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Abie Nathan

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Datei:Abie Nathan1961.jpg
Abie Nathan 1961
Datei:4X-AIA Abie Nathan's peace plane 1965.jpg
Abie Nathans Shalom 1, die Stearman mit dem Kennzeichen 4X-AIA, am 1. Oktober 1965

Abie (Abraham) Nathan ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); geboren am 29. April 1927 in Abadan, Persien; gestorben am 27. August 2008 in Tel Aviv) war ein Pilot, Friedensaktivist und Rundfunkveranstalter.<ref name=":0" />

Leben und Wirken

Abie Nathan wurde 1927 in Abadan in Persien (Iran) als drittes Kind einer jüdischen Familie geboren. Jacob, sein Vater, stammte aus Sanaa im Jemen und hatte für die Anglo-Iranische Ölgesellschaft gearbeitet, ehe er mit Erfolg einen Handel mit Leinenstoffen eröffnete. Mathilda, seine Mutter, war Hausfrau. Die Familie war wohlhabend. Wegen einer 1939 einsetzenden politischen Krise in Persien verließ sie Abadan und zog nach Indien. Nathan verbrachte seine Jugendjahre in Bombay, wo er an einer Jesuitenschule erzogen wurde. Mit siebzehn Jahren wurde er 1944 Pilot in der britischen Luftwaffe. Danach flog er als Pilot für indische Fluggesellschaften, darunter Air India.<ref>Jugend im Iran und Indien, abgerufen am 14. September 2025.</ref> 1948 kämpfte er als Machal, ausländischer Freiwilliger, im Palästinakrieg, dem israelischen Unabhängigkeitskrieg, auf Seiten Israels und blieb danach in Israel. In den 1950er Jahren arbeitete er als Pilot der israelischen Fluggesellschaft El Al und eröffnete in den frühen 1960er Jahren in Tel Aviv das Restaurant California.

Im Jahr 1965 kandidierte er als Vorsitzender der Nes-Partei für einen Sitz im israelischen Parlament, der Knesset, verfehlte die erforderliche Stimmenzahl jedoch um 2.000 Stimmen. Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses erklärte er, mit einer Friedensbotschaft nach Ägypten fliegen zu wollen. Am 28. Februar 1966 landete er mit seinem Flugzeug, der Shalom 1, einer Boeing-Stearman mit dem Kennzeichen 4X-AIA, in Port Said und wurde festgenommen. Ein Treffen mit dem ägyptischen Staatspräsidenten, Gamal Abd el Nasser, dem er seine Friedensbotschaft überreichen wollte, wurde verweigert, und er wurde am nächsten Tag nach Israel zurückgeschickt, wo er wegen illegalen Grenzübertritts festgenommen und erst auf Kaution freigelassen wurde.<ref name=":0">'Peace Pilot' Again Tries to See Nasser; Abie Nathan Is Sent Home After Landing at Port Said --Arrested on Return. In: nytimes.com. 29. Juli 1967, S. 6, abgerufen am 29. April 2007.</ref><ref>Abie Nathan Biography. Abgerufen am 19. Januar 2014.</ref> Dieser „Friedensflug“ veränderte Nathans Leben. Nach der Rückkehr nach Israel beschloss er, sich ganz der Arbeit für den Frieden zu widmen. In den folgenden Jahrzehnten unternahm er auf eigene Initiative Friedensmissionen nach Europa, in die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion. Viele politische Führer lehnten es jedoch ab, ihn zu treffen. Von anderen Persönlichkeiten wurde er dagegen ernst genommen, darunter Papst Paul VI., Bertrand Russell, Jean-Paul Sartre und Robert Kennedy.

Mehr als dreißig Jahre kämpfte Nathan für seine Ideen, sammelte Geld und errichtete mit Hilfe internationaler Organisationen Flüchtlingslager für die Opfer von Erdbeben, Hunger und Krieg in Kambodscha, Bangladesch, Biafra, Kolumbien und Äthiopien.<ref>Racing to Save the Hungry. In: time.com. 12. November 1979, abgerufen am 30. April 2007.</ref><ref>Israel Arrives in Ethiopia on Relief Mission. In: nytimes.com. 18. Dezember 1984, abgerufen am 1. Mai 2007.</ref> In Israel unterstützte er Organisationen wie die Krebs-Liga, Ilan (Hilfe für behinderte Kinder), Yad Sarah (ein landesweites Freiwilligennetzwerk zur Unterstützung Älterer, Behinderter und Pflegebedürftiger) und viele andere.

Die 1973 von Nathan gegründete Radiostation Voice of Peace arbeitete als Piratensender von Bord eines Schiffes in internationalen Gewässern des Mittelmeers. Unterstützung zum Kauf seines „Friedensschiffs“ erhielt Nathan unter anderem von John Lennon.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Israeli peace pioneer Abie Nathan dies aged 81 (Memento vom 28. August 2008 im Internet Archive)</ref> Die Station sendete zwanzig Jahre lang rund um die Uhr, überwiegend in englischer Sprache, ein Programm, das größtenteils aus Musik bestand und für Frieden und Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern warb. 1993 wurde der Betrieb eingestellt, teils wegen finanzieller Probleme, teils, weil die Öffentlichkeit nach der Unterzeichnung des Osloer Friedensabkommens die Mission des Senders für erfüllt hielt, die Hörerzahl zurückging und Werbeeinnahmen ausblieben.<ref>Abie Nathan pulls up anchor. In: The Jerusalem Post. 1. Oktober 1993, abgerufen am 30. April 2007.</ref> Am 28. November 1993 wurde das Schiff versenkt.<ref>Nathan to sink peace ship today. In: The Jerusalem Post. 28. November 1993, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. Oktober 2007; abgerufen am 30. April 2007.</ref>

Nathan machte auch durch andere spektakuläre Aktionen auf sich aufmerksam, so 1977 durch die öffentliche Zerstörung von Kriegsspielzeug<ref>Abie Nathan Mounts 'Protest for Peace'. In: pqarchiver.com. 13. August 1977, abgerufen am 1. Mai 2007.</ref> und 1978 durch einen Hungerstreik gegen die israelische Siedlungspolitik in den von Israel besetzten Gebieten.

Seit Anfang der 1980er Jahre traf Nathan sich mit führenden Vertretern der PLO. Als Begegnungen israelischer Privatpersonen mit Mitgliedern „terroristischer Organisationen“ gesetzlich verboten wurden, kämpfte Nathan von 1989 bis 1992 für die Aufhebung dieses Gesetzes, unter anderem durch einen 40-tägigen Hungerstreik 1991, den er erst nach einer Intervention des israelischen Staatspräsidenten, Chaim Herzog, abbrach.<ref>Israeli Peace Advocate Ends Hunger Strike. In: pqarchiver.com. 7. Juni 1991, abgerufen am 1. Mai 2007.</ref> Für ein Treffen mit Jassir Arafat wurde er am 18. September 1991 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt,<ref>Israel Frees Abie Nathan. In: pqarchiver.com. 31. März 1992, abgerufen am 29. April 2007.</ref> von denen er nach einem Gnadenerlass des Präsidenten knapp sechs Monate verbüßen musste.<ref>Abie Nathan's Jail Term Cut Sharply by Israeli President. In: pqarchiver.com. 30. März 1992, abgerufen am 29. April 2007.</ref>

Nach 1993 konzentrierte er seine humanitäre Arbeit vor allem auf Afrika. 1997 erhielt Abie Nathan den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis.

1997 erlitt er während eines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten, wo er seine Autobiografie schreiben wollte, einen Schlaganfall, der ihn linksseitig teilweise lähmte. Zuletzt lebte Abie Nathan in einem Altenheim in Tel Aviv, wo er am 27. August 2008 im Alter von 81 Jahren starb.<ref>Israeli peace pioneer Abie Nathan dies at 81. The Associated Press, 27. August 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. September 2008; abgerufen am 6. Oktober 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die Kernthese, die Nathan als ehemaliger Kriegsteilnehmer vertrat, war, dass es jederzeit möglich sei, sich zu ändern, und es auch ganz normalen Menschen aus dem Volk möglich sei, „Wunder“ zu vollbringen, da ein Mensch allein nicht machtlos sei, sondern viel bewegen könne. „Nissiti“ (dt.: „Ich habe es versucht“) lautet die Inschrift auf seinem Grabstein.<ref>Friedensaktivist Abie Nathan gestorben. In: .faz.net. 28. August 2008, abgerufen am 8. Januar 2014.</ref>

Rezeption

Am 7. Januar 2014 wurde Eric Friedlers Dokumentarfilm The Voice of Peace – Der Traum des Abie Nathan von der ARD erstmals gesendet.<ref>Michael Hanfeld: Der Pirat, der unter der Friedensflagge segelte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. Januar 2014, S. 31.</ref> Zu den Zeitzeugen, die sich darin über ihre Beziehung zu Nathan und seinem Wirken äußern, zählen der israelische Präsident Schimon Peres, die Musiker Daniel Barenboim, Zubin Mehta und Yoko Ono, die Schauspieler Michael Caine und Yftach Katzur, der Autor Georg Stefan Troller, der Rabbiner Israel Meir Lau, der Historiker Moshe Zimmermann, der Schriftsteller und Friedensaktivist Uri Avnery sowie Ruth Dajan, die erste Frau des Verteidigungsministers Mosche Dajan.<ref>Redaktion NDR-Film: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Protagonisten aus „The Voice of Peace“ (Memento vom 5. September 2014 im Internet Archive), abgerufen am 30. August 2014.</ref>

Literatur

  • Tom Segev: 1967. Israels zweite Geburt. Siedler Verlag, München 2007, ISBN 978-3-88680-767-3.

Film

  • The Voice of Peace – Der Traum des Abie Nathan. Dokumentarfilm von Eric Friedler, 2014.<ref>Polit-Doku: Frieden ist eine coole Sache, Rezension von Joachim Huber in Der Tagesspiegel vom 6. Januar 2014, abgerufen am 8. Januar 2014.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Filmseite (Memento vom 4. Juli 2014 im Internet Archive) beim ARD-Fernsehen, abgerufen am 7. Januar 2014.</ref>
  • Abie Nathan – As The Sun Sets. Dokumentarfilm von Eytan Harris, 2005.
  • Abie – Der Friedenspirat. Die Ballade vom braven Bürger. BRD 1979.

Weblinks

Commons: Abie Nathan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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