Zum Inhalt springen

Vivianit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 26. Januar 2026 um 16:32 Uhr durch imported>Aka (Bildung und Fundorte: Tippfehler entfernt).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Vivianit
Datei:Vivianite-191721 (cropped).jpg
Blaugrüner Vivianit aus der „Morococala Mine“, Distrikt Santa Fé Mining, Provinz Pantaleón Dalence, Bolivien (Gesamtgröße: 5,9 cm × 3,4 cm × 2,6 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Viv<ref name="Warr" />

Andere Namen
  • Anglarit<ref name="MeyersOnlineVivianit" />
  • Blaueisenerde (nach Werner)<ref name="Lüschen" /> oder Blaueisenerz<ref name="MeyersOnlineVivianit" />
  • Eisenblau (nach Hausmann)<ref name="Lüschen" />
  • Eisenphosphat<ref name="Lüschen" />
  • Eisen(II)-phosphat
  • Eisen-Phyllit
  • Glaukosiderit<ref name="MeyersOnlineVivianit" />
  • Mullicit<ref name="MeyersOnlineVivianit" />
  • Natürliches Berlinerblau<ref name="Lüschen" />
  • Phosphorsaures Eisen (nach Klaproth)<ref name="Lüschen" />
  • Phosphoreisensinter<ref name="MeyersOnlinePhosphor" />
Chemische Formel
  • Fe2+3(PO4)2(H2O)8<ref name="IMA-Liste" />
  • Fe2+3[PO4]2·8H2O<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate, Vanadate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/C.10b
VII/C.13-040<ref name="Lapis" />

8.CE.40
40.03.06.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe C2/m (Nr. 12)Vorlage:Raumgruppe/12<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 10,09 Å; b = 13,47 Å; c = 4,70 Å
β = 104,3°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Häufige Kristallflächen tafelig nach (010); (310), (100), (001)
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1,5 bis 2<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,68(1); berechnet: 2,69<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität faserig; flexibel, schneidbar<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe im frischen Zustand farblos; schnell blau, grün, violett, schwarzblau anlaufend
Strichfarbe weiß; bläulich oder bräunlich werdend
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, Perlglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,579 bis 1,616<ref name="Mindat" />
nβ 1,602 bis 1,656<ref name="Mindat" />
nγ 1,629 bis 1,675<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,050 bis 0,059<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 63° bis 83,5° (gemessen); 78° bis 88° (berechnet)<ref name="Mindat" />
Pleochroismus Sichtbar:<ref name="Mindat" />
X= blau, dunkelblau bis indigoblau
Y= hellgelblichgrün, hellbläulichgrün, grüngelb
Z=hellgelblichgrün, hellgelblichgrün, olivgelb
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten oxidiert an der Luft sehr schnell

Vivianit, veraltet unter anderem als Blaueisenerde, Eisenblau, Phosphorsaures Eisen oder Phosphoreisensinter bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung Fe2+3[PO4]2·8H2O<ref name="StrunzNickel" /> und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Eisen(II)-phosphat.

Vivianit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt oft lange, prismatische bis nadelige Kristalle, kommt aber auch in Form faseriger bis pulvrig-erdiger sowie radialstrahliger Aggregate vor. Letztere können einen Durchmesser von etwa 2 Metern erreichen, Einzelkristalle eine Länge von bis zu 1,3 Metern.<ref name="giantcrystals" /> Sichtbare und unverletzte Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Spaltflächen schimmern dagegen eher perlmuttartig.

Etymologie und Geschichte

Datei:John Henry Vivian, Ferrara Square, Swansea, Wales.JPG
Statue des Namensgebers John Henry Vivian

Seinen Namen erhielt Vivianit durch Abraham Gottlob Werner, der das Mineral zu Ehren des Entdeckers und Erstbeschreibers John Henry Vivian (1785–1855),<ref name="Handbookofmineralogy" /> eines britischen Mineralogen, benannte.

Erstmals entdeckt wurde Vivianit nach Werners Beschreibung in Cornwall.<ref name="Werner" /> Als genaue Typlokalität gilt nach William Phillips (1823) die Huel Kind Mine, heute auch Wheal Kind oder Wheal Kine, bei St Agnes (Cornwall) in England im Vereinigten Königreich.<ref name="Phillips" />

Bekannt war das Mineral schon mindestens 70 Jahre früher. Eine möglicherweise erste Erwähnung findet sich in dem 1749 veröffentlichten lateinischen Werk Terrae musei regii dresdensis. Accedunt terrarum sigillatarum figuræ. von Christian Gottlieb Ludwig unter der Bezeichnung „Terram egregie cæruleam, prope Eccardsbergam“ (deutsch: Land des strahlenden Blaus, in der Nähe von Eccardsbergam), also eine „ausgezeichnet blaue Erde von Eckartsberga“ (Sachsen-Anhalt). Allerdings erkennt Ludwig diese Erde nicht als eigenständiges Mineral.

1751 führt Gottlob Carl Springfeld eine erste Analyse der blauen Erde von Eckartsberga durch und beschreibt das Material als „Nesterbildend in kugeligen Stücken verschiedener Größe, umgeben von einer kiesigen Rinde. Die Kerne waren weiß und an der Luft wurde das Material blau.“ Springfeld wies zudem nach, dass es sich nicht wie vermutet, um eine Kupfer-, sondern um eine Eisenverbindung handelt. Er weist zudem auf die Ähnlichkeit mit dem Anfang des 18. Jahrhunderts entdeckten Pigment Berliner Blau hin.<ref name="Springfeld" /><ref name="Wiegleb" /> Demzufolge kann Springfeld als Erstbeschreiber gelten und Eckartsberga als tatsächliche Typlokalität (erster Fundort).<ref name="Witzke" />

Erst 1784 wies Martin Heinrich Klaproth nach, dass das inzwischen als Blaue Eisenerde bekannte Mineral ein Eisenphosphat und nicht mit dem Eisenhexacyanidoferrat Berliner Blau identisch ist. Nach einer 1807 durchgeführten, quantitativen Analyse gab Klaproth die Zusammensetzung des Minerals mit 47,50 % oxyduliertem Eisen, 32 % Phosphorsäure und 20 % Wasser an,<ref name="Witzke" /> was der tatsächlichen chemischen Zusammensetzung bereits sehr nahe kommt (siehe Chemismus).

Im Mineralsystem von Abraham Gottlob Werner, das von August Breithaupt 1817 kurz nach Werners Tod veröffentlicht wurde, findet sich das hier als Vivianit bezeichnete Mineral allerdings unter dem „Talk-Geschlecht“, also den Magnesium-Silikaten. Die Beschreibung des Minerals stimmt aber mit den Eigenschaften der „Blauen Eisenerde“ überein, die sich an anderer Stelle in Werner-System findet. Vivianit war also ohne chemische Analyse in Werners Mineralsystem eingeordnet worden. 1821 stellt Friedrich Strohmeyer fest, dass die Blaue Eisenerde und Werners Vivianit identisch sind.<ref name="Strohmeyer" /><ref name="Witzke" />

Typmaterial des Minerals aus Cornwall wird in der Geowissenschaftliche Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg unter der Sammlungs-Nr. 102863 (Standort K 170) aufbewahrt.<ref name="Typmineralkatalog-Deutschland" /><ref name="IMA-Typmineralkatalog" />

Da der Vivianit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Vivianit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Vivianit lautet „Viv“.<ref name="Warr" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Vivianit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, Arsenate und Vanadate ohne fremde Anionen“, wo er gemeinsam mit Annabergit, Erythrin, Hörnesit, Köttigit und Parasymplesit in der „Vivianit-Reihe“ mit der Systemnummer VII/C.10b steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/C.13-040. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, ohne fremde Anionen“, wo Vivianit zusammen mit Annabergit, Arupit, Babánekit, Barićit, Bobierrit, Cattiit, Erythrin, Hörnesit, Köttigit, Manganohörnesit, Pakhomovskyit und Parasymplesit die „Vivianitgruppe“ mit der Systemnummer VII/C.13 bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Vivianit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplexe zum Kristallwassergehalt. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; RO4 : H2O ≤ 1 : 2,5“ zu finden, wo es zusammen mit Annabergit, Arupit, Barićit, Erythrin, Ferrisymplesit, Hörnesit, Köttigit, Manganohörnesit, Pakhomovskyit und Parasymplesit die „Vivianitgruppe“ mit der Systemnummer 8.CE.40 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Vivianit die System- und Mineralnummer 40.03.06.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit (A2+)3(XO4)2 × x(H2O)“ in der „Vivianitgruppe“, in der auch Barićit, Erythrin, Annabergit, Köttigit, Parasymplesit, Hörnesit, Arupit und Pakhomovskyit eingeordnet sind.

Chemismus

Datei:Vivianite-141168.jpg
Zartblauer bis fast farbloser Vivianitkristall aus Hagendorf (Waidhaus), Oberpfalz, Bayern (Bildbreite 2 mm)

Die idealisierte, theoretische Zusammensetzung von Vivianit Fe2+3[PO4]2·8H2O besteht aus 33,40 % Eisen (Fe), 12,35 % Phosphor (P), 3,22 % Wasserstoff (H) und 51,03 % Sauerstoff (O). In der Oxidformelschreibweise entspricht dies 42,97 % FeO, 28,30 % P2O5 und 28,73 % H2O.

An der Luft oxidiert das Eisenion im Vivianit teilweise von Fe2+ nach Fe3+ und wandelt sich in das als Metavivianit bekannte Mineral mit der chemischen Zusammensetzung Fe2+Fe3+2(PO4)2(OH)2·6H2O<ref name="IMA-Liste" /> um. Dies geschieht meist sehr schnell, meist schon innerhalb von wenigen Minuten oder Stunden,<ref name="Rösler" /> wobei der Vorgang durch Lichteinwirkung beschleunigt wird.<ref name="MindatVivianitbild-1" /><ref name="MindatVivianitbild-2" />

Kristallstruktur

Vivianit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12)Vorlage:Raumgruppe/12 mit den Gitterparametern a = 10,09 Å; b = 13,47 Å; c = 4,70 Å und β = 104,3 ° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften

Durch die Oxidation des Eisens färbt sich das zunächst farblose Mineral meist hell- bis schwarzblau oder grün, gelegentlich auch violett oder braun. Auch die Strichfarbe ist zunächst farblos bis bläulichweiß und färbt sich anschließend indigoblau.

Vor dem Lötrohr schmilzt Vivianit leicht, färbt die Flamme blaugrün und wird magnetisch.<ref name="Klockmann" /> In Salzsäure (HCl) und Salpetersäure (HNO3) ist das Mineral leicht löslich.<ref name="Rösler" />

Bildung und Fundorte

Datei:Vivianite-22431 (Henk Smeets, tomeikminerals).jpg
Tiefblaue Vivianitkristalle aus der Zinkhütte Genna, Letmathe/Iserlohn, Nordrhein-Westfalen (Sichtfeld 3 mm)

Vivianit findet sich auf Magnetkies- bzw. Zinn-Lagerstätten, Brauneisenstein und in tertiären Gesteinsschichten. Es ist außerdem ein sehr verbreitetes Phosphatmineral, das, wenn auch nicht in größeren Massen, in Ton und Torf<ref name="Grosse-Brauckmann" /> entsteht. Unter besonderen Bedingungen kann es zuweilen das Innere von fossilen Muscheln (Kertsch), Knochen und Baumstämmen ausfüllen.

Vivianit bildet sich in Eisenlagerstätten durch Oxidation (Verwitterung), kann dort aber auch hydrothermal entstehen.

Fundorte sind unter anderem Morococala in Bolivien, Bodenmais, Amberg und Wölfersheim/Wetterau in Deutschland, Anloua in Kamerun, Kertsch in der Ukraine und Colorado und Utah in den USA.

In Böden bildet sich Vivianit, wenn zweiwertiges Eisen und hohe Phosphatmengen vorliegen. Eisen(II) entsteht unter anaeroben Bedingungen aus Eisen(III), sobald das Redoxpotential des Bodens unter 150 mV sinkt. Dies ist vor allem in Bereichen mit ständig hohen Wassergehalten der Fall; also in Stauwasser-, Grundwasser- oder Moorböden. In den meisten natürlichen Böden reichen aber die für eine nennenswerte Vivianitbildung benötigten Phosphatgehalte nicht aus. Unter den ursprünglichen Bedingungen erreichen fast nur Niedermoore solche Gehalte. Diese in Niederungen liegenden Biotope sind oft Nährstoffsenken und enthalten viel organisches Material, das beim biologischen Abbau Phosphat freisetzt. Die Mineralisation wird durch eine Entwässerung verstärkt, so dass Vivianit in trockengelegten Moorgebieten weit verbreitet ist.

Da Phosphor ein wichtiger Pflanzennährstoff ist, wird in der modernen Landwirtschaft regelmäßig und großflächig mit Phosphaten gedüngt. Dadurch enthalten heute viele Böden genug Phosphat für die Bildung von Vivianit.

Kommen Eisen(II) und Phosphat im Boden zusammen, so ist die chemische Verbindung dort wegen des Sauerstoffmangels vorerst farblos. Erst unter Luftzufuhr entsteht die typische blaue Färbung. Durch die Verdunstung kann gelöstes Vivianit mit dem Wasser an die Oberfläche transportiert werden und dort ausfallen. Mit der Zeit bilden sich so deutlich sichtbare Beläge. Vivianit ist in Deutschland die einzige natürliche Erklärung für eine intensiv blaue Bodenfärbung.

Eine interessante Entstehung wurde 1984 an einem Fundort im Harz (oberes Selketal) beobachtet. Bei Erneuerungsarbeiten an der Kleinbahnstrecke zwischen den Stationen Stiege (Harz) und Albrechtshaus stießen die Bahnarbeiter in 1,3 m Tiefe auf Rennfeuerschlacke und Knochenfragmente von Rind und Pferd. Die Knochenteile waren vollständig hellblau verfärbt. Sechs in der Nähe liegende Pferdezähne hatten das gleiche Aussehen. In dieser Erdschicht lag Keramik, die eine Datierung in das 10. bis 12. Jahrhundert ermöglichte. Die Markhöhlen der Extremitätenknochen und die Pulpahöhlen der Zähne waren mit lang gestreckt verwachsenen und dunkelblauen Kristallen von einer Länge bis 3 mm gefüllt.

Folgende Bedingungen führten zur Kristallbildung: Carbonatapatit der Knochen, Hydroxylapatit des Dentins und Fluorapatit des Zahnschmelzes in Kontakt mit einer wässrigen Lösung, die zweiwertiges Eisen enthält. Es erfolgte über einen längeren Zeitraum ein Austausch des Calciums gegen Eisen, da Vivianit schwerer löslich ist. Der fluorhaltige, widerstandsfähigere Zahnschmelz veränderte sich dabei nicht. Unter den Bedingungen des verzögerten Ionenaustauschs – höhlenartige Räume in Zahn und Knocheninnern – entstanden besonders große und gleichmäßige Kristalle. Durch die Keramikfunde ist ein Zeitraum für die Kristallbildung nachzuweisen. Vivianitfundstellen im Harz:

Weitere Knochenfunde mit Vivianitbildung:

  • 1933 – in einem Pferdeschädel (aus einem Altbergbau in Příbram, Tschechien).
  • 1962 – Pferdeschädel (aus dem Moorboden von Feistritz-Pulst, Glantal, Österreich).

Die Annahme (vgl. Muus und Dahlstrøm: Meeresfische; 1978), das grüne Pigment in den Knochen der nordostatlantischen Aalmutter (Zoarces viviparus) und des Gewöhnlichen Hornhechtes (Belone belone) bestehe aus Vivianit („Grünknochen“), ist durch neuere Forschungen widerlegt. Der Gehalt an Eisenphosphat ist nicht hoch genug. Verantwortlich für die Grünfärbung ist Biliverdin.<ref name="Jüttner-et-al" />

Verwendung

Als Pigment

Vivianit ist ein altertümliches blaues Farbmittel, das wahrscheinlich schon seit der Antike verwendet wurde<ref>Volkert Emrath: Einige alte Pigmente und Farbstoffe, deren Herkunft u. Verwendungszeiten in der Tafel-, Buch- und Miniaturmalerei vor ca. 1780. 9. Mai 2006.</ref> und in der Tafelmalerei des Hochmittelalters eine Rolle spielte.<ref name="Kremer" />

Als Pigment ist es unter dem Namen Eisenblau bekannt, aber wenig stabil. Heute spielt es nur noch in der Auseinandersetzung mit historischen Malereien, etwa in der Restaurierung, eine Rolle. Die Verwendung des Namens Eisenblau verleitet allerdings zur Verwechslung mit Berliner Blau, da „Eisenblau“ in der Industrie dessen Synonym ist.

Als Schmuckstein

Vivianit ist für die kommerzielle Verwendung als Schmuckstein aufgrund seiner minimalen Härte und seiner vollkommenen Spaltbarkeit ungeeignet. Unter Sammlern und Hobbyschleifern ist er jedoch ein begehrtes Tausch- oder Verkaufsobjekt.<ref name="Schumann" />

Siehe auch

Literatur

  • Hartmut Knappe, Jürgen Siemroth: Minerale aus dem Harz – Vivianit. In: Der Harz – eine Landschaft stellt sich vor. Band 13/14. Harzmuseum, Wernigerode 1985, S. 42.
  • Mark Richter: Die Verwendung von Vivianit in der farbigen Fassung und Malerei des Barock und Rokoko. In: Michael Kühlenthal (Hrsg.): Historische Polychromie. Hirmer, München 2004, ISBN 3-7774-9900-5, S. 204–212.

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="giantcrystals"> Vivianite – Vivianit – Vivianite – Vivianita. In: giantcrystals.strahlen.org. The Giant Crystal Project Site, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. Januar 2017; abgerufen am 12. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Grosse-Brauckmann"> G. Grosse-Brauckmann: Ablagerungen der Moore. In: Karlhans Göttlich (Hrsg.): Moor- und Torfkunde. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1990, ISBN 3-510-65139-1, S. 229. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmineralkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – V. (PDF 156 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 12. September 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Jüttner-et-al"> </ref> <ref name="Klockmann"> </ref> <ref name="Kremer"> 10400: Vivianit natur, Eisenblau, Blaueisenerz. (PDF; 475 kB) In: kremer-pigmente.de. Kremer Pigmente, abgerufen am 26. Januar 2026. </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Lüschen"> </ref> <ref name="MeyersOnlinePhosphor"> Phosphor. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band  13 , Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S.  8 . </ref> <ref name="MeyersOnlineVivianit"> Vivianit. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band  16 , Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S.  236 . </ref> <ref name="Mindat"> Vivianite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 12. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatVivianitbild-1"> Vergleichsbild von Vivianit im frischen, farblosen Zustand und zwei Stunden später nach Luft- und Lichteinwirkung umgewandelt in hellblauen Metavivianit. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 26. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatVivianitbild-2"> Vergleichsbild von Vivianit im frischen, farblosen Zustand und vier Tage später durch Lufteinwirkung umgewandelt in hellblauen Metavivianit. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 26. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Phillips"> </ref> <ref name="Rösler"> </ref> <ref name="Schumann"> Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 224. </ref> <ref name="Springfeld"> </ref> <ref name="Strohmeyer"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Typmineralkatalog-Deutschland"> A. Matthies: Typmineralkatalog-Deutschland – Vivianit. Mineralogisches Museum Hamburg, 5. August 2024, abgerufen am 12. September 2025. </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Werner"> </ref> <ref name="Wiegleb"> </ref> <ref name="Witzke"> Thomas Witzke: Entdeckung von Vivianit. In: strahlen.org/tw. Abgerufen am 26. Januar 2026. </ref> </references>