Dattelzwetschge
| Dattelzwetschge | |
|---|---|
| Synonyme | Ungarische Zwetsche, Türkische Zwetsche, Österreichische Pflaume, Säbelpflaume, Rösser |
| Art | Echte Zwetschge (Prunus domestica subsp. domestica) |
| Herkunft | wahrscheinlich Ungarn oder Türkei |
| bekannt seit | spätestens 1776 |
Die Dattelzwetschge, auch Ungarische Zwetsche, Türkische Zwetsche, Österreichische Pflaume, Säbelpflaume, Rösser genannt, ist eine der zahlreichen Zwetschgensorten. Zwetschgensorten mit extrem langgezogenen Früchten bezeichnet man ihrer Form wegen als Dattelzwetschgen.<ref name="Obst"/> Die Früchte sind mittelgroß bis klein, gegen beide Enden stark zugespitzt,<ref name="logl"/> besonders länglich und schmal sowie leicht gebogen wie ein Säbel.<ref name="Zwetschge">Die Zwetschge. Küchengartennetzwerk – Nutzpflanzen in historischen Gärten, abgerufen am 31. August 2022.</ref><ref name="Fild"/>
Vom Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg wurde die Dattelzwetschge 2003 zur Streuobstsorte des Jahres ernannt,<ref name="logl">Streuobstsorte des Jahres 2003 – Dattelzwetschge. (PDF; 68,1 KB) Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg, abgerufen am 30. August 2022.</ref> um auf den Rückgang dieser Kulturpflanze aufmerksam zu machen. Sie war einst in ganz Mitteleuropa häufig zu finden,<ref name="schwabo"/> ist jedoch heute stark rückläufig, da die Früchte für den kommerziellen Handel zu klein sind. Im Raum Tübingen wird sie jedoch noch immer auf den Obstmärkten angeboten.<ref name="Fild"/> Als weiterer Grund dafür, dass sie für den gewerbsmäßigen Anbau nicht sonderlich geeignet sei, wird angeführt, dass sie nicht lagerfähig sei.<ref name="schwabo"/>
Die Dattelzwetschge zählt zu den alten Zwetschgensorten. Sie wurde schon 1776 von Johann Prokop Mayer in seinem dreibändigen Lehrbuch zur Obstsortenkunde Pomona Franconica beschrieben, das mit botanischen Buchillustrationen des Nürnbergers Wolfgang Adam versehen war. Dort findet sich von ihr außerdem auch eine erste Abbildung.<ref name="Zwetschge"/>
Die Dattelzwetschge stammt wahrscheinlich aus Ungarn oder der Türkei.<ref name="logl"/><ref name="schwabo"/> Von der Sorte scheint es unterschiedliche Ausprägungen zu geben: Die Violette und die Rote Dattelzwetschge gleichen sich in ihrer Form, sie unterscheiden sich jedoch etwas durch die Fruchtfarbe und ihre Reifezeit.<ref name="Fild"/> Der Zuckergehalt liegt bei 16 % (60–70 Grad Öchsle).<ref name="Fild"/><ref name="schwabo"/> Als Neuzüchtung unter Verwendung alter Obstsorten findet außerdem die Bayerische Dattelzwetschge Erwähnung: „Ihre hübsche, sonnenseits rot gepunktete Schale erinnert an Mirabellen.“<ref name="Obst">Bayerische Dattelzwetschge - eine Urform neu entdeckt. Bayerisches Obstzentrum Hallbergmoos, abgerufen am 31. August 2022.</ref>
Zur Erntezeit von Dattelzwetschgen finden sich verschiedene Angaben. Die meisten Sorten dürften Anfang bis Mitte August reifen.<ref name="schwabo"/> Johann Prokop Mayer, der sich auf die im Würzburger Hofgarten kultivierten Pflanzen bezog, schrieb sogar von Mitte Juli.<ref name="Zwetschge"/> Der BUND Lemgo gibt für die violette Dattelzwetschge Mitte September an,<ref >Obstsortendatenbank. BUND-Lemgo, abgerufen am 31. August 2022.</ref> und ein kommerzieller Anbieter nennt für eine veredelte Pflanze sogar Oktober.<ref >Dattelzwetsche. Schwerdtfeger Obstbaumschulen, abgerufen am 31. August 2022.</ref>
Schon Johann Prokop Mayer schätzte diese Frühsorte: „Das Fleisch ist goldgelb, vest [sic], süß, von reizendem Geschmack, und löset sich vom Stein ab. Diese unter die guten Früchte zu rechnende Pflaume reifet schon in der Mitte des Julius.“<ref name="Zwetschge"/> Der Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft in Baden-Württemberg nennt den Geschmack „angenehm und ‚süßweinig‘“,<ref name="logl"/> laut Netzwerk Streuobst Filderstadt schmecken die Früchte saftig und aromatisch süß.<ref name="Fild">Dattelzwetschge (Baum 64). Netzwerk Streuobst Filderstadt, abgerufen am 31. August 2022.</ref>
Der robuste Baum eignet sich für den Streuobstanbau.<ref name="logl"/> Ein spezielles Merkmal besteht darin, dass wurzelechte Bäume gerne viele Ausläufer bilden, sodass ganze Zwetschgenhecken entstehen können.<ref name="Obst"/><ref name="logl"/>
In Heselwangen, einem Stadtteil von Balingen im Zollernalbkreis, gibt es die Besonderheit, dass dort die Rote Dattelzwetschge (von Einheimischen „Lange Zwetschge“ bzw. „Heselwanger Zwetschge“ genannt)<ref>Helga Jetter: "Heselwanger Zwetschge" – eine Rarität: Dicht behangen leuchten die Früchte am Baum. Foto: Schwarzwälder Bote, 11. August 2020, abgerufen am 31. August 2022.</ref><ref>Die "Heselwanger lange Zwetschge" im Vergleich mit der Hauszwetschge. Foto: Helga Jetter (Schwarzwälder Bote), abgerufen am 31. August 2022.</ref> immer noch häufig vorkommt, während ihr Bestand inzwischen im größten Teil von Baden-Württemberg stark zurückgegangen ist.<ref name="schwabo"/>
Literatur
- Walter Hartmann: Farbatlas Alte Obstsorten. 5. überarbeitete Auflage, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-8001-0316-4
Einzelnachweise
<references> <ref name="schwabo">"Heselwanger Zwetschge" – eine Rarität. Schwarzwälder Bote, 11. August 2020, abgerufen am 31. August 2022.</ref> </references>
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