Fazenda
Eine Fazenda [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist in Brasilien heute ein Gehöft, in der Regel ein Großbetrieb mit Viehzucht oder großflächigem Plantagenanbau. Im Spanischen heißt sie {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) oder {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), im Englischen {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value).
Allgemeines
Das Wort {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) steht im Portugiesischen jedoch nicht nur für ‚Bauernhof‘, ‚Gutshof‘ oder ‚Landgut‘, sondern auch für ‚öffentliches Vermögen‘, ‚Schatzamt‘. Deshalb sind auch Finanzministerien häufig so benannt. Pendant in Iberoamerika ist die Hazienda oder Estancia. In den USA werden größere landwirtschaftliche Anwesen als Farm ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), in Australien als {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) bezeichnet. In Portugal selbst wird der Bauernhof {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) genannt.
Geschichte
Das Wort {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) wurde in Portugal bereits im Mittelalter als Bezeichnung für Finanzen oder Vermögen ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) verwendet.<ref>Friedrich Jaeger (Hrsg.): Enzyklopädie der Neuzeit. Band 5, 2007, ISBN 978-3-476-00053-8, S. 15 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Nach der Entdeckung Brasiliens durch den Portugiesen Pedro Álvares Cabral im April 1500 konzentrierte sich die vorindustrielle Wirtschaft auf die Fazenda, welche die wirtschaftliche, soziale, kulturelle und politische Grundlage Brasiliens bildete.<ref>Claus Metzger: Die gewerblich-technische Berufsausbildung im Bundesstaat São Paulo (Brasilien) im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland. 1986, ISBN 3-7883-0849-4, S. 39.</ref> Im Jahre 1591 erfolgte in Lissabon die Gründung eines {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), eines obersten Finanzrats, der für alle fiskalischen Belange Portugals und seiner Überseebesitzungen zuständig war.<ref>Horst Pietschmann: Die staatliche Organisation des kolonialen Iberoamerika. 1980, ISBN 3-12-911410-6, S. 175.</ref>
Die institutionelle Bedeutung der „Fazenda“ geht auf das 1808 erstmals in Brasilien geschaffene ‚Staatssekretariat für Finanzangelegenheiten‘ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) zurück.<ref>Por que se chama o Ministério da Economia de Fazenda? In: Super Interessante. 18. April 2011, abgerufen am 18. November 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Wortursprung sind „die Dinge, die zu machen sind“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)). Der erste Präsident Brasiliens, Manuel Deodoro da Fonseca, errichtete 1891 das {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), das heutige Finanzministerium.
In der Kolonialzeit bis zum September 1822 wurde der Großgrundbesitz ebenfalls {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) genannt, die zentrale soziale Institution. Die Agrarflächen mussten weitgehend durch Brandrodung des Primärregenwaldes geschaffen werden.<ref>Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.): Max-Planck-Forschung. Das Wissenschaftsmagazin der Max-Planck-Gesellschaft. 2001, ISSN 1616-4172, S. 76.</ref> Der Großgrundbesitzer zeichnete für das Funktionieren seines Landbesitzes verantwortlich. Der Paternalismus unterwarf Sklaven als Landarbeiter, wenngleich der Besitzer sich als Landherr ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) auch fürsorglich zeigte.<ref>Deutscher Studienpreis (Hrsg.): Mythos Markt? 2006, ISBN 978-3-531-14991-2, S. 246 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Die indigenen und afrikanischen Sklaven litten dennoch unter extrem harten Arbeitsbedingungen, waren schlecht gekleidet und wohnten in engen Sklavenhütten ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)); ihre Arbeitszeit von bis zu 16 Stunden täglich wurde von einem Sklavenbeaufsichtiger ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) überwacht.<ref>Chirly dos Santos-Stubbe, Hannes Stubbe: Kleines Lexikon der Afrobrasilianistik. 2014, ISBN 978-3-8471-0182-6, S. 436 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Es handelte sich um Lohnarbeit, die vom Landbesitzer überwiegend durch Agrarprodukte bezahlt wurde (Naturalwirtschaft). Das Fazenda-System hatte zur Folge, dass jede Fazenda Autarkie besaß, welche die Existenz ihrer Bewohner sichern konnte.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vergab die brasilianische Regierung zur Verbesserung der Fleischversorgung und zur Ausweitung der Fleischexporte große Flächen unerschlossener Naturgebiete an Großgrundbesitzer oder ausländische Investoren, welche Rinderfarmen anlegten. Da für eine extensive Rinderhaltung große Weideflächen benötigt werden, sind bis heute enorm große Flächen tropischer Wälder und Savannen mittels Brandrodung entwaldet worden. Anschließend werden mit Flugzeugen Futtergräser auf den Rodungsflächen ausgesät. Um das Nachwachsen frischer Gräser zu ermöglichen, wird die Brandrodung jährlich wiederholt. Da sich auf diesen Flächen schnell Dornbüsche und giftige Pflanzen ausbreiten, welche die Futtergräser verdrängen, müssen immer wieder neue Flächen erschlossen werden. Schätzungen zufolge ist die Landwirtschaft Brasiliens durch die Umwandlung in Weideflächen am südlichen und östlichen Rand Amazoniens Urheber für ein Drittel der weltweiten Verluste an Regenwaldflächen.
Unter Fernando Collor de Mello wurde das Finanzministerium 1990 in {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) umbenannt; 1992 erfolgte die Umbenennung in {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value).
Seit den 1990er Jahren wurde die Rinderproduktion intensiviert. Die freien Flächen werden in Ackerbauflächen umgewandelt, insbesondere für die Produktion von Soja.
Neben Brasilien besitzen auch Länder wie Spanien und Chile, in denen das Wort ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) eine ähnliche Bedeutung hat, das Finanzministerium als Regierungsbehörde, welche die Staatsfinanzen verwaltet.
Verwendung als Bauernhof
In der Umgangssprache und Wirtschaftssprache wird das Wort „Fazenda“ heute für Bauernhof, Landgut oder Landsitz verwendet. Dabei wird nicht unterschieden, ob es sich um Kleinbauern oder Großgrundbesitzer handelt; sie alle heißen Farmer ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)). Die Fazenda als Ganzes beinhaltet das Bauernhaus ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), die Scheune ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) und die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)). Schwerpunkte der Agrarproduktion sind Viehhaltung, Kaffee- und Kakaoanbau sowie Soja- und Zuckerrohrplantagen ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)). Durch die Fazendas entwickelte sich Brasilien anfangs zu einem Agrarstaat.
-
Gemälde {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) von Henrique Manzo (1840)
-
Gemälde {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) von Nicola Facchinetti (1853)
-
Eine Fazenda im Bundesstaat São Paulo
-
Kaffee-Fazenda, im Vordergrund werden auf Terrassen Kaffeebohnen getrocknet
Außerhalb Brasiliens werden brasilianische Fazendas meist mit Großgrundbesitzern assoziiert. Das ist kein Zufall, denn Brasilien ist das Land mit der weltweit ungerechtesten Landverteilung. Insgesamt sind 4,8 Millionen brasilianische Familien Landlose, während sich 46 % der Staatsfläche in den Händen der 4.000 größten Großgrundbesitzer befindet. Diese verfügen über 85 Millionen Hektar Agrarfläche.<ref>Kampf um Land in Brasilien. Kooperation Brasilien, 1. März 2006, abgerufen am 20. Mai 2025.</ref> 1998 waren 2,8 % der Bauern Großgrundbesitzer mit zusammen 57 % der Agrarfläche, wohingegen 90 % der Bauern sich 22 % der Fläche teilen mussten. Als größte brasilianische Fazenda gilt ein Anwesen mit 510.000 ha (also 5.100 km²; davon 300.000 ha Weideland, 20.000 ha Sojaanbau) und 350.000 Rindern im Bundesstaat Pará.
Beispiel ist der Schriftsteller Monteiro Lobato, der nach dem Jurastudium von seinem Großvater eine Fazenda geerbt hatte und die Farm mit Inventar und Personal übernahm. Bereits 1914 prangerte er in zwei Zeitungsartikeln in der {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) unter der Überschrift ‚Alte Plage‘ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) die von den Bauern praktizierte Brandrodung an; 1917 verkaufte er die Farm zu Gunsten des Stadtlebens in São Paulo.<ref>Karl Kohut: Kurze Einführung in Theorie und Geschichte der lateinamerikanischen Literatur. 2016, ISBN 978-3-643-13241-3, S. 271 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
<references />