehmer und Sub-Sub-Unternehmer der Firmengruppe Westfleisch sowie gegen einige leitende Angestellte der Westfleisch eG.

Die Bielefelder Staatsanwaltschaft äußerte den Verdacht der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe, Betrug sowie Bildung einer kriminellen Vereinigung.<ref name="Linkszeitung">Helmut Lorscheid: Wie ein Konzern unbehelligt Hunderte von Schwarzarbeitern beschäftigt. In: Linkszeitung. 28. August 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. September 2007; abgerufen am 1. März 2025.</ref> Staatsanwalt Falk Schnabel von der Bielefelder Staatsanwaltschaft nannte den Ermittlungsstand „ein Sammelsurium von Indizien“ und betont die Kooperation von Westfleisch: „Es sind freiwillig vom Unternehmen Unterlagen übergeben worden.“ Er weist auch darauf hin, dass nicht der ganze Betrieb, sondern nur Teile von den Ermittlungen betroffen seien.<ref name="WDR 2005-11-15"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Unsaubere Geschäfte in Schlachthöfen? Schaden soll in die Millionen gehen“ (Memento vom 2. Dezember 2005 im Internet Archive), WDR, 15. November 2005</ref> Mit gefälschten Gesundheitsattesten sollen polnische und rumänische Arbeitnehmer von Subunternehmen beschäftigt worden sein. Der Stundenlohn für osteuropäische Mitarbeiter dieser Subunternehmen betrug angeblich teilweise weniger als drei bis sechs Euro.<ref name="WDR 2005-11-15"/><ref>Tatort Schlachthaus - Warum Tausende deutsche Arbeiter gefeuert werden. In: Report Mainz. 28. Februar 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. März 2005; abgerufen am 10. November 2024.</ref><ref name="Report Mainz">„Tatort Schlachthaus – Warum Tausende deutsche Arbeiter gefeuert werden“, Fritz Frey und Adrian Peter, Report Mainz, 28. Februar 2005</ref><ref>Adrian Peter: Die Fleischmafia. Kriminelle Geschäfte mit Fleisch und Menschen, Econ-Verlag und Ullstein-Verlag, Berlin, Oktober 2006, ISBN 978-3-430-30013-1, S. 99 f.</ref> Report Mainz sah eine Verflechtung mit rumänischen Scheinfirmen im Besitz des Bruders des 1997 amtierenden rumänischen Arbeitsministers Marian Sârbu als gegeben an.<ref name="Report Mainz"/><ref name="Adrian Peter, S.103">Adrian Peter: Die Fleischmafia. Kriminelle Geschäfte mit Fleisch und Menschen, Econ-Verlag und Ullstein-Verlag, Berlin, Oktober 2006, ISBN 978-3-430-30013-1, S. 103</ref> Die Schein- und Briefkastenfirmen in osteuropäischen Ländern sollen demnach zur Rekrutierung von Billig-Arbeitskräften gedient haben.<ref name="Adrian Peter, S.103"/> 2006 wurden die Ermittlungen gegen Manager von Westfleisch von Seiten der Bielefelder Staatsanwaltschaft gegen Geldauflagen in Höhe von insgesamt 100.000 € wegen Geringfügigkeit eingestellt. Sozialversicherungsbeiträge von 2,4 Millionen Euro wurden nachgezahlt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Illegale Arbeiter: Westfleisch-Chefs müssen zahlen“ (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive), WDR, 10. August 2006</ref> Der Westfleisch-Subunternehmer Alex H. wurde im Dezember 2010 vom Landgericht Düsseldorf wegen 107-facher Steuerhinterziehung zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte über ein Netzwerk von 50 Firmen rund 1000 Beschäftigte an Schlachtbetriebe vermittelt.<ref>Eva Roth: Schlachthof-Kapitalismus. In: Frankfurter Rundschau. 9. Dezember 2010, abgerufen am 30. Mai 2022.</ref> Nach Informationen des Westdeutschen Rundfunks habe die Staatsanwältin bei der Urteilsverkündung betont, dass Westfleisch nichts von den Machenschaften gewusst habe.<ref name="lwb">Urteil im Schlachthof-Prozess gefällt. In: Landwirtschaftliches Wochenblatt Westfalen-Lippe. 10. Dezember 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 30. Mai 2016; abgerufen am 7. März 2024.</ref> Der durch Schwarzarbeit entstandene Schaden beträgt rund 14 Mio. €. Nach Informationen der Oldenburgischen Volkszeitung sind rumänische Arbeiter-Kolonnen des verurteilten Chefs der Leiharbeitsfirma weiter im Einsatz.<ref>Oldenburger Volkszeitung, 8. Dezember 2010: Axel H.’s Kolonnen sind weiter im Einsatz</ref><ref>Die Glocke, Lokalnachrichten aus Gütersloh und Warendorf, 24. Januar 2014: Wirbel um Unterbringung von Rumänen</ref>

Die Personalkosten wurden 2006 von 82,9 Millionen Euro um 4,75 Prozent auf 79 Millionen Euro gesenkt.<ref name=infofuerlandwirte2007-1b><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jahresergebnis in InfofürLandwirte 1 aus 2007, S. 2 (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)</ref> Die Westfleisch eG verpflichtet ihre Subunternehmen seit 2007 vertraglich, die Tarifvereinbarungen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten einzuhalten und einen Mindestlohn von 7,50 Euro/Std. zu zahlen.<ref>Politikerlob für Westfleisch. In: Neue Westfälische. 20. Mai 2008, abgerufen am 10. November 2024.</ref> Diese Maßnahme gehört zu einem 12-Punkte-Programm des Unternehmensleitbildes „Qualitätspartner Westfleisch“ von 2007. Die dort genannten Ziele für Qualitätskontrollen, Frischegarantien, Nachhaltigkeit bis zum Tierschutz werden einmal jährlich durch die unabhängige Zertifizierungsgesellschaft SGS Germany GmbH auditiert.<ref>Die Bausteine der Qualitätspartnerschaft 2013/2014. (PDF) In: Westfleisch.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. Februar 2016; abgerufen am 10. November 2024.</ref>

Arbeitsbedingungen

Subunternehmen der Firma Westfleisch verlangten laut Vorwürfen von Telepolis im Jahr 2005 von ihren Beschäftigten angeblich Schichten von zwölf Stunden Dauer an sechs Tagen der Woche.<ref>Helmut Lorscheid: Billiglohn im Schlachtgewerbe. In: Heise. 11. März 2005, abgerufen am 10. November 2024.</ref> Im Ermittlungsverfahren 293 Js 170/03 der Steuerfahndung Bochum wurde ein Sub-Sub-Unternehmer, der als Kolonnenführer auf einem Westfleisch-Schlachthof arbeitete, mit einem Bußgeld belegt, weil auf dem Konto des Arbeitslosengeldbeziehers große Summen bewegt wurden, weshalb die Bank einen Verdacht auf Geldwäsche an die Behörden meldete. Der Kolonnenführer hatte für 25 Euro pro Stunde auf dem Schlachthof schwarzgearbeitet. Weil in diesem Verfahren zu Protokoll gegeben wurde, dass mehr als 1.000 Personen auf ähnliche Weise auf Schlachthöfen der Firmengruppe Westfleisch beschäftigt seien, wurden seit 2002 weitere Verfahren eingeleitet.<ref name="Linkszeitung"/>

Im Mai 2020 kam es zu einem massenhaften Ausbruch von SARS-CoV-2 unter den Mitarbeitern der Großschlachterei in Coesfeld. Von den rund 1200 Beschäftigten wurden mit Stand vom 10. Mai 230 Mitarbeiter positiv getestet<ref name="faz">Zahl der Infizierten in Westfleisch-Fabrik steigt auf 230. FAZ, 10. Mai 2020, abgerufen am 10. Mai 2020.</ref>, darunter viele der in Gemeinschaftsunterkünften lebenden Arbeiter aus Bulgarien und Rumänien.<ref>129 Corona-Fälle: Westfleisch in Coesfeld macht weiter. In: wdr.de. 7. Mai 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Mai 2020; abgerufen am 10. November 2024.</ref> Der Schlacht- und Zerlegebetrieb wurde vorübergehend geschlossen, wogegen dieser einen Eilantrag stellte. Der Antrag wurde am 10. Mai vom Verwaltungsgericht Münster abgelehnt.<ref name="faz" /> In einem Schwesterbetrieb in Oer-Erkenschwick wurden 32 Mitarbeiter infiziert, weitere im Werk Hamm-Uentrop.

Einsatz von Niedriglöhnern

Durch den Einsatz von Arbeitskräften aus südosteuropäischen Ländern reduziert Westfleisch Lohnkosten.<ref>Hamm will Problemhäuser rasch abreißen. In: Die Glocke. 21. Februar 2024, abgerufen am 1. März 2025.</ref> Am Standort Oer-Erkenschwick sind beispielsweise von 1850 Beschäftigten 1350 Werkvertragsarbeiter (Stand: Mai 2020), die meisten aus Rumänien, Ungarn und Lettland.<ref>Thomas Fiekens: Ohne Osteuropäer kein Kilo Fleisch für 4,19 Euro. Unter Schlachthof-Werkvertragsarbeitern macht sich das Coronavirus breit – ihre schäbigen Lebensumständen holen die Unternehmen nun ein. In: Stimberg Zeitung, 9. Mai 2020, S. 15.</ref>

Ausbeutung während der Rekrutierung aus Drittländern

Für Vermittlungsfirmen haben nach WDR-Recherchen spätere Mitarbeiter von Westfleisch und anderen Schlachtbetrieben hohe Provisionen an die Vermittlerfirmen wie GG&C GmbH (Nagold), bzw. deren Partneragenturen vor Ort, zahlen müssen. Durch Arbeit bei Westfleisch mussten die dafür gemachten Schulden abgearbeitet werden. Vor und nach der Probezeit wurden solche Mitarbeiter wegen Krankheit entlassen.<ref>Julius Baumeister, Luc Oeppert, WDR: Wie Arbeiter für die Fleischindustrie angelockt werden. (audio) In: Tagesschau. ARD, 21. April 2026, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. April 2026; abgerufen am 21. April 2026.</ref>

Nicht artgerechte Nutztierhaltung – Tierquälerei

In Schweinemastbetrieben sind von dem Verein tierretter.de im August 2017 durch investigative Recherche eklatante Verstöße in der Tierhaltung dokumentiert worden.<ref>"WESTFLEISCH - Direkt von Tierquälern" - Hinter den Stallwänden der Zuliefererbetrieben. In: tierretter.de e. V. 18. Oktober 2017, abgerufen am 1. März 2025.</ref> In allen untersuchten Zulieferbetrieben von Westfleisch fänden sich Haltungszustände, die einen Straftatbestand erfüllen würden. Publik wurde dies im Oktober 2017 durch Berichte des WDR und der ARD zu der Dokumentation des Tierschutzvereins tierretter.de.<ref>"Tierretter.de" kritisiert erneut die Schweinehaltung" - Lokalzeit Münsterland. In: WDR Fernsehen. 17. Oktober 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. Oktober 2017; abgerufen am 19. Oktober 2017.</ref>

2022 wurde in insgesamt sieben Westfleisch-Zulieferbetrieben in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erneut eine Recherche durchgeführt und durch den Verein Deutsches Tierschutzbüro e. V. gemeinsam mit dem ZDF-Magazin frontal und dem Magazin Der Spiegel an die Öffentlichkeit gebracht.<ref name=":0">Ingo Dell, Felix Klauser und Michael Strompen: Westfleisch-Skandal: Kranke Schweine, krankes System? In: ZDF frontal. 20. September 2022, abgerufen am 17. Oktober 2022.</ref><ref>Vicky Isabelle Bargel, Katrin Langhans und Serafin Reiber: »Diese Tiere, das können Sie sich nicht vorstellen, die zerfleischen sich«. In: Der Spiegel. 20. September 2022, abgerufen am 17. Oktober 2022.</ref> In allen sieben Schweinemastbetrieben wurden tierschutzrechtlich relevante Missstände dokumentiert, darunter unbehandelte Wunden, Abszesse, wobei erkrankte Tiere teilweise nicht separiert wurden, und tote Tiere.<ref name=":0" /> Die Staatsanwaltschaft ermittelt.<ref>Entsetzen wegen Verdachts auf Tierquälerei - Ermittlungen. In: Stern. 21. September 2022, abgerufen am 17. Oktober 2022.</ref> Westfleisch kündigte als Reaktion auf die Aufdeckung mehr Kontrollen an, Tierschützer forderten hingegen ein Ende der Zusammenarbeit mit den Betrieben.<ref>Stellungnahme zum ZDF frontal-Beitrag vom 20.9.2022. In: Westfleisch. WESTFLEISCH SCE mit beschränkter Haftung, 21. September 2022, abgerufen am 17. Oktober 2022.</ref><ref>Westfleisch arbeitet weiter an Aufklärung der Tierquälerei-Vorwürfe. In: Westfälische Nachrichten. 27. September 2022, abgerufen am 17. Oktober 2022.</ref> Das Deutsche Tierschutzbüro verlieh Westfleisch daraufhin den “Preis der Herzlosigkeit” für das Jahr 2022.<ref>Tierschützer vergeben „Preis der Herzlosigkeit“ an Westfleisch. In: RP Online. 11. Oktober 2022, abgerufen am 17. Oktober 2022.</ref>

Bemühen um Nachhaltigkeit

2010 veröffentlichte Westfleisch nach eigenen Angaben als erster deutscher Fleischvermarkter einen Nachhaltigkeitsbericht nach den Global-Reporting-Initiative-Kriterien. Zu seinen Themen zählten Umweltschutz, Tierschutz und Tierwohl, Qualitätskontrollen und Frischegarantie, Sozialverantwortung, Mindestlohn und Mitarbeiterbeteiligung.<ref>Nachhaltigkeitsbericht 2009. In: Westfleisch.de. 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. Mai 2010; abgerufen am 10. November 2024.</ref> Westfleisch hat Anfang 2010 erstmals eine CO2-Bilanz der Schweinefleischproduktion errechnet. Von der Ferkelaufzucht bis in die Fleischtheke wurden damals 3,2 Kilogramm CO2 pro erzeugtem Kilogramm Schweinefleisch emittiert.<ref>Westfleisch errechnet erstmals CO2-Fußabdruck für Schweinefleischproduktion. In: westfleisch.com. 1. Februar 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. September 2013; abgerufen am 1. März 2025.</ref>

2021 veröffentlichte das Institute for Agriculture and Trade Policy einen Bericht, wonach Westfleisch seit 2014 keine Daten mehr zu Treibhausgasemissionen in der Produktion veröffentlichte.<ref>Report says emissions of Europe’s 20 biggest meat and dairy companies exceed those of the Netherlands. In: Dairy Reporter. 14. Dezember 2021, abgerufen am 22. April 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Literatur

  • Adrian Peter: Die Fleischmafia. Kriminelle Geschäfte mit Fleisch und Menschen, mit einem Vorwort von Renate Künast, Econ, Berlin 2006, ISBN 978-3-430-30013-1, darin S. 97: System Westfleisch. Der Autor Adrian Peter ist ARD-Redakteur und stellvertretender Chefredakteur von Report Mainz, die Wochenzeitung Die Zeit veröffentlichte eine Buchbesprechung.

Rundfunkberichte

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 51° 56′ 4″ N, 7° 39′ 30,1″ O

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