USM Haller
USM Haller ist ein Möbelbausystem des Schweizer Unternehmens USM, das seit 1965 patentiert ist.<ref name="bellevue">Lea Hagman: Die Visitenkarte der Tüchtigkeit – das Regal USM Haller wird 60. In: NZZ Bellevue. 29. Januar 2023, abgerufen am 22. März 2025.</ref> Das Möbelbausystem gilt als ein Designklassiker<ref>Michael Brächer: Eine Ikone des Büros – USM-Möbel will sich nicht nur auf die Klassiker verlassen. In: Handelsblatt. 26. April 2020, abgerufen am 27. Januar 2025.</ref><ref>Katharina Hesedenz: 15 Designklassiker mit hohem Wiederverkaufswert – und wann sich Möbel als Geldanlage eignen. In: Vogue. 27. Januar 2020, abgerufen am 9. Juni 2025.</ref><ref name="Spiegel">Möbelklassiker: USM Fritz Haller ist tot. In: Der Spiegel. 19. Oktober 2012, abgerufen am 27. Januar 2025.</ref> und wurde in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York aufgenommen.<ref name="Spiegel" /> Neben der ursprünglichen Funktion als Büroeinrichtung findet es auch in anderen Bereichen, etwa als Wohnmöbel, Anwendung.<ref name="FAZ" /> Der Markenname USM setzt sich aus den Initialen des Firmengründers und Schlossers Ulrich Schärer sowie dem Firmensitz Münsingen zusammen.<ref>design report – Suche / Archiv / Der Herr der Welt-Kugel. 13. Dezember 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. Dezember 2013; abgerufen am 13. Dezember 2021.</ref>
Geschichte
1885 gründete der Schweizer Handwerker Ulrich Schärer in Münsingen im Kanton Bern eine Schlosserei und Schmiedewerkstätte, aus welcher später das Unternehmen USM Modular Furniture (rechtlich USM U. Schärer Söhne AG) hervorging.<ref name="Galli">Hans Galli: Der Mitentwickler der USM-Möbel ist gestorben. In: Tages-Anzeiger. 2. August 2011, abgerufen am 26. Januar 2025.</ref>
Das modulare Einrichtungssystem wurde 1963 von dem Enkel des Unternehmensgründers Ulrich Schärer, Paul Schärer junior (1933–2011), und dem Architekten Fritz Haller (1924–2012) entworfen. Es war zunächst nur für die Ausstattung der betriebseigenen Büroräume im damals ebenfalls von Haller gestalteten neuen Geschäftsgebäude in Münsingen gedacht.<ref>Herstellerportrait – USM. In: Stoll Onlineshop. Abgerufen am 26. Januar 2025.</ref> 1965 wurde ein Patent auf das Einrichtungssystem erworben.<ref name="bellevue" /> Danach brachte ein Bericht über das Einrichtungssystem in einer Architekturzeitschrift eine erste Anfrage der Pariser Bank Rothschild Frères, 600 Büroarbeitsplätze mit dem System auszustatten.<ref name="FAZ" /> 1969 ging es in Serie.<ref>Geschichte eines Familienunternehmens. In: USM Haller. Abgerufen am 28. April 2012.</ref>
Aufgrund des Erfolgs des Möbelbausystems verschob sich die Ausrichtung des Unternehmens von Metall- und Eisenwarenproduktion hin zu Möbeln.<ref name="NZZ">Maja Fueter: Studenten stehlen Designklassiker. In: Neue Zürcher Zeitung. 6. März 2015, abgerufen am 27. Januar 2025.</ref> Der Sitz der 1975 gegründeten deutschen Tochtergesellschaft mit Vertrieb und Montage für Deutschland befindet sich in Bühl. Ab 2017 wurde die Montage von Bühl nach Leipzig verlagert, 2018 auch die Logistik.<ref>300 neue Jobs – Möbelhersteller USM zieht nach Leipzig um. In: Leipziger Volkszeitung. 20. Januar 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Januar 2018; abgerufen am 1. September 2022.</ref><ref>Ulrich Coenen: USM gibt Standortgarantie für Bühl. In: Badische Neueste Nachrichten. 21. August 2019, abgerufen am 18. November 2021.</ref><ref>USM operations gmbh – von Leipzig in die ganze Welt. In: USM. Abgerufen am 18. November 2021.</ref> Nach Leipzig ging auch die Endmontage der Möbel für den europäischen Markt. Indes befindet sich die gesamte Produktion weiterhin am Schweizer Stammsitz in Münsingen, wo Stand 2022 rund 260 der 500 Mitarbeiter des Unternehmens beschäftigt waren.<ref name="FAZ" />
Seit den 2010er-Jahren wurden für das Möbelbausystem verstärkt internationale Kunden gesucht. Auch in verschiedene internationale Flughäfen wurden Systeme von USM Haller eingebaut, darunter der Chicago O’Hare International Airport, der Miami International Airport, der Los Angeles International Airport,<ref name="airport">References. In: USM Haller. Abgerufen am 22. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> der Hamad International Airport in Doha,<ref name="NZZ2017" /> der Flughafen Singapur, der Flughafen Kuala Lumpur, der Flughafen Zürich und der Flughafen Oslo-Gardermoen.<ref name="airport" /> Weitere Tochtergesellschaften, neben derjenigen in Deutschland, wurden unter anderem in Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Japan und China eröffnet. Zudem bestehen Showrooms in Bern, Hamburg, London, München, New York, Paris, Shanghai und Tokio.<ref name="FAZ" /><ref>Internationale Showrooms. In: USM Haller. Abgerufen am 23. März 2025.</ref><ref>Geschichte. In: USM Haller. 6. März 2025, abgerufen am 22. August 2025.</ref>
Ende 2017 gab das Unternehmen an, dass einst das Verhältnis von Firmenkunden zu Privatkunden beim Umsatz der USM-Produkte etwa 80 % zu 20 % betragen hätte, nun aber bei 65 % zu 35 % liege.<ref name="NZZ2017" /> Dieser Trend zu Privathaushalten verstärkte sich in den folgenden Jahren.<ref>Odett Schumann: Wie das „USM Haller Sideboard“ vom Büro aus den Wohnraum eroberte. In: MyHomebook. 5. November 2023, abgerufen am 27. Januar 2025.</ref> Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb 2022 in einem Bericht, USM Haller habe in den vergangenen Jahren von der Aufrüstung privater Arbeitszimmer aufgrund der COVID-19-Pandemie und der dadurch gewachsenen Bedeutung des Home Office «tüchtig profitiert».<ref name="FAZ">Johannes Ritter: USM und Homeoffice: „Das Schweizer Messer der Möbelindustrie“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. April 2022, abgerufen am 27. Januar 2025.</ref>
Produkt und Funktionsweise
Das System besteht aus einer frei erweiterbaren Struktur aus zusammenschraubbaren, verchromten Stahlrohren in verschiedenen Grössen und dazwischen eingelassenen Paneelen aus pulverbeschichtetem Stahlblech oder Glas.<ref name="Galli" /> Hinzu kommt eine Auswahl an kombinierbaren Einbauten wie Türen, Schubladen, Akustikelementen, perforierten Panels, Zwischen- und Schrägtablaren, Pflanzenhalterungen oder integrierter Beleuchtung. Als jeweiliges Verbindungsstück zwischen den einzelnen Chromstahlrohren fungiert ein 1965 von Paul Schärer zum Patent angemeldeter, kugelförmiger Stahl-Knotenpunkt, in den mehrere Löcher mit Schraubgewinden eingelassen sind. Das System aus Kugeln und Metallrohren ermöglicht eine flexible Zusammensetzbarkeit der USM-Produkte.<ref>Wunderkugel: USM. In: Schöner Wohnen. Abgerufen am 27. Januar 2025.</ref> Unter dem Namen USM Haller sind zudem Tische erhältlich, die in den Massen mit dem Möbelbausystem kompatibel sind.<ref>USM Haller Tische. In: USM Haller. Abgerufen am 23. März 2025.</ref>
Aufgrund dieser modularen Bauweise kann das System in verschiedenen Funktionen im Privat- und Arbeitsleben zum Einsatz kommen. Dabei lassen sich aus dem System unterschiedliche Objekte wie beispielsweise Sideboards, Rollcontainer und Nachttische bauen.<ref name="admagazin" /><ref>Dominique Simonnot: Zeitlose Klassiker: USM-Möbelbausysteme sind modern und zeitgemäss. In: Nordwestschweiz. 20. Januar 2018, S. 27.</ref> Zudem können die Objekte zerlegt, verkleinert und vergrössert oder zu anderen Objekten umgebaut werden.<ref>Aus alt mach neu: USM Haller Regale umrüsten. In: Smow. Abgerufen am 27. Januar 2025.</ref>
Aufgrund des Umstandes, dass Büros durch die Digitalisierung zunehmend papierlos werden und daher weniger Lagerflächen für Papiere und Akten benötigt werden, testet USM seit den 2010er-Jahren Möbelstücke mit neuen Funktionen wie zum Beispiel lärmabsorbierende Materialien.<ref name="NZZ2017">Daniel Imwinkelried: Wie ein Möbelhersteller auf den Trend zum papierlosen Büro reagiert. In: Neue Zürcher Zeitung. 12. Dezember 2017, abgerufen am 27. Januar 2025.</ref> Ausziehtüren, Einlegerahmen, Klapptüren und Zwischentablare in den Möbeln sollen verschiedene Nutzungsmöglichkeiten bieten.<ref name="admagazin">Anna-Lena Reith: Die neue USM Haller Kollektion ist voller raffinierter, schöner Stauraumwunder – unsere Favoriten. In: AD Magazin. 20. Februar 2025, abgerufen am 23. März 2025.</ref>
Rezeption
Das Möbelbausystem ist eines der erfolgreichsten Exportprodukte und das erfolgreichste Möbelbausystem der Schweiz.<ref name="NZZ" /><ref>Marc-André Miserez: USM im Grossformat. In: SWI swissinfo.ch. 14. August 2005, abgerufen am 27. Januar 2025.</ref>
Produkte der Serie USM Haller werden als Universalmöbel z. B. in Arztpraxen, Kanzleien, Architekturbüros, Empfangshallen, Bibliotheken sowie im Privatbereich verwendet.<ref name="FAZ" /> Im Jahr 1980 wurde die Serie in die Neue Sammlung des Staatlichen Museums für angewandte Kunst in München aufgenommen.<ref>Ulrich Coenen: Fritz Haller und USM. (PDF) In: Deutsche Nationalbibliothek. S. 61, abgerufen am 26. Januar 2025.</ref>
2001 erfolgte die Aufnahme in die permanente Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York.<ref name="Spiegel" /> 2004 wurden zudem die Büroräume des MoMA mit USM Haller ausgestattet.<ref>The Museum of Modern Art Reopens on November 20, 2004. (PDF) In: Museum of Modern Art. 15. November 2004, abgerufen am 26. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
2011 wurde USM Haller im Tages-Anzeiger als «ein Status-Symbol für Chefetagen» beschrieben, dessen «Ordnungsgedanke (...) typisch fürs Schweizer Design» sei.<ref>Linus Schöpfer: «Der Ordnungsgedanke ist typisch fürs Schweizer Design». In: Tages-Anzeiger. 3. August 2011, abgerufen am 27. Januar 2025.</ref>
Die Journalistin Anna Mayr schrieb 2021 in einem Artikel in Die Zeit über USM Haller als Wohnmöbel, welches sie selbst auch besitze. Es sei das typische Möbelstück „eines bürgerlich-urban-hippen Milieus“. Die Menschen, die sich die USM-Möbel kaufen würden, würden «einigermaßen viel Geld verdienen – aber nicht wahnsinnig viel. USM Haller ist keine Marke der Superreichen, es sind Möbel für Mittelbauangestellte».<ref>Anna Mayr: Bürgertum: Möbel für den Mittelbau. In: Die Zeit. 1. Mai 2021, abgerufen am 27. Januar 2025.</ref>
Literatur
- Klaus Klemp: USM Möbelbausystem Haller: form Reihe Designklassiker, Verlag form, Frankfurt a. M. 2018, ISBN 3-943962-68-7.
- Ulrich Coenen: Fritz Haller und USM – Zur Bedeutung des Schweizer Architekten und Möbeldesigners für Bühl. In: Die Ortenau – Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden 91 (2011), S. 61–88.
Weblinks
- usm.com
- Eine Ikone des Büros – USM-Möbel will sich nicht nur auf die Klassiker verlassen. Artikel im Handelsblatt vom 26. April 2020
- Vom Büromöbel zur Designikone – 50 Jahre USM Haller Möbelsystem In: Zeitblende von Schweizer Radio und Fernsehen vom 26. September 2016 (Audio)
Einzelnachweise
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