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Jadeit

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Jadeit
Datei:Jadeite-4jg34a.jpg
Jadeit aus Cloverdale, Mendocino County, Kalifornien, USA
Größe: 4,5 cm × 3,2 cm × 3 cm
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1988 s.p.<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Jd<ref name="Warr" />

Chemische Formel NaAl[Si2O6]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Ketten- und Bandsilikate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/D.01c
VIII/F.01-130<ref name="Lapis" />

9.DA.25
65.01.03c.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe C2/c (Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 9,42 Å; b = 8,56 Å; c = 5,22 Å
β = 107,6°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6 bis 6,5
Dichte (g/cm3) 3,2 bis 3,4
Spaltbarkeit gut nach {110}
Bruch; Tenazität splittrig, spröde
Farbe grün in allen Variationen bis schwarz, seltener weiß oder farblos
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz frisch gebrochen matt, wachsartig, geschliffen glasartig
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,654 bis 1,673
nβ = 1,659 bis 1,679
nγ = 1,667 bis 1,693
Doppelbrechung δ = 0,013 bis 0,020
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 70° bis 80°
Pleochroismus farblos oder grün-gelbgrün-gelb

Jadeit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“.

Er kristallisiert mit monokliner Symmetrie und hat die Endgliedzusammensetzung NaAl[Si2O6].<ref name="StrunzNickel" /> Bei natürlichen Jadeiten kann Aluminium durch geringe Anteile von dreifach positiv geladenen Eisen-Ionen gleichwertig ersetzt sein (Diadochie), weshalb gelegentlich die vereinfachte Zusammensetzung Na(Al,Fe3+)[Si2O6]<ref name="Lapis" /> angegeben wird. Auch geringe Anteile von Calcium oder Magnesium können in Jadeit enthalten sein.<ref name="Rösler" />

Aus Jadeit wurden auch Steinbeile in der Jungsteinzeit gefertigt.<ref name="Pétrequin" />

Als monomineralisches (überwiegend aus Jadeit bestehendes) Gestein ist es unter dem Namen Jade bekannt.

Jadeit wird heutzutage ausschließlich zu Schmucksteinen und kunstgewerblichen Objekten verarbeitet.

Etymologie und Geschichte

Jadeit und damit Jade ist bereits seit der Steinzeit bekannt und war im alten China ein hochbegehrtes Mineral. Seinen Namen erhielt es allerdings erst im 16. Jahrhundert während der Eroberung Mexikos durch die Spanier, abgeleitet von piedra de ijada aufgrund der dem Stein zugeschriebenen Heilwirkung bei Lenden- und Nierenleiden.

Klassifikation

In der strukturellen Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) gehört Jadeit zusammen mit Aegirin, Kosmochlor, Jervisit, Natalyit und Namansilit zu den Natriumpyroxenen in der Pyroxengruppe.<ref name="CNMMN 1989" />

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Jadeit zur Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Aegirin (auch Akmit) und Kosmochlor die „Jadeit-Reihe“ mit der System-Nr. VIII/D.01c innerhalb der Gruppe der „Klinopyroxene“ bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/F.01-130. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wo Jadeit zusammen mit Aegirin, Aegirin-Augit, Augit, Davisit, Diopsid, Esseneit, Grossmanit, Hedenbergit, Jervisit, Johannsenit, Kanoit, Klinoenstatit, Klinoferrosilit, Kosmochlor, Kushiroit, Namansilit, Natalyit, Omphacit, Petedunnit, Pigeonit, Spodumen und Tissintit die Gruppe der „Klinopyroxene“ (VIII/F.01) innerhalb der Pyroxengruppe bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Jadeit in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Einfachketten Si2O6; Pyroxen-Familie“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Aegirin, Jervisit, Kosmochlor, Namansilit und Natalyit die Untergruppe „Na-Klinopyroxene, Jadeitgruppe“ mit der System-Nr. 9.DA.25 bildet.<ref name="IMA-Liste-2009" />

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Jadeit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Kettensilikatminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Aegirin, Namansilit, Kosmochlor, Natalyit und Jervisit in der Gruppe der „C2/c Klinopyroxene (Na-Klinopyroxene)“ mit der System-Nr. 65.01.03c innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ zu finden.

Kristallstruktur

Jadeit kristallisiert mit monokliner Symmetrie der Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 9,42 Å; b = 8,56 Å; c = 5,22 Å und β = 107,6° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften

Die Farbe des Jadeit zeigt alle Variationen von Grün und kann bisweilen ins Schwarze spielen. Seltener wird auch farbloser, weißer, gelber, rosa bis violetter, oranger oder brauner Jadeit gefunden, auch mit kleinen schwarzen Flecken. Jadeit ist sehr zäh und widerstandsfähig, vor allem bei faseriger, verfilzter Struktur.

Modifikationen und Varietäten

Chloromelanit ist ein Mischkristall aus Aegirin, Diopsid und Jadeit mit dem Mischungsverhältnis von etwa 1:1:1. Das fälschlicherweise dem Jadeit zugerechnete Nephrit ist dagegen ein Mischkristall aus Tremolit und Aktinolith.

Bildung und Fundorte

Jadeit bildet sich durch Hochdruck-Metamorphose nach den Reaktionsgleichungen

  • Albit (NaAlSi3O8) <math>\Longleftrightarrow</math> Jadeit (NaAlSi2O6) + Quarz (SiO2)
  • Nephelin ((Na,K)[AlSiO4]) + Albit (NaAlSi3O8) <math>\Longleftrightarrow</math> 2 Jadeit (NaAlSi2O6)

im Blauschiefer, metamorph überprägten Grauwacken und so genannten Jadeit-Gneisen. Es bildet sich jedoch bevorzugt im unteren Druck- bzw. Temperaturbereich zusammen mit Diopsid und Aegirin bei Drücken von 7 bis 11 kbar und Temperaturen zwischen 250 und 400 °C. Jadeithaltige Gesteine sind also vor allem in den Subduktionszonen an Kontinentgrenzen zu finden. Feldspat kommt in der Natur nur selten als reiner Albit vor, daher ist eine Anorthit-Komponente und die Anwesenheit von Calcium (Ca) stets anzunehmen. Beim genannten Übergang vom Feldspat zum Jadeit ist entsprechend auch Lawsonit beteiligt: Feldspat = Jadeit + Lawsonit + Quarz.

Fundorte sind unter anderem Minas Gerais in Brasilien, verschiedene Provinzen der Volksrepublik China, Forchheim in Deutschland, die Inselgruppe der Kykladen in Griechenland, Grenville und Labrador in Kanada, Tawmaw in Myanmar, Ben Sur in den USA, Itoigawa in Japan (dort zusammen mit Itoigawait und Rengeit) – weitere liegen in Neuseeland und Tibet.<ref name="Fundorte" />

In den Hochgebirgslagen des Monte Viso im Piemont und am Monte Beigua in Ligurien entdeckten der französische Archäologen Pierre Pétrequin und seine Frau 1992 die Spuren systematischen Bergbaus auf Jadeit durch neolithische Menschen. Auch in Meteoriten, wie z. B. im Meteoriten von Tscheljabinsk konnte Jadeit festgestellt werden.<ref name="science.orf.at" /><ref name="nature.com" />

Verwendung

Datei:Olmec mask at Met.jpg
Jadeitmaske der Olmeken
Datei:076 Musée préhistoire Carnac.jpg
Armringe aus gelbem, alpinem Jadeit von einem Grabhügel in Bréhan

Im Jungneolithikum wurden aus alpinem Jadeit spitznackige Beile gefertigt, vermutlich in Sägetechnik. Das Herkunftsgebiet des Materials liegt am Monte Viso in den Westalpen.<ref name="Pétrequin" /> Die Jadeitbeile wurden weit gehandelt und gelangten z. B. bis nach Mittelhessen in die Ortschaft Günterod (Ortsteil von Bad Endbach) und in die Bretagne und nach Großbritannien (Sweet-track jade).<ref name="lda-lsa.de" />

In unbearbeiteter Form erscheint Jadeit eher unscheinbar. Erst durch Schleifen erhält das Objekt eine überaus glatte und zum Teil sogar durchscheinende Oberfläche. Manche der Beile sind so groß, dass sie als Prestigegegenstände angesprochen werden.

Bereits zwischen dem 10. und 6. Jahrhundert v. Chr. schnitzten die Olmeken aus Jade ihre Gesichtsmasken.

Esoterik

Jadeit wird eine Nierenbeschwerden heilende Wirkung zugeschrieben.

Siehe auch

Literatur

  • Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 170.

Weblinks

Commons: Jadeit – Sammlung von Bildern
Wiktionary: Jadeit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references> <ref name="CNMMN 1989"> Subcommite on Pyroxenes, CNMMN; Nobuo Morimoto: Nomenclature of Pyroxenes. In: The Canadian Mineralogist. Band 27, 1989, S. 143–156 (mineralogicalassociation.ca [PDF; 1,6 MB; abgerufen am 11. November 2018]). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Jadeit beim Mineralienatlas und bei [1] </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="lda-lsa.de"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Januar: Ein 6000 Jahre altes Symbol der Macht (Memento vom 6. Oktober 2019 im Internet Archive) </ref> <ref name="nature.com"> Shin Ozawa, Masaaki Miyahara, Eiji Ohtani, Olga N. Koroleva, Yoshinori Ito, Konstantin D. Litasov, Nikolay P. Pokhilenko: Jadeite in Chelyabinsk meteorite and the nature of an impact event on its parent body. In: nature.com. Nature, 22. Mai 2014, abgerufen am 13. Juli 2022. </ref> <ref name="Pétrequin"> </ref> <ref name="Rösler"> </ref> <ref name="science.orf.at"> Das Produkt einer kosmischen Kollision. ORF.at, 22. Mai 2014, abgerufen am 13. Juli 2022. </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>