Ted Grant
Edward „Ted“ Grant, geboren als Isaac Blank<ref name="militant"/> (* 9. Juli 1913 in Germiston, Südafrika<ref name="independent"/>; † 20. Juli 2006 in London) war ein südafrikanisch-englischer trotzkistischer Theoretiker und Autor.
Leben
Isaac Blank, der spätere Ted Grant, war gebürtiger Südafrikaner. Seine Mutter war Französin und sein Vater Russe.<ref name="guardian"/><ref name="sewell"/> Die Behandlung schwarzer Landarbeiter durch ihre weißen Chefs empfand der jugendliche Blank als menschenverachtend, sie empörte und politisierte ihn. Die Russische Revolution begeisterte Blank.<ref name="woods"/> Nach der Scheidung seiner Eltern nahm die Mutter Untermieter auf, unter welchen sich der Kommunist Ralph Lee befand.<ref name="sewell"/><ref name="woods"/> Durch ihn kamen der 15-jährige Blank und seine Schwester Zena in Kontakt mit der von Trotzki gegründeten Internationalen Linken Opposition und schlossen sich dieser Bewegung an.<ref name="sewell"/> Zusammen mit einigen Weggefährten siedelte Blank Ende 1934 nach London über, wo ihm die Umstände für revolutionäre Arbeit besser zu sein schienen.<ref name="wsws"/> Weil er und sein Genosse Max Basch nur Plätze auf dem Schiff einer deutschen Reederei für die Passage fanden, änderten sie aus Sicherheitsgründen ihre Namen in Edward Grant und Sid Frost, welche sie von Mitgliedern der Besatzung übernahmen.<ref name="independent"/>
Danach gab Grant statt seines Geburtsnamens stets „Blank“ („unbeschrieben“) als seinen früheren Nachnamen an.<ref name="militant"/><ref name="independent"/><ref name="wsws"/> In den 1930er Jahren wollte er durch diese Geheimhaltung seine Familie vor faschistischer Verfolgung schützen. Seinen Geburtsnamen kannten zeit seines Lebens nur seine Familie und ausgewählte Freunde.<ref>„He said this was to protect his family, understandable when entering revolutionary politics in the 1930s as the fascist tyrannies swept Europe, (...)“, Nachruf in The Guardian, 27. Juli 2006</ref>
Seine Schriften befassten sich mit zeitgenössischen theoretischen Herausforderungen (sowjetische Besetzung in Osteuropa, Guerillakampf<ref name="sewell"/>, wirtschaftlicher Aufschwung der westlichen Industrieländer<ref name="wsws"/>) und sind Zeugnis politischer Auseinandersetzungen, die zu einer Serie von Spaltungen der trotzkistischen Weltbewegung führten. Im Jahre 1983 wurden er und vier andere Mitglieder des Herausgebergremiums der Zeitschrift Militant auf Veranlassung des Vorsitzenden Michael Foot aus der Labour Party ausgeschlossen.<ref>Nachruf, The Independent, 9. August 2006</ref>
Als Grant 1992 nach internen Konflikten (aus seiner Sicht) aus dem CWI ausgeschlossen wurde, wirkte er, zusammen mit Alan Woods, am Neuaufbau der alten CWI-Struktur mit.<ref name="wsws"/> Diese Organisation bezeichnet sich seit Sommer 2006 als Internationale Marxistische Tendenz und seit 2024 als Revolutionäre Kommunistische Internationale.<ref name="relaunch"/>
Politische Strategie
Revolutionäre Gruppen, die sich bewusst außerhalb jener „Massenorganisationen“ bewegten und bewegen werden von Grant und den „Grantisten“ i. d. R. als „Sekten“ bezeichnet.<ref name="sekten"/>
Anders als im linken Spektrum üblich, wird der Sektenbegriff also nicht vorrangig auf die Ideologie und/oder auf die vermeintlich größere/kleinere Mitgliederzahl „konkurrierender“ „revolutionärer“ Gruppen, sondern auf deren Verhältnis zu den „Massenorganisationen der Arbeiterklasse“ bezogen. Wiederholt hat Grant jungen Trotzkisten die Maxime „Wendet euch von den Sekten ab!“ („Turn your back on the sects“) mit auf den Weg gegeben.<ref name="armanski"/> Grant verstand den Begriff der politischen Sekte also weniger als eine polemische Kampfvokabel, sondern vielmehr als einen objektiven Begriff.<ref name="sekten"/> Seine Definition war allerdings umstritten. Im Gegenzug ist Grants Strategie als „Langzeitentrismus“ bezeichnet und oft als eine versteckte Form des Reformismus und Opportunismus kritisiert worden von Seiten solcher revolutionären Kräften, die bewusst außerhalb solcher Verbände arbeiten.<ref>Der Begriff „Langzeitentrismus“ wird verwendet in dem Grant- und Marxismus-kritischen Buch von Jens Peter Steffen: Militant Tendency. Trotzkismus in der Labourparty, Dissertation 1994, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main</ref> Ted Grant zeigte sich auf solche Anwürfen hin unaufgeregt und gab als Antwort häufig: „Laß die Geschichte entscheiden!“ („Let history decide!“).
Dabei ging Grant von einer „historisch-politischen“ Betrachtungsweise aus: Revolutionäre Marxisten seien – egal ob ihre Organisationen ein paar Dutzend oder ein paar Tausend Mitglieder umfasst – unter gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen in der Situation einer randständigen Minderheit. Diese könnten das Ziel, irgendwann in der Zukunft die gesamte Gesellschaft zu revolutionieren nur erreichen, wenn sie heutzutage zumindest schafften, die „rechten“ Arbeitermassenorganisationen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Die notwendige politische Erfahrung könnten sie nur sammeln in der direkten Auseinandersetzung mit den politischen Ideologien und Repräsentanten des „Klassengegners“.<ref name="sewell2"/>
Organisationen
Heute berufen sich fünf rivalisierende Dachorganisationen auf die politischen Lehren von Ted Grant:
- Committee for a Workers’ International (CWI)<ref>Taaffe, Peter: Die Internationale. Geschichte des Komitees für eine Arbeiterinternationale, Berlin 2000, S. 7.</ref>
- International Socialist Alternative (ISA)<ref>United Secretariat of the Fourth International – USFI Congress 1965. In: International Socialist Alternativ. Abgerufen am 18. Januar 2026.</ref>
- International Marxist Tendency (IMT)<ref>Was ist die Revolutionäre Kommunistische Internationale der ehemaligen International Marxist Tendency von Alan Woods? – Teil 2. In: WSWS. Abgerufen am 18. Januar 2026.</ref>
- International Revolutionary Left (IRL)
- Internationalist Standpoint (IS)<ref>Statement zur Gründung des IS. In: Internationalist Standpoint. 31. Januar 2022, abgerufen am 18. Januar 2026.</ref>
In Deutschland arbeiten die grantistischen Gruppen Sozialistische Alternative (SAV), Sozialistische Organisation Solidarität (SOL), Der Funke – Marxistische Linke sowie Offensiv – Marxistische Organisation innerhalb der Linkspartei. Die Funke-Gruppe ist ferner ebenso im Jugendverband der SPD aktiv. In Österreich und der Schweiz arbeiten die Funke-Gruppen grundsätzlich innerhalb der Sozialdemokratie. Die zum CWI gehörende Sozialistische Offensive sowie die zur ISA gehörende Sozialistische LinksPartei (SLP) bilden hingegen unabhängige Organisationen.<ref>Armin Pfahl-Traughber: Linksextremismus in Deutschland: eine kritische Bestandsaufnahme (= Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung. Band 1569). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2015, ISBN 978-3-8389-0569-3.</ref>
Werke
- The Unbroken Thread. The Development of Trotskyism over 40 Years (Selected Works), London 1989
- Aufstand der Vernunft (gemeinsam mit Alan Woods), London 1995, dt. Ausgabe 2002
- Russia: From Revolution to Counter-Revolution, Well Red Publications (englisch, 1997) ISBN 1-900007-02-9
- History of British Trotskysm, London 2002
Weblinks
- Literatur von und über Ted Grant im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von TG im Marxists Internet Archive
- World Socialist Website: Ted Grant 1913–2006 Erster Teil, Zweiter Teil
Einzelnachweise
<references> <ref name="independent"> Andy McSmith: Ted Grant – Founder of the Trotskyite group Militant Tendency who never abandoned his revolutionary ideals. In: The Independent. 9. August 2006, abgerufen am 18. Januar 2026. </ref> <ref name="militant"> Andy Beckett: Militant by Michael Crick review – Britain's successful leftwing sect. In: The Guardian. 8. April 2024, abgerufen am 17. Januar 2026. </ref> <ref name="guardian"> Bob Wade: Ted Grant – Trotskyite behind the Militant Tendency's infiltration of the Labour party. In: The Guardian. 27. Juli 2006, abgerufen am 18. Januar 2026. </ref> <ref name="wsws"> Ann Talbot: Ted Grant 1913 - 2006 – Eine politische Würdigung des ehemaligen Führers der britischen Militant-Tendenz. In: World Socialist Web Site. Internationales Komitee der Vierten Internationale, 19. Oktober 2006, abgerufen am 18. Januar 2026. </ref> <ref name="sewell"> Rob Sewell: Ted Grant: A Brief Biography. In: Marxists’ Internet Archive. Mai 2002, abgerufen am 18. Januar 2026. </ref> <ref name="woods"> Alan Woods: Ted Grant: Ted Grant: 1913-2006. In: marxist.com. 20. Juli 2006, abgerufen am 18. Januar 2026. </ref> <ref name="relaunch"> It is time to launch a Revolutionary Communist International! In: marxist.com. 12. Februar 2024, abgerufen am 18. Januar 2026. </ref> <ref name="sekten"> Kim Nowak: Der Funke ist nicht übergesprungen. In: Klasse gegen Klasse. 8. Februar 2023, abgerufen am 18. Januar 2026. </ref> <ref name="armanski"> Gerhard Armanski: Thesen zur Revisionismus-Kritik. In: PROKLA. Zeitschrift für Kritische Sozialwissenschaft (Bd. 2, Nr. 5: Probleme des Klassenkampfes). 1. Dezember 1972, S. 199–214, doi:10.32387/prokla.v2i5.1321 (prokla.de [abgerufen am 18. Januar 2026]). </ref> <ref name="sewell2"> Rob Sewell: Marxism after Trotsky: introduction to brand new volume of Ted Grant's writings – read it here! In: marxist.com. 16. Januar 2026, abgerufen am 18. Januar 2026. </ref> </references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Grant, Ted |
| ALTERNATIVNAMEN | Grant, Edward; Blank, Isaac (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | südafrikanisch-englischer trotzkistischer Theoretiker und Autor |
| GEBURTSDATUM | 9. Juli 1913 |
| GEBURTSORT | Germiston, Südafrika |
| STERBEDATUM | 20. Juli 2006 |
| STERBEORT | London |