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Italienfeldzug (Zweiter Weltkrieg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zweiter Weltkrieg in Italien
Teil von: Zweiter Weltkrieg
Datei:Ww2 allied advance prato italy.jpg
Amerikanische Truppen auf dem Vormarsch bei Prato, Toskana, April 1945
Datum 10. Juli 1943 bis 2. Mai 1945
Ort Italien
Ausgang Sieg der Alliierten
Konfliktparteien

Vereinigte Staaten 48Datei:Flag of the United States (1912-1959).svg Vereinigte Staaten
Vereinigtes KonigreichDatei:Flag of the United Kingdom.svg Großbritannien
Kanada 1921Datei:Canadian Red Ensign (1921-1957).svg Kanada
Britisch-IndienDatei:British Raj Red Ensign.svg Indien
Sudafrika 1928Datei:Flag of South Africa (1928-1982).svg Südafrika
AustralienDatei:Flag of Australia (converted).svg Australien
NeuseelandDatei:Flag of New Zealand.svg Neuseeland
Freies FrankreichDatei:Flag of Free France (1940-1944).svg Freies Frankreich
Polen 1928Datei:Flag of Poland (1928-1980).svg Polen
Brasilien 1889Datei:Flag of Brazil (1889-1960).svg Brasilien
Königreich GriechenlandDatei:State Flag of Greece (1863-1924 and 1935-1970).svg Griechenland
Italien 1861Datei:Flag of Italy (1861-1946).svg Königreich Italien
(ab 13. Oktober 1943)

Deutsches Reich NSDatei:Flag of the German Reich (1935–1945).svg Deutsches Reich
Italien 1861Datei:Flag of Italy (1861-1946).svg Königreich Italien
(bis 8. September 1943)
Italien SozialrepublikDatei:Flag of the Italian Social Republic.png RSI
(ab 12. September 1943)

Befehlshaber

Vereinigte Staaten 48Datei:Flag of the United States (1912-1959).svg Dwight D. Eisenhower
Vereinigtes KonigreichDatei:Flag of the United Kingdom.svg Henry Maitland Wilson
Vereinigtes KonigreichDatei:Flag of the United Kingdom.svg Harold Alexander
Vereinigte Staaten 48Datei:Flag of the United States (1912-1959).svg Mark W. Clark

Deutsches Reich NSDatei:Flag of the German Reich (1935–1945).svg Albert Kesselring
Deutsches Reich NSDatei:Flag of the German Reich (1935–1945).svg Heinrich von Vietinghoff
Italien 1861Datei:Flag of Italy (1861-1946).svg Italien SozialrepublikDatei:Flag of the Italian Social Republic.png Benito Mussolini
Italien SozialrepublikDatei:Flag of the Italian Social Republic.png Rodolfo Graziani

Der Italienfeldzug ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) war die alliierte Invasion Italiens gegen die Verteidigung durch die Achsenmächte während des Zweiten Weltkriegs. Er begann mit der Invasion Siziliens im Juli 1943 und dauerte bis zum Kriegsende in Europa 1945 mit der Kapitulation der Wehrmachtsverbände in Italien. Geleitet wurde er vom Allied Force Headquarters, das für alle Operationen im Kriegsschauplatz Mittelmeerraum zuständig war. Schätzungen zufolge starben zwischen September 1943 und Mai 1945 über 60.000 alliierte und 50.000 deutsche Soldaten in Italien.<ref>Gregory Blaxland: Alexander's Generals: The Italian Campaign, 1944–45. W. Kimber, London 1979. S. 11, ISBN 0-7183-0386-5.</ref> Mit ca. 320.000 alliierten und über 330.000 deutschen Gesamtverlusten, also die Zahlen inklusive der Verwundeten und Vermissten, war Italien einer der verlustreichsten Kriegsschauplätze in Westeuropa.

Hintergrund

Kriegsende in Nordafrika

Der Afrikafeldzug (1940–1943) war nach einer schweren Niederlage der Achsenmächte in der Zweiten Schlacht von El Alamein (Oktober/November 1942), nach der amerikanischen und britischen Landung in Französisch-Nordwestafrika im Zuge der Operation Torch (November 1942) sowie nach dem finalen Sieg der Alliierten im Tunesienfeldzug (November 1942 – Mai 1943) zu Ende gegangen. Die finale Kapitulation der deutsch-italienischen Heeresgruppe Afrika erfolgte mit der Kapitulation der italienischen 1. Armee nördlich von Tunis am 13. Mai 1943. Für die Achsenmächte bedeutete das Kriegsende in Nordafrika den Verlust von mindestens 267.000 Soldaten, die in Tunesien in Kriegsgefangenschaft gerieten.<ref name=":0" details="S. 1100–1109.">Gerhard Schreiber: Das Ende des nordafrikanischen Feldzugs und der Krieg in Italien 1943 bis 1945. In: Karl-Heinz Frieser et al. (Hrsg.): Die Ostfront 1943/44: Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten (= Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 8). Deutsche Verlags-Anstalt, 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 1100–1162.</ref> Da das Achsenbündnis bereits im Januar/Februar 1943 in der Schlacht von Stalingrad eine schwere Niederlage erlitten hatte, wurde die Niederlage im nördlichen Tunesien auch als ‚Tunisgrad‘ bekannt.<ref></ref>

Alliierte Konferenzen

Noch vor dem siegreichen Abschluss des Tunesienfeldzugs im Mai 1943 war es, insbesondere auf der Casablanca-Konferenz im Januar 1943, unter den Westalliierten der Anti-Hitler-Koalition zu Meinungsverschiedenheiten über die zu verfolgende Strategie gegenüber den Achsenmächten gekommen. Der britische Premierminister Winston Churchill favorisierte eine Fortsetzung der Feldzüge im Mittelmeerraum, während die US-Delegation eine Beschleunigung der Vorbereitungen auf einen Kampfeinsatz in Westeuropa favorisierte. Die von den Amerikanern befürwortete Zweite Front war auch eine zentrale Forderung des sowjetischen Generalsekretärs Josef Stalin, der jedoch vor dem Hintergrund der zu diesem Zeitpunkt herrschenden Schlacht von Stalingrad nicht an der Casablanca-Konferenz teilnahm.<ref name=":0" details="S. 1101." /> Die britische Delegation setzte sich letztlich in Casablanca durch und erwirkten einerseits die Vertagung der Invasion Westeuropas („Operation Overlord“) ins Jahr 1944 sowie andererseits den Beschluss zu einer Invasion der zum faschistischen Italien gehörigen Mittelmeerinsel Sizilien („Operation Husky“) für Mitte 1943. Die beiden Delegationen einigten sich darauf, den Oberbefehl für die Operation dem US-Amerikaner Dwight D. Eisenhower zu übertragen, aber als unterstellte Befehlshaber der Land-, See- und Luftoperationen britische Generäle (Alexander, Cunningham, Tedder) zu verwenden.<ref name=":1" details="S. 338."></ref>

Letztendlich einigten sich die politischen Führungen beider Länder auf der Trident-Konferenz in Washington im Mai 1943 auf eine Invasion Nordfrankreichs zu Beginn des Jahres 1944 und begrenzte Operationen gegen das italienische Mutterland im Jahr 1943. Das alliierte Ziel war hierbei, das geschwächte Italien mit minimalen Einsatz aus dem Krieg heraus zu drängen und zu einem Friedensschluss zu zwingen.<ref name=":1" details="S. 351." /> Ein Ausscheiden Italiens aus dem Krieg würde den alliierten Marinestreitkräften, hauptsächlich der Royal Navy, die Vorherrschaft über das Mittelmeer bringen und ihre Verbindungslinien nach Indien und dem Fernen Osten vom Druck durch die Achsenmächte befreien. Außerdem würden die Achsenmächte gezwungen sein, Truppen von der Ostfront abzuziehen, um Italien und Südfrankreich zu verteidigen.<ref name=":1" details="S. 337–338." />

Alliierte Täuschungsoperationen

Für die deutsche Seite war das Ziel der nächsten alliierten Operation nur sehr schwer vorauszusagen. Neben einer Invasion Siziliens wurde verschiedentlich auch mit amphibischen Landungen in Spanien, Griechenland oder Sardinien gerechnet. Hierzu hatten auch zwei erfolgreiche Täuschungsmanöver der Briten beigetragen: die Operation Mincemeat (ab 30. April 1943), bei der mittels einer als Offizier verkleideten Leiche vermeintlich wichtige Dokumente den Deutschen zugespielt wurden,<ref name=":0" details="S. 1109." /> und die Operation Barclay, bei der das Vorhandensein einer alliierten Armee im östlichen Mittelmeerraum vorgetäuscht wurde. Daraufhin wurden umfangreiche Truppenverschiebungen vom deutschen Oberkommando durchgeführt, die letztlich zum Erfolg der alliierten Landung auf Sizilien beitrugen.

Lage in Italien und Vorbereitungen der Achsenmächte

Italien war nach dem Debakel in Tunesien vom Mai 1943 zu einem unsicheren Verbündeten für Deutschland geworden. In weiten Teilen der Bevölkerung, aber auch in höheren Kreisen des Militärs und der Politik bildete sich eine Oppositionshaltung gegen eine Fortsetzung des Krieges an der Seite Deutschlands heraus. Im März 1943 kam es zu Massendemonstrationen in Norditalien.<ref></ref>

Zur schlechten Moral der italienischen Bevölkerung trugen auch alliierte Luftangriffe auf italienische Städte bei, die nach der Casablanca-Konferenz (Januar 1943) noch einmal intensiviert wurden. Nach der Landung in Süditalien (September 1943) setzten die Alliierten die Luftangriffe auf Norditalien bis ins Jahr 1945 fort.<ref name=":0" details="S. 1125–1126." />

Die deutsche Führung versuchte im Frühjahr 1943, die italienische Führung auf einen kommenden Krieg in Südeuropa einzuschwören und vorzubereiten sowie den wahrscheinlichsten Ort der alliierten Invasion zu eruieren. Zu diesem Zweck hielt sich u. a. der deutsche Marineoberbefehlshaber Karl Dönitz im Mai 1943 in Rom auf. Der italienische Diktator Benito Mussolini gab sich gegenüber Dönitz zuversichtlich, trotz der Niederlage in Nordafrika sowohl sein Heimatland als auch seine innenpolitische Stellung verteidigen zu können. Er bat zwar um deutsche Luftunterstützung, reduzierte aber freiwillig die deutscherseits angebotenen fünf Heeresdivisionen auf drei, die nach Italien verlegt werden sollten. Der deutsche Militärattaché in Rom (zeitgleich „Deutscher General beim Hauptquarter der Italienischen Wehrmacht“) Enno von Rintelen erhielt zunächst den Auftrag, aus dem nicht mehr rechtzeitig nach Nordafrika verlegten Personal drei Divisionen aufzustellen, konnte aber nur zwei zusammensetzen: Aus der Division Sardinien wurde am 6. Juli die 90. Panzergrenadier-Division, aus der Division Sizilien am 15. Juli die 15. Panzergrenadier-Division. Darüber hinaus bat Rintelen um die Überstellung neuer Verbände von der Heeresgruppe D, der deutschen Besatzungstruppe in Frankreich.<ref name=":0" details="S. 1109–1110." /> Noch vor der alliierten Invasion am 10. Juli wurden die um ein zusätzlich Grenadierregiment verstärkte Panzerdivision Hermann Göring sowie das Festungsbataillon 903 und die Flak-Brigade 22 nach Sizilien verlegt, wo die 15. Panzergrenadier-Division ebenfalls Stellung bezog.<ref name=":0" details="S. 1113." />

Am 23. Juni wurde der deutsche Stab des Oberbefehlshabers Süd der Luftwaffe Albert Kesselring mit neuen Kompetenzen ausgestattet und zum Oberbefehlshaber aller Verbände des Heeres, der SS und des Bodenpersonals der Luftwaffe in Italien, zuzüglich zum Deutschen Marinekommando Italien, den fliegenden Verbänden der Luftflotte 2 (Wolfram von Richthofen) und dem Verbindungsgeneral zur italienischen Luftwaffe (Maximilian von Pohl). Darüber hinaus musste sich auch Attaché Rintelen mit Einschränkungen an Kesselrings Anweisungen halten.<ref name=":0" details="S. 1110–1112." />

Verlauf

Invasion der kleinen Mittelmeerinseln

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Datei:Abandoned and destroyed Italian aircraft at Pantelleria airfield, Italy, June 1943 (342-FH-3A26718-C24766AC).jpg
Zerstöre italienische Flugzeuge auf Pantelleria, Juni 1943

Nur wenige Tage nach der Kapitulation der Achsentruppen bei Tunis begannen die Alliierten am 8. Mai 1943 mit zweiwöchigen Bombardierungen aus der Luft auf die festungsartig ausgebaute italienische Insel Pantelleria.<ref name=":2" details="S. 61."></ref> Die alliierten Luftstreitkräfte erprobten über Pantelleria Flächenangriffe, die die italienische Garnison und die Zivilbevölkerung gleichsam zur Aufgabe bringen sollten. Am 11. Juni folgte eine Landungsoperation (Operation Corkscrew). Ziel des Unternehmens war es, die Insel möglichst kampflos zu besetzen.<ref name=":2" details="S. 64, 67–69." /> Für die Alliierten war es wichtig, einen nahe an Sizilien gelegenen Stützpunkt für die eigenen Luftstreitkräfte zu gewinnen.<ref></ref>

Zwischen dem 11. und 14. Juni 1943 nahmen die Alliierten die Mittelmeerinseln Pantelleria, Lampedusa, Lampione und Linosa ein.<ref name=":0" details="S. 1111." />

Am 9. Juli erfasste die Luftaufklärung der Achsenmächte gegen 16:30 Uhr die westalliierte Landungsflotte, die sich für die Invasion am Folgetag bereitmachte.<ref name=":0" details="S. 1112." />

Invasion von Sizilien

Datei:Sicilymap2.jpg
Verlauf des Kampfes um Sizilien

Die britisch-amerikanisch-kanadische Invasion Siziliens begann am 10. Juli 1943 mit amphibischen und Luftlandungen im Golf von Gela durch die 7. US-Armee (George S. Patton) und südlich von Syrakus durch die britische 8. Armee (Bernard Montgomery), die gemeinsam zur 15. Heeresgruppe unter Harold Alexander gehörten. Alexander war der Befehlshaber der alliierten Landstreitkräfte, während Andrew Cunningham die See- und Arthur Tedder die Luftoperationen kommandierte. Diese drei britischen Offiziere standen unter der Aufsicht des Oberbefehlshabers der Gesamtoperation, des US-amerikanischen General Dwight D. Eisenhower. Insgesamt verfügte die Invasionsstreitmacht für Sizilien über mindestens 2590 Schiffe und Boote (darunter sechs Schlachtschiffe) sowie 3462 Kampfflugzeuge. Im Zuge der ersten Landungswellen gingen 1800 Artilleriegeschütze, 600 Panzer, 14.000 Militärfahrzeuge und 181.000 Soldaten an Land.<ref name=":0" details="S. 1112." />

Datei:Bundesarchiv Bild 183-J14758, Sizilien, leichte Flak auf Zugkraftwagen.jpg
Deutsche Flak-Besatzung auf Sizilien, 1943

Verteidigt wurde die Insel von der italienischen 6. Armee unter Alfredo Guzzoni, welches aus zwei Armeekorps bestand. Dem XII. Armeekorps unterstanden die Infanteriedivisionen „Aosta“ und „Assietta“ sowie die Küstendivisionen 202, 207 und 208 sowie das 136. Infanterieregiment, während das XVI. Armeekorps über die Infanteriedivision „Napoli“, die Küstendivisionen 206 und 213 sowie die Küstenbrigaden 18 und 19 verfügte. Guzzoni hatte darüber hinaus die Infanteriedivision „Livorno“ als Armeereserve. Zu dieser italienischen Garnison kamen die deutschen Truppen der verstärkten Panzerdivision Hermann Göring und der 15. Panzergrenadier-Division, denen kurz nach Beginn der alliierten Invasion die 1. Fallschirmjäger-Division (ab 12. Juli) sowie die 29. Panzergrenadier-Division (ab 15. Juli) hinzugefügt wurden. Zum Zeitpunkt der Invasion am 10. Juli wurde Sizilien etwa von 175.000 italienischen und 28.000 deutschen Soldaten verteidigt, zu denen noch einmal 57.000 Mann Versorgungstruppen kamen. Diese Gesamtstärke stieg im Verlauf der Kämpfe um Sizilien auf 191.391 italienische und etwa 62.500 deutsche Truppen sowie 65.000 Mann der Versorgungseinheiten (davon ca. 60.000 Italiener und 5000 Deutsche). Die italienischen und deutschen Luftstreitkräfte verfügten über 930 bzw. 932 Kampfflugzeuge, von denen zum Invasionstag 449 bzw. 563 als einsatzbereit galten.<ref name=":0" details="S. 1112–1113." />

Datei:The British Army in Sicily 1943 NA4961.jpg
Britischer Soldat mit erbeuteter schwerer Panzerbüchse 41, Sizilien 1943

Die deutschen und italienischen Verteidiger hatten den Wunschtraum, den Vormarsch der Alliierten‚ ungefähr in der Linie Santo Stefano-Adrano-Catania zum Stehen zu bringen‘, hatten dazu aber nie ausreichend Kampfkraft auf der Insel.<ref name=":0" details="S. 1114." /> Der ursprüngliche Plan der Alliierten sah einen Vorstoß der Briten entlang der Ostküste nach Messina vor, während die Amerikaner die linke Flanke schützen sollten. Zwischen dem 10. und 23. Juli nahm die 7. US-Armee das westliche Sizilien in Besitz. Danach überschritt der amerikanische Armeebefehlshaber Patton jedoch die geplanten amerikanisch-britischen Armeegrenzen und trat seinerseits zum Angriff in Richtung Messina an, nachdem der britische Vormarsch an der Ostküste ins Stocken geraten war. Die US-Amerikaner erreichten die Stadt schließlich zuerst und eroberten sie am 17. August. Die deutschen und italienischen Truppen waren nicht in der Lage, die Eroberung der Insel zu verhindern, ihnen gelang jedoch der Abzug der wichtigsten Einheiten auf das Festland (Unternehmen Lehrgang), der am 17. August abgeschlossen wurde. Dabei wurden fast 40.000 Wehrmachtsangehörige sowie 62.000 Italiener mit beträchtlichen Mengen an Material, Munition, Benzin und vielen Militärfahrzeugen evakuiert. Die Alliierten sammelten Erfahrungen in der Durchführung amphibischer Landungen sowie großer Luftlandeunternehmungen und der Koalitionskriegsführung.<ref name=":0" details="S. 1114." />

Sturz Mussolinis

Obwohl sich der italienische Diktator Benito Mussolini noch am 19. Juli bei Feltre mit Adolf Hitler getroffen hatte und sich die beiden Diktatoren gegenseitig Unterstützung und Vertrauen aussprachen, liefen in Rom längst die Vorbereitungen einer Absetzung Mussolinis, zu der sich Teile des italienischen Königshauses, einige der hohen Armeeoffiziere sowie hohe funktionäre der regierenden Nationalen Faschistischen Partei (PNF) verschworen hatten.<ref name=":0" details="S. 1115–1116." /> Während einer Sitzung des Großen Faschistischen Rates am 24. Juli 1943 verlor Mussolini eine Abstimmung über die künftige Kommandostruktur der Armee und wurde am Folgetag vom König als Premierminister entlassen und verhaftet. Als Regierungschef wurde er vom Armeegeneral Pietro Badoglio abgelöst.<ref></ref>

Vorbereitungen des italienischen Kriegsaustritts

Die Absetzung Mussolinis löste gleichermaßen großes Misstrauen der deutschen Führung und Enthusiasmus der kriegsmüden Teile der italienischen Zivilbevölkerung aus. Der neue Premierminister Badoglio versicherte jedoch zunächst in öffentlichen Erklärung, den Krieg an der Seite Deutschlands fortsetzen zu wollen.<ref name=":0" details="S. 1117." />

Am 6. und 15. August trafen sich italienische und deutsche Militärführer in Tarvisio bzw. Casalecchio; die deutsche Seite teilte ihren italienischen Verbündeten zu deren Ärger ihre Absicht mit, eine neue Heeresgruppe B unter Erwin Rommel in Norditalien aufstellen zu wollen, um die Verteidigung des Landes zu stärken.<ref name=":0" details="S. 1117." /> Zeitgleich liefen auf deutscher Seite jedoch auf Hochtouren die Vorbereitungen für eine Operation, die im Falle eines italienischen Kriegsaustritts ausgeführt werden sollte. Dieser Plan hieß seit dem 1. August 1943 offiziell „Fall Achse“.<ref name=":0" details="S. 1118." />

Am 3. September wurde zwischen Italien und den Westalliierten der Waffenstillstand von Cassibile unterzeichnet, jedoch zunächst bis zum 8. September geheim gehalten.<ref name=":0" details="S. 1118." />

Invasion Italiens

Landungen in Süditalien

Datei:Invasionofitaly1943.jpg
Invasion Italiens

Am 3. September 1943, dem Tag des Waffenstillstands von Cassibile zwischen Italien und den Westalliierten, landeten Truppen der britischen 8. Armee bei Reggio Calabria (Operation Baytown).<ref name=":0" details="S. 1127." />

Die Vorhut bildeten Truppen der britischen 5. Division und der kanadischen 1. Division, die beide zum britischen XIII. Korps gehörten und die ab 03:45 Uhr morgens an Land gingen. Abgesehen von vereinzelten deutschen Luftangriffen traf die Landung in Kalabrien auf keine unmittelbare Gegenwehr. Die als Teil der deutschen 10. Armee (Vietinghoff) in Süditalien dislozierten Großverbände (26. Panzerdivision, 29. Panzergrenadierdivision, 1. Fallschirmjägerdivision) setzten sich diszipliniert nordwärts ab, auch wenn sie von der am 8. September bei Pizzo Calabro gelandeten 231. Brigadegruppe kurzzeitig heftig attackiert wurden.<ref name=":0" details="S. 1127." />

Am 9. September landete die 5. US-Armee im Golf von Salerno und baute einen Brückenkopf auf (Operation Avalanche), dessen mittelfristiges Ziel die Eroberung der Großstadt Neapel war. Die 5. Armee wurde von einer Flotte von 627 Schiffen und Booten (inklusive acht Flugzeugträgern) gedeckt und verfügte über 3127 einsatzbereite Kampfflugzeuge zur Luftunterstützung. Am ersten Angriffstag gingen in den frühen Morgenstunden eine nördliche Angriffsgruppe mit den 46. und 56. Divisionen des britischen X. Korps (Richard McCreery) und eine südliche Angriffsgruppe mit der verstärkten 36. US-Division des VI. US-Korps (Ernest J. Dawley) an Land.<ref name=":0" details="S. 1128–1129." />

Ebenfalls am 9. September landeten weitere britische Kräfte bei Tarent (Operation Slapstick), wobei die britische 1. Luftlandedivision die Speerspitze bildete.<ref name=":0" details="S. 1127." />

Der Militärhistoriker Gerhard Schreiber teilt die folgenden Gegenangriffe der deutschen 10. Armee (Vietinghoff) in vier Phasen, wobei die erste Phase (9./10. September) die erfolgreichen Kämpfe der Alliierten im unmittelbaren Bereich der Brückenköpfe umfasste, die zweite Phase (10.–13. September) die erfolgreiche Erweiterung der angloamerikanischen Brückenköpfe gegen die Truppen des LXXVI. Panzerkorps sowie des XIV. Panzerkorps beinhaltete, die dritte Phase (13.–18. September) von heftigen deutschen Gegenangriffen von der Linie Battipaglia–Eboli–Altavilla mithilfe der 16. Panzer-, 29. Panzergrenadier- und 26. Panzerdivision sowie schweren alliierten Luftschlägen gegen diese Angriffsverbände geprägt war und die vierte Phase (ab 18. September) den Abbruch der Kämpfe und den Rückzug der 10. Armee auf neue Defensivstellungen umfasste, welche bis zum 25. September abgeschlossen sein sollte.<ref name=":0" details="S. 1130–1132." />

Verkündung des italienischen Kriegsaustritts und Fall Achse

Der italienisch-alliierte Waffenstillstand wurde von Eisenhower am 8. September via Radio verkündet, nachdem Eisenhower ein verzweifeltes Nachsuchen des unvorbereiteten Badoglio um eine Verschiebung abgelehnt hatte; deutsche Truppen begannen nach der Durchgabe des Funkworts „Achse“ gegen 20:00 Uhr abends mit der Entwaffnung der italienischen Armee in Italien, Südfrankreich sowie auf dem Balkan (Fall Achse).<ref name=":0" details="S. 1122–1123." />

Wie im Fall Achse für so eine Situation geplant besetzten deutsche Truppen bis Mitte September 1943 Nord- und Mittelitalien und die bisherigen italienischen Besatzungsgebiete auf dem Balkan.<ref name=":0" details="S. 1119." /> Sie setzten die dort stehenden italienischen Truppen gefangen, wobei vor allem in Griechenland mehrere tausend italienische Kriegsgefangene getötet wurden (u. a. im Massaker auf Kefalonia).<ref>Gabriele Hammerman: Zeugnisse der Gefangenschaft: Aus Tagebüchern und Erinnerungen italienischer Militärinternierter in Deutschland 1943–1945. De Gruyter Oldenbourg, 2014, ISBN 978-3-11-036653-2, S. 24–25.</ref> Die reaktivierte Heeresgruppe B unter Erwin Rommel führte die Aktion in Norditalien durch, in Süd- und Mittelitalien war der Oberbefehlshaber Süd (ab November 1943: Oberbefehlshaber Südwest), Albert Kesselring, als Oberbefehlshaber zuständig.<ref name=":0" details="S. 1119." /> Insgesamt wurden 1.700.000 italienische Angehörige von Heer, Marine und Luftwaffe entwaffnet, was eine der größten militärischen Entwaffnungen der Menschheitsgeschichte darstellt.<ref name=":5" details="S. 30." /> Mehr als 600.000 entwaffnete italienische Soldaten wurden anschließend von den Deutschen als „Militärinternierte“ in Lagern festgehalten und als Zwangsarbeiter in Deutschland eingesetzt.<ref name=":5" details="S. 18.">Gerhard Schreiber: Die italienische Militärinternierten im deutschen Machtbereich, 1943 bis 1945: Verraten – Verachtet – Vergessen. R. Oldenbourg Verlag, 1990, ISBN 3-486-59560-1.</ref>

Datei:Affondamento corazzata Roma 1943-9-9 mappa.svg
Verfolgung der italienischen Flotte aus La Spezia

Die italienische Flotte war am 9. September aus ihren Stützpunkten mit Kurs auf La Maddalena bei Sardinien ausgelaufen, um einer Beschlagnahmung oder Vernichtung durch die Deutschen zu entgehen. Der deutschen Luftwaffe gelang es, am gleichen Tag mithilfe der neuartigen ferngelenkten Fritz X das Schlachtschiff Roma und mehrere weitere Schiffe auf See zu versenken. Die Flotte änderte daraufhin ihren Kurs nach Malta, wo sie sich von den Briten internieren ließ.<ref></ref> Bis zum 18. September evakuierte die Wehrmacht ihre Truppen von Sardinien nach Korsika, bis zum 4. Oktober wurde auch Korsika in Richtung Mittelitalien geräumt. Bereits am 16. September hatte die italienische Garnison der Insel Elba kapituliert.<ref name=":0" details="S. 1133." />

Befreiung Mussolinis und Gründung der Italienischen Sozialrepublik

Am 12. September führten deutsche Fallschirmjäger und SS-Soldaten das Unternehmen Eiche zur Befreiung Mussolinis durch.<ref name=":0" details="S. 1117." /> Danach wurde unter Mussolini am 23. September in Rom der Stato repubblicano d’Italia ausgerufen, der im November in Verona in Italienische Sozialrepublik (Republik von Salò) umbenannt wurde.<ref>Silvano Vinceti (Hrsg.) Salò capitale: breve storia fotografica della RSI. Armando Editore, Rom 2003, ISBN 88-8358-464-3, S. 30.</ref> Das neue faschistische Staatsgebilde beteiligte sich mittels der wenigen eigenen Streitkräfte (Heer: ENR, Marine: MNR, Luftwaffe: ANR, Nationalgarde: GNR) auf Seiten Deutschlands weiter am Krieg und an Aktionen gegen die Resistenza in Italien. Schon am 10. September 1943 hatten deutsche Streitkräfte in Norditalien die „Operationszonen“ Alpenvorland (OZAV) und Adriatisches Küstenland (OAK) als unmittelbare deutsche Besatzungszonen gebildet.<ref name=":3" details="S. 10–13."></ref>

Partisanenkrieg und Kriegserklärung Italiens an das Deutsche Reich

Datei:8th Army Front- Italian Partisan Leader Honoured NA22067.jpg
Italienische Partisanen bei einer britischen Ordensverleihung, Februar 1945

Noch am 9. September 1943 gründete sich in Rom anlässlich des Kriegsaustritts Italiens das Comitato di Liberazione Nazionale (CLN), welches sich die Vertreibung der deutschen Truppen aus Italien zum Ziel setzte.<ref></ref> Es gründeten sich im Verlauf der Jahre 1943–1945 zahlreiche Partisanengruppen in den Nord- und Zentralapenninen, im Alpenvorland, in den Cottischen Alpen, im Aostatal, in den Tambobergen, den Vizentiner Alpen, den Dolomiten und den Julischen Alpen.<ref name=":3" details="S. 13, 17." /> Nördlich der in Mittelitalien verlaufenden Front kam es in der Folge zu einem Partisanenkrieg gegen den italienischen Widerstand (Resistenza),<ref name=":3" details="S. 17." /> in dem deutsche Einheiten zahlreiche schwere Massaker verübten (Deutsche Kriegsverbrechen in Italien).<ref></ref> Tatsächliche oder vermeintliche Partisanenaktivität wurde deutschen Verbänden zum Vorwand für die brutale Repression der Zivilbevölkerung.<ref></ref>

Am 13. Oktober 1943 erklärte die Regierung Badoglio dem Deutschen Reich den Krieg;<ref>Rolf-Dieter Müller: An der Seite der Wehrmacht: Hitlers ausländische Hitler beim "Kreuzzug gegen den Bolschewismus" 1941–1945. Ch. Links Verlag, 2007, ISBN 978-3-86153-448-8, S. 99.</ref> dies war von den Alliierten als Waffenstillstandsbedingung gefordert worden.

Kampf südlich von Rom

Anfang Oktober wurde Adolf Hitler von seinem Oberbefehlshaber Süd Albert Kesselring überzeugt, dass die Verteidigung Italiens so weit wie möglich im Süden stattfinden müsse. Damit sollten die geographischen Gegebenheiten Mittelitaliens so gut wie möglich ausgenutzt werden, zudem sollte den Alliierten der Zugang zu immer näher an Deutschland gelegenen Flugplätzen verwehrt werden. Hitler war ferner überzeugt, dass eine zu leichte Aufgabe Italiens den Alliierten den Weg zu einer Invasion des Balkans öffnen würde, von wo das Deutsche Reich kriegswichtige Rohstoffe wie Öl, Bauxit und Kupfer bezog.<ref>Douglas Orgill: The Gothic Line (The Autumn Campaign in Italy 1944). Heinemann, London 1967. S. 5, ISBN 0-8217-1916-5.</ref>

Am 18. November 1943 wurde die neue deutsche 14. Armee aufgestellt,<ref>Georg Tessin: Die Landstreitkräfte 006–014 (= Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 3). Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, de 1967, ISBN 3-7648-0942-6, S. 289–290.</ref> die für die Verteidigung Roms zuständig war. Gleichzeitig wurde Kesselring, der eigentlich der Luftwaffe angehörte, am 21. November zum Oberbefehlshaber der neuen Heeresgruppe C ernannt.<ref name=":0" details="S. 1135." />

Datei:ItalyDefenseLinesSouthofRome1943 4.jpg
Deutsche Verteidigungslinien südlich von Rom

Die Deutschen bauten in dem schwierigen, von den Apenninen und zahlreichen in diesen entspringenden Flüssen bestimmten Gelände mehrere Verteidigungslinien auf, die von den alliierten Truppen nacheinander überwunden werden mussten.<ref name=":0" details="S. 1132." /> Dazu gehörten die Volturno-Linie (Linie „Viktor“), die Barbara-Linie, die Bernhardt-Linie und die Gustav-Linie.<ref name=":0" details="S. 1132, 1144." /> Besonders die letztere wurde von den deutschen Truppen hartnäckig verteidigt und konnte von der 5. US-Armee im Westen der Italienischen Halbinsel lange nicht überwunden werden. Obwohl die Gustav-Linie im Osten bei Ortona von der britischen 8. Armee Ende 1943 durchbrochen wurde (Schlacht um Ortona), kam ein weiteres Vorgehen aufgrund von Schneestürmen und -verwehungen nicht zustande.<ref name=":0" details="S. 1144–1150." />

Datei:Niemieccy i włoscy spadochroniarze na froncie pod Nettuno - Anzio (2-2159).jpg
Deutsche Fallschirmjäger nahe Anzio, 1944

Am 22. Januar führte ein Korps der 5. US-Armee eine Landung im Rücken der deutschen Front bei Anzio durch (Operation Shingle), die der Überwindung der Gustav-Linie dienen sollte. Trotz des Erfolgs der Landung konnte dieses Ziel zunächst nicht erreicht werden, da ein schneller Vorstoß ins Landesinnere nicht erfolgte.<ref name=":0" details="S. 1147–1150." /> Der Brückenkopf band aber deutsche Kräfte und verhinderte ihren Einsatz an der Gustav-Linie.

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Abtei Montecassino mit schweren Kriegsschäden, Anfang 1944

Zwischen Januar und Mai 1944 fanden an der Gustav-Linie vier größere alliierte Offensiven statt, die zusammen als Schlacht um Monte Cassino bezeichnet werden. Erst in der letzten Offensive (Operation Diadem) Ende Mai gelang den alliierten Truppen, unter denen sich britische, amerikanische, kanadische, polnische, (kolonial-)französische, neuseeländische und indische Einheiten befanden, der Durchbruch zwischen dem am 15. Februar durch einen alliierten Luftangriff schwer zerstörten Bergkloster Montecassino und dem Meer. Den Alliierten gelang es jedoch nicht, den Rückzug der 10. Armee abzuschneiden, stattdessen konzentrierten sie sich auf die Einnahme Roms, das bereits 1943 von der italienischen Regierung und nun kurz vor dem Eintreffen der alliierten Truppen auch von den deutschen Besatzern zur offenen Stadt erklärt worden war.<ref>ROME DECLARED OPEN CITY. In: Morning Bulletin (Rockhampton, Qld. : 1878–1954). Rockhampton, Qld. 16. August 1943, S. 1 (gov.au [abgerufen am 4. Juni 2019]).</ref><ref>Robert Katz: The Battle for Rome. Simon & Schuster, 2003, ISBN 978-0-7432-1642-5.</ref> Am 4. Juni übernahmen US-Truppen die Kontrolle über die Stadt.<ref name="Clark">Mark W. Clark: Calculated Risk: The Story of the War in the Mediterranean. Harper & Brothers, New York 1950.</ref>

Kämpfe um die Gotenstellung

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Detaillierter Frontverlauf Sommer 1944

Nach dem Fall Roms und der Invasion in der Normandie Anfang Juni wurden sieben Divisionen (drei amerikanische, vier französische) aus Italien abgezogen, um sich auf die Landung in Südfrankreich (Operation Dragoon) vorzubereiten.<ref name=":0" details="S. 1152." /> Im Juli 1944 kamen die ersten Einheiten des brasilianischen Expeditionskorps in Italien an, die allerdings keinen vollständigen Ersatz für die verlorenen Truppen bilden konnten.<ref></ref> Die alliierten Armeen folgten den sich zurückziehenden deutschen Truppen, die bis August die Gotenstellung (ab Juni: „Grün-Linie“) zwischen Montignoso-Cinquale und Pesaro bezogen.<ref name=":0" details="S. 1153." />

Auf der Seite der Achsenmächte wurde am 3. August 1944 die neue Armee Ligurien unter dem Befehl des italienischen Generals Rodolfo Graziani der Heeresgruppe C unterstellt. Dieser deutsch-italienische Verband brachte die Stärke der Heeresgruppe auf insgesamt drei Armeen (10., 14., Ligurien) mit sechs Armeekorps und einer Korpsabteilung zu insgesamt 29 Divisionen inklusive einer Panzerdivision. Diesen Kräften standen Ende August zwei alliierte Armeen (5., 8.) mit sieben Korps und 20 Divisionen inklusive fünf Panzerdivisionen zuzüglich sechs Panzerbrigaden gegenüber, denen als Unterstützungsverbände noch eine griechische Gebirgsbrigade, ein italienisches Befreiungskorps ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (CIL)) und das brasilianische Expeditionskorps zuzuordnen waren.<ref name=":0" details="S. 1153." />

Zwischen dem 5. Juni und 15. August erlitt die 5. US-Armee 11.259 Verluste (1933 Gefallene, 8777 Verwundete, 549 Vermisste), die britische 8. Armee etwa 16.000, die Deutschen über 40.000 Gefallene und Vermisste.<ref name=":4" details="S. 470."></ref>

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Plan zur Überwindung der Gotenstellung

In einer größeren Offensive (Operation Olive), gelang es den alliierten Armeen, die Gotenstellung in Richtung auf Rimini und Bologna zu durchbrechen. Die britische 8. Armee griff am 25. August und die 5. US-Armee am 1. September an; beide Armeen erreichten bis Mitte September mehrere kleinere Durchbrüche. Ein entscheidender alliierter Sieg wurde aber von den beiden deutschen Armeen verhindert. Zwar konnte Rimini am 21. September erobert werden, doch das Hauptziel Bologna blieb trotz eines am 1. Oktober erfolgten Großangriffs der 5. Armee in den Händen der Achsenmächte.<ref name=":0" details="S. 1154." /> Churchill hatte gehofft, dass ein Durchbruch noch im Herbst 1944 den alliierten Armeen den Weg durch die sogenannte Laibacher Lücke nach Österreich und Ungarn öffnen und die ungehinderte Besetzung ganz Südmittel- und Südosteuropas durch die Rote Armee, die nach der Lwiw-Sandomierz- und Jassy-Kischinew-Operation die schwer geschlagene Wehrmacht vor sich hertrieb, verhindern würde. Sein Vorschlag wurde von den amerikanischen Stabschefs scharf zurückgewiesen, die zwar dessen mögliche Bedeutung für die Nachkriegsordnung erkannten, aber ihn nicht in Übereinstimmung mit den alliierten Gesamtinteressen sahen.<ref name="Clark" /> Im Winter und Frühling 1944/45 nahm die Partisanenaktivität in Norditalien stark zu. Der Kampf gegen die Organe der Sozialrepublik nahm zeitweise Formen eines Bürgerkriegs an.

Zum Jahresende 1944 wurde die alliierte Führung umgeschichtet; der bisherige Befehlshaber der 15. Heeresgruppe Harold Alexander wurde zum neuen alliierten Oberbefehlshaber im Mittelmeer, Mark Clark rückte vom Kommando der 5. Armee zum Kommando der 15. Heeresgruppe auf und Lucian K. Truscott übernahm für Clark die 5. Armee.<ref name=":0" details="S. 1154." />

Die Fortsetzung der alliierten Offensive Anfang 1945 wurde durch winterliches schlechtes Wetter, das den Einsatz von Panzern und Flugzeugen behinderte, und durch den Abzug britischer Truppen nach Griechenland und kanadischer Truppen nach Westeuropa sowie durch die hohen Verluste der Kämpfe im vorhergehenden Herbst verhindert.<ref>John Keegan: The Second World War. Penguin, 2005, ISBN 978-0-14-303573-2.</ref><ref>Thomas R. Brooks: The War North of Rome (June 1944-May 1945). Da Capo Press, 2003, ISBN 978-0-306-81256-9.</ref> Die Alliierten nahmen eine Strategie der „offensiven Verteidigung“ an, während sie sich auf die finale Offensive bei besseren Wetter- und Bodenbedingungen vorbereiteten. Im Winter 1944/45 fand die Schlacht von Monte Castello um die Zugänge nach Bologna mit Beteiligung des brasilianischen Expeditionskorps und der 10. US-Gebirgsdivision statt.

Frühjahrsoffensive 1945

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Frühjahrsoffensive der Alliierten

Die alliierte Schlussoffensive („Operation Grapeshot“) begann am 9. April 1945 um 19:00 Uhr mit massivem Artilleriebeschuss und Luftangriffen auf die deutschen Stellungen.<ref name=":0" details="S. 1155." /> Bis zum 18. April waren Truppen der britischen 8. Armee bei Argenta durchgebrochen und schickten in einem Versuch, die Verteidiger von Bologna einzuschließen, Panzer durch die Lücke, die sich mit dem aus den Apenninen vorrückenden IV. US-Korps treffen sollten. Am 21. April betraten die polnische 3. Karpatendivision, die italienische Kampfgruppe Friuli und die 34. US-Infanteriedivision die Stadt. Die 10. US-Gebirgsdivision, die an Bologna vorbei vorgegangen war, erreichte am 22. April den Po, die 8. indische Division der 8. Armee am folgenden Tag.

Am 25. April, dem sogenannten Tag der Befreiung Italiens, erklärten die Partisanen einen allgemeinen Aufstand. Am selben Tag überschritt die britische 8. Armee den Po und stieß in Richtung Venedig und Triest vor. Teile der 5. US-Armee begannen den Vormarsch in Richtung der österreichischen Grenze und auf Mailand. Auf ihrer linken Flanke ging die 92. US-Division auf Genua vor, während auf der rechten Flanke die brasilianische Division die deutsch-italienische Armee Ligurien durch ihren raschen Vorstoß auf Turin überraschte.<ref>Rudolf Bohmler: Monte Cassino: A German View. Cassell, 1964.</ref>

Deutsche Kapitulation in Italien

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Ende April war die Heeresgruppe C, die fast ihre gesamte Kampfkraft eingebüßt hatte, an allen Fronten auf dem Rückzug und verfügte über wenig andere Optionen als die Kapitulation. General von Vietinghoff, der seit März die Heeresgruppe führte, unterzeichnete am 29. April die Kapitulation der deutschen Armeen in Italien, die Kampfhandlungen endeten am 2. Mai.<ref>Gregory Blaxland: Alexander's Generals: The Italian Campaign, 1944-45. W. Kimber, London 1979. S. 277, ISBN 0-7183-0386-5.</ref>

Kriegsverbrechen und Terror gegen die Zivilbevölkerung

In Italien wurde durch öffentliches Interesse in den letzten Jahrzehnten der Umfang der Kriegsverbrechen von deutscher Seite, aber auch von der alliierten Seite, und die zahllosen Gräueltaten durch faschistische und antifaschistische Kräfte im Partisanenkampf verhältnismäßig gut dokumentiert. Während etwa 30.000 Italiener als Partisanen und Geiseln von Truppenteilen der Wehrmacht, der Waffen-SS und den Sicherheitskräften der RSI getötet wurden, starben durch die Aktionen der Partisanengruppen mindestens 3.000 deutsche Militärangehörige und etwa 30.000 italienische Soldaten und Zivilisten. Die Tötungen endeten nicht mit dem Zweiten Weltkrieg, sondern im Rahmen von Racheaktionen und politischen Auseinandersetzungen gab es auch 1946 noch tausende italienische Opfer der bürgerkriegsartigen Auseinandersetzung.

Bei den Verbrechen der deutschen Streitkräfte wird zumeist der Fokus auf die direkten Tötungen in Italien gelegt. Es muss aber auch erwähnt werden, dass die Zahl der Opfer durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft deutlich größer ist, da im Zuge der Entwaffnung nach dem italienischen Waffenstillstand vom 8. September teils besonders gewaltsam, so im Bereich der italienischen Besatzungstruppen auf dem Balkan, etwa 600.000 italienische Soldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft kamen. Diese wurden als Militärinternierte auch nach Deutschland deportiert und als Zwangsarbeiter eingesetzt. Mit etwa 45.000 italienischen Kriegsgefangenen die in der verhältnismäßig kurzen Zeit nach Herbst 1943 in deutschem Gewahrsam verstarben, ist die Sterblichkeitsrate unter diesen Kriegsgefangenen als besonders hoch zu bewerten.<ref>Vogel: Der Zweite Weltkrieg in Italien. 2021, S. 131–140.</ref>

Nach den Schlachten am Monte Cassino kam es zu massenhaften Vergewaltigungen durch Truppen des Corps expéditionnaire français en Italie (CEFT), unter anderem durch marokkanische Truppen des CEFT. Diese Verbrechen sind in Italien auch als marocchinate bekannt.<ref>Stéphanie Trouillard: The battle of Monte Cassino: Both glory and dishonour for the French army. In: france24.com. 18. Mai 2024, abgerufen am 12. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Verluste

Militärische Verluste

Datei:Germanpow1945.jpg
Deutscher Kriegsgefangener im Gewahrsam der 92. US-Division, ca. 1944

Für den Sizilienfeldzug beliefen sich die Verluste der Westalliierten auf 2721 Gefallene, 7939 Verwundete und 11.590 Malariafälle für die britische 8. Armee sowie 2811 Gefallene, 13.500 Verwundete und 9892 Malariafälle für die 7. US-Armee. Die Verluste der Achsenmächte in Sizilien umfassten für Italien 4325 Gefallene, 32.500 Verwundete und 40.655 Vermisste sowie für das Deutsche Reich 4678 Gefallene, 13.500 Verwundete und 4583 Vermisste. Darüber hinaus gingen 116.681 Italiener und 5532 Deutsche in Kriegsgefangenschaft. Im Zuge der Evakuierungsoperation Unternehmen Lehrgang entkamen zehntausende Soldaten der Achsenmächte auf Sizilien der Gefangennahme durch die Alliierten.<ref name=":0" details="S. 1114." />

Zwischen September 1943 und Mai 1945 erlitten die Westalliierte über 90.000 britische und über 188.000 amerikanische Verluste. Die kanadischen Truppen verloren 4287 Gefallene, 15.655 Verwundete und 505 Vermisste, während die Truppen aus Britisch-Indien 4255 Gefallene und 22.745 Verwundete zu beklagen hatten. Dazu kamen 6000 Tote und 16.000 Verwundete der Freien Französischen Streitkräfte sowie 2900 Gefallene, 7675 Verwundete und 4300 der polnischen Exilarmee im Westen. Die Verluste der amerikanischen Heerestruppen innerhalb der 5. Armee betrugen 30.050 Gefallene, 80.618 Verwundete, 4369 Vermisste und 9195 Kriegsgefangene.<ref name=":4" details="S. 471." />

Die deutschen Verluste zwischen September 1943 und dem 31. März 1945 betrugen 38.805 Gefallene, 168.571 Verwundete und 208.239 Vermisste.<ref name=":0" details="S. 1161." />

Zivile Verluste

Etwa 64.000 italienische Zivilisten wurden in westalliierten Luftangriffen getötet, von denen der Luftangriff auf Rom am 19. Juli 1943 mit 700 Toten und 1600 Verletzten zu den schwersten Einzelangriffen zählte. Weitere 10.000 italienische Zivilisten wurden durch deutsche Luftangriffe oder Bodenbeschuss getötet. Die Gesamtzahl der italienischen zivilen Kriegstoten beträgt ca. 152.940.<ref name=":4" details="S. 471." />

Siehe auch

Literatur

  • Gregory Blaxland: Alexander's Generals: The Italian Campaign, 1944–45. W. Kimber, London 1979, ISBN 0-7183-0386-5.
  • Michael Carver: War in Italy, 1943–1945. Pan Macmillan, 2004, ISBN 0-283-07294-6.
  • Trumbull Higgins: Soft Underbelly: The Anglo-American Controversy over the Italian Campaign, 1939–1945. Macmillan, New York 1968.
  • W. G. F. Jackson: The Battle for Italy. Harper & Row, London 1967.
  • Gilbert Alan Shepperd: The Italian Campaign 1943–45: A Political and Military Re-assessment. Barker, London 1968, ISBN 0-213-76404-0.
  • John Strawson: The Italian Campaign. Secker & Warburg, London 1987, ISBN 0-88184-368-7.
  • Edmund Theil: Kampf um Italien: Von Sizilien bis Tirol, 1943–1945. Langen Müller Verlag, München 1983, ISBN 3-7844-1966-6.
  • Thomas Vogel: Der Zweite Weltkrieg in Italien 1943–1945. Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-15-011208-3
  • Helmut Wilhelmsmeyer: Der Krieg in Italien 1943–1945. Stocker, Graz 1995, ISBN 3-7020-0716-4.

Weblinks

Commons: Italienfeldzug (Zweiter Weltkrieg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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