Alexis von Roenne
Alexis Peter Wilhelm Hugo Freiherr von Roenne (* 22. Februar 1903 in Tuckum im russischen Gouvernement Kurland; † 12. Oktober 1944 in Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Oberst im Generalstab der Wehrmacht.
Leben
Zweiter Weltkrieg
Alexis Freiherr von Roenne betätigte sich im Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der Feindaufklärung im Oberkommando des Heeres. Im Jahr 1942 diente er zunächst im Referat II Z der Abteilung Fremde Heere Ost (FHO), die zur Unterstützung der deutschen Kriegsanstrengung im Deutsch-Sowjetischen Krieg mit der Auswertung russischsprachiger Quellen beschäftigt war.<ref name=":0">Magnus Pahl: Fremde Heere Ost: Hitlers militärische Feindaufklärung. 1. Auflage. Ch. Links Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86284-203-2, S. 108 ff.</ref>
Am 1. März 1943 wechselte er aus der FHO als neuer Abteilungsleiter in die Schwesterabteilung Fremde Heere West (FHW), die sich mit der operativen und strategischen Feindaufklärung im Afrikafeldzug sowie nachfolgend ab Mitte 1943 im Italienfeldzug sowie ab Juni 1944 an der Westfront befasste. Er trat als Abteilungsleiter der FHW die Nachfolge von Ulrich Liß an.<ref name=":6"></ref>
Von Roenne wurde ein guter Blick für politische und militärische Zusammenhänge bescheinigt. So schrieb sein Vorgänger als Chef der FHW Ulrich Liß in seinen 1959 erschienenen Erinnerungen, von Roenne hätte bereits im September 1939 nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee in Polen gesagt: „Also haben wir binnen fünf Jahren Krieg mit Rußland. Und dann hat der Westen die Hände frei, führt sein Luftrüstungsprogramm durch und schmeißt uns kaputt.“<ref>Ulrich Liss: Westfront 1939/40. Erinnerungen des Feindbearbeiters im O.K.H. In: Die Wehrmacht im Kampf Band. 23; Vowinckel-Verlag, Neckargemünd 1959, ISSN 0511-4233, S. 29.</ref>
Von Roenne sah durch den Nationalsozialismus christliche Werte bedroht. Ebenso wie Wilhelm Canaris und der Kreisauer Kreis war er überzeugt, der infolge des Kriegsverlaufs bereits absehbare Untergang Deutschlands könne nur noch durch ein Attentat auf Hitler abgewendet werden.
Widerstand
Alexis von Roenne hat sich zwar am Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 aufgrund christlicher Gewissensbedenken nicht beteiligt, hatte aber Kenntnis davon durch die freundschaftlichen Verbindungen, die ihn mit den Führern des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus verbanden. Er wurde unmittelbar nach dem 20. Juli festgenommen, dann zunächst wieder freigelassen. Zwei Wochen später wurde Alexis von Roenne erneut verhaftet.
In seinen Vernehmungen durch die Gestapo gab er an, dass insbesondere die Rassenpolitik des NS-Staates mit seinen christlichen Wertvorstellungen unvereinbar sei. Er wurde am 5. Oktober 1944 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und am 12. Oktober 1944 in Berlin-Plötzensee gehängt.
Familie
Von Roenne war mit Ursula von Bülow (1907–1994) aus dem Hause Dieskau bei Halle (Saale) verheiratet, die er am 16. September 1935 auf dem Bülow’schen Gut Rogeez geheiratet hatte.<ref>Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Roenne, Alexis* Peter Hugo Frh. v.. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital</ref> Er hinterließ seine Frau und die beiden sieben- und anderthalbjährigen Töchter Adelheid Barbara und Almuth.<ref>Susann Salzmann: Malchow gedenkt Mitwisser des Attentats auf Hitler in: Nordkurier vom 13. Oktober 2019; abgerufen am 12. Januar 2023</ref><ref>20. Juli 1944, geänderte und vervollständigte Bearbeitung der Sonderausgabe der Wochenzeitung Das Parlament, bearbeitet von Hans Royce, hrsg. von der Bundeszentrale für Heimatdienst. Ohne Jahr, um 1950. Seite 90.</ref>
Siehe auch
Literatur
- Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.): Spiegelbild einer Verschwörung. Die Opposition gegen Hitler und der Staatsstreich vom 20. Juli 1944 in der SD-Berichterstattung. Geheime Dokumente aus dem ehemaligen Reichssicherheitshauptamt. 2 Bände, Seewald Verlag, Stuttgart 1984. ISBN 3-512-00657-4.
- Jost Müller-Bohn (Hrsg.): Siehe, ich sehe den Himmel offen. Briefe und Berichte christlicher Märtyrer 1933–1945. Hänssler, Holzgerlingen 2000, ISBN 3-7751-3518-9.
- Johannes Zechner: Wege in den Widerstand. Der 20. Juli 1944 in Mecklenburg-Vorpommern. In: Mecklenburgia Sacra. Jg. 7, Redaria, Wismar 2004, S. 119–133. ISBN 3-933771-10-2. ISSN 1436-7041
Weblinks
- Literatur von und über Alexis von Roenne im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiografie der Gedenkstätte Deutscher Widerstand
- Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Roenne, Alexis* Peter Hugo Frh. v.. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Roenne, Alexis von |
| ALTERNATIVNAMEN | Roenne, Alexis Freiherr von (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Oberst im Generalstab, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus |
| GEBURTSDATUM | 22. Februar 1903 |
| GEBURTSORT | Tuckum im russischen Gouvernement Kurland |
| STERBEDATUM | 12. Oktober 1944 |
| STERBEORT | Berlin-Plötzensee |
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- Person (Attentat vom 20. Juli 1944)
- Oberst im Generalstab (Heer der Wehrmacht)
- Hingerichtete Person (NS-Opfer)
- Hingerichtete Person (Berlin-Plötzensee)
- Freiherr
- Familienmitglied des Adelsgeschlechts Rönne
- Deutscher
- Deutsch-Balte
- Geboren 1903
- Gestorben 1944
- Mann