Zum Inhalt springen

Kind und Kegel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 31. Oktober 2025 um 12:53 Uhr durch imported>PerfektesChaos (tk k).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Mit Kind und Kegel“ ist eine Redewendung in der Bedeutung „mit der gesamten Familie“ oder umfassend „mit Kindern, Haustieren und Gepäck“.<ref name="Duden-kekel" /> Sie bedeutet eigentlich „mit ehelichem und unehelichem Kind“, weil der frühmittelalterliche Ausdruck kekel das Kind aus einer Kebsehe bezeichnete (Ehe zwischen einem Freien und einer Leibeigenen);<ref name="Adelung-Kegel" /> diese ursprüngliche Bedeutung ging jedoch weitgehend verloren. Die Redewendung vereint zwei Stilmittel: Alliteration und Hendiadyoin.

Wortherkunft

„Kegel“ stammt ab vom althochdeutschen kegil, „Knüppel, Pflock“,<ref name="kluge">Kluge: Etymologisches Wörterbuch. 18. Auflage, S. ??.</ref> und hatte im Mittelalter die zusätzliche Bedeutung „uneheliches Kind“, „Bastard“ oder „Kind einer Kebse/aus einer Kebsehe“. Vermutlich entspricht der Begriff ähnlich gewendeten und gleichfalls geringschätzigen Bezeichnungen wie „Bengel, Prügel, Stift“.<ref name="kluge" /> Durch die hohe Müttersterblichkeit kam es vor, dass nicht nur Kinder aus mehreren Ehen des Mannes in einem Haushalt lebten, sondern dass beim Tod des Mannes und der wirtschaftlich nötigen Wiederverehelichung der Witwe Waisen im Haushalt lebten. Auch solche Waisen wurden der Einfachheit halber als Kegel bezeichnet, obwohl sie ehelich geboren waren.

Ein Kegel hatte weniger Rechte als ein eheliches Kind. Der Begriff „Kind“ bezeichnete damals keinen Lebensabschnitt, sondern einen Ehrenstatus, ähnlich dem Begriff „Herr“. In der Neuzeit ging die soziale Bedeutung der Ehrenhaftigkeit im deutschen Kulturraum allgemein zurück, wobei sich der Begriff „Kind“ generalisierte und der Begriff „Kegel“ fast völlig aus der Sprache verschwand. Lediglich das Thüringische kennt den Begriff noch; dort wird ein ungezogenes, flegelhaftes Kind „Keschel“ genannt. Im Hochdeutschen ist nur noch die Redewendung „Kind und Kegel“ erhalten.

Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm heißt es dazu:<ref>Vorlage:Deutsches Wörterbuch</ref>

„diesz zeugnis reicht übrigens wol ins 13. jh. zurück. doch auch hier erscheint es nicht mehr selbstständig, sondern schon in der verbindung mit kind; diese verbindung, meist ‚kind und kegel‘, ist eine jener formeln, in denen ein sonst erstorbenes wort sich noch lange mit fortschleppt, und diese gerade, die noch heute lebendig ist, wird mit ihrem stabreim bis in die zeit der ältesten alliterierenden dichtung zurückreichen.“

Es folgt ein Beispiel zur Redewendung aus einer vor oder um die Lutherzeit stammenden scherzhaften Ansprache an die versammelten Universitätsmitglieder:<ref>Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. XLVI. Fastnachtspiele aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Nachlese. Von Adelbert von Keller. Stuttgart, 1858, S. 216 (i/j und u/v stellenweise dem Lautwert entsprechend angepasst)</ref>

„Nun hört, ir herren, alle gemain,
Payde grosse und auch klain,
Alt, jung, kegel und kind,
Alle, die hye gesamlet sind.“

Ähnliche Redewendungen

  • „mit Sack und Pack“: bezieht sich nicht auf Personen, sondern auf alles, was sich in Säcken und Packen<ref name="Duden-Packen" /> verstauen lässt.<ref name="Duden-Sack" />

Weblinks

Wiktionary: mit Kind und Kegel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references> <ref name="Duden-kekel"> Kind, das: Bedeutungen (3). Duden Online; abgerufen am 16. Juli 2019; Zitat: „[…] – mit Kind und Kegel (mit der gesamten Familie; mittelhochdeutsch kegel, kekel = uneheliches Kind, wohl identisch mit kegel = Knüppel, Stock, Kegel)“. </ref> <ref name="Adelung-Kegel"> Vorlage:Adelung-1793 Zitat: „ein uneheliges Kind; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche nur in der im gemeinen Leben üblichen R. A. Kind und Kegel vorkommt, d. i. eheliche und uneheliche Kinder, oder die ganze Familie. Mit Kind und Kegel davon gehen, mit seiner ganzen Familie. Er hat weder Kind noch Kegel, keine nahen Erben.“ </ref> <ref name="Duden-Packen"> Packen, der. Duden Online; abgerufen am 16. Juli 2019; Zitat: „Bedeutung: Ganzes von fest aufeinandergelegten, aufeinandergeschichteten [und zusammengebundenen, -gehaltenen] Dingen“. </ref> <ref name="Duden-Sack"> Sack, der: Bedeutungen (4). Duden Online; abgerufen am 16. Juli 2019; Zitat: „[…] – mit Sack und Pack (mit aller Habe; eigentlich = alles das, was man in Säcken oder Packen verstaut)“. </ref> </references>