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DE-CIX

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DE-CIX Management GmbH

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | DE-CIX 202x logo.svg
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1995
Sitz Köln, DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
Leitung Ivo Ivanov (CEO), Thomas King (CTO), Christian Reuter (CSO) und Alexander Hüsch (CFO)<ref>Vorstand. In: de-cix.net. Abgerufen am 13. November 2025.</ref>
Website www.de-cix.net

Deutsche Commercial Internet Exchange (DE-CIX; Aussprache [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈdeːˌkɪks])<ref>25 Terabit pro Sekunde: DE-CIX erzielt neuen globalen Rekord im Datendurchsatz. (PDF) DE-CIX, 9. April 2025, abgerufen am 9. Oktober 2025.</ref> ist ein Internetknoten-Betreiber mit Hauptsitz in Köln. Das Unternehmen bietet seine Peering-, Cloud- und Interconnection-Services an 60 Standorten in Europa, Afrika, Nord- und Südamerika, dem Nahen Osten, Indien und Südostasien an. Dabei bietet DE-CIX neben dem Betrieb eigener Internetknoten (Internet Exchanges oder IXs) auch den technischen Betrieb von Internetknoten für Partner an (z. B. UAE-IX). DE-CIX ist von Rechenzentren in über 600 Städten weltweit aus erreichbar und verbindet Tausende Netzbetreiber (Carrier), Internet Service Provider (ISP), Content-Anbieter und Firmennetze aus mehr als 100 Ländern miteinander. Gemessen am Datendurchsatz ist der DE-CIX Frankfurt einer der größten Internetknoten der Welt.<ref>Weltweit führend: Internet-Knoten DE-CIX in Frankfurt - Onlineportal von IT Management. In: it-daily.net. 11. Januar 2022, abgerufen am 11. November 2022.</ref> Unter dem Dach der DE-CIX Group AG sind alle nationalen und internationalen DE-CIX-Aktivitäten und -Gesellschaften zusammengefasst.<ref>DE-CIX erweitert Management-Team. DE-CIX, 1. September 2022, abgerufen am 11. November 2022.</ref> Weltweit sind mehr als 250 Mitarbeiter aus über 35 Nationen bei DE-CIX beschäftigt.<ref>Über DE-CIX Aufsichtsrat. DE-CIX, abgerufen am 26. Mai 2025.</ref>

Geschäftsmodell

DE-CIX betreibt weltweit Internetknoten und bietet seinen Kunden verschiedene Interconnection-Dienste an. Das Kerngeschäft bildet dabei die Bereitstellung umfangreicher „Peering“-Optionen. Beim Peering können Kunden von DE-CIX durch die Nutzung der Rechenzentrum- und Carrier-neutralen Infrastruktur des Unternehmens gegen eine monatliche Gebühr einen umfassenden Datenaustausch und -verkehr zwischen ihren Netzwerken und den Netzwerken anderer an DE-CIX angeschlossener Peering-Partner (auch „Peers“ genannt) einrichten. Peering ist eine Alternative zum IP-Transit-Verfahren, bei dem Netzwerkbetreiber ihren Datenverkehr kostenpflichtig und je nach Ziel individuell durch das Netzwerk eines größeren Anbieters leiten lassen. Neben den auf Peering spezialisierten Internet Exchanges, betreibt DE-CIX seit 2013 an vielen seiner weltweiten Standorte auch Cloud Exchanges, die den Kunden von DE-CIX die Anbindung an über 50 Cloud Service Provider ermöglichen.

Geschichte

Datei:Postamt Mainzer Landstr. 237, Frankfurt am Main.jpg
Das ehemalige Postamt Mainzer Landstraße

Der DE-CIX wurde im Herbst 1995, unter anderem durch Harald A. Summa und Arnold Nipper, gegründet und war ursprünglich ein Projekt, um die drei Internet-Service-Provider (ISPs) MAZ Hamburg, EUnet Dortmund und XLink Karlsruhe zusammenzuschließen. Der erste Standort in Frankfurt befand sich in einem ehemaligen Telegramm-Postamt und war mit 2 Mbit/s angebunden.<ref>Provider verbessern Datenfluss. In: Computerwoche. 7. April 1995, abgerufen am 16. Februar 2024.</ref> Das Postamt wurde als Standort ausgewählt, da hier die ITENOS ein Rechenzentrum betrieb, das für ein europäisches Sprachnetz der EuroDATA GmbH bereits mit 32 Mbit/s Glasfaser angebunden war. Den Betrieb übernahm der eco Verband der Internetwirtschaft e. V.

1997 zog der DE-CIX in ein neues Rechenzentrum der Firma Interxion, heute Digital Realty, an der Hanauer Landstraße in Frankfurt am Main um. Im Jahr 2001 wurden die kommerziellen Aktivitäten des DE-CIX in die DE-CIX Management GmbH mit Sitz in Köln überführt, eine hundertprozentige Tochter des eco-Verbandes.<ref>Thorsten Neuhetzki: DE-CIX - Die deutsche Drehscheibe des Internets. In: teltarif.de. 27. April 2010, abgerufen am 16. Februar 2024.</ref> Im selben Jahr ging in Frankfurt der DE-CIX 2 in Betrieb, um die Platzprobleme im alten Rechenzentrum zu lösen und die Ausfallsicherheit durch Redundanz zu steigern. Der neue und der alte Standort wurden durch Glasfaserleitungen miteinander verbunden. Der wachsende Internet-Verkehr sowie die wachsende Forderung nach höherer Ausfallsicherheit führte zu einem dritten Standort, der im Januar 2004 in Betrieb genommen und bei der Telecity Group in der Gutleutstraße in Frankfurt am Main installiert wurde.

2014 war die technische Infrastruktur des DE-CIX in Frankfurt bereits auf 18 Rechenzentren bei acht Anbietern verteilt, vor allem bei den Unternehmen Equinix und Interxion.<ref>Friedhelm Greis: Wie sich der Internetknoten Frankfurt abhören lässt. In: Golem. 6. November 2014, abgerufen am 17. Februar 2024.</ref> Während des Jahres 2018 fand der größte Umzug in der Geschichte von DE-CIX statt. Dabei wurden etwa 15 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und die Anschlüsse von 450 Kunden während des laufenden Betriebes migriert. Der zusätzliche Standort befindet sich auf dem Campus Kleyerstraße in Frankfurt-Gallus.<ref>DE-CIX bewältigt größten Infrastruktur-Umzug in der Unternehmensgeschichte. In: datensicherheit.de. 16. Oktober 2018, abgerufen am 17. Februar 2024.</ref> Nach eigenen Angaben wickelt der DE-CIX Frankfurt heute einen großen Teil des deutschen Peering-Verkehrs ab und gehört gemessen an der Anzahl der angeschlossenen Netzwerke (Platz 2), dem Datenverkehr in Spitzenzeiten (Platz 2) und dem durchschnittlichen Datendurchsatz (Platz 2) zu den drei größten Internetknoten der Welt.<ref>https://peeringdb.mazzini.org/customers.html</ref><ref>https://ix.br/trafego/agregado/sp</ref><ref>https://www.de-cix.net/en/locations/frankfurt/statistics</ref><ref>https://www.ams-ix.net/ams/documentation/total-stats</ref><ref>https://portal.linx.net/services/lans-flow</ref>

Standorte

Der Internetknoten DE-CIX Frankfurt ist in über 50 Rechenzentren, unter anderem von Digital Realty und Equinix in Frankfurt am Main, redundant untergebracht.<ref>Where to connect to DE-CIX. DE-CIX, abgerufen am 11. November 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zusätzlich betreibt DE-CIX in Deutschland derzeit eigene Austauschpunkte in Hamburg (seit 2002), München (seit 2008), Düsseldorf (seit 2015) und Leipzig (seit 2022) sowie weitere Internetknoten zusammen mit Partnern im Ruhrgebiet (Ruhr-CIX, seit 2021).<ref>Stefan Krempl: Netzknoten DE-CIX Leipzig: "Datenturbo für Mitteldeutschland". In: heise online. 14. Oktober 2022, abgerufen am 19. Oktober 2022.</ref> DE-CIX geht auch Partnerschaften mit anderen Internetknotenbetreibern ein, um seine geografische Abdeckung auf diese Standorte auszuweiten, zum Beispiel in Berlin (Partner-IX betrieben von BCIX).

Der im Jahr 2012 in Kooperation mit dem Telekommunikationsunternehmen und Rechenzentrumsbetreiber du/Datamena in Betrieb genommene United Arab Emirates Internet Exchange (UAE-IX) in Dubai war der erste von DE-CIX für Partner betriebene Internetknoten und zugleich der erste von DE-CIX betriebene Internetknoten außerhalb Deutschlands. Im Herbst 2013 expandierte DE-CIX nach Nordamerika und eröffnete einen neuen Standort in New York, der 2014 in Betrieb genommen wurde. Im Jahr darauf wurde die Eröffnung von DE-CIX Istanbul, DE-CIX Marseille und DE-CIX Palermo angekündigt. Mit den Standorten in Marseille und Palermo sowie der Eröffnung eines weiteren Standortes in Madrid im Jahr 2016, richtete DE-CIX gleich mehrere neue Internetknoten in Südeuropa ein. Im selben Jahr wurde in Dallas ein zweiter DE-CIX Standort in Nordamerika eröffnet. Seit Oktober 2018 ist das Unternehmen auch in Moskau (Partner-IX betrieben von MSK-IX) vertreten.<ref>Natalie Bannerman: DE-CIX enters into strategic partnership with MSK-IX. In: capacity. 24. Oktober 2018, abgerufen am 1. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Anfang 2020 folgte St. Petersburg (Partner-IX, ebenfalls betrieben von MSK-IX). Ende 2018 folgte mit DE-CIX Lissabon ein weiterer Internetknoten in Südeuropa.<ref>DE-CIX veröffentlicht Geschäftszahlen 2018: Starkes globales Umsatz- und Kundenwachstum prägt die Internationalisierung. In: DE-CIX. 18. Juni 2019, abgerufen am 1. Mai 2024.</ref> Nachdem DE-CIX bereits im Jahr 2017 einen Internetknoten in Mumbai (Mumbai-IX) eröffnet hatte, kündigte das Unternehmen 2019 den Ausbau seiner Präsenz in Indien an. Das Joint-Venture DE-CIX Interwire Internet Services Ltd. nahm unter der Marke DE-CIX drei neue Standorte in Delhi, Kalkutta und Chennai in Betrieb.<ref>DE-CIX erweitert Präsenz in Indien: Neue Standorte in Delhi, Kalkutta und Chennai. In: DE-CIX. 22. Januar 2019, abgerufen am 1. Mai 2024.</ref> Später im Jahr folgte die Ankündigung der Standorte Johor Bahru und Kuala Lumpur in Malaysia – die ersten DE-CIX-Standorte in der Region Südostasien. Die dortige Präsenz wurde im Januar 2020 um den Standort Singapur erweitert. Ebenfalls im Jahr 2020 wurden der von DE-CIX betriebene Internetknoten SEECIX in Athen, und danach DE-CIX Barcelona angekündigt. Zum Abschluss des Jahres erweiterte DE-CIX zudem seine Präsenz in Nordamerika um zwei Standorte in Richmond und Chicago. Im Februar 2021 wurde bekanntgegeben, dass DE-CIX in Kooperation mit dem staatlichen Unternehmen Unified National Networks einen Internetknoten für einen lokalen Telekommunikationsanbieter in Bandar Seri Begawan in Brunei einrichten und betreiben würde (Borneo-IX, powered by DE-CIX).<ref>Rasidah Hj Abu Bakar: Brunei launches first internet exchange point. In: The Scoop. 9. Februar 2022, abgerufen am 1. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In der zweiten Jahreshälfte 2021 wurde zudem der westlichste DE-CIX Standort in Phoenix, Arizona, eröffnet und das Unternehmen kündigte seine Expansion nach Nordeuropa an. Dazu wurden fünf neue Standorte eingerichtet: Kopenhagen und Esbjerg in Dänemark, Oslo und Kristiansand in Norwegen sowie Helsinki in Finnland.

Im März 2022 wurde eine Partnerschaft mit IRAQ-IXP beschlossen, im Zuge derer DE-CIX den Betrieb eines Internetknotens in Bagdad übernahm.<ref>Editor: DE-CIX signs Strategic Partnership IRAQ-IXP | Iraq Business News. 3. April 2022, abgerufen am 19. Oktober 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im selben Jahr ging DE-CIX in Jordanien eine Kooperation mit dem Projekt Aqaba Digital Hub zum Aufbau des Internetknotens AqabaIX ein.<ref>AqabaIX powered by DE-CIX heads to the Red Sea. 12. April 2022, abgerufen am 19. Oktober 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Auch in Afrika ist DE-CIX inzwischen durch Partnerschaften vertreten: Das Unternehmen baut seit Ende 2022 den Africa Cloud Interconnection Exchange (AF-CIX powered by DE-CIX) in einem Rechenzentrum des Anbieters Rack Centre in Lagos (Nigeria) auf und entwickelt zudem die Interconnection-Plattform Africa Congo Internet Exchange ACIX mit dem Internet Service und Hosting Provider UNITED S.A. in Kinshasa (Demokratische Republik Kongo). Anfang des Jahres 2025 nahm DE-CIX in Kooperation mit dem katarischen Telekommunikationsunternehmen Ooredoo einen Internetknoten in Doha in Betrieb, den Doha-IX. Im März 2025 eröffnete DE-CIX zudem seine ersten Standorte in Südamerika: DE-CIX Sao Paulo und DE-CIX Rio de Janeiro in Brasilien. Zu weiteren DE-CIX Standorten weltweit zählen Amsterdam, Bengaluru, Bukarest (Partner-IX, betrieben von InterLAN-IX), Fujairah, Houston, Hyderabad, Karatschi, Manila (Partner-IX, betrieben von GetaFIX), Mexiko-Stadt, Moskau (Partner-IX, betrieben von MSK-IX), Osaka, Penang, Prag (Partner-IX, betrieben von NIX.CZ), Queretaro, Sankt Petersburg (Partner-IX, betrieben von MSK-IX), Seattle, Sofia (Partner-IX, betrieben von BIX.BG), Toyko und Warschau (Partner-IX, betrieben von Thinx IX). Insgesamt bietet DE-CIX seine Peering-, Cloud- und Interconnection-Services heute in 60 Standorten in Europa, Afrika, Nord- und Südamerika, dem Nahen Osten, Indien und Südostasien an.

Im September 2025 kündigte DE-CIX an, in Zukunft auch im Weltall Internetknoten betreiben zu wollen, speziell für Satellitennetze im erdnahen Orbit.<ref>https://www.golem.de/news/space-ix-de-cix-arbeitet-am-ersten-internetknoten-fuer-den-orbit-2509-200296.html</ref> Zudem gab das Unternehmen bekannt, gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als Teil des OFELIAS-Projekts der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) an Möglichkeiten zu forschen, den laserbasierten Datenverkehr zwischen LEO-Satelliten und Bodenstationen zu optimieren.<ref>https://www.heise.de/news/Bessere-Satellitenkommunikation-DE-CIX-und-DLR-arbeiten-zusammen-10637538.html</ref><ref>https://connectivity.esa.int/projects/ofelias</ref>

Technik

Datei:DE-CIX Server landscape.jpeg
Server-Racks von DE-CIX (2025)

Für den technischen Betrieb seiner Internetknoten und Interconnection Services, insbesondere im Peering-Segment, setzt DE-CIX seit 2013 auf die eigene Ethernet-basierte Plattform DE-CIX Apollon.<ref>DE-CIX baut in Frankfurt größte Interconnection-Plattform der Welt. 13. April 2013, abgerufen am 5. Juni 2025.</ref> Die wesentliche technische Komponente von DE-CIX Apollon für das IP-Netzwerk bilden Router von Nokia aus der 7750 SR-s und der SR-Reihe, die DE-CIX weltweit einsetzt.<ref>DE-CIX Apollon: Interconnection der Zukunft. Abgerufen am 5. Juni 2025.</ref> An kleineren Standorten (z. B. Lissabon) werden SR1-FP4 Router verbaut und an größeren Standorten (wie z. B. in den Rechenzentren von Digital Realty und Equinix in Frankfurt) werden SR-14s mit FP5 Line-Cards (auf Deutsch: Leitungskarten) genutzt. Die optische Infrastruktur von DE-CIX setzt sich aus Hardware von Smartoptics<ref>Smart Optics. Abgerufen am 5. Juni 2025.</ref>, Optiken von Flexoptix<ref>Flexoptix. Abgerufen am 5. Juni 2025.</ref> und Nokia, sowie ROADM-Technologie von Nokia (nur in New York) zusammen.<ref>Nokia. Abgerufen am 5. Juni 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die Datenzentren, in denen DE-CIX die Apollon-Infrastruktur aufgebaut hat, werden innerhalb eines Großraums (Metroregion bzw. Standort) per Glasfaserkabel miteinander verbunden. Dabei setzt DE-CIX pfad- und knotenredundante Glasfaserverbindungen ein, die möglichst kurz sind, um Latenzzeiten (Round Trip Delay) zu minimieren. DE-CIX betreibt zudem an jedem seiner Internetknoten zwei redundante Route-Server, die es Peering-Partnern ermöglichen, einfach und schnell Daten auszutauschen. Dazu verwendet DE-CIX hauptsächlich die Open-Source Produkte BIRD und künftig auch OpenBGPD. Als Looking Glass setzt DE-CIX auf das Open-Source Tool Alice-LG.<ref>Alice. Abgerufen am 5. Juni 2025.</ref>

Kunden von DE-CIX können sich bei einem Anschluss an einen Internetknoten für unterschiedliche Kapazitäten entscheiden. Dazu bietet DE-CIX verschiedene Portgrößen an. Kleinere von DE-CIX betriebene Internetknoten bieten meist nur 1, 10 oder 100 Gigabit Ethernet (GE) Ports an, während an einigen größeren DE-CIX Standorten seit 2019 zusätzlich 400 GE Ports verfügbar sind. Ende 2025 wurde ein Kunde erstmalig mit einem 800 GE Port angeschlossen.<ref>Deutsche Glasfaser nutzt 800-Gigabit-Internetknoten-Port. Abgerufen am 25. Februar 2026.</ref>

Die meisten Standorte von DE-CIX sind über ein globales Netzwerk miteinander verbunden. Zu diesem Zweck werden redundante Netzwerkkapazitäten über See- und Landkabel mit Bandbreiten von 10 bis mehreren Hundert GE angemietet. Dies ermöglicht es den Kunden weltweit ohne eigene Hardware an den Peering-Ökosystemen von DE-CIX teilzunehmen oder Cloud On-Ramps zu nutzen. Darüber hinaus hat DE-CIX die Bereitstellung seiner Produkte weitgehend automatisiert. Kunden können Interconnection-Dienste online manuell über ein Portal oder über eine Programmierschnittstelle bestellen und konfigurieren.<ref>Interconnection der Zukunft: Intelligent automatisiert zum Erfolg. 13. Januar 2025, abgerufen am 5. Juni 2025.</ref>

Im Jahr 2018 nahm DE-CIX als weltweit erster Internetknoten-Betreiber einen Patch-Roboter in Betrieb, der Kundenports bereitstellen und upgraden kann. Der Roboter steckt Kabel vollautomatisch um, so dass kein Techniker neue Verbindungen vor Ort einrichten muss.<ref>Inga Janović: Am Internetknoten zieht erstmals ein Roboter die Strippen. In: faz.net. 12. September 2018, abgerufen am 1. Mai 2024.</ref> Der DE-CIX-Roboter wurde 2018 bei den Global Carrier Awards als beste Internet-Exchange-Innovation ausgezeichnet.<ref>Global Carrier Awards 2018: DE-CIX’s patch robot chosen as „Best Internet Exchange Innovation“. In: Telecom Ramblings. 25. Oktober 2018, abgerufen am 2. Juli 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Folgejahr wurden zwei weitere Patch-Roboter von DE-CIX in Dienst gestellt.

Eigenen Angaben zufolge stellt DE-CIX im laufenden Geschäftsbetrieb etwa zwei Drittel der vorhandenen Kapazität seinen Kunden zur Verfügung, während die übrige verfügbare Leistung für Redundanzen und zur Pufferung von kurzfristigen Schwankungen verwendet wird. Darüber hinaus werden die Netzwerke der Kunden an den meisten Standorten von DE-CIX durch Blackholing vor DDoS-Angriffen geschützt.<ref name=":0">Eva-Maria Weiß: Videokonferenzen, VPNs, Gaming: Mehr Datenverkehr am DE-CIX. In: heise online. 18. März 2020, abgerufen am 17. April 2020.</ref>

Mitgliedschaften und Engagements

DE-CIX ist Gründungsmitglied der Route Server Support Foundation (RSSF)<ref>RSSF. Abgerufen am 27. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und des gemeinsam mit AMS-IX, LINX, Digital Realty (damals noch Interxion) und EpsilonTEL gestarteten IX-API-Projektes.<ref>IX-API. Abgerufen am 27. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die RSSF finanziert die Weiterentwicklung von Open-Source-Tools rund um OpenBGPD mit der Absicht, zwei unabhängige Softwareprodukte als Route Server an Internetknoten zur Verfügung stellen zu können. Das Ziel von der RSSF ist es, die Resilienz von Route Server-Diensten zu erhöhen. Das IX-API-Projekt hat zum Ziel, eine standardisierte und offene Programmierschnittstelle für Internet- und Cloud-Exchanges bereitzustellen. Die Programmierschnittstelle ist beispielsweise im Peering Manager<ref>Peering Manager. Abgerufen am 1. Mai 2024.</ref> integriert, einem von DE-CIX unterstützten Open-Source-Tool, um Router automatisiert zu verwalten und zu konfigurieren. Darüber hinaus bringt DE-CIX sich in die Weiterentwicklung der Internetinfrastruktur ein und ist im Rahmen der Internet Engineering Task Force (IETF) an der Ausarbeitung von Internet-Standards und Request for Comments (RFCs) beteiligt.

Unternehmensintern betreibt DE-CIX eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die an Fragen der Infrastruktur arbeitet, Fachartikel veröffentlicht und auf wissenschaftlichen Konferenzen teilnimmt. Mitarbeiter von DE-CIX engagieren sich in Organisationen zur Weiterentwicklung des Internets: Beispielsweise ist Harald A. Summa Mitglied des Vorstandes von RIPE Network Coordination Centre, einer unabhängigen gemeinnützigen Organisation, die den Aufbau der Internetinfrastruktur in den von ihr betreuten Regionen durch technische Koordinierung unterstützt.

Datenrate

Der Datendurchsatz am DE-CIX Frankfurt ist über die Jahre stetig angestiegen. Im September 2012 wurde erstmals die Marke von 2 Terabit pro Sekunde überschritten,<ref>Rekord am DE-CIX: 2 Terabit pro Sekunde, heise online vom 22. September 2012.</ref> im April 2015 dann die Marke von 4 Terabit pro Sekunde<ref>DE-CIX erreicht erstmals über 4 Tbit/s Datendurchsatz, computerbase.de vom 30. April 2015.</ref> und im Dezember 2017 wurden über 6 Terabit pro Sekunde gemessen.<ref>New IX world record in Frankfurt: 6.027 Terabits per second peak traffic. In: Telecom Ramblings. 12. Dezember 2017, abgerufen am 12. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 19. September 2019 wurden erstmals 7 Terabit pro Sekunde überschritten,<ref name="7tb" /><ref name="8tb">Neuer Weltrekord am Frankfurter Internetknoten. In: Finanz Informatik. Januar 2020, abgerufen am 12. November 2024.</ref> bevor der Datendurchsatz am 11. Dezember 2019 erstmals auf über 8 Terabit pro Sekunde anstieg.<ref name="8tb">Neuer Weltrekord am Frankfurter Internetknoten. In: Finanz Informatik. Januar 2020, abgerufen am 12. November 2024.</ref> Durch die allgemeinen Beschränkungen während der COVID-19-Pandemie wuchs der Datenverkehr am DE-CIX ab Anfang/Mitte März 2020 um weitere 10 Prozent, wobei der Bereich Videokommunikation sogar um 50 Prozent und der Bereich Gaming um 25 Prozent anstieg. Außerdem gab es Steigerungen bei Social-Media-Aufrufen und VPN-Verbindungen. Am 14. Dezember 2022 wurde am DE-CIX Frankfurt ein Datendurchsatz von 14,4 Terabit pro Sekunde<ref name=":0" /> erreicht und am 20. November 2024 erstmals ein Rekord in Höhe von 18,1 Terabit pro Sekunde. Dieser Datendurchsatz wurde am 9. Dezember 2025 mit einem Transfer von 18,73 TBit/s übertroffen.

Auch global hat der Datenverkehr an den DE-CIX Standorten in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Als ein wesentlicher Treiber für neue Datendurchsatzrekorde (Traffic Peaks) gelten vor allem massenhafte Video- und Software-Downloads. Diese basieren typischerweise auf Betriebssystem-Updates und neuen beziehungsweise aktualisierten Computerspielversionen. Auch das Streamen von Live-Sportveranstaltungen wie den Champions-League-Spielen im Fußball oder NFL-Spielen in hoher Videoqualität erfordert die Verarbeitung großer Datenmengen.

Von den Internetknoten, die DE-CIX weltweit betreibt, tauschen bereits sechs mehr als 1 Terabit pro Sekunde an Daten aus (DE-CIX Frankfurt<ref>Frankfurt Traffic Statistics. Abgerufen am 17. Dezember 2022.</ref>, DE-CIX New York<ref>New York Traffic Statistics. Abgerufen am 17. Dezember 2022.</ref>, DE-CIX Madrid<ref>Madrid Traffic Statistics. Abgerufen am 17. Dezember 2022.</ref>, DE-CIX Dallas<ref>Dallas Traffic Statistics. Abgerufen am 17. Dezember 2022.</ref>, DE-CIX Mumbai<ref>Mumbai Traffic Statistics. Abgerufen am 17. Dezember 2022.</ref> (Stand März 2025) und UAE-IX powered by DE-CIX<ref>One Terabit Cloud. Abgerufen am 17. Dezember 2022.</ref> (Stand Februar 2026)).

Laut Geschäftsbericht des Unternehmens betrug die angeschlossene Kundenkapazität aller globalen DE-CIX Standorte Ende 2024 mehr als 170 Terabit.<ref>DE-CIX Annual Report. Abgerufen am 17. Dezember 2022.</ref> Zum Jahresbeginn 2025 waren mehr als 4.000 Internetdienstanbieter und andere Organisationen aus mehr als 100 Ländern an Internetknoten von DE-CIX angebunden, darunter praktisch alle großen Carrier, Content- und Internet-Service-Provider sowie zahlreiche Unternehmenskunden.

Datendurchsatz zu Spitzenzeiten (DE-CIX Frankfurt)
Durchsatz Datum
16 Gbit/s Dez. 2003<ref name="ripe51"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Update DE-CIX @ EIX RIPE 51 (Memento vom 9. April 2016 im Internet Archive) Präsentation vom 13. Oktober 2005 zum DE-CIX am RIPE 51, Seite 4 (PDF; 1,0 MB)</ref>
23 Gbit/s Aug. 2004<ref name="ripe51" />
49 Gbit/s Okt. 2005<ref name="ripe51" />
90 Gbit/s Nov. 2006<ref name="ripe57">DECIX Update RIPE57 (PDF; 1,0 MB) Präsentation vom Oktober 2008 zum DE-CIX am RIPE 57, Seite 2.</ref>
300 Gbit/s Dez. 2007<ref name="ripe57" />
407 Gbit/s Mai 2008<ref name="ripe57" />
800 Gbit/s Juli 2009<ref name="golemjul2009">Jens Ihlenfeld: DE-CIX halbiert Preise für kleine Provider. In: Golem.de. 13. Juli 2009, abgerufen am 24. Januar 2025.</ref>
1,2 Tbit/s Aug. 2010<ref name="golemaug2010">Jens Ihlenfeld: Mehr als 1 TBit/s am DE-CIX. In: Golem.de. 31. August 2010, abgerufen am 24. Januar 2025.</ref>
2,0 Tbit/s Sep. 2012<ref name="heiseaug2012">Reiko Kaps: Rekord am DE-CIX: 2 Terabit pro Sekunde. In: heise online. 22. September 2012, abgerufen am 24. Januar 2025.</ref>
3,0 Tbit/s Jan. 2014<ref>Telehouse: Exzellente Stromversorgung ist für Frankurt zur Standortqualität geworden. In: Business Wire. 15. Juli 2014, abgerufen am 24. Januar 2025.</ref>
4,0 Tbit/s Apr. 2015<ref>DE-CIX. In: de-cix.net. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Mai 2015; abgerufen am 30. April 2015.</ref>
5,0 Tbit/s Dez. 2015<ref>Peak Data Traffic at DE-CIX Breaks 5 Terabit per Second Record. In: de-cix.net. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 10. Dezember 2015; abgerufen am 9. Dezember 2015.</ref>
6,0 Tbit/s Dez. 2017<ref>Peak New IX World Record in Frankfurt: 6.027 Terabits per Second Peak Traffic. In: de-cix.net. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. Februar 2019; abgerufen am 8. Januar 2018.</ref>
7,1 Tbit/s Sep. 2019<ref name="7tb">7 Terabits per second cracked: New data world record at DE-CIX in Frankfurt. In: iMiller Public Relations. 20. September 2019, abgerufen am 12. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
8,1 Tbit/s Dez. 2019<ref name="8tb" />
9,1 Tbit/s Mär. 2020<ref name="91tb">Highest jump ever: DE-CIX Frankfurt reaches 9.1 Tbps. In: de-cix.net. 11. März 2020, abgerufen am 7. September 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
10 Tbit/s Nov. 2020<ref>Sven Bauduin: Internetknoten DE-CIX: US-Wahlen und Coronakrise sorgen für Traffic-Rekord. In: Computerbase. 4. November 2020, abgerufen am 4. November 2020.</ref>
11 Tbit/s Feb. 2022<ref>DE-CIX: Neuer deutscher Internet-Rekord mit 11 Tbit/s. In: PC-Welt, 2. Februar 2022.</ref>
12,4 Tbit/s Aug. 2022<ref>12 terabits per second data throughput: New record at DE-CIX Frankfurt Internet Exchange. Medienmitteilung von DE-CIX vom 10. August 2022.</ref>
14,4 Tbit/s Dez. 2022<ref>New data record at Europe’s largest Internet Exchange: DE-CIX Frankfurt breaks the sound barrier at 14 Terabits per second. In: de-cix.net. 15. Dezember 2022, abgerufen am 17. Dezember 2022.</ref>
15,3 Tbit/s Sep. 2023<ref name=":1">Martin Holland: Internetknoten: Mehr als 15 Tbit/s dank Champions League und iOS 17 am DE-CIX. In: heise online. 20. September 2023, abgerufen am 4. Mai 2024.</ref>
18,1 Tbit/s Nov. 2024<ref>13 Millionen Jahre Fußball Neuer Rekord an Frankfurter Internetknoten. 22. Januar 2025, abgerufen am 28. Mai 2025.</ref>
Durchschnittlicher Datendurchsatz
Durchsatz Datum
400 Gbit/s Juli 2009<ref name="golemjul2009" />
682 Gbit/s Aug. 2010<ref name="golemaug2010" />
900 Gbit/s Jan. 2011<ref name="heisejan2011">DE-CIX: Internet-Verkehr wächst bis 2015 um den Faktor 20, heise online vom 28. Januar 2011.</ref>
1,2 Tbit/s Aug. 2012<ref name="heiseaug2012" />
1,6 Tbit/s Nov. 2013<ref>Monatsstatistik PNG-Grafik. In: de-cix.net. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. November 2013; abgerufen am 17. November 2013.</ref>
6 Tbit/s Jun. 2018<ref>Thomas Zorn: DE-CIX Frankfurt: Der größte Internetknoten der Welt. In: Top Magazin Frankfurt. 4. Juni 2018, abgerufen am 4. Mai 2024.</ref>
8,5 Tbit/s März. 2020<ref>Eike Kühl: DE-CIX sieht keinen Grund zur Sorge. In: Golem.de. 19. März 2020, abgerufen am 4. Mai 2024.</ref>
11 Tbit/s Sep. 2023<ref name=":1" />
12,1 Tbit/s Apr. 2024<ref>DE-CIX Frankfurt Traffic Statistiken. Abgerufen am 3. Mai 2024.</ref>

Weit weniger Traffic war für das neue Internetprotokoll IPv6 messbar. Im März 2012 liefen durchschnittlich nur 0,8 Gigabit/s an IPv6-Traffic über den DE-CIX, was 0,088 Prozent des IPv4-Traffics entsprach. Nach dem World IPv6 Launch Day am 6. Juni 2012 liefen in Spitzenzeiten (zumeist gegen 21:00 Uhr) schon 3,5 Gigabit/s durch den DE-CIX. Im Mai 2013 liefen durchschnittlich 8 Gbit/s über den DE-CIX. Neuere Statistiken über den IPv6-Anteil liegen nicht vor.

Fernmeldeaufklärung

Im Zuge der Enthüllungen in den Jahren 2013–2015 zu der Arbeit der National Security Agency (NSA) und des Bundesnachrichtendienstes (BND) geriet der DE-CIX verstärkt in den Fokus, da man vermutete, dass die NSA dort direkt Daten ausleite. Dies sei jedoch „technisch unmöglich“, so die Betreiber des DE-CIX. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass die NSA mit Hilfe des Foreign Intelligence Surveillance Acts amerikanische Netzanbieter, die an den DE-CIX angebunden sind, verpflichtet, die Überwachungsmaßnahmen durchzuführen.<ref>Thomas Thiel: NSA-Spionage am Frankfurter Netzknoten? – Der bequemere Weg zu den Datenströmen. FAZ, 3. Juli 2013, abgerufen am 14. August 2015.</ref>

Klaus Landefeld, Beirat der DE-CIX Management GmbH, berichtete am 26. März 2015 im NSA-Untersuchungsausschuss von der Praxis des BND am DE-CIX seit 2009, da nach dem Ende der Operation Eikonal im Jahr 2008 der BND neue Möglichkeiten zur Überwachung des Internets suchte. Landefeld führte aus, dass der BND sich nicht nur für außerdeutsche Leitungen interessiere, wie etwa in den arabischen Raum, sondern auch für innerdeutsche Leitungen, auf denen über 90 Prozent des Verkehrs grundrechtsgeschützt sei. Es ließe sich „absolut nicht trennscharf“ entscheiden, was im Netz „deutsch ist oder nicht“. Auch die 20-Prozent-Regel, nach der Nachrichtendienste ein Fünftel der Leitungskapazität ausleiten dürfen, würde nicht real praktiziert, so Landefeld. Die Provider legen ihre Leitungen so an, dass sie in der Regel nur zu 30 oder 40 Prozent ausgelastet seien. Mit der 20-Prozent-Regel lande man bei 50 bis 60 Prozent des durchgeleiteten Verkehrs, was nicht im Sinne des Gesetzes sei.<ref name="Landefeld">Klaus Landefeld im Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: Wie der BND seit 2009 den Internet-Knoten DE-CIX anzapft. netzpolitik.org, 30. März 2015, abgerufen am 31. März 2015.</ref>

Auch soll das Bundeskanzleramt mehrmals interveniert haben und sowohl die G 10-Kommission, als auch die Bundesnetzagentur davon abgehalten haben, das Abhören zu untersuchen.<ref>NSA-Ausschuss: „BND hat freie Hand bei der Internetüberwachung“. Heise.de, 26. März 2015, abgerufen am 26. März 2015.</ref><ref>NSA-Ausschuss: „DE-CIX erhebt schwere Vorwürfe wegen BND-Abhörung“. golem.de, 26. März 2015, abgerufen am 26. März 2015.</ref>

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Klage gegen den Bund und Verfassungsbeschwerde

Die Betreibergesellschaft des Internet-Knotens DE-CIX klagte vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen die Überwachungsmaßnahmen des BND, da sie die Rechtmäßigkeit der Maßnahmen für unzulässig hielt.<ref>Betreiber des DE-CIX will gegen BND-Überwachung klagen. 23. April 2015, abgerufen am 23. April 2015.</ref> In einem für die DE-CIX Management GmbH erstellten Gutachten kommt der Ex-Präsident des Bundesverfassungsgerichts und emeritierter Professor für öffentliches Recht, Hans-Jürgen Papier, zu dem Fazit, dass die Massenüberwachung des BND an Internet-Knoten illegal sei. Laut Papier könne der BND Gesetze weder rechtlich noch tatsächlich einhalten und „missachtet und überschreitet“ Grundsätze des Grundgesetzes.<ref>Gastbeitrag: Ex-Präsident des Bundesverfassungsgerichts: „BND-Zugriff auf Internet-Knoten wie DE-CIX ist insgesamt rechtswidrig“ – netzpolitik.org. In: netzpolitik.org. 5. August 2016, abgerufen am 5. August 2016.</ref><ref>rsw.beck.de: Professor Dr. Hans-Jürgen Papier: Beschränkungen der Telekommunikationsfreiheit durch den BND an Datenaustauschpunkten (PDF; 149 kB)</ref><ref>Stefan Krempl: Verfassungsrechtler: BND-Datenabgriffe an Netzknoten sind hochgradig illegal – heise online. In: heise.de. 6. August 2016, abgerufen am 7. August 2016.</ref> Die DE-CIX Management GmbH reichte daraufhin Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland ein,<ref>Pressemitteilung DE-CIX — Informationen zur Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland. 16. September 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. November 2018; abgerufen am 11. April 2018.</ref> weil unter anderem die Novelle des BND-Gesetzes die Problematik noch weiter verschärft habe.<ref>NSA-Skandal und BND-Überwachung: Internet-Knoten De-CIX klagt gegen die Bundesrepublik. 16. September 2016, abgerufen am 16. September 2016.</ref> Die Klage stütze sich ferner auf das erwähnte Gutachten sowie die Ergebnisse des NSA-Untersuchungsausschusses und wendet sich gegen die Inanspruchnahme durch den BND im Rahmen der strategischen Fernmeldeüberwachung.

Das Bundesministerium des Innern (BMI) hatte auf Antrag des BND eine Beschränkung des Fernmeldegeheimnisses auf der Grundlage von § 5 Artikel 10-Gesetz (G 10) angeordnet. Der BND hat der DE-CIX Management GmbH diese Anordnung mit Schreiben vom 26. August 2016 in Auszügen übermittelt, ihr als verpflichtete Telekommunikationsanbieterin paketvermittelte Übertragungswege benannt und um weitere Veranlassung gebeten. Mit ihrer Klage, über die das erstinstanzlich zuständige Bundesverwaltungsgericht zu entscheiden hat, macht die DE-CIX Management GmbH geltend, dass Daten aus einem rein inländischen Netzknotenpunkt erhoben würden und auch rein inländischer Telekommunikationsverkehr ausgewertet werde, obwohl § 5 G 10 nur zur Überwachung von internationalen, d. h. grenzüberschreitenden Telekommunikationsbeziehungen ermächtige. Zudem erhebe der BND den Datenverkehr eines bestimmten Ports vollständig ohne die gesetzlich vorgesehene quantitative Beschränkung auf 20 Prozent. Schließlich sei die gesetzliche Ermächtigung des § 5 G 10 verfassungswidrig; zudem verstoße die Schlechterstellung von Ausländern gegen unionsrechtliche Diskriminierungsverbote.

Am 30. Mai 2018 wurde der Fall vor dem Bundesverwaltungsgericht verhandelt; dieses hat in erster und letzter Instanz auf die Klage der DE-CIX Management GmbH entschieden, dass das BMI sie verpflichten kann, bei der Durchführung strategischer Fernmeldeüberwachungsmaßnahmen durch den BND mitzuwirken.<ref name="bverwg-6316">Verfahrensinformation zu 6 A 3.16 – Bundesverwaltungsgericht. In: bverwg.de. Abgerufen am 29. Mai 2018.</ref><ref name="sz-3994191">Ronen Steinke: Betreiber des weltgrößten Internetknotens wirft BND Rechtsbruch vor. In: sueddeutsche.de. 28. Mai 2018, abgerufen am 29. Mai 2018.</ref><ref name="bverwg-201838">Pressemitteilung Nr. 38/2018 – Bundesverwaltungsgericht. In: bverwg.de. 30. Mai 2018, abgerufen am 31. Mai 2018.</ref><ref name="heise-061494">Oliver Bünte: Gerichtsurteil: BND darf weiterhin Internet-Knoten De-CIX anzapfen – heise online. In: heise.de. 31. Mai 2018, abgerufen am 31. Mai 2018.</ref><ref name="tagessch-101">tagesschau.de: Internetknotenpunkt De-Cix: Gericht billigt BND-Abhörpraxis. In: tagesschau.de. 31. Mai 2018, abgerufen am 31. Mai 2018.</ref> Die DE-CIX Management GmbH akzeptiert das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Rechtmäßigkeit der BND-Spionage jedoch nicht. Es sieht die vorgebrachten Fragen nicht geklärt und den Rechtsschutz gefährdet. „Wir sind uns mit unserem Gang nach Karlsruhe sehr sicher“, erklärte Klaus Landefeld, Aufsichtsrat der Management-Gesellschaft, gegenüber heise online. Es gelte, die zahlreichen vom Bundesverwaltungsgericht ungeklärten Rechtsfragen dem Bundesverfassungsgericht vorzulegen. Das Urteil wirft laut dem DE-CIX-Management damit insgesamt Fragen zum effektiven Rechtsschutz auf. So könnten Bürger ohne die erforderlichen Detailkenntnisse nicht darlegen, dass sie selbst von der BND-Überwachung in Frankfurt betroffen seien. Die verpflichteten Unternehmen wiederum dürften die Rechte der Bürger nicht geltend machen.<ref name="heise-062601">Stefan Krempl: BND-Überwachung: De-CIX-Betreiber will vors Bundesverfassungsgericht – heise online. In: heise.de. 31. Mai 2018, abgerufen am 31. Mai 2018.</ref>

Das Bundesverfassungsgericht hat am 19. Mai 2020 sein Urteil in der Sache Strategische Ausland-Ausland-Fernmeldeaufklärung des BND verkündet und dabei entschieden, dass die Überwachung der Telekommunikation von Ausländern im Ausland durch den Bundesnachrichtendienst an die Grundrechte des Grundgesetzes (GG) gebunden ist und nach der derzeitigen Ausgestaltung der Ermächtigungsgrundlagen gegen das grundrechtliche Fernmeldegeheimnis (Art. 10 Abs. 1 GG) und die Pressefreiheit (Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG) verstößt. Dies betrifft sowohl die Erhebung und Verarbeitung der Daten als auch die Übermittlung der hierdurch gewonnenen Daten an andere Stellen wie ebenfalls die Kooperation mit anderen ausländischen Nachrichtendiensten.<ref>Ausland-Ausland-Fernmeldeaufklärung nach dem BND-Gesetz verstößt in derzeitiger Form gegen Grundrechte des Grundgesetzes. In: BVerfG. 19. Mai 2020, abgerufen am 3. Juli 2020.</ref>

Weblinks

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Einzelnachweise

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