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Matthias Herdegen

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Matthias Herdegen (* 2. März 1957 in Schwarzenbach am Wald) ist ein deutscher Jurist.<ref name=":2">Kommission Auslandseinsätze. Ausschüsse: Prof. Dr. Matthias Herdegen. In: bundestag.de. Deutscher Bundestag, abgerufen am 17. März 2024.</ref> Er ist Direktor des Instituts für Öffentliches Recht sowie Direktor am Institut für Völkerrecht, Mitglied des Zentrums für Europäisches Wirtschaftsrecht, Direktor am Internationalen Lateinamerika-Zentrum der Universität Bonn und Direktor am Center for International Security and Governance der Universität Bonn.<ref name=":0">Matthias Herdegen: Prof. Dr. DDr. h.c. Matthias Herdegen. In: jura.uni-bonn.de. Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, abgerufen am 17. März 2024.</ref>

Leben und Ausbildung

Datei:Herdegen Diss Deckblatt.jpg
Deckblatt der Heidelberger Dissertation von 1983

Matthias Herdegen wurde als drittes von vier Kindern des Juristen und späteren Vorsitzender Richters am Bundesgerichtshof Gerhard Herdegen und dessen Frau Hedwig, geb. Feulner, in Schwarzenbach am Wald (Frankenwald, Landkreis Hof) geboren. Er besuchte das Jean-Paul-Gymnasium in Hof an der Saale, das Franz-Ludwig-Gymnasium in Bamberg und schließlich das Goethe-Gymnasium in Karlsruhe, an dem er 1976 das Abitur ablegte. Noch als Schüler gewann er einen Preis der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. für einen Text zum Thema La pensée française et l'héritage historique (Französisches Denken und geschichtliches Erbe).<ref>Lebenslauf - Fachbereich Rechtswissenschaft der Universität Bonn. Abgerufen am 8. April 2026.</ref><ref name=":0" />

Von 1976 bis 1981 studierte Herdegen Rechtswissenschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Universität Cambridge und schloss das Studium 1981 mit dem Ersten Staatsexamen ab.<ref name=":0" /> 1983 wurde er bei Karl Doehring in Heidelberg mit einer Dissertation über Die Haftung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft für fehlerhafte Rechtsetzungsakte zum Dr. iur utr. promoviert und legte 1985 das Zweite juristische Staatsexamen ab.<ref name=":0" /> Im selben Jahr wurde er wissenschaftlicher Referent am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Heidelberg mit den Arbeitsgebieten Internationale Schiedsverfahren, Britisches und Französisches Recht.

Seit 1986 ist er Mitglied der CDU.<ref name="dlf20181008">Deutschlandfunk: „Die CDU sehnt sich nach einer programmatischen Erneuerung“, 8. Oktober 2018</ref><ref name=":1">Ansgar Graw: MATTHIAS HERDEGEN. Dieser Völkerrechtler will den CDU-Vorsitz von Merkel übernehmen. In: welt.de. Axel Springer Deutschland, 6. Oktober 2018, abgerufen am 17. März 2024.</ref>

1989 habilitierte sich Herdegen in Heidelberg mit der Arbeit Gewissensfreiheit und Normativität des positiven Rechts, die aus Anlass des 40-jährigen Jubiläums des Grundgesetzes mit einem Sonderpreis für Staatsrecht des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft geehrt wurde.<ref name=":0" /> Ihm wurde die Venia legendi für die Gebiete des deutschen und ausländischen Öffentlichen Rechts, Völkerrechts und Europarechts verliehen.<ref name=":0" />

Im Oktober 2018 erklärte Herdegen, beim Bundesparteitag der CDU im Dezember 2018 gegen Angela Merkel für den Parteivorsitz zu kandidieren.<ref name=":1" /> Er sagte: „Ich glaube, die Partei sehnt sich mehrheitlich nach einer programmatischen Erneuerung. Aber es ist so wie bei vielen anderen großen Erschütterungen: Das was wir jetzt sehen, diese Warnzeichen in Kiel sind nur Vorboten größerer Verschiebungen, die entweder ihre Antwort finden innerhalb der CDU selbst, indem sie sich selbst inhaltlich erneuert und personell, oder indem sie zu dieser Erneuerung unter ganz schlechten Bedingungen vom Wähler gezwungen wird.“<ref name="dlf20181008" /> Im November zog er die Bewerbung zurück und deutete zugleich seine Präferenz für den früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz als künftigen CDU-Chef an.<ref>CDU-VORSITZ. Herdegen zieht sich aus Rennen um Merkel-Nachfolge zurück. In: welt.de. Axel Springer SE, 7. November 2018, abgerufen am 17. März 2024.</ref><ref>Herdegen zieht Kandidatur zum CDU-Bundesvorsitz zurück. In: pfalz-express.de. Pfalz-Express, abgerufen am 17. März 2024.</ref>

In zwei allgemeinpolitischen Büchern Der Kampf um die Weltordnung – eine strategische Betrachtung (2019) und Heile Welt in der Zeitenwende (2023) vertritt er eine konservative Gesellschaftsperspektive. Heile Welt in der Zeitenwende lässt sich „als Streitschrift lesen“, gegen richterlichen Aktivismus, der übergriffig der Politik als Legislative in den Arm fällt.<ref>Jörg Echternkamp: Und wo bleibt da die Politik? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. März 2023, S6</ref>

Nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die US-Regierung beschäftigte sich Herdegen intensiv mit der völkerrechtlichen Dimension der Militäraktion. Aus seiner Sicht gibt es positive Aspekte an der Aktion, einen eindeutigen Bruch des Völkerrechts sieht er im Gegensatz zur Mehrheit der Rechtswissenschaft nicht.<ref>LTO: Trotz Völkerrechtsbruch: Dürfen die USA Maduro den Prozess machen? Abgerufen am 15. Januar 2026.</ref> Er stellt stattdessen den relativen Charakter des Völkerrechts heraus und fordert dessen „Elastizität“. Es genüge nicht, „sich in piepsiger Empörung über Trump zu ergehen“.<ref>Völkerrechtler Matthias Herdegen: „Es genügt nicht, sich in piepsiger Empörung über Trump zu ergehen“ - WELT. Abgerufen am 15. Januar 2026.</ref>

Akademische Tätigkeit

Herdegen wurde 1990 Professor für Öffentliches Recht an der Universität Bonn und erhielt 1991 einen Ruf als ordentlicher Professor an die Universität Konstanz, sowie 1995 wieder nach Bonn, wo er seitdem Öffentliches Recht und Völkerrecht lehrt.<ref name=":0" /> Von 1999 bis 2004 war Herdegen Prorektor der Universität Bonn.<ref name=":2" />

Er ist Honorarprofessor an der Päpstlichen Universität Xaveriana in Bogotá, Kolumbien.<ref name=":2" /><ref name=":0" />

Herdegen war Gastprofessor an der Universität Paris I Panthéon-Sorbonne und am Global Law School Programme der New York University sowie der Universidad Nacional Autónoma de México, der Universidad del Rosario, Bogotá, Kolumbien, der Universidad del Norte, Barranquilla, Kolumbien, der Päpstlichen Universität Comillas, Madrid, der Universität Tel Aviv, sowie Professor am Zentrum für Deutsches und Europarecht der Universität Warschau. Rufe nach St. Gallen und Basel schlug er aus. Er ist Ehrendoktor der Universität La Gran Colombia und der Päpstlichen Universität Xaveriana.<ref name=":0" />

Herdegen hatte mehrere Schüler, darunter Thilo Rensmann<ref>Lehrstuhlinhaber an der Juristischen Fakultät der Technischen Universität Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Curriculum Vitae Prof. Dr. Thilo Rensmann, LL.M. (Memento vom 17. August 2012 im Internet Archive)</ref> und Tade Spranger.<ref>Uni Bonn, Institut für Wissenschaft und Ethik: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lebenslauf Spranger (Memento vom 24. Oktober 2009 im Internet Archive)</ref>

Tätigkeitsbereiche

Herdegen vertrat als Prozessbevollmächtigter mehrfach die Bundesrepublik Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof und die Bundesregierung vor dem Bundesverfassungsgericht<ref name=":1" />.<ref name=":2" /> Des Weiteren war er Mitglied der Parlamentskommission für den Einsatz der Streitkräfte.<ref name=":1" />

Seine Fachgebiete sind:

Herdegen ist zusammen mit dem ehemaligen Bundespräsidenten und Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Roman Herzog geschäftsführender Herausgeber und Mitautor des als Standardwerk geltenden Kommentars zum Grundgesetz Dürig/Herzog/Scholz.

Er ist Mitherausgeber des 2021 in 1. Auflage erschienen Herdegen/Masing/Poscher/Gärditz Handbuch des Verfassungsrechts – Darstellung in transnationaler Perspektive.<ref>https://www.beck-shop.de/herdegen-masing-poscher-gaerditz-handbuch-verfassungsrechts/product/27607444</ref>

Von September 2012 bis September 2015 gehörte Herdegen dem 6. Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik an.<ref>Bundesakademie für Sicherheitspolitik: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref>

Kritik

Im Februar 2003 wurde Herdegens neue Kommentierung von Artikel 1 GG („Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“) kritisiert. Abweichend von der naturalistischen Auffassung will Herdegen in der Menschenwürde Kern- und Randbereiche ausmachen. Nur der Kernbereich sei keiner Abwägung zugänglich. Ernst-Wolfgang Böckenförde warf ihm vor, einen „Epochenbruch“ gegenüber der bisherigen Interpretation vollzogen zu haben, die von Günter Dürig stammt und als Objektformel bekannt ist. Bei Dürig sei die Menschenwürde „sittlicher Wert“, „vorpositives Fundament“, „naturrechtlicher Anker“ des Grundgesetzes und seines Menschenbildes. Herdegen degradiere sie zu einer „Verfassungsnorm auf gleicher Ebene“.<ref>Ernst-Wolfgang Böckenförde, Die Menschenwürde war unantastbar, in: FAZ vom 3. September 2003, S. 33, 35.</ref> An der umfangreichen Diskussion um den normativen Gehalt der Menschenwürde beteiligten sich nicht nur Juristen,<ref>Rosemarie Will, Menschenwürde: Zwischen Versprechen und Überforderung, in: Fredrik Roggan (Hrsg.), Mit Recht für Menschenwürde und Verfassungsstaat – Festgabe für Dr. Burkhard Hirsch, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2006, (online: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Menschenwürde (Memento vom 10. Juni 2007 im Internet Archive; PDF))</ref> sondern auch Philosophen und Moraltheologen.<ref>Johannes Reiter, Menschenwürde als Maßstab, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 23-24/2004, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, ISSN 0479-611X</ref>

In der Folge passte Herdegen seinen Kommentar 2005 an. Herdegen schreibt nun, dass sich der Menschenwürdeanspruch erst aus einer wertenden Gesamtbetrachtung ergebe. Ansonsten müsse der Schutz auf Verfolgungen aus rassisch-ethnischen Gründen begrenzt werden – „oder aber das strikte Verbot jedes würderelevanten Eingriffs erstickt die Handlungsfähigkeit staatlicher Organe“. Neue Ausführungen macht er darin insbesondere zur so genannten „Rettungsfolter“, für die er „keine befriedigende Lösung“ sieht. Andererseits ließe „eine Relativierung des Folterverbots […] von einem völlig abwägungsfreien ‚Würdekern‘ wenig übrig“.<ref>Herdegen, in: Maunz/Dürig, Grundgesetz, Art. 1 Abs. 1, Rn 45 (Stand März 2006)</ref> Notfalls müsse der Schutz hochrangiger Rechtsgüter bei den Rechtsfolgen berücksichtigt werden.<ref>Reinhard Müller, Die neue Kommentierung im „Maunz/Dürig“, in: FAZ vom 29. April 2005, S. 2.</ref>

Das Bundesverfassungsgericht hatte sich gleichwohl dieser Ansicht in seiner Entscheidung zur Verfassungsmäßigkeit des umstrittenen Luftsicherheitsgesetzes nicht angeschlossen und folgt im Ergebnis Dürigs Auffassung, dass die Menschenwürde jedenfalls eine Degradierung des Menschen zum Objekt nicht erlaube. Das sei aber gegeben, wenn die Menschen im Falle der Flugzeugattacke zu Rechengrößen werden und der Abschuss des Flugzeuges von Saldos abhinge.<ref>BVerfG, Urteil vom 15. Februar 2006 (Az. 1 BvR 357/05)</ref> Herdegen überarbeitete seinen Text im März 2006 erneut und stellt zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts fest: „Dieses plakative Verdikt liefert nur eine karge Begründung für die Verletzung des personalen Achtungsanspruchs und bedarf vor einer Verallgemeinerung der Nuancierung.“<ref>Herdegen, in: Maunz/Dürig, Grundgesetz, Art. 1 Abs. 1, Rn 90 (Stand März 2006)</ref>

Ehrungen

Matthias Herdegen ist Inhaber mehrerer hoher Auszeichnungen:

Werke (Auswahl)

  • Die Haftung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft für fehlerhafte Rechtsetzungsakte, Duncker & Humblot, Berlin/München 1983, ISBN 3-428-05505-5 (Zugl.: Heidelberg, Univ., Diss., 1983).
  • Gewissensfreiheit und Normativität des positiven Rechts, Springer, Berlin/Heidelberg 1989, ISBN 3-540-51614-X (Zugl.: Heidelberg, Univ., Habil.-Schr., 1989).
  • Europarecht, C.H. Beck, München (Erstauflage 1997), 22. Aufl. 2020
    • polnische Ausgabe: Prawo europejskie, Warschau, 2. Aufl. 2006;
    • ungarische Ausgabe: Európa JEG, 2005
  • Völkerrecht, C.H. Beck, München (Erstauflage 2000), 20. Aufl. 2021
    • spanische Ausgabe: Universidad Autónoma de México, 2005
  • Bankenaufsicht im Europäischen Verbund/Banking Supervision within the European Union, de Gruyter, Berlin 2010 (= Schriften zum Europäischen und Internationalen Privat-, Bank- und Wirtschaftsrecht, Bd. 37)
  • Internationales Wirtschaftsrecht, 1. Aufl. 1993, 12. Aufl. 2020
  • mit Dirk Cupei, Dominik Müller-Feyen, Rolf Sethe: Einlagensicherung – Kommentar zu EinSiG, EntschFinVO, AnlEntG und weiteren Vorschriften. Schäffer-Poeschel 2023, ISBN 978-3-7910-4125-4
  • Der Kampf um die Weltordnung: Eine strategische Betrachtung. Beck 2018, ISBN 978-3-406-73288-1.<ref> Florian Meinel: Rezension (FAZ.net vom 1. März 2019)</ref>
  • Heile Welt in der Zeitenwende: Idealismus und Realismus in Recht und Politik, C.H. Beck, München, 2023, ISBN 978-3-406-79649-4

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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