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Antimon(III)-chlorid

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(Weitergeleitet von Antimontrichlorid)

Vorlage:Infobox Chemikalie

Antimon(III)-chlorid (SbCl3) ist eine chemische Verbindung bestehend aus den Elementen Antimon und Chlor. Es gehört zur Stoffklasse der Chloride.

Geschichte

Antimon(III)-chlorid wurde zuerst von Johann Rudolph Glauber im 17. Jahrhundert dargestellt.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Gewinnung und Darstellung

Antimon(III)-chlorid kann durch Reaktion von Antimon oder Antimon(III)-oxid mit konzentrierter Salzsäure gewonnen werden.<ref name="bg" />

Ebenfalls möglich ist die Darstellung aus den Elementen<ref name="brauer">Georg Brauer (Hrsg.), unter Mitarbeit von Marianne Baudler u. a.: Handbuch der Präparativen Anorganischen Chemie. 3., umgearbeitete Auflage. Band I, Ferdinand Enke, Stuttgart 1975, ISBN 3-432-02328-6, S. 588.</ref> oder die Reaktion von Antimon(III)-sulfid mit heißer konzentrierter Salzsäure.<ref name="Eckard Amelingmeier">Vorlage:Literatur</ref>

<chem>2Sb + 3Cl2 -> 2SbCl3</chem>

Bei Paracelsus (16. Jahrhundert) finden sich Anweisungen zur Herstellung von Antimonbutter, etwa aus Antimontrisulfid und Quecksilberchlorid.<ref>Friedrich Dobler: Die chemische Fundierung der Heilkunde durch Theophrastus Paracelsus: Experimentelle Überprüfung seiner Antimonpräparate. In: Veröffentlichungen der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie, Neue Folge, 10, 1957, S. 76–86, hier: S. 82 f.</ref>

Eigenschaften

Physikalische Eigenschaften

Antimon(III)-chlorid liegt in Form einer farblosen weichen Masse mit stechendem Geruch vor, welche an feuchter Luft raucht. Die Dämpfe von Antimon(III)-chlorid sind etwa achtmal so schwer wie Luft.<ref name="GESTIS" /> Die Verbindung kristallisiert in einer orthorhombischen Kristallstruktur mit der Vorlage:Raumgruppe.<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref>

Chemische Eigenschaften

Antimon(III)-chlorid ist leicht löslich in Wasser, hydrolysiert jedoch heftig bei Zugabe größerer Mengen Wasser, wobei Antimon(III)-oxidchlorid<ref name="bg" /> und Chlorwasserstoff entstehen.<ref name="GESTIS" />

<chem>SbCl3 + H2O -> SbOCl + 2HCl</chem>

Verwendung

Antimon(III)-chlorid wird als Reagenz zum Nachweis von Vitamin A und anderen Carotinoiden beim Carr-Price-Test verwendet, wobei eine blaue Komplexverbindung entsteht, die durch Kolorimetrie gemessen werden kann.<ref name="W.L.F. Armarego">Vorlage:Literatur</ref> Es dient weiterhin als Katalysator für Polymerisations- und Chlorierungsreaktionen in der organischen Chemie, zum Beizen von Gewebe, Brünieren von Gewehrläufen,<ref name="Eckard Amelingmeier" /> bei der Herstellung von Flammschutzmitteln, Pigmenten und anderen Antimonverbindungen. Weiterhin wurde die Verbindung früher Absinth zugesetzt, um künstlich eine milchige Trübung des Getränks hervorzurufen<ref name="ARNOLD">Vorlage:Literatur</ref>.

Sicherheitshinweise

Die Befunde zur Gentoxizität den Antimon(III)-chlorid sind nicht einheitlich. Insgesamt scheint die Verbindung, zumindest in vivo, gentoxisch zu wirken.<ref name="bg" />

Antimon(III)-chlorid wurde 2018 von der EU gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH) im Rahmen der Stoffbewertung in den fortlaufenden Aktionsplan der Gemeinschaft (CoRAP) aufgenommen. Hierbei werden die Auswirkungen des Stoffs auf die menschliche Gesundheit bzw. die Umwelt neu bewertet und ggf. Folgemaßnahmen eingeleitet. Ursächlich für die Aufnahme von Antimon(III)-chlorid waren die Besorgnisse bezüglich der möglichen Gefahren durch krebsauslösende und reproduktionstoxische Eigenschaften. Die Neubewertung fand ab 2018 statt und wurde von Deutschland durchgeführt. Anschließend wurde ein Abschlussbericht veröffentlicht.<ref>Europäische Chemikalienagentur (ECHA): Substance Evaluation Conclusion and Evaluation Report.</ref><ref>Vorlage:CoRAP-Status</ref>

Trivia

In der TV-Serie Der Doktor und das liebe Vieh (Staffel 3, Folge 12) verenden mehrere Kälber durch eine rätselhafte Vergiftung, bis sich herausstellt, dass ihre Hornansätze kurz zuvor mit Antimontrichlorid weggeätzt worden waren. Die entstandenen antimonhaltigen Krusten fielen in das Futter und wurden mitgefressen.

Einzelnachweise

<references />