John Blankenstein
John Blankenstein (* 12. Februar 1949 in De Bilt, Niederlande; † 25. August 2006 in Den Haag) war ein niederländischer Fußballschiedsrichter und Aktivist für die Gleichberechtigung von Homosexuellen und gegen Rassismus.
Sportkarriere
Nach seiner aktiven Zeit als Amateurfußballer von 1959 bis 1966 beim Verein VCS in Den Haag wurde John Blankenstein zuerst Schiedsrichter bei Amateurspielen, dann pfiff er von 1979 bis 1996 bei Profispielen. Er war von 1985 bis 1995 FIFA-Schiedsrichter und leitete in dieser Funktion 88<ref name="fair"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The EFPM Executive Committee – John Blankenstein ( vom 6. Mai 2006 im Internet Archive), fairplayeur.com, letzte Änderung: 27. Januar 2006.</ref> internationale Begegnungen, wobei die bedeutendsten Spiele der Einsatz bei der Fußball-Europameisterschaft 1992 und ein Jahr später beim UEFA-Cup-Finale zwischen Juventus Turin und Borussia Dortmund waren.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />users.skynet.be/pluto ( vom 28. August 2005 im Internet Archive): UEFA CUP, Liste der Finalspiele, letzte Änderung: 18. Mai 2006.</ref>
1990 wurde er von der UEFA für die Weltmeisterschaft in Italien nominiert, von der FIFA aber wieder gestrichen. Als Begründung wurde ihm genannt, dass er einige Jahre zuvor in FIFA-Uniform in einer Schwulenbar gesehen worden sei.<ref>Berliner Zeitung: Michael Lenz: Sprint mit Straß und Federn, 7. August 1998.</ref> Am 12. September 1990 leitete er das Fußballländerspiel der DDR in Belgien und damit das letzte Länderspiel einer DDR-Auswahl.
Insgesamt leitete er in 17 Jahren 502 Spiele.<ref name="fair" />
Sportfunktionär
Nach seiner Karriere als Schiedsrichter arbeitete er für den Königlich Niederländischen Fußballbund in Zeist unter anderem als Berater für Fußballregeln. Weiters arbeitete er im Nationalen Olympischen Komitee der Niederlande<ref name="fair" /> mit, war niederländischer Delegierter in der UEFA und der FIFA<ref name="fair" /> und im Verwaltungsrat des „International Fair Play Committee“ (CIFP)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />fairplayinternational.org ( vom 28. Mai 2007 im Internet Archive): Administration Council, abgerufen am 2. September 2006.</ref> tätig.
Soziales Engagement
John Blankenstein war einer der ersten niederländischen Athleten und der erste und bislang einzige<ref name="queer">queer.de: Erster schwuler Fußball-Schiri tot, 31. August 2006.</ref> Schiedsrichter im Profifußball, der sich offen zu seiner Homosexualität bekannte. Er war aktives Mitglied in unterschiedlichen Antidiskriminierungsorganisationen, der European Gay and Lesbian Sports Federation (EGLSF)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />gaysport.info ( vom 15. April 2006 im Internet Archive): EGLSF Members, letztes Änderungsdatum: 16. August 2006.</ref> und dadurch einer breiten Öffentlichkeit in den Niederlanden bekannt. In Deutschland wurde er sehr vielen Leuten bekannt, als die Bild-Zeitung im Februar 2006 titelte: „Jetzt spricht der erste schwule Schiri“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />bild.t-online.de ( vom 21. August 2006 im Internet Archive): John Blankenstein aus Holland – Jetzt spricht der erste schwule Schiri, 18. Februar 2006.</ref> Auch war er in letzten Jahren bei einigen Veranstaltungen zum Themenbereich „Homophobie im Fußball“ eingeladen. Kurz vor der Schlagzeile hatte er einen seiner letzten international größeren Auftritte, als er bei der zweiten „Unite Against Racism“-Konferenz, welche von der UEFA in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Football Against Racism in Europe (FARE, „Fußball gegen Rassismus in Europa“), dem Spanischen Fußballverband (RFEF) und dem FC Barcelona Anfang Februar 2006 ausgerichtet wurde,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />de.farenet.org ( vom 19. Mai 2006 im Internet Archive): Vereint gegen den Rassismus – Veranstaltung im Camp Nou, 26. Jänner 2006.</ref> über seine Erfahrungen als offen schwuler Funktionär sprach.<ref name="pinknews"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />pinknews.co.uk ( vom 30. September 2007 im Internet Archive): Marc Shoffman: Europe mourns loss of first openly gay referee, 30. August 2006.</ref>
2003 wurde er von der „Nederlandse Vereniging voor Integratie van Homoseksualiteit COC“ für das Brechen des Tabus der Homosexualität im Fußball mit dem Bob Angelo-penning geehrt und war vom Januar bis Juni 2004 der Vorsitzende von COC. Im Sommer desselben Jahres war er Mitbegründer der „Homo LesBische Federatie Nederland (HLBF)“, und lange Zeit deren Sprecher. 2005 wurde er vom „Nederlandse Culturele Sportbond“ für seine Unterstützung bei der Emanzipation von schwulen und lesbischen Sportlern mit dem „Harry Stapelprijs“ ausgezeichnet.
Tod
Im August 2006 starb er in einem Krankenhaus in Den Haag<ref name="queer" /> nach einer schon länger andauernden seltenen Nierenkrankheit. Nach dem Bekanntwerden seines Todes würdigte ihn die EGLSF in einem Brief an die Familie mit folgenden Worten:
„John war die Personifizierung des Kampfes gegen Ungerechtigkeit, Homophobie und Diskriminierung im Sport und außerhalb.“
Vor dem Spiel zwischen Roda JC Kerkrade und ADO Den Haag wurde ihm zu Ehren eine Gedenkminute abgehalten.<ref>uefa.com: Dutch referee mourned, 26. August 2006.</ref>
Zitate
„Es ist sowieso jeder gegen den Schiedsrichter, so macht es nichts aus, wenn er zusätzlich schwul ist. Ein Schiedsrichter hat keine Fans.“
Weblinks
- Gerd Dembowski: Der wichtigste Schiedsrichter der Welt (Nachruf), ballesterer.at, 9. Mai 2008
Einzelnachweise
<references />
<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />
UEFA-Pokal
(Das Finale wurde bis 1997 im Hin- und Rückspiel ausgetragen)
1972: Bəhramov und van Ravens |
1973: Linemayr und Kasakow |
1974: Scheurer und Lo Bello |
1975: Palotai und Schiller |
1976: Biwersi und Glöckner |
1977: Corver und Linemayr |
1978: Maksimović und Rainea |
1979: Foote und Michelotti |
1980: Guruceta Muro und Ponnet |
1981: Prokop und Eschweiler |
1982: Carpenter und Courtney |
1983: Dotschew und Corver |
1984: Galler und Roth |
1985: Vautrot und Ponnet |
1986: Courtney und Valentine |
1987: Kirschen und Igna |
1988: Krchňák und Keizer |
1989: Germanakos und Sánchez Arminio |
1990: Soriano Aladrén und Schmidhuber |
1991: Spirin und Quiniou |
1992: Worrall und Petrović |
1993: Puhl und Blankenstein |
1994: Nielsen und McCluskey |
1995: López Nieto und Van Den Wijngaert |
1996: Muhmenthaler und Schuk |
1997: Batta und García-Aranda |
1998: López Nieto |
1999: Dallas |
2000: López Nieto |
2001: Veissière |
2002: Melo Pereira |
2003: Micheľ |
2004: Collina |
2005: Poll |
2006: Fandel |
2007: Busacca |
2008: Fröjdfeldt |
2009: Medina Cantalejo
UEFA Europa League
2010: Rizzoli |
2011: Velasco Carballo |
2012: Stark |
2013: Kuipers |
2014: Brych |
2015: Atkinson |
2016: Eriksson |
2017: Skomina |
2018: Kuipers |
2019: Rocchi |
2020: Makkelie |
2021: Turpin |
2022: Vinčić |
2023: Taylor |
2024: Kovács |
2025: Zwayer
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Navigationsleiste Schiedsrichter Fußball-EM 1992Vorlage:Navigationsleiste Schiedsrichter Finale KNVB-PokalVorlage:Navigationsleiste Schiedsrichter Johan-Cruyff-Schale
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Blankenstein, John |
| KURZBESCHREIBUNG | niederländischer Fußballschiedsrichter |
| GEBURTSDATUM | 12. Februar 1949 |
| GEBURTSORT | De Bilt, Niederlande |
| STERBEDATUM | 25. August 2006 |
| STERBEORT | Den Haag, Niederlande |
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