Zum Inhalt springen

Halothan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 24. Januar 2026 um 08:54 Uhr durch imported>Tiroinmundam (Wort ersetzt.).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Strukturformel
Strukturformel von Halothan
Strukturformel ohne Stereochemie
Allgemeines
Freiname Halothan
Andere Namen

2-Brom-2-chlor-1,1,1-trifluorethan

Summenformel C2HBrClF3
Kurzbeschreibung

farblose, leicht flüchtige Flüssigkeit mit süßem Geruch<ref name="GESTIS" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 205-796-5
ECHA-InfoCard 100.005.270
PubChem 3562
ChemSpider 3441
DrugBank DB01159
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N01AB01

Wirkstoffklasse

Narkotikum

Eigenschaften
Molare Masse 197,39 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

1,871 g·cm−3<ref name="GESTIS" />

Schmelzpunkt

−116 °C<ref name="GESTIS" />

Siedepunkt

50,2 °C<ref name="GESTIS" />

Dampfdruck

324 hPa (20 °C)<ref name="GESTIS" />

Löslichkeit
  • schwer in Wasser (3,7 g·l−1 bei 24 °C)<ref name="GESTIS" />
  • mischbar mit Petrolether<ref name="roempp" />
Brechungsindex

1,3697<ref name="roempp">Eintrag zu Halothan. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>
Datei:GHS-pictogram-silhouete.svg Datei:GHS-pictogram-acid.svg Datei:GHS-pictogram-exclam.svg

Gefahr

H- und P-Sätze H: 315​‐​318​‐​335​‐​360
P: 202​‐​261​‐​280​‐​302+352​‐​305+351+338​‐​308+313<ref name="GESTIS" />
MAK
Toxikologische Daten

29.000 ppm (LC50Ratteinh.)<ref>R. A. AL'TSHULER: Pharmacological properties of fluothane (1,1,1,-trifluoro-2-chloro-2-bromoethane) – a preparation for inhalation anesthesia. In: Farmakologiia i toksikologiia. Band 25, 1962, S. 143–151, PMID 14036629.</ref>

Treibhauspotential

50 (bezogen auf 100 Jahre)<ref>G. Myhre, D. Shindell et al.: Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Working Group I contribution to the IPCC Fifth Assessment Report. Hrsg.: Intergovernmental Panel on Climate Change. 2013, Chapter 8: Anthropogenic and Natural Radiative Forcing, S. 24–39; Table 8.SM.16 (ipcc.ch [PDF]).</ref>

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−720,0 kJ/mol<ref name="CRC90_5_21">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-21.</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Halothan ist ein halogenierter Kohlenwasserstoff, der als Inhalationsanästhetikum verwendet wurde.

Geschichte

Halothan wurde erstmals 1951 im Auftrag der Imperial Chemical Industries in London von Charles Walter Suckling (1920–2013)<ref>Michael J. McCann, Colin J. Suckling: Charles Walter Suckling. 24 July 1920–30 October 2013. 19. Dezember 2018, doi:10.1098/rsbm.2018.0025.</ref> synthetisiert. Seit seiner ersten klinischen Anwendung unter dem Handelsnamen als Fluothane am 20. Januar 1956 durch J. Raventós,<ref>Vgl. J. Raventós: Action of Fluothane. A new volatile anaesthetic. In: British Journal of Pharmakology. Band 11, 1956, S. 384 ff.</ref> der das Halothan zunächst mit Suckling pharmakologisch erprobt hatte, und Michael Johnstone<ref>M. Johnstone: The human cardiovascular response to fluothane anaesthesia. In: British Journal of Anaesthesiology. Band 28, Nr. 9, S. 392–410.</ref> in Manchester wird es als nach Chloroform erstes klinisch langzeitig verwendetes und brauchbares halogeniertes Inhalationsanästhetikum,<ref>H. Orth, I. Kis: Schmerzbekämpfung und Narkose. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 1–32, hier: S. 15 und 26.</ref><ref>Otto Mayrhofer: Gedanken zum 150. Geburtstag der Anästhesie. In: Der Anaesthesist. Band 45, 1996, S. 881–883, hier: S. 882.</ref> das über die Atemwege zugeführt wird, eingesetzt. Es ersetzte bereits 1957 weitgehend den Äther und hatte unter anderem den Vorteil, dass es im Gemisch mit Sauerstoff nicht entflammbar war. Halothan ist in Europa und den USA dann 20 bis 25 Jahre später weitgehend von den neueren halogenierten Anästhetika (Flurane wie Isofluran, Sevofluran und Desfluran) abgelöst worden. Halothan wurde 1997 in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation aufgenommen.

Gewinnung und Darstellung

Die industrielle Synthese von Halothan erfolgt ausgehend von Trichlorethylen, welches mit Fluorwasserstoff in Gegenwart von Antimontrichlorid bei 130 °C zu 2-Chlor-1,1,1-trifluorethan reagiert. Dieses reagiert dann mit Brom bei 450 °C weiter zu Halothan.<ref>Suckling u. a.: PROCESS FOR THE PREPARATION OF 1,1,1-TRIFLUORO-2-BROMO-2-CHLOROETHANE. US patent 2921098, granted January 1960, assigned to Imperial Chemical Industries.</ref>

Halothan-Synthese
Halothan-Synthese

Eigenschaften

Erwünschte Eigenschaften

Halothan ist eine farblose Flüssigkeit mit süßem Geruch. Da Halothan sehr lichtempfindlich ist, wird es meist in braunen Flaschen gelagert. Halothan ist gut blut- und fettlöslich. Es flutet im Blut recht schnell an und ab, weshalb es als Narkosemittel besonders geeignet ist. Außerdem bildet es keine explosiven Gemische, lässt sich mit Distickstoffmonoxid (N2O) kombinieren (Dosisreduktion möglich) und ist ein äußerst potentes Inhalationsnarkotikum. Der therapeutische Bereich liegt etwa bei 0,5–1 % atm. Alveolarkonzentration.<ref>H. H. Frey, W. Löscher: Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie für die Veterinärmedizin. 2. Auflage. Enke Verlag, 2007, ISBN 3-8304-1070-0 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Zudem kann es zur Durchbrechung eines Status asthmaticus<ref>S. H. Schwartz: Treatment of status asthmaticus with halothane. In: J. Amer. Med. Ass. Band 251, 1984, S. 2688–2689.</ref> bzw. Behandlung eines Bronchospasmus eingesetzt werden.<ref>C. M. Colaco, R. R. Crago, A. Weisbert: Halothane for status asthmaticus in the intensive care unit. A case report. In: Canad. Anaesth. Soc. J. Band 25, 1978, S. 329–330.</ref><ref>C. A. Hirshman, N. A. Bergman: Halothane and enflurane protect against bronchospasm in a dog asthma model. In: Anesthesiology. Band 56, 1982, S. 107–111.</ref>

Unerwünschte Eigenschaften

Halothan weist, wie fast alle Narkotika, eine geringe therapeutische Breite auf und bewirkt einen dosisabhängigen Blutdruckabfall. Die Herzfrequenz bleibt unter Halothan gleich oder nimmt ab.<ref>Reinhard Larsen: Anästhesie und Intensivmedizin in Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. (1. Auflage 1986) 5. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York u. a. 1999, ISBN 3-540-65024-5, S. 3–6, hier: S. 3 f.</ref> Des Weiteren sensibilisiert Halothan den Herzmuskel gegen Katecholamine, weshalb es auch zu Herzrasen kommen kann. Bei der Metabolisierung (etwa 15–20 %) in der Leber werden Bromidionen frei, die in größeren Mengen toxisch wirken, Allergien auslösen können und das Immunsystem supprimieren. In seltenen Fällen (1:10.000) entwickelt sich (als allergische Reaktion) eine Halothan-Hepatitis, weshalb empfohlen wird, Patienten nur alle drei Monate mit Halothan zu narkotisieren. Hier ist festzuhalten, dass das Personal, anders als der Patient, sehr stark belastet sein kann.

Unter der Verwendung von Halothan kann es zur malignen Hyperthermie kommen.

Halothan verliert als Narkotikum immer mehr an Bedeutung, da halogenierte Ether wie Enfluran, Isofluran oder Sevofluran deutlich bessere pharmakologische Eigenschaften besitzen.

Die atmosphärische Lebensdauer beträgt ein Jahr, das Treibhauspotential (GWP) 50 und die Emissionen liegen bei 250 Tonnen pro Jahr.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Handelsnamen

Halothan ist in Deutschland und in der Schweiz nicht mehr im Handel. Es war unter den Namen Fluothane (D), Narcotan (D) und Halothane BP (CH) verfügbar.

Literatur

  • Erich Kirchner (Hrsg.): 20 Jahre Fluothane. Springer, Berlin 1978 (= Anaesthesiologie und Intensivmedizin. Band 109), ISBN 978-3-540-08602-4.
  • Max S. Sadove, Vernon E. Wallace: Halothane. Blackwell Scientific Publications, Oxford 1962.
  • Charles W. Suckling: Some chemical and physiological factors in the development of “fluothane”. In: British Journal of Anaesthesiology. Band 29, 1957, S. 466 f.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein

Vorlage:Hinweisbaustein