Blasentang
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| Datei:Fucus vesiculosus Wales.jpg
Blasentang (Fucus vesiculosus) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Fucus vesiculosus | ||||||||||||
| L. |
Der Blasentang (Fucus vesiculosus) ist eine im Nordatlantik sowie in der Nord- und Ostsee weit verbreitete Braunalge. Er wird unter anderem als Heilmittel verwendet. Seine Bestände in der Ostsee sind in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen.
Beschreibung
Der Blasentang ist eine mehrjährige Großalge (Seetang) mit einer Länge von meist 10 bis 30 cm (selten länger). An der Basis ist er mit einer Haftplatte mit dem Untergrund verbunden. Der lederartig derbe, braungrüne Thallus ist abgeflacht, in einer Ebene gabelig verzweigt und von einer Mittelrippe durchzogen. Kennzeichnend und namensgebend sind die Gasblasen, die beidseitig der Mittelrippe paarig angeordnet sind und in den Gabelungen einzeln stehen. Sie verleihen der Alge Auftrieb im Wasser. Den Blasentang bedeckt eine Schleimschicht, die ihn bei Ebbe vor Austrocknung schützt.
Vermehrung
Fucus-Arten sind Diplonten ohne Generationswechsel. Im Sommer finden sich an den Thallusenden geschwollene Fruchtkörper mit gallertigem Inhalt und warziger Oberfläche. Diese so genannten Rezeptakeln enthalten krugförmig eingesenkte Konzeptakeln, in denen die Gameten, Eizellen und Zoosporen gebildet werden. Männliche und weibliche Gameten werden beim Blasentang auf verschiedenen Thalli gebildet (Diözie). Bei ansteigender Flut treten die Geschlechtszellen durch die porenartigen Öffnungen der Konzeptakeln aus. Die Eizellen sondern ein Pheromon (Fucoserraten) ab, das die Samenzellen anlockt. Die Gameten sind maximal zwei Stunden lebensfähig und breiten sich höchstens 2 bis 10 Meter weit aus.<ref name="Pehlke" /> Die befruchtete Zygote setzt sich fest und wächst zu einem neuen diploiden Thallus heran.
Die Hauptreifezeit reicht von September bis Mai. Im Juni und Juli degenerieren die vorjährigen Fruchtkörper und an den Thallusenden entstehen neue Rezeptakeln.
Vorkommen
Das Verbreitungsgebiet des Blasentangs umfasst die Küstenregionen des Atlantik. Von Nordeuropa, der Nordsee und Ostsee ist er bis zu den Kanarischen Inseln und Marokko verbreitet. In Amerika kommt er von Kanada bis zur Karibik vor, auch an der Küste von Brasilien wurde er gefunden.<ref name="Algaebase" />
Er wächst in der Brandungszone und oberen Gezeitenzone auf festem Untergrund wie Felsen, Steinen und Holz.
An der deutschen Nordsee (Deutsche Bucht) gibt es größere Bestände vor allem bei Helgoland. Im Wattenmeer ist der Blasentang auf Mauern und Muschelbänke beschränkt.<ref name="Wattenmeer" />
Rückgang in der Ostsee
An der deutschen Ostseeküste war der Blasentang bis zum 20. Jahrhundert auf Hartsubstrat überall verbreitet und kam bis in Meerestiefen von 14 Metern vor. Seit 2004 wurde hier, insbesondere in der Mecklenburger Bucht, ein extremer Rückgang beobachtet. Heute findet man nur noch wenige einzelne Tange und nur noch zwei Bestände (Wustrow und Salzhaff), die auf den Flachwasserbereich bis maximal 2 m Wassertiefe beschränkt sind. Dieser Rückgang konnte weder durch den Salzgehalt des Wassers noch durch die Verfügbarkeit von Licht oder Hartsubstrat erklärt werden. Als Ursache dafür werden Raumkonkurrenz mit Miesmuscheln, Fraß durch Isopoden oder Schädigung der Keimzellen durch Ölverschmutzung angenommen.<ref name="Pehlke" />
Auch in der Kieler Bucht wachsen die meisten Tange nur noch in einer Tiefe von 2 Metern, einzelne Exemplare kommen bis 3,5 Meter Tiefe vor. Die potentiell durch das Licht ermöglichte Wachstumsgrenze wurde hier bei 4 bis 6 Metern Tiefe ermittelt. Es wird vermutet, dass der Bewuchs durch Algen oder aufsitzende Rankenfußkrebse die Tange beschattet und somit das Vordringen in größere Tiefen verhindert.<ref name="Rohde" />
Ökologie
Die Meerasseln der Gattung Idotea fressen an den Tangen.<ref name="Pehlke" /> Der Tallus des Blasentangs wird von aufsitzenden Algen besiedelt (Epiphyten), beispielsweise von Ceramium und Enteromorpha<ref name="Rohde" /> sowie Elachista fucicola.<ref name="Kornmann" /> Als aufsitzende Tiere treten Vielborster (Polydora) und Rankenfußkrebse (Balanus improvisus) auf, letztere können besonders in größerer Wassertiefe die Tange fast vollständig überziehen.<ref name="Rohde" />
Trivialnamen
Volkstümlich wurde der Blasentang auch Meereseiche, See-Eiche, Bläretung, Höckertang, Schweinetang<ref name="Vonarburg" />, Klever, Steinklever<ref>Wissenschaftliche Meeresuntersuchungen. Sechster Bericht der Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Meere, in Kiel für die Jahre 1882 bis 1891.</ref> oder schlicht Tang genannt.<ref>Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 155. (online).</ref>
Systematik
Die Erstbeschreibung von Fucus vesiculosus erfolgte 1753 durch <templatestyles src="Person/styles.css" />Carl von Linné in Species Plantarum, Band 2, S. 1158. Diese Art ist die Typusart (Lectotypus) der Gattung Fucus.<ref name="Algaebase" />
Synonyme von Fucus vesiculosus <templatestyles src="Person/styles.css" />L. sind Halidrys vesiculosus <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Stackh. und Virsodes vesiculosum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Kuntze. Als weitere Synonyme gelten Fucus axillaris var. subecostatus <templatestyles src="Person/styles.css" />J. Agardh, Fucus axillaris f. balticus <templatestyles src="Person/styles.css" />(C. Agardh) Kjellm., Fucus balticus <templatestyles src="Person/styles.css" />C. Agardh, Fucus divaricatus <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Fucus excisus <templatestyles src="Person/styles.css" />Forsskål und Fucus inflatus <templatestyles src="Person/styles.css" />L.<ref name="Algaebase" />
Vom Blasentang existiert auch eine Form ohne Gasblasen, die an stark der Brandung ausgesetzten Stellen vorkommt.<ref name="Seaweed" /> Folgende Varietäten von Fucus vesiculosus werden unterschieden (<templatestyles src="Person/styles.css" />Guiry in Algaebase, 2012):<ref name="Algaebase" />
- var. compressus <templatestyles src="Person/styles.css" />Kjellm.
- var. vadorum <templatestyles src="Person/styles.css" />Aresch.
- var. linearis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Huds.) Kützing
- var. volubilis <templatestyles src="Person/styles.css" />Goodenough & Woodward
- f. mytili <templatestyles src="Person/styles.css" />(Nienburg) Nienhuis
Nutzung
Blasentang wird vielseitig als Tiernahrung, Nahrungsmittelzusatzstoff, in der Düngemittel-Industrie, für industrielle Anwendungen und Lebensmittelverarbeitung verwendet. Die Ernte erfolgt ausschließlich aus Wildbeständen. Die angegebene Erntemenge (2005: 84 t) scheint im Vergleich mit anderen Seetang-Arten vergleichsweise gering.<ref name="Schories" />
Inhaltsstoffe
Blasentang enthält bis zu 0,1 bis 0,5 % Iod, außerdem Brom, Beta-Carotin, Alginsäure, Polyphenole mit antibiotischer Wirkung, Xanthophylle (Fucoxanthin), Polysaccharide und pektinartige Schleimstoffe. Für den Schleimstoff Fucoidan wurde eine immunstimulierende Wirkung bei Krebs nachgewiesen.<ref name="Vonarburg" /> Außerdem besitzt der Blasentang einen hohen Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen.<ref name="Ruperez" /> Wie alle Algen reichert er aber auch Arsen und Schwermetalle wie Blei und Cadmium an, die in den zubereiteten Produkten nachweisbar sind.<ref name="Almela" />
Medizinische Verwendung
Die Pharmaindustrie verwendet Blasentang zur Gewinnung von Alginaten.<ref name="Schories" /> Der Blasentang wird in Irland und Frankreich zur Herstellung von Seetang-Extrakt für Kosmetikprodukte genutzt. Als Tangbäder werden die getrockneten Algen auch in der Thalassotherapie eingesetzt.<ref name="Seaweed" />
Aufgrund seines hohen Jodgehaltes wurde Blasentang seit dem 17. Jahrhundert zur Kropfbehandlung angewendet.<ref name="Madaus" /> In der Pflanzenheilkunde wird er bei Schilddrüsenunterfunktion, Heuschnupfen, Arterienverkalkung und Schuppenflechte eingesetzt. Um eine Überdosierung mit Iod zu vermeiden, darf er nicht bei Schilddrüsenüberfunktion sowie in der Stillzeit und Schwangerschaft eingenommen werden.<ref name="Vonarburg" />
Da vermutet wurde, dass die Wirkstoffe des Blasentangs den Grundumsatz erhöhen, wurde er seit der Mitte des 19. Jahrhunderts auch zur Behandlung von Adipositas eingesetzt.<ref name="Madaus" />
Weitere Nutzung
In Schottland wurde Blasentang als Dünger verwendet.<ref name="Madaus" /> Heute werden aus ihm Mikro-Nährstoffe für Futtermittel bei der Tierhaltung gewonnen.<ref name="Schories" /> Lokal wird Blasentang auch als Verpackungsmaterial für die Hummerzucht und den Transport von Pierwürmern genutzt.<ref name="Schories" /> Eine mögliche Verwendung als Brennstoff (nachwachsender Rohstoff) wird untersucht.<ref name="Ross" />
Literatur
- P. Kornmann, P.H. Sahling: Meeresalgen von Helgoland – Benthische Grün-, Braun- und Rotalgen. Biologische Anstalt Helgoland, Hamburg, 1983. ISSN 0017-9957, S. 162–165. (Abschnitte Beschreibung, Vermehrung)
Weblinks
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wechselwirkungen in einem Ökosystem: kleine Veränderungen – drastische Folgen. ( vom 18. Januar 2017 im Internet Archive) In: klima-media.de (Anmeldung mit Konto und Password)
- Annett Stein: Millionen Kopien einer Alge: In der Ostsee wächst der wohl größte Klon der Welt bei n-tv vom 3. März 2025
Einzelnachweise
<references> <ref name="Algaebase">Michael D. Guiry und G.M Guiry: Fucus vesiculosus Linnaeus 1753. World-wide electronic publication, National University of Ireland, Galway. In: algaebase.org. Algaebase, abgerufen am 17. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="Almela">Concepción Almela, M. Jesús Clemente, Dinoraz Vélez, Rosa Montoro: Total arsenic, inorganic arsenic, lead and cadmium contents in edible seaweed sold in Spain. In: Food and Chemical Toxicology, Band 44, 2006, S. 1904–1905 PDF-Datei</ref> <ref name="Kornmann">P. Kornmann, P.H. Sahling: Meeresalgen von Helgoland - Benthische Grün-, Braun- und Rotalgen. Biologische Anstalt Helgoland, Hamburg, 1983. ISSN 0017-9957, S. 121</ref> <ref name="Madaus">Gerhard Madaus: Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938. Auf Henriettes Herbal Homepage</ref> <ref name="Pehlke"></ref> <ref name="Rohde">Sven Rohde, Claas Hiebenthal, Martin Wahl, Rolf Karez, Kai Bischof: Decreased depth distribution of Fucus vesiculosus (Phaeophyceae) in the Western Baltic: effects of light deficiency and epibionts on growth and photosynthesis. In: European Journal of Phycology, Band 43 (2), S. 143–150, 2008. doi:10.1080/09670260801901018</ref> <ref name="Ross">A.B. Ross, J.M. Jones, M.L. Kubacki, T. Bridgeman: Classification of macroalgae as fuel and its thermochemical behaviour. In: Bioresource Technology, Band 99 (14), 2008, S. 6494–6504. Zusammenfassung</ref> <ref name="Ruperez">P Rupérez: Mineral content of edible marine seaweeds. In: Food Chemistry, Band 79 (1), 2002, S. 23–26 Zusammenfassung</ref> <ref name="Schories"></ref> <ref name="Seaweed">Michael Guiry: The Seaweed Site: information on marine algae: Fucus vesiculosus, abgerufen am 13. März 2012.</ref> <ref name="Vonarburg">Bruno Vonarburg: Homöotanik 4. Extravagante Exoten. 2. Aufl., Georg Thieme, 2005. ISBN 3-8304-7228-5, S. 285–286 Google-E-Book</ref> <ref name="Wattenmeer">Der Blasentang (Fucus vesiculosus). Pflanzen im Meer. In: schutzstation-wattenmeer.de. Schutzstation Wattenmeer e. V., abgerufen am 17. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> </references>