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Mpox

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Klassifikation nach ICD-10
B04 Affenpocken
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Vorlage:Infobox International Classification of Diseases 11

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Mpox-Virus
Datei:Colorized transmission electron micrograph of monkeypox virus particles (green).jpg

Kolorierte TEM-Aufnahme
von Mpox-Virionen (in grün)

Systematik
Klassifikation: Viren
Realm: Varidnaviria<ref name="ICTV MSL-35 VarV">ICTV Taxonomy history: Variola virus. ICTV, EC 51, Berlin, Germany, Juli 2019; Email ratification, März 2020 (MSL #35)</ref>
Reich: Bamfordvirae<ref name="ICTV MSL-35 VarV" />
Phylum: Nucleocytoviricota<ref name="ICTV MSL-35 VarV" />
Klasse: Pokkesviricetes<ref name="ICTV MSL-35 VarV" />
Ordnung: Chitovirales<ref name="ICTV MSL-35 VarV" />
Familie: Poxviridae
Unterfamilie: Chordopoxvirinae
Gattung: Orthopoxvirus
Art: Orthopoxvirus monkeypox
Taxonomische Merkmale
Genom: dsDNA linear
Baltimore: Gruppe 1
Symmetrie: komplex
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)
Kurzbezeichnung
MPXV
Links

Mpox ([<templatestyles src="IPA/styles.css" />'ɛmpɔks]), {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), ist eine durch das Orthopoxvirus monkeypox (MPXV; früher Affenpockenvirus) verursachte Infektionskrankheit. Natürliche Wirte dieses Virus sind verschiedene Nagetiere. Fehlwirte sind Affen und Menschen. Die pockenähnliche, interhuman übertragbare Erkrankung verläuft beim Menschen in der Regel deutlich milder als die Pocken. Bei Risikogruppen, zu denen Kinder zählen, können schwerere Krankheitsverläufe auftreten. Eine Schutzimpfung reduziert das Risiko eines Krankheitsausbruchs oder mildert den Krankheitsverlauf.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief im August 2024 aufgrund der Ausbreitung einer neuen Virusvariante eine gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite aus, die im September 2025 aufgehoben wurde.

Bezeichnungen

Krankheit

Der Name Mpox leitet sich von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) ab, dem der Erkrankung 1970 gegebenen Namen. Im November 2022 empfahl die Weltgesundheitsorganisation die Umbenennung in Mpox, basierend auf den 2015 veröffentlichten Best Practices zur Benennung neuer menschlicher Infektionserkrankungen. Sie begründete dies damit, dass der WHO stigmatisierende und rassistische Äußerungen im Zusammenhang mit der Bezeichnung Affenpocken gemeldet worden seien. Die WHO sei wiederholt von einzelnen Personen wie auch von mehreren Ländern gebeten worden, den Namen zu ändern. Die WHO empfahl eine Übergangszeit von einem Jahr, in der die nun zu bevorzugende Bezeichnung Mpox und die bisherige Bezeichnung Affenpocken noch nebeneinander in Gebrauch sein sollten.<ref>WHO recommends new name for monkeypox disease. In: who.int. Weltgesundheitsorganisation, 28. November 2022, abgerufen am 28. November 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Robert Koch-Institut schloss sich dieser Empfehlung an.<ref name="RKI/2022-05-24">Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Mpox. In: rki.de. Robert-Koch-Institut, 21. Juni 2024, abgerufen am 25. April 2025.</ref>

Im medizinischen Standardwörterbuch Pschyrembel taucht das Stichwort „Affenpockenvirus“ erstmals in der 259. Auflage von 2002 auf<ref>Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 259. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / New York 2002, ISBN 978-3-11-016522-7, S. 26.</ref> und findet sich auch noch in der 269. Auflage von 2023.<ref>Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 269. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2023, ISBN 978-3-11-078334-6, S. 30 f.</ref>

Virus

Das zuständige International Committee on Taxonomy of Viruses benannte die Virus-Art 2023 von Monkeypox virus zu Orthopoxvirus monkeypox um.<ref name=":1">Orthopoxvirus monkeypox. In: ictv.global. International Committee on Taxonomy of Viruses, abgerufen am 17. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Umbenennung basierte auf einer aktualisierten Nomenklatur und betraf alle Poxviridae, sie begründete sich nicht aus der WHO-Entscheidung.<ref name="2023.017D">Orthopoxvirus monkeypox. In: ictv.global. International Committee on Taxonomy of Viruses, abgerufen am 17. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), siehe 2023.017D.Poxviridae_55renam).</ref> Daneben ist aber der Name {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) weiterhin in Gebrauch.<ref name="ICTV_VMR">ICTV: Virus Metadata Resource (VMR).</ref>

Virusvarianten

Die Varianten (Kladen) des Virus waren bereits im August 2022 umbenannt worden. Für die bisherige Kongobecken- oder zentralafrikanische Klade ist seitdem die Bezeichnung Klade I vorgesehen und für die bisherige westafrikanische Klade die Bezeichnung Klade II. Laut der WHO entspricht die Umbenennung der mittlerweile gängigen Praxis, neu entdeckte Viren sowie Virusvarianten und die durch sie verursachten Krankheiten so zu benennen, dass „kulturelle, soziale, nationale, regionale, berufliche oder ethnische Gruppen“ nicht beleidigt werden und „negative Auswirkungen auf Handel, Reisen, Tourismus und das Tierwohl“ minimiert werden.<ref>Monkeypox: experts give virus variants new names. In: who.int. Weltgesundheitsorganisation, 12. August 2022, abgerufen am 12. August 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im April 2024 wurde die Klade I nach der Entdeckung einer neuen Variante in die Untergruppen Ia und Ib aufgeteilt. Klade II ist in ähnlicher Weise in die Untergruppen IIa und IIb unterteilt.<ref>Mpox: background information. In: gov.uk. 19. August 2024, abgerufen am 22. August 2024.</ref> Die Aufteilung in Untergruppen wurde aufgrund der besonderen geografischen Lage und der phylogenetischen Divergenz beschlossen.<ref>Emmanuel Hasivirwe Vakaniaki, Cris Kacita, Placide Mbala-Kingebeni : Sustained human outbreak of a new MPXV clade I lineage in eastern Democratic Republic of the Congo. In: nature.com. 13. Juni 2024, abgerufen am 24. August 2024.</ref>

Erreger und Vorkommen

Datei:Poxviridae virion image.svg
Schemazeichnung eines Virions der Familie Poxviridae
Datei:Monkeypox viruses scale.png
Struktur und Ausmaß des Affenpockenvirus

Der Erreger von Mpox, das Orthopoxvirus monkeypox,<ref name=":1" /> ist ein Virus aus der Gattung Orthopoxvirus in der Unterfamilie Chordopoxvirinae der Pockenviren mit den bislang bekannten Varianten Klade Ia und Ib und Klade IIa sowie Klade IIb.<ref name="RKI Mpox 15.8.2024.">Robert Koch-Institut: Mpox in Deutschland Stand: 15.8.2024. Auf: rki.de; zuletzt abgerufen am 16. August 2024.</ref> Wie alle Pockenviren zählt das Mpox-Virus zu den DNA-Viren, die DNA liegt als Doppelstrang mit einer Länge von 197 kb vor.<ref name="PMID33167496"></ref> Das Virion hat eine ei- oder backsteinförmige Gestalt mit einer Größe von 200 bis 250 nm.<ref name="PMID33167496" />

Eine infizierte Zelle stellt MPXV im Cytoplasma her, das Genom enthält hierfür alle nötigen Enzyme zur DNA-Replikation, Transkription, Zusammenbau des Virions und für die Freisetzung aus der Zelle. Die hierfür nötigen Gene sind hochkonserviert, während die Gene für die Virus-Wirt-Interaktion weniger stark konserviert sind.<ref name="PMID33167496" /> Das Virus kann einzelne Gene vervielfachen, um die Immunmechanismen zu drosseln,<ref></ref> und zeigt Anzeichen einer Anpassung an Menschen.<ref></ref>

Die von den Viren verursachte Erkrankung wurde erstmals 1958 bei Laboraffen (Javaneraffen) mit pockenähnlichen Symptomen beobachtet,<ref>Scott Parker, R. Mark Buller: A review of experimental and natural infections of animals with monkeypox virus between 1958 and 2012. In: Future Virology. Band 8, Nr. 2, 2013, S. 129–157, doi:10.2217/fvl.12.130 (freier Volltext).</ref> daher bezeichnete man sie als „Affenpocken“.<ref></ref><ref>Monkeypox. In: cdc.gov. CDC, 17. November 2021, abgerufen am 20. Mai 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der dänische Virologe Preben von Magnus isolierte im selben Jahr das Virus. 1965 führte ein Ausbruch im Rotterdamer Zoo zu einer Dezimierung der dortigen Affenbestände. Das Virus konnte Jahrzehnte später in einem Bonner Museumspräparat eines Orang-Utans nachgewiesen werden.<ref>Michelle Hämmerle, Aigerim Rymbekova, Pere Gelabert, Susanna Sawyer, Olivia Cheronet, Paolo Bernardi, Sébastien Calvignac-Spencer, Martin Kuhlwilm, Meriam Guellil, Ron Pinhasi: Link between Monkeypox Virus Genomes from Museum Specimens and 1965 Zoo Outbreak. In: Emerging Infectious Diseases. Band 30, Nr. 4, 6. März 2024, ISSN 1080-6059, S. 815–817, doi:10.3201/eid3004.231546 (cdc.gov).</ref><ref>Martin Kuhlwilm: Die Jagd nach alten Viren im Museum. In: Scilog. Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF, 27. Januar 2025, abgerufen am 27. Januar 2025.</ref> Seit der Ausrottung der Echten Pocken (Variola major) in den 1970er Jahren beobachtet man in West- und Zentralafrika sporadische Epidemien dieser Zoonose.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist ebenfalls möglich.<ref name="WHO, Monkeypox – Key facts" />

Humanpathogene Viren kommen vor allem in tropischen Regenwaldgebieten Zentralafrikas und Westafrikas vor, man unterscheidet zwischen zwei genetisch unterschiedlichen Kladen: Klade I (ursprünglich Kongobecken- oder Zentralafrika-Klade genannt) und Klade II (ursprünglich Westafrika-Klade genannt).<ref name="Zoonoses"></ref> Virenvarianten aus der Klade I sind virulenter: Die Fatalitätsrate beträgt dort etwa 10,6 %, bei Viren der Klade II etwa 3,6 %.<ref name="PMID35148313">Eveline M. Bunge et al.: The changing epidemiology of human monkeypox-A potential threat? A systematic review. In: PLoS neglected tropical diseases. Band 16, Nr. 2, Februar 2022, S. e0010141, doi:10.1371/journal.pntd.0010141, PMID 35148313, PMC 8870502 (freier Volltext).</ref>

Affen sind Fehlwirte des Virus.<ref>Lutz Ehlkes et al.: Epidemiologie des Ebolafiebers und anderer, in Deutschland seltener hochkontagiöser, lebensbedrohlicher Erkrankungen. In: Bundesgesundheitsblatt. Band 58, Nr. 7, Juli 2015, S. 705–713, doi:10.1007/s00103-015-2165-y, PMID 25997608, PMC 7080030 (freier Volltext).</ref> Das natürliche Erregerreservoir bilden Nagetiere in West- und Zentralafrika.<ref name="RKI/2022-05-24" /> Als primäre Wirte der Orthopoxviren (Gattung) in Afrika wurden Riesenhamsterratten, Rotschenkelhörnchen, Sonnenhörnchen und Afrikanische Bilche identifiziert.<ref>Natalia Ingrid Oliveira Silva, Jaqueline Silva de Oliveira, Erna Geessien Kroon et al.: Here, There, and Everywhere: The Wide Host Range and Geographic Distribution of Zoonotic Orthopoxviruses. In: National Library of Medicine. 30. Dezember 2020, abgerufen am 25. August 2024.</ref> Im Taï-Nationalpark in der Elfenbeinküste konnte 2026 erstmals die Übertragung von Mpox zwischen verschiedenen Arten in freier Wildbahn dokumentiert werden. Dort sprang das Virus während einer Mpox-Epidemie im Jahr 2023 von infizierten Feuerfußhörnchen auf Rußmangaben über.<ref name=":2">Carme Riutord-Fe, Jasmin Schlotterbeck, Lorenzo Lagostina, Leonce Kouadio, Harriet R. Herridge, Moritz J. S. Jochum, Nea Yves Noma, Ane López-Morales, Donata Hoffmann, Sten Calvelage, Hjalmar Kühl, Alexander Mielke, Catherine Crockford, Liran Samuni, Roman M. Wittig, Martin Beer, Sery Gonedelé-Bi, Jan F. Gogarten, Sébastien Calvignac-Spencer, Ariane Düx, Livia V. Patrono, Fabian H. Leendertz: Transmission of MPXV from fire-footed rope squirrels to sooty mangabeys. In: Nature. 11. Februar 2026, ISSN 1476-4687, S. 1–6, doi:10.1038/s41586-025-10086-y (nature.com [abgerufen am 12. Februar 2026]).</ref><ref>Feuerfußhörnchen als natürliches Reservoir für das Affenpockenvirus identifiziert. In: helmholtz-hzi.de. Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, 11. Februar 2026, abgerufen am 13. Februar 2026.</ref> Eine Videoaufnahme aus dem Jahr 2014 zeigte einen Mangaben aus dieser Gruppe, der ein Feuerfußhörnchen fraß, und eine genetische Untersuchung von vor dem Ausbruch 2023 von Mangaben gesammelten Kotproben ergab, dass zwei Proben auch DNA dieser Hörnchen enthielten.<ref name=":2" /> Durch genetische Analysen konnte nachgewiesen werden, dass das in den Affen gefundene Virus fast identisch war mit einem Virus, das zwei Wochen zuvor bei einem tot aufgefundenen Feuerfußhörnchen nachgewiesen wurde.<ref name=":2" /> Einige Ausbrüche gab es auch in Gefangenschaftshaltungen von Rhesusaffen und Javaneraffen.

Die Infektion des Menschen wird durch Bisse dieser Tiere oder von Affen ausgelöst, durch Kontakt mit Sekreten, als Tröpfcheninfektion oder Verzehr von Affenfleisch (Buschfleisch) – die Ansteckungsgefahr ist allerdings nur gering.<ref>Affenpockenvirus. In: lgl.bayern.de. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, 20. Mai 2022, abgerufen am 21. Mai 2022.</ref> Kleine Säugetiere können das Virus ohne Merkmale, die in Zusammenhang mit der Krankheit auftreten in sich tragen.<ref>Mpox in Animals & Pets. In: cdc.gov. 15. März 2024, abgerufen am 23. August 2024.</ref>

Die Erkrankung kommt vor allem in Afrika vor. Dort ist nach Schätzungen seit Beendigung der Pockenschutzimpfung 1980 die Anzahl der Erkrankungen um das Zwanzigfache gestiegen.<ref>Mark Wheeler: Virus related to smallpox rising sharply in Africa, UCLA researcher finds. In: newsroom.ucla.edu. 30. August 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 10. September 2010; abgerufen am 27. November 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In den frühen Jahren von 1970 bis 1989 waren vor allem Kinder im Alter von 4 bis 5 Jahren betroffen. Das Durchschnittsalter der Erkrankten stieg auf 10 Jahre in den Jahren 2000 bis 2009 und weiter auf 21 Jahre in den Jahren 2010 bis 2019.<ref name="PMID35148313" />

Infektionen bei Menschen

Übertragungswege

Datei:22-1374-F1.jpg
Fortschreiten der nekrotischen Mpox-Läsion nach einer Nadelstichverletzung
Datei:Monkeypox lesions.jpg
Mpox-Läsionen am Penis
Datei:Oral monkeypox lesion.jpg
Vergrößerte rechte Mandel mit darüberliegender pustulöser Läsion während des Ausbruchs im Jahr 2022

Die Übertragung vom Tier auf den Menschen kann durch Kontakt mit Hautveränderungen, Körpersekreten oder durch den Umgang mit Fleisch infizierter Tiere geschehen. Die Übertragung von Mensch zu Mensch kann durch Körpersekrete erfolgen, unter anderem auch durch beim Atmen und Sprechen ausgestoßene Partikel, Kontakt mit Hautveränderungen oder auch Gegenständen, welche mit dem Virus kontaminiert sind. Die Übertragung durch Tröpfcheninfektion erfolgt typischerweise bei längerem, engen Kontakt etwa im Rahmen sexueller Handlungen.<ref name="WHO, Monkeypox – Key facts">WHO Factsheet Mpox (Monkeypox). In: who.int. Weltgesundheitsorganisation, 18. April 2023, abgerufen am 21. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die CDC beschreibt die häufigste Art, sich mit Mpox zu infizieren und diese zu verbreiten, wie folgt: bei Berührung einer infizierten Person, die Hautausschläge, Schorf, Körperflüssigkeiten oder Läsionen auf der Haut hat.<ref>Key Characteristics for Identifying Monkeypox. In: cdc.gov. U.S. Department of Health & Human Services, 5. August 2022, abgerufen am 22. August 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Patienten sind während der Inkubationszeit nicht infektiös. Besonders ansteckend sind diese im Stadium der Hautveränderungen, deren Sekrete hohe Mengen des Mpox-Virus aufweisen. Übertragungen durch beschwerdefreie Personen sind nicht beschrieben.<ref>A. Nitsche, L. Schrick, L. Schaade: Infektionen des Menschen mit Affenpocken. In: Flug und Reisemed 26. 2019, S. 18–24 (thieme-connect.de [PDF; 201 kB; abgerufen am 24. Mai 2022]).</ref><ref>R. Grant, L. Luong Nguyen, R. Breban: Modelling human-to-human transmission of monkeypox. In: Bulletin of the World Health Organization. 1. September 2020, PMID 33012864.</ref> Das RKI weist darauf hin, dass Ansteckungen auch durch Patienten im Stadium der unspezifischen Allgemeinsymptome vor Auftreten der Hautveränderungen möglich sind. Hierbei ist ein engerer Gesichtskontakt notwendig, um eine Ansteckung über Tröpfchen von Atemwegssekreten zu verursachen.<ref name="RKI/2022-05-24" />

Das Virus ist im Vergleich zu anderen behüllten Viren gegenüber Austrocknung, hohen Temperaturen oder Schwankungen des pH-Werts sehr widerstandsfähig. Vermehrungsfähiges Virus wurde bis zu fünfzehn Tage nach der Kontamination auf Oberflächen nachgewiesen.<ref name="ECDCFactsheet20240815">European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC): Factsheet for health professionals on mpox (monkeypox). Auf: ecdc.europa.eu Stand: 15. August 2024; zuletzt abgerufen am 20. August 2024.</ref>

Für die Direktübertragung von Mensch zu Mensch ist ein enger Kontakt Voraussetzung. Darüber hinaus kann eine Übertragung bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder Schorf der Mpox-Infizierten stattfinden sowie im Rahmen sexueller Handlungen.<ref name="RKI/2022-05-24" /><ref name="EID">E. M. Kibungu, E. H. Vakaniaki, E. Kinganda-Lusamaki u. a.: Clade I–Associated Mpox Cases Associated with Sexual Contact, the Democratic Republic of the Congo. In: Emerging Infectious Diseases. Band 30, Nr. 1, 2024, ISSN 1080-6059, S. 172–176, doi:10.3201/eid3001.231164.</ref>

Klinisches Bild

Die Inkubationszeit beträgt 1 bis 21 Tage. 5 % der Patienten haben aber auch längere Inkubationszeiten von bis zu 4 Wochen.<ref name="WHO, Monkeypox – Key facts" /><ref name="McFarland2023"></ref>

Die Beschwerden beginnen häufig durch Auftreten von Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit sowie Schmerzen im Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Danach folgt ein Hautausschlag, bei der sich Flecken, Papeln, Bläschen und Pusteln beobachten lassen, die häufig gleichzeitig auftreten können. Der Ausschlag kann auf der gesamten Haut auftreten. Am stärksten und häufigsten zeigt er sich aber an der Infektionspforte. Es zeigen sich auch Hautveränderungen an den Schleimhäuten. Auch Krankheitsverläufe mit nur einer einzelnen Hautveränderung sind möglich. Bei rund der Hälfte der Patienten zeigt sich eine schmerzhafte Schwellung der Lymphknoten. In seltenen Fällen zeigen sich auch Schluckbeschwerden und eine Entzündung des Kehlkopfs oder der Mandeln. Ein Befall der Hornhaut mit nachfolgender Erblindung ist auch möglich. Die grippalen Beschwerden können auch erst nach dem Hautausschlag oder gar nicht auftreten.<ref name="RKIRatgeber20240819">RKI-Ratgeber: MPox (früher Affenpocken), Stand: 19. August 2024; zuletzt abgerufen am 21. August 2024</ref>

Es gibt nur wenige Daten über den Verlauf bei immungeschwächten Patienten.<ref name="RKI/2022-05-24" /> Während des Ausbruchs 2022 zeigte sich bei rund 50 % der Patienten die Allgemeinsymptome wie Fieber und Lymphknotenschwellung erst nach dem Hautausschlag.<ref name="ECDCFactsheet20240815" />

Die Hautveränderungen können ähnlich wie andere Erkrankungen erscheinen. Das Exanthem kann Ähnlichkeiten mit Windpocken besitzen. Auch können die Hautveränderungen mit Geschlechtskrankheiten wie Herpes, einer fortgeschrittenen Syphilis oder Ulcus molle verwechselt werden.<ref>2022 Monkeypox: Information for Healthcare Professionals. In: cdc.gov. U.S. Department of Health & Human Services, 2. Juni 2022, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 5. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Rund 1–6 % der Patienten macht eine Infektion ohne fassbare Symptome durch. Inwieweit diese zur Weiterverbreitung des Virus beitragen, ist unklar.<ref name="ECDCFactsheet20240815" />

Aktuell gibt es keine Hinweise darauf, dass sich die Schwere des klinischen Bilds zwischen Klade II und Klade I unterscheidet.<ref name=":3">Daniela Remus (NDR): In Deutschland gibt es erste Fälle der MPox-Variante Klade Ib. In: tagesschau.de. Abgerufen am 27. März 2026.</ref><ref name=":4">Alexander Bartel, Klaus Jansen, Ronja Boberg, Julia Bitzegeio, Annika Brinkmann, Livia Schrick, Raskit Lachmann, Daniel Sagebiel, Andreas Nitsche, Claudia Ruscher, Janine Michel: Rapid spread of MPXV clade Ib with high genetic relatedness among men who have sex with men, Berlin, Germany, week 50 2025 up to week 10 2026. In: Eurosurveillance. Band 31, Nr. 12, 26. März 2026, ISSN 1560-7917, S. 2600235, doi:10.2807/1560-7917.ES.2026.31.12.2600235 (eurosurveillance.org [abgerufen am 27. März 2026]).</ref>

Prophylaxe

Hygienemaßnahmen

Zur Verhütung der Übertragung trägt die Vermeidung enger Kontakte zu potenziell infizierten Tieren (verschiedene Nagetiere, Affen) in Endemiegebieten bei. Beim Umgang mit Erkrankten sind Hygienemaßnahmen, unter anderem Händedesinfektion, Schutzhandschuhe, Schutzbrille, Atemschutzmaske, zu gewährleisten.<ref>Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch Monkeypox-Viren in Einrichtungen des Gesundheitswesens. In: rki.de. Abgerufen am 24. Mai 2022.</ref> Das RKI hat für die Behandlung und Pflege von infizierten Patientinnen und Patienten einen entsprechende Empfehlungen veröffentlicht, die u. a. Informationen zur Basishygiene, Entsorgung sowie generell zur ambulanten Versorgung zusammengefasst.<ref>Robert Koch-Institut: Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch Monkeypox-Viren in Einrichtungen des Gesundheitswesens. 24. September 2024, abgerufen am 7. Mai 2025.</ref> Kontaminierte Verbände sowie andere für die Behandlung und Pflege benötigte Materialien müssen Kliniken und andere medizinische Einrichtungen separat sammeln und entsorgen, um Mensch und Umwelt nicht zu gefährden.<ref>Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall: Vollzugshilfe zur Entsorgung von Abfällen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes. Abgerufen am 7. Mai 2025.</ref><ref>Abfallmanager Medizin: Abfälle aus der Mpox-Behandlung sicher entsorgen. Abgerufen am 7. Mai 2025.</ref>

Die Abdeckung der Hautveränderungen mindert das Ansteckungsrisiko für Kontaktpersonen. Erkrankte mit schweren und nicht abdeckbaren Hautveränderungen und Erkrankte mit Symptomen einer Atemwegserkrankung sollten sich nach Möglichkeit in einem separaten Raum aufhalten. Nach Möglichkeit sollte eine Maske getragen werden. Erkrankte sollten auch den Umgang mit als Haustieren gehaltenen Säugetieren meiden. Mit den Erkrankten sollte kein Geschirr geteilt werden und dieses sollte separat abgespült werden. Kontaminierte Wäsche kann mit warmem Wasser in einer handelsüblichen Waschmaschine gereinigt werden. Aufschütteln kontaminierter Wäsche sollte vermieden werden, da es infektiöse Partikel verbreiten kann.<ref>Isolation and Infection Control: Home. CDC.gov, Monkeypox – Information for Clinicians, Stand: 11. Mai 2015; abgerufen am 22. Mai 2022.</ref>

Aufgrund des Nachweises von vermehrungsfähigem Mpox-Virus aus Samenflüssigkeit erkrankter Patienten empfiehlt das RKI für genesene Personen die Benutzung von Kondomen beim Sexualverkehr für acht Wochen nach der Genesung.<ref name="Epidemiologisches Bulletin 29, 2022">G. Falkenhorst K. Jansen, R. Lachmann R et al.: Weltweiter Ausbruch von Affenpocken – Situationsbeschreibung des Robert Koch-Instituts für Deutschland, Datenstand 14. 07. 2022. In: Epidemiologisches Bulletin. Nr. 29, 2022, doi:10.25646/10309 (rki.de [PDF; 398 kB] online vorab am 19. Juli 2022).</ref>

Impfung

Eine Schutzimpfung gegen Mpox ist verfügbar und seit Juli 2022 in der EU zugelassen.<ref name="ÄZ-Imvanex">Affenpocken: EU genehmigt Zulassungserweiterung für Imvanex. In: aerztezeitung.de. Ärztezeitung, 25. Juli 2022, abgerufen am 26. Juli 2022.</ref><ref name="EPAR-Imvanex">Imvanex: European Public Assessment Report (EPAR). In: ema.europa.eu. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), 25. Juli 2022, abgerufen am 26. Juli 2022.</ref> Es handelt sich hierbei um einen Lebendimpfstoff mit dem abgeschwächten Modified-Vaccinia-Ankara-Virus, der durch Bavarian Nordic vertrieben wird (MVA-BN, Handelsname Imvanex) und ursprünglich als Pockenimpfstoff entwickelt wurde. MVA-BN wird subkutan in einem Zweidosis-Regime injiziert, wobei die zweite Impfung mindestens vier Wochen nach der ersten gegeben wird.<ref name=":0">Vaccines and immunization for monkeypox: Interim guidance, 16 November 2022. In: who.int. 16. November 2022, abgerufen am 29. September 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Bei Personen, die in der Vergangenheit gegen Pocken geimpft wurden, reicht eine 1-malige Impfung mit Imvanex zum Schutz vor Mpox aus.<ref>Schutzimpfung gegen Mpox/Affenpocken: Häufig gestellte Fragen und Antworten In: rki.de</ref> Aufgrund von Kreuzreaktivität der Antikörper, die nach einer Pockenimpfung gebildet wurden, schützt diese auch vor Mpox.<ref name="RKI/2022-05-24" /> Laut Aussage der WHO ist durch mehrere Studien erwiesen, dass eine Impfung gegen Pocken in 85 % den Ausbruch von Mpox verhindert. Bei den Patienten mit Impfdurchbruch ist mit einem leichteren Verlauf zu rechnen.<ref name="WHO, Monkeypox – Key facts" />

Die WHO empfiehlt ferner die Pockenimpfstoffe ACAM2000, ein Lebendimpfstoff, und Lister Clone 16 (LC16) für den Einsatz gegen Mpox.<ref name=":0" /> Beide werden einmalig mit einer Bifurkationsnadel verimpft.

Postexpositionsprophylaxe

Im Vereinigten Königreich bot man im Mai 2022 betroffenen Mitarbeitern im Gesundheitswesen als Postexpositionsprophylaxe den aktuell zugelassenen Pockenimpfstoff (nicht-vermehrungsfähiger Vaccinia-Virenstamm) an,<ref>Jennifer Rigby: Britain offers smallpox vaccine as monkeypox cases spread in Europe. In: reuters.com. 20. Mai 2022, abgerufen am 20. Mai 2022.</ref> denn bei Gabe innerhalb von 4 Tagen nach der Exposition kann der Impfstoff noch die Häufigkeit des Krankheitsausbruchs verringern und bei Gabe im Zeitraum 4 bis 14 Tagen nach Exposition zumindest noch die Krankheitsschwere vermindern.<ref>Smallpox Vaccine Guidance. In: cdc.gov. U.S. Department of Health & Human Services, 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. Juni 2019; abgerufen am 15. Juni 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Therapie

Es gibt keine spezifische Mpox-Behandlung, die Therapie erfolgt vorrangig symptomatisch. Neben der medikamentösen Schmerzlinderung sollen vor allem für Mpox typische offene Wunden mithilfe von Zink-Schüttelmixturen behandelt werden. Ziel ist die Verhinderung von Superinfektionen mit schwerwiegenden Folgen für die Patienten. Eine Impfung mit dem EU-zugelassenen MVA-Impfstoffen Imvanex, Jynneos oder Imvamune empfiehlt das RKI (Stand 19. Februar 2025) aktuell ausschließlich für volljährige Personen mit einem erhöhten Expositions- und Infektionsrisiko oder als Postexpositionsprophylaxe (PEP) bis 14 Tage nach Mpox-Exposition.<ref>Mpox. RKI-Ratgeber. 13. Februar 2025, abgerufen am 21. Februar 2025.</ref>

Heilungsaussicht

Bei den meisten Patienten verläuft die Erkrankung gutartig, und die Krankheitserscheinungen bilden sich binnen weniger Wochen von selbst zurück. Risikogruppen für einen schweren Verlauf sind Schwangere, Neugeborene, Kinder, alte Menschen und Personen mit einer bereits vor der Infektion bestehenden Schwäche des Immunsystems.<ref name="RKI/2022-05-24" />

Bei den bisher beobachteten Ausbrüchen in Zentral- und Westafrika verstarben zwischen drei und sechs Prozent der bekanntgewordenen Erkrankten. Aufgrund einer anzunehmenden Untererfassung Erkrankter dürfte die tatsächliche Letalität geringer sein. Die Fallsterblichkeit der Klade II scheint deutlich geringer zu sein als die der Klade I.<ref name="RKI/2022-05-24" />

Als Komplikationen der Erkrankung können Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis) und Lungenentzündungen auftreten. Am Auge kann die Erkrankung eine Hornhaut- oder Bindehautentzündung verursachen. Bei gestörter Hautbarriere kann es zu bakteriellen Superinfektionen der Hautveränderungen kommen. Als schwere Krankheitsfolgen können Narbenbildung oder bleibende Hornhautschäden bis hin zum Sehverlust auftreten.<ref name="RKI/2022-05-24" />

Gesetzliche Regelungen

In Deutschland ist die Erkrankung in der Anlage 1 der Tierseuchenmeldeverordnung (TierSeuchMeldV) vom 10. März 2026 gelistet und es besteht eine allgemeine Meldepflicht nach § 3.<ref>Verordnung über die Meldung von Seuchen bei Tieren (Tierseuchenmeldeverordnung – TierSeuchMeldV)</ref> Gemäß § 6 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe u Infektionsschutzgesetz (IfSG) sind bei Menschen Krankheitsverdacht, Erkrankung oder Tod von durch Orthopockenviren verursachte[n] Krankheiten meldepflichtig. Darüber hinaus besteht gemäß § 7 Absatz 1 Nummer 36a IfSG eine Labor-Meldepflicht in Bezug auf den direkten oder indirekten Nachweis von Orthopockenviren, soweit die Nachweise auf eine akute Infektion hinweisen.

Nach dem Recht Österreichs sind gemäß § 1 der Verordnung betreffend anzeigepflichtige übertragbare Krankheiten 2020 beim Menschen Verdachtsfall, Erkrankungsfall und Todesfall hinsichtlich Mpox (Affenpocken) anzeigepflichtig.<ref>Anzeigepflichtige Krankheiten in Österreich. (PDF; 331 KB) Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, 30. Juni 2023, S. 4, abgerufen am 31. August 2024.</ref><ref>Mpox: Personenbezogene Kontroll- und Präventionsmaßnahmen. (PDF; 634 KB) Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, 14. Oktober 2024, S. 6, abgerufen am 23. Oktober 2024.</ref> Nach dem Tiergesundheitsgesetz 2024 (TGG 2024) sind Affenpocken ebenfalls meldepflichtig.<ref>§ 80 TGG 2024.</ref>

Auch in der Schweiz gehören die Affenpocken zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten beim Menschen.<ref>Meldepflichtige Infektionskrankheiten. In: bag.admin.ch. Bundesamt für Gesundheit BAG, Abteilung Übertragbare Krankheiten, 1. Juni 2022, abgerufen am 6. August 2022.</ref> Es besteht bei positivem laboranalytischen Befund Meldepflicht und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und Anhang 1 Nummer 35a der Verordnung des EDI über die Meldung von Beobachtungen übertragbarer Krankheiten des Menschen.

Mpox-Ausbrüche beim Menschen

1970 wurde der erste menschliche Fall im Kongo bei einem neun Monate alten Kleinkind beschrieben.<ref name="PMID35148313" /> Seit der Entdeckung wurden die meisten Fälle in der Demokratischen Republik Kongo gemeldet<ref>Anne W. Rimoin, Prime M. Mulembakani, Sara C. Johnston et al.: Major increase in human monkeypox incidence 30 years after smallpox vaccination campaigns cease in the Democratic Republic of Congo. In: pnas.org. 28. April 2010, abgerufen am 24. August 2024.</ref> (95 % der weltweiten Fälle bis 1986).<ref>Monkeypox – Democratic Republic of the Congo. In: WHO. 1. Oktober 2020, abgerufen am 24. August 2024.</ref> Es gab auch immer wieder sporadische Fallberichte aus West- und Zentralafrika. Bis 2022 waren der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Fälle aus 11 afrikanischen Staaten bekannt (Benin, Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo, Gabun, der Elfenbeinküste, Liberia, Nigeria, der Republik Kongo, Sierra Leone und dem Südsudan). Virusvarianten der Klade I verursachten im Allgemeinen einen schwereren Krankheitsverlauf als die der Klade II. Auch außerhalb Afrikas traten Fälle auf. Dabei handelte es sich anfänglich ausschließlich um importierte Fälle.<ref name="WHO, Monkeypox – Key facts" /> Die meisten Erkrankten gab es in der Demokratischen Republik Kongo, wo Mpox endemisch auftritt.<ref name="PMID35148313" />

2003 wurde der erste nicht direkt importierte Fall von Mpox außerhalb Afrikas in den USA bekannt.<ref name="PMID35148313" /> Weitere, durch Reisende aus Nigeria eingeschleppte Fälle gab es im September 2018 in Israel,<ref>Clare Wilson: Monkeypox has reached the UK – here’s what you need to know. In: newscientist.com. 18. September 2018, abgerufen am 20. Mai 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> im September 2018 sowie 2019 und 2021<ref>Monkeypox ‘outbreak’ in north Wales as two treated for rare viral infection. In: itv.com. 10. Juni 2021, abgerufen am 20. Mai 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Monkeypox cases reported in UK and Portugal. In: ecdc.europa.eu. European Centre for Disease Prevention and Control, 19. Mai 2022, abgerufen am 19. Mai 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> im Vereinigten Königreich, im Mai 2019 in Singapur und im Juli<ref>Michael Levenson: Monkeypox Case Is Discovered in Texas. In: nytimes.com. The New York Times, 16. Juni 2021, abgerufen am 20. Mai 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Paywall).</ref> und November 2021 in den Vereinigten Staaten.<ref name="WHO, Monkeypox – Key facts" />

Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo von 1996 bis 1997

Datei:12747 lores.jpg
Epidemiologische Untersuchung in der Demokratischen Republik Kongo im Jahr 1997, bei der drei von 19 Emin-Riesenhamsterratten, die auf das Virus getestet wurden, positiv waren.

Das Mpox-Virus breitete sich im Jahr 1996 und 1997 in der Demokratischen Republik Kongo zum ersten Mal in Form einer Epidemie aus. Im Jahr 1996 gab es 71 Verdachtsfälle aus dem Gebiet Katako-Kombe und der Provinz Kasaï-Oriental, zwei Fälle konnten bestätigt werden. Es wurden in 12 Dörfern (Gesamtbevölkerung 4.057) dieser Gebiete 88 Fälle von fiebrigem Pustelausschlag festgestellt, wobei sieben aktive Fälle (bis zur Abschuppung des Ausschlags) durch Virusisolierung bestätigt werden konnten. Der Verzehr von Wildtieren war bei den Patienten üblich (Afrikanischer Quastenstachler). Die Studie wurde aufgrund ziviler Unruhen in der Region unterbrochen.<ref>Yvan JF Hutin, R. Joel Williams, Philippe Malfait et al.: Outbreak of Human Monkeypox, Democratic Republic of Congo, 1996 to 1997. In: cdc.gov. 3. Juni 2001, abgerufen am 23. August 2024.</ref>

Zwischen Januar 2001 und Dezember 2004

Zwischen Januar 2001 und Dezember 2004 wurden aus der Demokratischen Republik Kongo 2.734 Fälle von vermuteter Mpox beim Menschen gemeldet. Der Bürgerkrieg schränkte die Überwachung jedoch ein. Unter 136 Patienten hatten 51 eine laborbestätigte Mpox-Infektion und 61 Windpocken sowie eine Person eine Doppelinfektion.<ref>Anne W. Rimoin, Neville Kisalu, Benoit Kebela-Ilunga, Thibaut Mukaba, Linda L. Wright, Pierre Formenty, Nathan D. Wolfe, Robert Loshima Shongo, Florimond Tshioko, Emile Okitolonda, Jean-Jacques Muyembe, Robert W. Ryder, Hermann Meyer: Endemic Human Monkeypox, Democratic Republic of Congo, 2001–2004. In: Emerging Infectious Diseases. Band 13, Nr. 6, 2007, S. 934–937, doi:10.3201/eid1306.061540, PMC 2792850 (freier Volltext).</ref>

Fälle in den Vereinigten Staaten 2003

Datei:Map of USA Midwest.svg
Die Region des Mittleren Westens, wo dieser Ausbruch auftrat

2003 gab es über 70 Fälle von Mpox in den Vereinigten Staaten, die überwiegend nach direktem oder indirektem Kontakt mit Präriehunden auftraten, allerdings ohne Todesfälle abliefen. Das Virus wurde von einem Importeur für exotische Tiere aus Texas mit dem Transport hunderter Kleinsäuger aus Ghana eingeschleppt, darunter auch Gambia-Riesenhamsterratten, die nach Illinois gebracht wurden.<ref>Monkeypox Review. In: medscape.com. 23. Juni 2003, abgerufen am 23. Mai 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Präriehunde hatten sich bei den Tieren aus Ghana infiziert und wiederum Menschen infiziert.<ref name="PMID35148313" /><ref>Affenpocken: Ärzte sollen wachsam sein. In: deutsche-apotheker-zeitung.de. 18. Mai 2022, abgerufen am 21. Mai 2022.</ref> Das Virus zählte zu der Klade II.<ref name="Zoonoses" />

Fälle im Sudan und Äthiopien 2022

Im Jahr 2022 wurde in Flüchtlingslagern im Sudan (Südsudan) ein Ausbruch von Mpox gemeldet. Ein zoonotischer Ursprung wurde nicht gefunden.<ref>Mpox (monkeypox). In: who.int. 18. April 2024, abgerufen am 23. August 2024.</ref> Der erste Fall im Land wurde im August registriert, und im September wurden in Khartum sechs weitere Fälle entdeckt. Im Oktober wurden in äthiopischen Flüchtlingslagern mehr als 100 mutmaßliche Fälle gemeldet. Die WHO bestätigte vom 1. Januar bis 16. Oktober 2022 18 Fälle und einen Todesfall aufgrund der Infektion. Es wird vermutet, dass das Leben in ländlichen und in tropischen Breitengraden sowie Waldgebieten und fehlende Impfungen die Hauptgründe für die Ausbreitung der Infektion im Sudan sind.<ref>Mumen A. Dafallah: The current status of monkeypox in Sudan. In: National Library of Medicine. 22. Mai 2023, abgerufen am 23. August 2024.</ref>

Ausbruch in Nigeria seit 2017

In Nigeria werden seit 2017 vermehrt Infektionen mit dem Mpox-Virus der Klade II nachgewiesen.<ref name="Tagesschau/2022-05-20">Erster Affenpocken-Fall in Deutschland. In: tagesschau.de. tagesschau.de, 20. Mai 2022, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Mai 2022; abgerufen am 21. Mai 2022.</ref> Das Mpox-Virus sprang in Nigeria wahrscheinlich im Jahr 2014 von Wildtieren auf Menschen in den Bundesstaaten Abia oder Rivers über. Die ersten bestätigten Mpox-Fälle traten im Bundesstaat Bayelsa auf. Es folgte eine anfänglich langsame Verschleppung des Virus (bis 2017) in andere Teile Nigerias, was auch die 15-Millionen-Einwohner-Stadt Lagos und die Hauptstadt Abuja betrifft. Es tauchten immer mehr Fallcluster auf, darunter einer in einem Gefängnis. Der Ausbruch betraf hauptsächlich junge Männer. Die sexuelle Übertragbarkeit ist ein Faktor, der die Ausbreitung begünstigte, sowie die im Süden des Landes verbreitete Öl- und Gasindustrie mit aus verschiedenen Teilen des Landes beschäftigten Arbeitern, die das Virus weiter verbreiteten. Ein weiterer Faktor war die dort verbreitete Prostitution. In den Jahren danach sank die Zahl der Verdachtsfälle, was auch mit den damaligen COVID-19-Beschränkungen im Land in Zusammenhang stehen könnte. Bei einer Studie aus dem Jahr 2023 konnten in Südnigeria fünf Tiere aus drei Arten (Nagetiere), die Antikörper und DNA von Orthopockenviren aufwiesen nachgewiesen werden, wobei das Vorhandensein des Mpox-Virus selbst nicht bestätigt werden konnte.<ref>John Cohen, Abdullahi Tsanni: PULLING BACK THE CURTAIN – Mpox circulated in Nigeria for 8 years before it sparked a global outbreak. What happened? And could it have been stopped? In: science.org. 16. August 2024, abgerufen am 19. August 2024.</ref> Bisher wurden etwa 500 Verdachtsfälle und 200 bestätigte Fälle bekannt. Der Fall-Verstorbenen-Anteil lag bei etwa 3 Prozent. Der Ausbruch hält bis heute (2022) an.<ref name="WHO, Monkeypox – Key facts" />

Ausbruch 2022

Datei:Monkeypox By Country.svg
Karte der globalen Verbreitung des Mpox-Virus, November 2022
  • Klade I (zentralafrikanische Klade), endemisch
  • Klade II (westafrikanische Klade), endemisch
  • Beide Kladen
  • Klade II (westafrikanische Klade), Ausbruch 2022
  • Verdachtsfälle
  • Datei:Monkeypox cumulative-cases linear-plot.svg
    Verlauf der Summe der weltweit gemeldeten Fälle 2022 (alle Varianten) – ohne Fälle der bisherigen Endemiegebiete


    Im Mai 2022 kam es zu einem größeren Ausbruch von Mpox außerhalb der Endemiegebiete in Afrika: Es wurden Fälle (hauptsächlich in städtischen Gegenden) im Vereinigten Königreich,<ref>Lars Fischer, Tanya Lewis: Affenpocken verbreiten sich wohl in der Bevölkerung. In: spektrum.de. 17. Mai 2022, abgerufen am 18. Mai 2022.</ref> in Spanien und Portugal,<ref>Spanische Behörden vermuten offenbar Feierlichkeiten auf Gran Canaria als Ausbruchsherd. In: spiegel.de. Spiegel Online, 21. Mai 2022, abgerufen am 21. Mai 2022.</ref> in den Vereinigten Staaten, Kanada, Belgien, Schweden,<ref>Schweden: Affenpocken für „Allgemeinheit gefährlich“. In: n-tv.de. 21. Mai 2022, abgerufen am 21. Mai 2022.</ref> Deutschland,<ref name="Tagesschau/2022-05-20" /><ref>Tobias Miller: Affenpocken: Erster Fall in Berlin. In: berliner-zeitung.de. 21. Mai 2022, abgerufen am 21. Mai 2022.</ref> Österreich,<ref>Affenpocken: Fall in Wien bestätigt. In: wien.orf.at. 22. Mai 2022, abgerufen am 22. Mai 2022.</ref> und der Schweiz<ref>Vierter Affenpocken-Fall in der Schweiz. In: swissinfo.ch. 27. Mai 2022, abgerufen am 28. Mai 2022.</ref> dokumentiert. Bemerkenswert an diesen Fällen war, dass es sich bei den Erkrankten um Personen handelte, die zuvor nicht in Endemiegebiete gereist waren und dass offenbar sexuelle Kontakte bei der Ansteckung eine Rolle spielten.<ref>Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Affenpocken. Was ist über den aktuellen Affenpocken-Ausbruch in mehreren Ländern weltweit bekannt, wie ist die Situation in Deutschland? In: rki.de. RKI, 24. Mai 2022, abgerufen am 24. Mai 2022.</ref> Anders als in Afrika, wo es oft zu lokalen Ausbrüchen kommt, traten die Fälle im Mai 2022 in kleinen Ausbruchsherden an verschiedenen Orten auf.<ref>Affenpocken: Wie groß ist die Gefahr? In: scinexx.de. 24. Mai 2022, abgerufen am 24. Mai 2022.</ref> Immer mehr Staaten meldeten in der Folge Infektionen.

    Ausbruchsuntersuchungen in Madrid und Berlin an den ersten gemeldeten Patienten im Mai 2022 konnten eine Gay-Pride-Veranstaltung auf Gran Canaria als Ausbreitungsort identifizieren.<ref name="Epidemiologisches Bulletin 29, 2022" /><ref>Iñigo Martínez Jesús, Gil Montalbán Elisa, Jiménez Bueno Susana, Martín Martínez Fernando, Nieto Juliá Alba et al.: Monkeypox outbreak predominantly affecting men who have sex with men. In: Eurosurveillance. Band 27, Nr. 27. Madrid 2022, doi:10.2807/1560-7917.ES.2022.27.27.2200471 (Artikel pii=2200471).</ref>

    Bis Ende Juli 2024 wurden der WHO weltweit etwa 89.000 Fälle berichtet, zu mehr als 96 % (rund 86.000) waren Männer betroffen. Bei ca. 34.000 dieser Männer war das Sexualverhalten bekannt, von ihnen hatten 85,5 % (rund 29.000) Sex mit Männern.<ref>2022-24 Monkeypox Outbreak: Global Trends. In: worldhealthorg.shinyapps.io. 28. August 2024, abgerufen am 1. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nach bisherigen Untersuchungen handelt es sich dabei auch ausschließlich um die Klade II des Virus.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Multi-country monkeypox outbreak in non-endemic countries.] In: www.who.int. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 29. Mai 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Beim Mpox-Virus wird ähnlich wie beim (Menschen-)Pockenvirus eine Rate von 1 bis 2 Mutationen pro Jahr angenommen; das Genom des Virus des Ausbruchs von 2022 unterscheide sich nach bisherigen Untersuchungen (Stand Ende Mai 2022) vom Genom des Ausbruchs von 2017 in Singapur, Israel, Nigeria und dem Vereinigten Königreich an 47 Stellen, was – wenn es von diesem abstammt – also eine deutlich höhere Rate wäre.<ref>Lars Fischer: Wieso die Affenpocken so stark mutiert sind. In: spektrum.de. 1. Juni 2022, abgerufen am 2. Juni 2022.</ref><ref>Julia Sica: Was die Genetik über Affenpocken verrät. In: derstandard.de. 28. Mai 2022, abgerufen am 1. Juni 2022.</ref> Als möglicher Verstärker der Ausbreitung des Virus könnte die Beseitigung von Waldflächen in Endemiegebieten fungieren.<ref name="PMID35148313" /><ref>Sonia Shah: Die Rückkehr der Pocken. In: spektrum.de. 16. Januar 2014, abgerufen am 22. Mai 2022.</ref>

    Mit Stand vom 20. Dezember 2022 waren in Deutschland 3676 Mpox-Fälle beim Robert-Koch-Institut (RKI) registriert, die übermittelten Fälle sind weiterhin rückläufig.<ref>Internationaler Affenpocken-Ausbruch: Fallzahlen und Einschätzung der Situation in Deutschland. In: rki.de. RKI, 20. Dezember 2022, abgerufen am 2. Januar 2023.</ref> Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung stuft das RKI als gering ein.

    In der Schweiz wurde der erste Fall am 19. Mai 2022 und 551 Fälle bis zum 20. Dezember 2022 registriert.<ref>Affenpocken: Situation & Einschätzung. In: bag.admin.ch. Bundesamt für Gesundheit, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 2. Januar 2023.</ref> Ab dem 20. Juli wurde in der Schweiz die Meldepflicht eingeführt.<ref name="srf">WHO ruft wegen Affenpocken «internationale Notlage» aus. In: srf.ch. 23. Juli 2022, abgerufen am 23. Juli 2022.</ref> Das Bundesamt für Gesundheit geht für die Gesamtbevölkerung von einem geringen Risiko aus.

    Warnung vor Eintrag in Wildtiere

    Ende Mai 2022 erhöhte die WHO die Risikobewertung auf die Stufe „moderat“ und erklärte, dass das Virus vermutlich bereits seit Wochen unerkannt zirkuliere.<ref>Multi-country monkeypox outbreak in non-endemic countries: Update. In: who.int. Weltgesundheitsorganisation, 29. Mai 2022, abgerufen am 12. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die britische Gruppe Human Animal Infections and Risk Surveillance (HAIRS) warnte davor,<ref>Qualitative assessment of the risk to the UK human population of monkeypox infection in a canine, feline, mustelid, lagomorph or rodent UK pet. In: gov.uk. 27. Mai 2022, abgerufen am 3. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> dass das Virus zu heimischen Wildtieren gelangen und dort endemisch werden könne. Das ECDC forderte von Infizierten, sich in Isolation zu begeben, bis der Hautausschlag komplett verheilt sei, den Kontakt mit immunsupprimierten Menschen und mit Haustieren sowie sexuelle Aktivitäten und engen Hautkontakt zu vermeiden.<ref>Monkeypox multi-country outbreak. (PDF; 599 kB) In: ecdc.europa.eu. 23. Mai 2022, abgerufen am 12. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

    Reaktion der Weltgesundheitsorganisation

    Anlässlich des Ausbruchs von 2022 befasste sich ein Gremium der Weltgesundheitsorganisation ab dem 20. Mai des Jahres mit Leitlinien bezüglich der Ausbreitung des Mpox-Virus.<ref>Jennifer Rigby: WHO to hold emergency meeting on monkeypox on Friday -sources. In: reuters.com. 20. Mai 2022, abgerufen am 22. Mai 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die WHO entschloss sich nach Beratungen des Notfallausschusses Ende Juni 2022, diese vorerst nicht als Gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite einzustufen.<ref>WHO stuft Affenpocken nicht als internationale Notlage ein. In: Zeit Online. 26. Juni 2022, abgerufen am 26. Juni 2022.</ref> Nach weiteren Fällen hat die WHO am 23. Juli den Ausbruch offiziell zu einer solchen erklärt, um „die Regierungen der Mitgliedsländer dazu bewegen, Maßnahmen zu ergreifen, um den Ausbruch einzudämmen.“<ref>Affenpocken-Ausbruch ist internationale Notlage. In: zeit.de. 23. Juli 2022, abgerufen am 5. November 2022.</ref> Durch die deutlich rückläufigen Infektionszahlen wurde dieser am 11. Mai 2023 wieder aufgehoben.<ref>WHO erklärt Affenpocken-Notstand für beendet. In: zdf.de. 11. Mai 2023, abgerufen am 13. Mai 2023.</ref>

    Ab 2023: Ausbruch einer neuen Variante im Kongo

    Datei:African mpox epidemic.svg
    Karte der von der afrikanischen Mpox-Epidemie (Klade 1b) betroffenen Länder am 15. August 2024

    In der Demokratischen Republik Kongo kam es nach Angaben der WHO im Jahr 2023 zum bisher schwersten dokumentierten Ausbruch von Mpox in der Variante Klade Ib. Mehr als 13.000 Verdachtsfälle und über 600 bestätigte Todesfälle wurden dokumentiert. Der erste dokumentierte Patient mit der neuen Variante war ein 33-jähriger Mann im September 2023 in Kamituga in der Provinz Sud-Kivu im Osten der Republik Kongo<ref></ref>. Zur Bekämpfung der Infektionskrankheit empfahl die WHO sowohl Testkapazitäten aufzustocken als auch zügig Impfstoffe ins Land zu bringen, um zu verhindern, dass sich Pandemieherde bilden. Burundi, Kenia, Ruanda und Uganda hatten im Juli 2024 ihre ersten Mpox-Infektionen der neuen Klade gemeldet.

    Diese 2023 aufgetretene Variante des Virus ist tödlicher und geht mit schwereren Symptomen einher als die Variante, die für den Ausbruch im Vorjahr verantwortlich war.<ref>Sharon Guynup, Amy McKeever: Mpox Klade Ib: Wie gefährlich ist die neue Variante der „Affenpocken“? – Kapitel Was ist Mpox – und wie tödlich ist eine Infektion? 3. Absatz Auf: nationalgeographic.de vom 20. August 2024.</ref> Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen, symptomatische Unterschiede seien zwischen den Geschlechtern nicht festgestellt worden.<ref></ref> Zu etwa zwei Drittel sind Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren betroffen,<ref>Max Kozlov: Growing mpox outbreak prompts WHO to declare global health emergency. In: nature.com. 13. August 2024, abgerufen am 18. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> allerdings stellen diese knapp die Hälfte der Einwohner in der Demokratischen Republik Kongo. Die neue Variante kann auch sexuell übertragen werden. Die Ausbreitung wird somit sowohl durch Prostitution, als auch durch rege Grenzübertritte zwischen dem Kongo und den angrenzenden Ländern gefördert.<ref name="EID" /><ref>13.000 Mpox-Fälle im Kongo: WHO sieht globales Risiko. In: aerzteblatt.de. 15. Dezember 2023, abgerufen am 16. Januar 2024.</ref><ref>Sina Metz: WHO warnt vor „Affenpocken“. In: Süddeutsche Zeitung. 29. Dezember 2023, S. 14 (sueddeutsche.de – Paywall).</ref> Ein weiterer Ausbreitungsschwerpunkt sind die schlechten Zustände in überfüllten Flüchtlingslagern des Ostkongo (Nord-Kivu).<ref>Mpox im Kongo: Wie Elend das Virus begünstigt. In: ZDF.de. 19. August 2024, abgerufen am 19. August 2024.</ref> Die Klade Ib wurde hauptsächlich in ländlichen Teilen des Kongos mit schlechtem Zugang zur Gesundheitsversorgung gemeldet. Insbesondere in dicht besiedelten Gebieten hatte sich das Virus ausgebreitet.

    Placide Mbala-Kingebeni, Virologe und Direktor des Nationalen Instituts für biomedizinische Forschung im Kongo berichtete, dass die neue Variante Berichten zufolge Läsionen vorwiegend an den Genitalien verursache, was die Diagnose der Krankheit im Vergleich zu früheren Stämmen in Afrika, die Läsionen an Brust, Füßen und Händen verursachten, schwieriger mache. Er merkte auch an, dass die neue Variante aufgrund ihrer Erscheinungsformen zu einer höheren Wahrscheinlichkeit einer stillen Übertragung führen könnte. Dimie Ogoina, Experte für Infektionskrankheiten an der Niger Delta University sagte, dass die bemerkenswerte Verbreitung unter Sexarbeiterinnen an die frühen Stadien von HIV erinnere. Er verwies auf das Problem der Vorurteile bei der Behandlung sexuell übertragbarer Infektionen.<ref>Maria Cheng, Christina Malkia: A new form of mpox that may spread more easily found in Congo’s biggest outbreak. In: apnews.com. 2. Mai 2024, abgerufen am 19. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

    Im August 2024 riefen die Africa CDC wegen der Ausbreitung von Mpox (Klade Ib) in der Demokratischen Republik Kongo und dem Bedarf Afrikas an Impfstoffdosen eine „kontinentale gesundheitliche Notlage“ aus;<ref>Afrikanische Gesundheitsbehörde erklärt Notlage wegen Affenpocken. In: spiegel.de. 13. August 2024, abgerufen am 13. August 2024.</ref><ref>»Wenn wir jetzt nicht handeln, wird die Lage explodieren«. In: spiegel.de. 14. August 2024, abgerufen am 14. August 2024.</ref> die Weltgesundheitsorganisation aktivierte kurz darauf, am 14. August, ihre höchste Alarmstufe und rief eine „Gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite“ (PHEIC) aus.<ref>WHO ruft wegen Mpox weltweite Notlage aus. In: tagesschau.de. 14. August 2024, abgerufen am 14. August 2024.</ref> Die PHEIC-Einschätzung der WHO erfolgt, wenn die Möglichkeit besteht, dass sich eine Krankheit – in diesem Fall das Mpox-Virus – über die Landesgrenzen hinweg ausbreiten könnte und möglicherweise ein sofortiges international koordiniertes Handeln erforderlich wird.<ref>Christiane Fux: Was ist ein Internationaler Gesundheitsnotstand? Abgerufen am 21. Februar 2025.</ref> Die Länder haben dann die Möglichkeit, verstärkt in Schutz- und Behandlungsmaßnahmen zu intensivieren. Das ist beispielsweise durch den Aufbau einer Impfkampagne möglich.<ref>Mpox in Deutschland. Robert Koch-Institut, 29. Januar 2025, abgerufen am 21. Februar 2025.</ref><ref>Mpox. World Health Organization, abgerufen am 21. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

    Am 15. August 2024 wurde in Stockholm der erste Klade-I-Mpox-Fall außerhalb Afrikas registriert: die Person hatte sich in einer afrikanischen Region angesteckt, in der es einen großen Krankheitsausbruch gegeben hatte.<ref>Schweden meldet ersten Mpox-Fall außerhalb Afrikas. In: tagesschau.de. 15. August 2024, abgerufen am 15. August 2024.</ref>

    Das UN-Kinderhilfswerk Unicef startete Anfang September 2024 in mehreren Ländern eine Notfallausschreibung für entsprechende Impfstoffe. „Die Notfallausschreibung soll den sofortigen Zugang zu […] Impfungen sicherstellen sowie die Produktion ausweiten“, erklärte die Unicef gemeinsam mit der WHO, der Impfstoffallianz Gavi und den Afrika-Zentren für Krankheitsbekämpfung und -prävention (Africa CDC).<ref>Unicef startet Notfallausschreibung für Mpox-Impfstoff. In: Die Welt. vom 1. September 2024. Abgerufen am 1. September 2024.</ref>

    Am 22. Oktober 2024 meldete das Robert Koch-Institut den ersten Infektionsfall in Deutschland mit der Virusvariante Klade Ib.<ref>Mpox in Deutschland. Robert Koch-Institut, 22. Oktober 2024, abgerufen am 22. Oktober 2024.</ref><ref>Erster Nachweis von neuer Mpox-Variante in Deutschland. Abgerufen am 22. Oktober 2024.</ref><ref>RKI: Keine Gefährdung – Neue Mpox-Variante erstmals in Deutschland nachgewiesen – Klade Ib. Auf: n-tv.de, 22. Oktober 2024.</ref> Anfang Januar 2025 bestätigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) insgesamt sechs Fälle der Mpox Klade Ib in Deutschland, wobei drei der Fälle Reisende aus Risikogebieten in Afrika sowie Kontaktpersonen von Reisenden betrafen. (Stand: 11. Januar 2025)<ref>Affenpocken (Mpox)-Fälle. Privates Tropeninstitut Dr. Gontard, abgerufen am 21. Februar 2025.</ref>

    Seit Anfang 2025 spitzt sich die Lage in weiteren afrikanischen Ländern immer weiter zu: So hat das Gesundheitsministerium in Sierra Leone am 13. Januar 2025 den Notstand ausgerufen. Auch während anderer Mpox-Wellen hatte das westafrikanische Land bereits mit hohen Krankheitszahlen zu kämpfen.<ref>Sierra Leone Declares Emergency After Confirming 2nd Mpox Case in 4 Days. In: U.S.News. 13. Januar 2025, abgerufen am 21. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Sierra Leone ruft nach weiterem Mpox-Fall Notstand aus. In: Tagesanzeiger. 14. Januar 2025, abgerufen am 21. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

    Am 5. September 2025 wurde die gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite aufgehoben.<ref>Internationale Notlage wegen Mpox aufgehoben. In: tagesschau.de. 5. September 2025, abgerufen am 1. November 2025.</ref>

    Am 26. Januar 2026 hat das Robert Koch-Institut seinen Mpox-Ratgeber aktualisiert.<ref name=":5" /> Da es keine Hinweise auf einen schweren klinischen Verlauf bei Infektionen mit Klade Ib gibt,<ref name=":3" /><ref name=":4" /> wird eine Isolierung bei abdeckbaren Läsionen nicht mehr gefordert. Patienten sollten stattdessen Hygienemaßnahmen ergreifen, um eine Ansteckung anderer Personen zu verhindern.<ref>Mpox – Angepasste risikoadaptierte Empfehlung des RKI zur häuslichen Isolierung von Personen mit einer Mpox-Infektion. Robert Koch-Institut, 26. Januar 2026, abgerufen am 27. März 2026.</ref> Darüber hinaus fasst der Ratgeber alle relevanten Informationen zum Erreger, zum Vorkommen, zu möglichen Infektionswegen, zur Inkubationszeit, zur Symptomatik, zur Dauer der Ansteckungsfähigkeit sowie zu Diagnostik, Therapie, Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen zusammen.<ref name=":5">Mpox – Angepasste risikoadaptierte Empfehlung des RKI zur häuslichen Isolierung von Personen mit einer Mpox-Infektion. Robert Koch-Institut, 26. Januar 2026, abgerufen am 27. März 2026.</ref> Dazu gehören auch Orientierungshilfen zur Verdachtsabklärung bei entsprechenden Symptomen.<ref>Verdachtsabklärung und Maßnahmen, Orientierungshilfen für Ärztinnen und Ärzte. Robert Koch-Institut, 11. Februar 2025, abgerufen am 21. Februar 2025.</ref>

    Literatur

    Weblinks

    Commons: Mpox – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Englisch

    Einzelnachweise

    <references responsive />

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