Mann-O-Meter
Mann-O-Meter (MOM) ist ein Beratungs- und Informationszentrum für schwule und bisexuelle Männer und Jugendliche im Berliner Ortsteil Schöneberg. Zum gleichnamigen Trägerverein Mann-O-Meter e. V. gehört auch das Anti-Gewalt-Projekt Maneo.
Ursprünglich ging es aus einer Idee des Treffens Berliner Schwulengruppen (TBS), im Jahr 1985 eine Telefonberatungsstelle für die AIDS-Gegenaufklärung zu entwickeln. Heute bietet der Verein ein umfangreiches Angebot für unterschiedlichste Bedürfnisse inklusive verschiedener Gruppen an.
Geschichte
Mann-O-Meter wurde 1986 als das erste schwule „Gay Switchboard“ in Deutschland eröffnet, nachdem der Trägerverein Mann-O-Meter e. V. bereits seit 1985 arbeitete. Zunächst bestand der Verein nur aus ehrenamtlich Tätigen unter Federführung von Thomas Brüggemann (†) und einigen Studenten, darunter der Jura-Student Jörg Stubben (†). Später setzten sich Rosa von Praunheim (†) und der damalige Berliner Gesundheitssenator Ulf Fink (CDU) für eine finanzielle Förderung des Projektes ein. Die ersten angemieteten Räumlichkeiten befanden sich in der Manteuffelstraße in Kreuzberg, später dann viele Jahre in der Motzstraße. Wegen eines erweiterten Platzbedarfs ist der Verein 2001 auf die andere Seite des Nollendorfplatzes in die Bülowstraße 106 gezogen.
Das Mann-O-Meter war Modell für zahlreiche ähnliche, inzwischen verwirklichte Projekte in der damaligen westdeutschen Bundesrepublik. Während der politischen Wendezeit wurde das Angebot des Vereins von der neuen ostdeutschen und osteuropäischen Zielgruppe förmlich überrollt. In der ehemaligen DDR war AIDS sehr viel weniger in den Medien präsent gewesen.
Angebot
Die Angebote des Mann-o-Meters werden zu einem sehr großen Teil durch Ehrenamtler getragen. Die Ehrenamtler und Mitarbeiter sind auch selbst Männer, die LGBTQ* sind.<ref>Ehrenamtliche Mitarbeit. Abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>
Beratung
Mann-O-Meter bietet ein umfassendes Angebot an Beratung und Information zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen, zu Problemen beim Coming-out und in der Partnerschaft sowie zu anderen Fragen im Zusammenhang mit Homosexualität und schwulen Lebensweisen.
Während der Öffnungszeiten stehen zwei ehrenamtliche Berater für persönliche oder telefonische Beratungen zur Verfügung. Bei Bedarf vermitteln sie auch Gesprächstermine mit den zwei hauptamtlichen Psychologen. Durch die Niedrigschwelligkeit des Info-Cafés können sich die Gäste bei Bedarf auch selbst mit den ausliegenden Informationsmaterialien versorgen.
Chemsex
Zum Thema Chemsex (Sex in Verbindung mit Drogenkonsum) bietet Mann-O-Meter neben Beratung (auch zu Safer Use, gesundheitlicher Prävention und gegebenenfalls Wegen aus der Abhängigkeit) mehrere Gruppen an. Dabei wird danach unterschieden, ob man als Teilnehmer mehr Kontrolle über den eigenen Konsum oder Abstinenz anstrebt.<ref>CHEX – ChemSex Beratung und Gruppen. Abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>
Test auf HIV und STIs
Mann-O-Meter bietet Tests auf HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten an. Diese finden anonym, ohne Voranmeldung und in Verbindung mit einer Testberatung statt.<ref>HIV Test und Tests auf andere sexuell übertragbare Krankheiten ohne Termin. Abgerufen am 3. Februar 2026.</ref> Da insbesondere bei HIV Männer*, die Sex mit Männern* haben sowie intravenös Drogen gebrauchende ein höheres Risiko haben<ref>HIV / AIDS in Deutschland. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 10. Mai 2025; abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>, richtet sich auch dieses Angebot gezielt an die Zielgruppe des Mann-O-Meters, also Männer, die nicht (nur) mit Frauen Sex haben. Das CBVCT-Zentrum (community-based voluntary counselling and testing) ist Mitglied der Deutschen Aidshilfe, die u. a. den gemeinsamen Fragebogen entwickelt. Das Mann-O-Meter führte mit 2162 Testberatungs- und Testkontakten im 1. Halbjahr 2024 die Liste der in der DAH organisierten CBVCT-Zentren an.<ref>A. J. Schmidt, C. Kantwerk, S. Kimmel, W. Osswald, J. Kohl, J. Ahrens, S. Zimmermann, M. Tröbs, M. Grober, E. Kitter, R. Schlüter, H.-P. Dorsch, C. Knoll: HIV- und STI-Tests im Verband der Deutschen Aidshilfe. Halbjahresbericht 1/2025. Hrsg.: Deutsche Aidshilfe. 24. Juli 2025 (aidshilfe.de [PDF]).</ref>
Jugendarbeit
Mann-O-Meter bietet sexualpädagogische Workshops für Schulklassen an und ist Ansprechpartner auch für interessierte Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Studenten.<ref name=":0" details="Seite 42">Jahresbericht des Mann-O-Meters 2024</ref> Zudem bietet Mann-O-Meter gemeinsam mit der Berliner Aidshilfe und pro familia die Rallye Sex in the City! für Schulklassen an. Dabei orientieren sich die Schüler anhand einer App auf iPads zwischen Standorten wie einer nahegelegenen Apotheke, dem Aids-Memorial, dem Eldorado und den Büros der Vereine, wo die Schülerinnen und Schüler an Workshops teilnehmen. An den Standorten müssen sie zudem Quizfragen beantworten. 2015 wurde Sex in the City! von der BzGA (heute: BiÖG) und dem PKV-Verband mit dem Sirius ausgezeichnet.<ref>Willkommen bei „Sex in the City!“ Abgerufen am 3. Februar 2026.</ref><ref>Bundesministerium für Gesundheit, Verband der Privaten Krankenversicherung, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Gemeinsame Pressemitteilung: Bundeswettbewerb HIV/STI-Prävention: Preisträger des Sirius 2015 ausgezeichnet. 5. Mai 2015.</ref>
Die Jugendgruppe Jungschwuppen für 14- bis 27-Jährige wird von Jugendleitern geleitet, die selbst im Teilnehmeralter sind. Sie werden dabei unterstützt von einem psychologischen Berater.<ref>Jugendgruppen-FAQs. In: jungschwuppen.de. 23. Januar 2018, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref><ref name=":0" details="Seiten 38–40" />
Altenarbeit
Für Männer ab 50 finden eigene Angebote statt, unter anderem eine Ausgehgruppe für Museumsbesuche und Stadtspaziergänge.<ref>Freizeitangebote für homo- und bisexuelle Männer ab 50. Abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>
Vollzugshilfe
Für Inhaftierte in Berliner Vollzugsanstalten bietet das MOM ebenfalls ein Beratungs- und Betreuungsangebot, für das die damalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries die Schirmherrschaft übernommen hatte.
Café und Sonstiges
Mann-O-Meter stellt seine Räume auch thematisch verwandten, unabhängigen Gruppen zur Verfügung. Dazu gehören u. a. regelmäßige Treffen der Anonymen Alkoholiker, Crystal Meth Anonymous,<ref>Meetings. Abgerufen am 3. Februar 2026.</ref> Narcotics Anonymous (LGBTIQ+ / Rainbow Meeting),<ref>NA Meetings Berlin – Narcotics Anonymous – Gebiet Berlin. 19. November 2019, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref> Schwule Väter<ref>Kontakt. In: Schwule Väter Berlin. Abgerufen am 3. Februar 2026.</ref> und die Freizeitgruppe Bergfest.<ref>Bergfest. Abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>
Das jährlich stattfindende Lesbisch-schwule Stadtfest sowie der Christopher Street Day werden ebenfalls teilweise hier vorbereitet und sind unter maßgeblicher Mitwirkung von Mann-O-Meter in Berlin etabliert worden.
Maneo
Neben dem Informations- und Beratungsladen ist Maneo als zweites Projekt des Vereins Mann-O-Meter e. V. bundesweit bekannt. Hervorgegangen aus dem 1990 gegründeten Schwulen Überfalltelefon Berlin (SÜB) bietet Maneo Hilfe und Beratung für schwule und bisexuelle Jugendliche und erwachsene Männer in Berlin an, die Opfer von Gewalt wurden, erfasst Fälle von homophoben Übergriffen und Gewalt und initiiert u. a. Anti-Gewalt-Trainings in Zusammenarbeit mit der Berliner Polizei. In regelmäßigen Vor-Ort-Aktionen an Szenetreffpunkten klärt Maneo über die damit zusammenhängenden Risiken auf und ermutigt potenziell Betroffene, entsprechende Fälle zur Anzeige zu bringen. 2006 wurde die Maneo-Toleranzkampagne entwickelt, die für die Dauer von drei Jahren aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie finanziert werden konnte.
Im Rahmen seiner gewaltpräventiven Öffentlichkeitsarbeit initiierte Maneo 1992/1993 das Lesbisch-Schwule Stadtfest Berlin. Bis 1998 leitete Maneo die Koordination und Organisation.
Die von Maneo zwischen 2006 und 2008 durchgeführten bundesweiten Umfragen zu homophoben Gewalterfahrungen standen zeitweilig in der Kritik, weil diesen unterstellt wurde, schwulenfeindliche Übergriffe insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund zuzuschreiben.<ref>Ralf Buchterkirchen: Maneo: Opfertelefon auf Feindbildsuche aus Rosige Zeiten, Oktober/November 2007.</ref>
Im Jahr 2009 initiierte Maneo die „Regenbogenbrücke“, mit der Jugendliche aus Tel Aviv, die am 1. August 2009 einen schweren Anschlag auf ihr Jugendzentrum Bar Noir der Organisation Agudah überlebt hatten, zu Ferien nach Berlin eingeladen wurden. Das Projekt wurde von den Bürgermeistern der Städte Berlin, Köln und Tel Aviv unterstützt, die die Schirmherrschaft übernommen hatten.
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.Maneo, SOS-Homophobie (Frankreich), Lambda Warsaw (Polen), Kampania Przeciw Homofobii (Polen) und Rainbow Project (Nordirland) vergeben jährlich den europäischen Tolerantia-Preis, mit dem herausragende Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, die sich um Toleranz verdient gemacht haben.<ref>Bündnisorganisationen. Abgerufen am 3. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- 2006: Volker Beck (MdB) und Günter Dworek (Aktivist der Lesben und Schwulen Bewegung)
- 2007: Die Gruppe Menschenrechte und sexuelle Identität (MERSI) von Amnesty International
- 2008: Tanja Walther-Ahrens (Sportwissenschaftlerin), Philipp Lahm (Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft) und Theo Zwanziger (Präsident des Deutschen Fußball-Bundes)
- 2009: Hans-Wolfram Stein (Lehrer in Bremen)
- 2010: Wieland Speck und Mabel Aschenneller (TEDDY-Produzenten)
- 2011: Lala Süsskind (Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin)
- 2012: Elfi Scho-Antwerpes (Bürgermeisterin von Köln)<ref>Europäischer Preis – Elfi Scho-Antwerpes erhält den Tolerantia-Preis 2012. MANEO c/o Mann-O-Meter e. V., 14. Juni 2012, abgerufen am 20. Juni 2012.</ref>
- 2013: Maria Sabine Augstein, Rechtsanwältin
- 2014: Corny Littmann, LGBT-Aktivist und ehemaliger Vereinspräsident des FC St. Pauli, Theatermacher, Schauspieler
- 2015: Klaus Wowereit, ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin
- 2016: Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und Evangelische Kirche im Rheinland<ref>Pressemitteilung von Maneo vom 29. Juli 2016. In: maneo.de. Abgerufen am 23. Juli 2017.</ref>
- 2017: Heiko Maas (Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz), Stéphane Corbin (französischer Sänger und Komponist), Océane Rosemarie (französische Sängerin, Komikerin, Schauspielerin und Regisseurin), Elżbieta Szczęsna (pensionierte Chemielehrerin aus Polen), Chris Hudson (Pfarrer der All Souls Non-Subscribing Presbyterian Church in Süd-Belfast), Alan David Sangines (Vizepräsident und Politverantwortlicher des Zurich Pride Festival)<ref>Die europäischen Tolerantia Awards 2017. In: tolerantia-award.eu. 31. August 2017, abgerufen am 8. Oktober 2018.</ref>
- 2018: Johannes Kram (Autor, Textdichter, Blogger und Marketingstratege), Christiane Taubira (ehemalige französische Justizministerin), Bronagh Waugh (nordirische Schauspielerin), Kathrin Bertschy (Schweizer Nationalrätin), sowie die gesamte LGBTI-Community in Polen<ref>Johannes Kram erhält Tolerantia Award. In: www.queer.de. 2. September 2018, abgerufen am 8. Oktober 2018.</ref>
- 2019: Open for Business (internationales Netzwerk von Unternehmen), Collective des Intersexes et Alliés (CIA) (Frankreich), Bart Staszewski (polnischer LGBTI-Aktivist und Filmemacher), Lyra McKee (Nordirische Journalistin), Henry Hohmann (Aktivist und Kunsthistoriker, Mitbegründer und Co-Präsident des Transgender Network Switzerland (TGNS) von 2012 bis 2018 und Organisator der Schweizer Transtagung)<ref>Milena Leutert: Der Schweizer Tolerantia-Award geht an Henry Hohmann. In: bern.lgbt. 22. Oktober 2019, abgerufen am 19. März 2021.</ref><ref>Die 14. europäischenTolerantia Awards. In: Maneo Newsletter September/Oktober. Nr. 32, S. 4–17 (maneo.de [PDF; abgerufen am 22. März 2021]).</ref>
Nachbarschaft
Das Mann-O-Meter befindet sich direkt am Nollendorfplatz, einem Zentrum homosexueller Stadtkultur seit über hundert Jahren.
Direkter Nachbar ist der Kontaktladen des Drogennotdiensts<ref>Kontaktladen & Streetwork – Drogennotdienst. Abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>.
In unmittelbarer Nähe befinden sich heute das Metropol, die Evangelische Zwälf-Apostel-Kirchengemeinde an der Kurfürstenstraße, das Café Ulrichs (gehört zur Berliner Aidshilfe), der queere Buchladen Eisenherz, homosexuelle Bars und Kneipen sowie der Winterfeldtplatz mit seinem samstäglichen Wochenmarkt.
Zusammenarbeit
Das Mann-O-Meter arbeitet mit unterschiedlichen öffentlichen und privaten Institutionen zusammen. Kooperationspartner waren oder sind:
- Robert Koch-Institut
- Arbeitskreis AIDS niedergelassener Ärzte
- Schwulenberatung Berlin und sidekicks.berlin
- Berliner Aids-Hilfe e. V.
- Landesverband der Berliner AIDS-Selbsthifegruppen e. V. (LaBAS)
- Pluspunkt
- Fixpunkt e. V.
- subWay e. V.
- Zeitschrift Siegessäule
- Tropeninstitut (Institut für Tropenmedizin) der Charité
- organisatorische Zusammenschlüsse rund um Rosa von Praunheim, der in der Gründungsphase des Vereins den Kontakt zur Senatsverwaltung hergestellt hatte.
Siehe auch
Weblinks
- Webpräsenz von Mann-O-Meter e. V.
- Anti-Gewalt-Projekt Maneo
- Jugendbereich des Mann-O-Meter
- Literatur von und über Mann-O-Meter im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 52° 29′ 59,2″ N, 13° 21′ 18,1″ O
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