Zum Inhalt springen

Langit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 3. Oktober 2023 um 14:01 Uhr durch imported>APPERbot (Bot: Link Polymorphie (Materialwissenschaft) nach Polymorphie (Stoffeigenschaft) gändert, siehe WP:RC, Vorlage Commonscat an Inhalte in Commons angepasst).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Langit
Datei:Langite - Richtarova, Spania Dolina, Banska Bystica, Slovakia (Joachim Esche).jpg
Langit (Bildbreite: 5 mm)
Fundort: Alte Halden von Richtarova, Stare Hory, Špania Dolina, Slowakei
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Lgt<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel Cu4[(OH)6|SO4]·2H2O<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfate, Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate, Wolframate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VI/D.03
VI/D.03-020

7.DD.10
31.04.03.01
Ähnliche Minerale Posnjakit, Wroewolfeit
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin (pseudo-orthorhombisch oder pseudo-hexagonal)
Kristallklasse; Symbol monoklin-domatisch; m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe Pa (Nr. 7, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/7.3<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 11,21 Å; b = 6,03 Å; c = 7,12 Å
β = 90,0°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Häufige Kristallflächen {001}, {010}, {100}, {110}, {021}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Zwillingsbildung nach {110} Wiederholungszwillinge mit Schneeflocken- oder Sternenform<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5 bis 3<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,28 bis 3,34; berechnet: 3,26 bis 3,37<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit nach {001} und {010}
Bruch; Tenazität uneben
Farbe himmelblau bis blaugrün
Strichfarbe hellblau
Transparenz durchscheinend
Glanz Glasglanz bis Seidenglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,708<ref name="Mindat" />
nβ 1,760<ref name="Mindat" />
nγ 1,798<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,090<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = gemessen: 65°; berechnet: 78°<ref name="Mindat" />
Pleochroismus sichtbar: X = c = hell gelbgrün; Y = b = blaugrün; Z = a = himmelblau
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten leicht in Säuren und Ammoniak löslich, nicht wasserlöslich

Langit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (und Verwandte)“ mit der chemischen Zusammensetzung Cu4[(OH)6|SO4]·2H2O<ref name="StrunzNickel" /> und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Kupfer-Sulfat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Langit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, entwickelt aber meist nur kleine Kristalle bis etwa 7 mm Länge, körnige Krusten oder erdige bis massige Mineral-Aggregate von himmelblauer bis blaugrüner Farbe bei hellblauer Strichfarbe.

Langit bildet oft auch pseudo-orthorhombische oder pseudo-hexagonale Wiederholungszwillinge in Schneeflocken- oder Sternenform. Aufgrund seiner Ähnlichkeit in Farbe und Habitus besteht Verwechslungsgefahr mit Posnjakit und Wroewolfeit.

Etymologie und Geschichte

Erstmals gefunden wurde Langit 1864 in der Kupfer-Mine „Fowey Consols“ (Tywardreath, Par Parish) bei St Austell in der englischen Grafschaft Cornwall (Vereinigtes Königreich) und beschrieben durch Mervyn Herbert Nevil Story-Maskelyne (1823–1911)<ref name="DictNatBio-Story-Maskelyne" />, der das Mineral zu Ehren des Wiener Physikers Victor von Lang (1838–1921) nach diesem benannte.<ref name="GeoMag-Langite" />

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Langit zur Mineralklasse der „Sulfate, Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate, Wolframate“ und dort zur Abteilung der „Wasserhaltigen Sulfate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Christelit, Guarinoit, Ktenasit, Nakauriit, Namuwit, Posnjakit, Ramsbeckit, Redgillit, Schulenbergit, Thérèsemagnanit und Wroewolfeit eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der IMA verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Langit ebenfalls in die Klasse der „Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ und dort in die Abteilung der „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, mit H2O“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend in der Unterabteilung „mit mittelgroßen Kationen und Lagen von kantenverknüpften Oktaedern“ zu finden ist, wo es zusammen mit Guarinoit, Posnjakit, Schulenbergit, Thérèsemagnanit, Wroewolfeit die unbenannte Gruppe 7.DD.10 bildet.

Die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Langit in die Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate“ und dort in die Abteilung der „Hydratisierten Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 31.04.03 innerhalb der Unterabteilung der „Hydratisierten Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen mit (A+B2+)4(XO4) Zq • x(H2O)“.

Kristallstruktur

Langit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe Pa (Raumgruppen-Nr. 7, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/7.3 mit den Gitterparametern a = 11,21 Å; b = 6,03 Å; c = 7,12 Å und β = 90,0° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle<ref name="StrunzNickel" />.

Modifikationen und Varietäten

Die Verbindung Cu4[(OH)6|SO4] • 2H2O ist dimorph, das heißt, sie tritt in der Natur neben dem monoklin kristallisierenden Langit noch als ebenfalls monoklin, allerdings mit anderen Gitterparametern, kristallisierender Wroewolfeit auf.

Bildung und Fundorte

Datei:Langit - Schwaz, Tirol.jpg
Massiges Aggregat von Langit aus Schwaz, Tirol

Langit bildet sich sekundär in der Oxidationszone von Kupfersulfid-Lagerstätten. Begleitminerale sind unter anderem Brochantit, Chalkophyllit, Connellit, Devillin, Gips, Malachit, Posnjakit, Serpierit und Wroewolfeit.

Weltweit konnte Langit bisher (Stand: 2010) an mehr als 400 Fundorten nachgewiesen werden, so unter anderem in Ägypten, Australien, Belgien, Bolivien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Japan, Kanada, Marokko, Moldawien, Namibia, Neuseeland, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der Schweiz, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Tschechien, Ukraine, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und in den Vereinigten Staaten (USA).<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

  • Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 614.
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 147.

Weblinks

Commons: Langite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> Langite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 67 kB; abgerufen am 4. Mai 2018]). </ref> <ref name="DictNatBio-Story-Maskelyne"> Dictionary of National Biography, Volume III „Neil-Young“ (Replik), urspr. veröffentlicht bei Smith, Elder & Co., London 1912, ISBN 0-543-88108-3 (online verfügbar bei Google-Buchsuche) </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Langit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="GeoMag-Langite"> T. Rupert Jones, Henry Woodward: Notices of recent discoveries. New Cornish mineral „Langite“. In: The Geological Magazine. Band 1, 1864, S. 48 (rruff.info [PDF; 163 kB; abgerufen am 4. Mai 2018]). </ref> <ref name="Mindat"> Langite bei mindat.org (englisch) </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 401. </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral – Langite (englisch) </ref> </references>