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Josef Hermann Dufhues

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Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-F026186-0014, Bochum, CDU-Landesparteitag, Dufhues.jpg
Dufhues in Bochum 1968
Datei:Portrait Dufhues Stadtpark Bochum, April 2002.jpg
Porträt von Josef Hermann Dufhues
Datei:Grab Josef Hermann Dufhues.jpg
Grab von Josef Hermann Dufhues und seiner Ehefrau Annette auf dem Friedhof Querenburg in Bochum
Datei:Denkmal Dufhues Stadtpark Bochum, April 2002.jpg
Denkmal für Dufhues im Bochumer Stadtpark

Josef Hermann Dufhues (* 11. April 1908 in Castrop; † 26. März 1971 in Rheinhausen) war ein deutscher Jurist und Politiker (CDU).

Leben

Josef Hermann Dufhues war ein Sohn des Spediteurs Josef Hermann Dufhues (1871–1943) und seiner Ehefrau Theresia geb. Ravenstädt. Er besuchte das Gymnasium Petrinum in Dorsten und das humanistische Gymnasium in Herne.<ref>Barbara Gerstein: Art. Dufhues, Josef Hermann. In: dies.: Lebensbilder aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Nomos, Baden-Baden 1980, ISBN 3-7890-0527-4, S. 45–47.</ref> Nach dem Abitur in Herne<ref name=":0">Der schwarze Wehner. In: Der Spiegel. 5. Juni 1962, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 29. September 2023]).</ref> im Jahr 1927 studierte Dufhues Jura und Volkswirtschaft in Tübingen und Berlin. Während seines Studiums wurde er 1927 Mitglied der katholischen Studentenverbindung AV Guestfalia Tübingen im CV<ref>Cartellverband der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen: Gesamtverzeichnis des CV 1961 - Die Verbindungen des CV mit ihren Ehrenmitgliedern, Alten Herren und Studierenden - München 1961, S. 215.</ref>, im Jahr 1956 Ehrenmitglied des K.St.V. Markomannia im KV zu Münster.

Berufliche Laufbahn

Von 1935 bis 1945 war Dufhues Rechtsanwalt in Berlin und assoziierte sich mit dem Rechtsanwalt Fritz Ludwig und half diesem 1933 bei der Vertretung des Kommunistenführers Ernst Thälmann. Er war beim NS-Volksgerichtshof zugelassen und vertrat auch später Sozialisten, Journalisten und andere vor den NS-Richtern. Nach der Flucht Fritz Ludwigs 1937 nach Paris leitete er die Kanzlei allein weiter.<ref name=":0" /> In den Jahren bis zum Kriegsausbruch machte sich Dufhues einen Namen als erfolgreicher Industrie-Anwalt.<ref>Spiegel-Archiv: Umweg nach Bonn 16. August 1962.</ref>

Von 1941 bis 1945 leistete Dufhues Kriegsdienst in der 196. Infanterie-Division, in dem zu der Division gehörenden Gebirgs-Artillerie-Regiment diente er in Norwegen, Russland und an der Westfront, zuletzt als Oberstleutnant und mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.<ref name=":0" />

Nach dem Krieg zog Dufhues mit seiner Familie in das Ruhrgebiet und war bis 1946 Richter am Landgericht Bochum. Ab 1947 war Dufhues wieder als Rechtsanwalt tätig, zunächst als Sozius von Leo Diekamp, dann in einer eigenen Kanzlei in Bochum.<ref name="Reinhard Pöllath, Ingo Saenger">Reinhard Pöllath, Ingo Saenger (Hrsg.): 200 Jahre Wirtschaftsanwälte in Deutschland. Nomos, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-8329-4446-9, S. 29.</ref> In seinem ersten Prozess verteidigte er auf Drängen von Franzjosef Müser sieben Arbeiter, die sich der Demontage bei dem Stahlwerk Bochumer Verein widersetzt hatten. Er erreichte in zweiter Instanz beim Höheren britischen Militärgericht einen Freispruch.<ref name=":0" /> Ab 1950 war er auch als Notar in Bochum tätig.<ref name="Reinhard Pöllath, Ingo Saenger" /> Er genoss einen so guten Ruf als Anwalt, dass die Firma Adam Opel AG ihn beauftragen wollte, die millionenschweren Grundstückskäufe für die Ansiedlung in Bochum abzuwickeln. Allerdings lehnte er ab, da die Ansiedlung auch von der Landesregierung gefördert wurde, und er als Innenminister nicht den Anschein einer persönlichen Bereicherung erwecken wolle. Er empfahl stattdessen, den Auftrag an einen kinderreichen Bochumer Notar zu geben.<ref name=":0" />

Politische Laufbahn

Partei

Bereits 1945 trat Dufhues der CDU bei. Als Mitbegründer der Jungen Union Westfalen war er von 1946 bis 1950 deren Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen.<ref name=":0" /> In den Jahren 1949 und 1950 war er zudem Bundesvorsitzender der Jungen Union. Er hielt damals Reden gegen die „Überalterung der Union“, speziell gegen das Monopol von Politikern der Weimarer Republik beim Neubau des Staates und gegen die politische Abstinenz der Kriegsgeneration.<ref name=":0" />

1959 übernahm Dufhues den Landesvorsitz der CDU Westfalen, den er bis 1970 innehatte. Nach dem Ende seiner Ministertätigkeit 1962 bekleidete Dufhues bis 1966 das Amt des Geschäftsführenden Vorsitzenden der CDU Deutschlands. Dieses Amt wurde anlassbezogen geschaffen, um den betagten Parteivorsitzenden Konrad Adenauer zu entlasten und den reibungsarmen Machtübergang an dessen Nachfolger als Kanzler Ludwig Erhard sicherzustellen.<ref>[1] Biografie im Webauftritt der Konrad-Adenauer-Stiftung, Abschnitt „Hoffnungsträger der CDU“</ref><ref>Helmut Kohl: Mein Tagebuch. 1998-2000. Droemersche Verlagsanstalt, München 2000, ISBN 3-426-27241-5, S. 62.</ref> Von 1966 bis 1969 war er Mitglied des Präsidiums der CDU.

Als in der Spiegel-Affäre einige Schriftsteller der Gruppe 47 – darunter Alfred Andersch, Hans Magnus Enzensberger, Uwe Johnson und Klaus Roehler – gegen die Verhaftung der Journalisten Conrad Ahlers und Rudolf Augstein protestierten, äußerte Dufhues sich in einer Pressekonferenz am 19. Januar 1963 besorgt über den „Einfluss der ‚Gruppe 47‘ nicht nur im kulturellen, sondern auch im politischen Bereich“, so die Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er nannte sie eine „geheime Reichsschrifttumskammer“.<ref>Reinhard Lettau (Hrsg.): Die Gruppe 47. Bericht, Kritik, Polemik. Ein Handbuch. Luchterhand Verlag, Neuwied und Berlin 1967, S. 503–514, hier S. 504.</ref> Daraufhin verklagten sie ihn, es kam schließlich zu einem Vergleich.<ref>Helmut Böttiger: Die Gruppe 47. Als die deutsche Literatur Geschichte schrieb. Deutsche Verlagsanstalt, München 2012, ISBN 978-3-421-04315-3, S. 309–322.</ref>

Ende 1968 zwang eine zu spät erkannte Krebserkrankung Dufhues zum Verzicht auf die Spitzenkandidatur der CDU für die Landtagswahl 1970.<ref>Konrad Adenauer-Stiftung: Lebensbild Dufhues abgerufen am 19. Juli 2020.</ref>

Abgeordneter

Dufhues war in den Jahren 1946 und 1947 sowie von 1950 bis 1971 Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen. Bei den Landtagswahlen 1950, 1954, 1958, 1962 und 1966 wurde er im Landtagswahlkreis Lippstadt (Wahlkreis 116 bzw. Wahlkreis 119) in den Landtag gewählt. Bei der Landtagswahl 1970 zog er über die Landesliste der CDU in den Landtag ein.<ref>Detailansicht des Abgeordneten Josef Hermann Dufhues. Landtag NRW, abgerufen am 25. März 2024.</ref> Von April bis Juli 1966 war er Präsident des nordrhein-westfälischen Landtages. Der nordrhein-westfälische Landtag wählte ihn zum Mitglied der Bundesversammlungen 1949 und 1964.<ref>Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783000207037 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref>

Minister

Von 1958 bis 1962 war er Innenminister von Nordrhein-Westfalen. Weihnachten 1959 wurde die Synagoge in Köln mit Hakenkreuzen beschmiert. Daraufhin erklärte Dufhues als zuständiger Minister, dass alle anständigen Deutschen angesichts dieser Tat Abscheu empfänden.<ref name=":0" /> Anlässlich eines Polizistenmordes 1961 sprach er sich – in solchen Fällen – für die Wiedereinführung der 1949 abgeschafften Todesstrafe aus.<ref>Irrtum inklusive. Der Spiegel, 1964, Nr. 44.</ref> Verbunden mit seiner Amtszeit ist die Einführung des Mütterpasses, um die Säuglingssterblichkeit zu bekämpfen.<ref>CDU-Mann der ersten Stunde. In: Münstersche Zeitung vom 21. April 2008.</ref>

Dufhues setzte sich seit 1960 energisch für den Bau der Opel-Werke I und II/III in der von der Bergbaukrise stark getroffenen Stadt ein.<ref>CDU Bochum: Zum 50. Todestag von Josef Herrmann Dufhues, 26. März 2021, abgerufen am 7. Juni 2025.</ref> Zudem leistete er – zusammen mit Kultusminister Werner Schütz und dessen Nachfolger Paul Mikat – die politische Vorarbeit für die Gründung der Ruhr-Universität in Bochum. Damit unterstützte er den Strukturwandel im mittleren Ruhrgebiet nachhaltig. Für diese Verdienste ließ die Stadt Bochum ihm im Stadtpark ein Denkmal errichten.

Während der Großen Koalition gehörte Dufhues mit Rainer Barzel, Bruno Heck, Richard Jaeger, Heinrich Krone, Paul Lücke, Gerhard Schröder, Franz Josef Strauß und Richard Stücklen zu den Verfechtern des Mehrheitswahlrechts. Sie fanden zwar Unterstützung bei großen Teilen der SPD, konnten sich aber insgesamt in der Koalition nicht durchsetzen.

Weitere Aufgaben

Neben seiner Arbeit als Anwalt und Politiker war Dufhues Aufsichtsratsmitglied der Emscher-Lippe Bergbau-AG, der Hamborner Bergbau AG, der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG, der Gebrüder Eickhoff Maschinenfabrik und Eisengießerei in Bochum und der Bavaria Atelier Gesellschaft in München.<ref name=":0" />

Von 1955 bis 1971 war Dufhues Verwaltungsratsvorsitzender des WDR.<ref name=":0" /> Er war ein entschiedener Verfechter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Deshalb widersetzte er sich Konrad Adenauer in der Debatte um die Schaffung des ZDF.

1959 wurde er von Kardinal-Großmeister Nicola Kardinal Canali zum Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 6. Juni 1959 durch Lorenz Jaeger, Großprior der deutschen Statthalterei, investiert.<ref name=":0" /> Er war zuletzt Großoffizier des Ordens.

Josef Hermann Dufhues verstarb nach der Rückkehr von einer Südafrika-Reise im Krankenhaus von Rheinhausen an einer tropischen Virus-Infektion.<ref>Spiegel-Archiv: Gestorben: Josef Hermann Dufhues, 29. März 1971.</ref>

Familie

Josef Hermann Dufhues war mit Maria Antoinette geb. Krauß, Tochter von Hans Krauß, dem letzten Pressechef der Zentrumspartei, verheiratet.<ref>Spiegel-Archiv: Umweg nach Bonn 16. August 1962.</ref>

Erinnerung und Ehrungen

  • Dufhues-Denkmal von Jan Bormann im Bochumer Stadtpark (1998)
  • Der Josef-Hermann-Dufhues-Platz auf dem Campus der Ruhr-Universität ist nach ihm benannt.
  • Eine Kontroverse löste 2014 der Antrag der CDU-Ratsfraktion im Bochumer Stadtrat aus, Dufhues ein Ehrengrab zu gewähren. Das Ratsmitglied Ralf Feldmann (Die Linke) verwies auf die Mitgliedschaft von Dufhues in der SS-Reiterstaffel.<ref>Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, Bestand SS-Führer, Josef Hermann Dufhues (Eintrag in der SS-Stammrolle Nr. R 4/6 146 v. 28. Februar 1934).</ref><ref>Kein Ehrengrab für Dufhues, bo-alternativ.de, 31. März 2014 (Schreiben von Ralf Feldmann an die Oberbürgermeisterin und alle Ratsmitglieder), abgerufen am 7. Juni 2025.</ref> Eine Recherche der Konrad-Adenauer-Stiftung zu einer möglichen NS-Vergangenheit von Dufhues kam 2014 zu dem Ergebnis: „Dufhues war zu keinem Zeitpunkt Mitglied der NSDAP und gehörte vorübergehend einer SS-Teilorganisation an, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als eine nicht verbrecherische Organisation eingestuft worden ist. Zudem ist belegt, dass er Regimegegner vor Gericht vertrat.“<ref>Konrad-Adenauer-Stiftung (Hrsg.): <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Recherche zu einer möglichen NS-Vergangenheit von Josef Hermann Dufhues (Memento des Vorlage:IconExternal vom 13. April 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ju-bochum.de. PDF-Datei vom 6. März 2014 auf den Seiten der Jungen Union Bochum.</ref>

Literatur

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Walter Henkels: 99 Bonner Köpfe, durchgesehene und ergänzte Ausgabe. Fischer-Bücherei, Frankfurt am Main 1965, S. 78–79.
  • Walter Fischer: Josef Hermann Dufhues. In: Walter Först (Hrsg.): Raum und Politik (= Beiträge zur Neueren Landesgeschichte des Rheinlandes und Westfalens, Band 6). Grote, Köln und Berlin 1979, ISBN 3-7745-6411-6, S. 197–208.
  • Guido Hitze: „Kein Ehrengrab für den SS-Mann und Nazi-Helfer“. Anmerkungen zur Kontroverse um die angebliche NS-Vergangenheit des CDU-Politikers Josef Hermann Dufhues 2015. In: Historisch-Politische Mitteilungen, Jg. 22 (2015), S. 231–251 (online).

Beteiligt:

Först, Walter, 1920-1993 info Erschienen:

Köln ; Berlin : Grote, 1979 Umfang:

223 S Schriftenreihe:

Beiträge zur Neueren Landesgeschichte des Rheinlandes und Westfalens ; 6 Anmerkung:

Beiträge verschiedener Verfasser ISBN:

3-7745-6411-6

Rundfunkfeature

  • Hans Becker: Die Zeit nach Adenauer. Erinnerung an Josef Hermann Dufhues. Sendung im WDR 3: 28. März 1981, 17.30 bis 18.00 Uhr.

Weblinks

Commons: Josef Hermann Dufhues – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />

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