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Wilmesaurisch

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Wilmesaurisch

Gesprochen in

Polen (Wilamowice)
Sprecher ca. 100
Linguistische
Klassifikation
Sprachcodes
ISO 639-1
ISO 639-2 gem (sonstige Germanische Sprachen)
ISO 639-3 wym

Wilmesaurisch (Wymysiöeryś) ist eine Mikroliteratursprache, die sich aus dem Schlesischen entwickelt hat und in der kleinen an der Grenze zwischen Schlesien und Kleinpolen gelegenen Stadt Wilamowice (wilmesaurisch: Wymysoü, deutsch: Wilmesau) bei Bielsko-Biała gesprochen wird.

Derzeit gibt es ungefähr 100 Muttersprachler, mehrheitlich ältere Leute; Wilmesaurisch ist deswegen eine vom Aussterben bedrohte Sprache.

Geschichte, dialektologische Einordnung

Datei:Skiöekumt in Wymysoü - Witamy w mieście Wilamowice.jpg
Willkommensschild mit der Inschrift auf Wilmesaurisch und Polnisch
Datei:02021 0499 Wymysorys language, Equality March 2021 in Bielsko-Biała.jpg
Ein Poster mit der Konjugation des Wortes lieben (buchstäblich: gern haben) auf Wilmesaurisch während der CSD-Parade in Bielsko-Biała (2021)
Datei:About the church in Wymysorys language - O kościele w języku wilamowskim.jpg
Informationen über der Pfarrkirche auch in der wilmesaurischen Sprache
Datei:Helka 20221219 Wym.webm
Sprachaufnahme der Wilmesaurischen Sprache

Wilmesaurisch ist die letzte noch existierende Mundart des im 13. Jahrhundert weiter nach Osten vorgetragenen inselhaften schlesischen Deutschtums. Von den einst 26 deutschsprachigen Dörfern um Bielitz bewahrten bis vor dem Zweiten Weltkrieg noch 15 ihren deutschen Dialekt. Im etwas abgelegenen Wilmesau, wo Deutsch als Schriftsprache schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgelöst wurde, entwickelte sich unter starkem polnischen Einfluss eine Varietät, die sich von derjenigen der meisten andern Mundarten um Bielitz deutlich abhob.<ref>Peter Wiesinger: Deutsche Dialektgebiete außerhalb des deutschen Sprachgebiets. In: Werner Besch, Ulrich Knoop, Wolfgang Putschke, Herbert Ernst Wiegand: Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung. Zweiter Halbband. de Gruyter, Berlin / New York 1983, S. 911.</ref>

Obwohl Wilmesaurisch in dialektologischer Hinsicht unbestrittenermaßen eine ostmitteldeutsche Mundart ist, die zur Bielitz-Bialaer Sprachinsel gehörte, entwickelte sich bei der eingesessenen Bevölkerung die Legende, niederländisch-schottischer Abstammung zu sein.<ref>Antoni Barciak (Red.) und andere: Wilamowice. Przyroda, historia, język, kultura oraz społeczeństwo miasta i gminy. Urząd Gminy w Wilamowicach, Wilamowice 2001, S. 308.</ref>

Wilmesaurisch war die Umgangssprache in Wilamowice bis 1945/1949. Nach dem Zweiten Weltkrieg verboten die kommunistischen Behörden seinen Gebrauch. Obwohl das Verbot nach 1956 aufgehoben wurde, ist Wilmesaurisch insbesondere in den jüngeren Generationen allmählich durch Polnisch ersetzt worden.

Im Jahr 2007 wurde die wilmesaurische Sprache von der US-amerikanischen Library of Congress als eigene Sprache anerkannt. Ein Jahr später erfolgte die Anerkennung des Wilmesaurischen als Sprache durch die Aufnahme in den Ethnologue und zwei Jahre später durch die UNESCO. In sprachwissenschaftlicher Hinsicht handelt es sich jedoch um eine Mundart und nicht um eine Sprache. In Wilmesau wird weiterhin darum gekämpft, die Sprache als solche in Warschau anerkennen zu lassen.<ref>Wissenswertes zur wilmesaurischen Sprache abgerufen im Oktober 2017</ref> Ende Oktober 2025 verhinderte der polnische Staatspräsident Karol Nawrocki von der nationalistisch-rechtspopulistischen PiS durch sein Veto den Beschluss beider Kammern des Polnischen Parlaments zur Anerkennung des Wilmesaurischen als offizielle schutzberechtigte Regionalsprache, auch gegen den Rat führender polnischer Linguisten.<ref>Roger Abrahams: Antideutscher Affekt trifft kleinste germanische Sprache: Polen gibt dem Wilmesaurischen keinen Schutzstatus. In: Die Welt vom 30. Oktober 2025, Seite 16.</ref>

Alphabet

a ao b c ć d e f g h i j k ł l m n ń o ö p q r s ś t u ü v w y z ź ż
A AO B C Ć D E F G H I J K Ł L M N Ń O Ö P Q R S Ś T U Ü V W Y Z Ź Ż

Wörterbuch

Vorlage:Hinweisbaustein Kurzwörterbuch des Wilmesaurischen (in wilmesaurischer Schreibweise; ł wird im Wilmesaurischen wie /w/ und w wie /v/ gesprochen):

Wilmesaurisch Deutsch
ałan allein
ana, an und
bryk Brücke
duł dumm
fulgia hören / folgen
ganc ganz
gyrycht Gericht
dyr hymuł der Himmel
łiwa Liebe
a mikieła ein bisschen
müter Mutter
mytuł Mitte, Mittel
nimanda niemand
ny nein
ödum Atem (Odem)
olifant Elefant
öwyt Abend
śrajwa schreiben
syster Schwester
śtaen Stein
trynkia trinken
wełt Welt
wynter Winter
zyłwer Silber
zyjwa sieben
sgiöekumt willkommen

Wilmesaurisches Schlaflied:

Śłöf maj büwła fest!
Skumma fremdy gest,
Skumma müma ana fetyn,
S’brennia nysła ana epułn,
Śłöf dy Jasiu fest!

Übersetzung:

Schlaf mein Büblein fest!
Es kommen fremde Gäste,
Es kommen Tanten (Muhmen) und Vettern,
Sie bringen Nüsslein und Äpfel,
Schlaf du Jasiu fest.

Literatur

Weblinks

Commons: Józef Gara – Sammlung von Bildern und Audiodateien
Wiktionary: Wilmesaurisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />