Zum Inhalt springen

Brugia malayi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 8. November 2025 um 14:40 Uhr durch imported>Uwe Gille (HC: ±Kategorie:RollschwänzeKategorie:Spirurina (Unterordnung); ±Kategorie:SpiruridaKategorie:Spirurina).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Brugia malayi
Datei:Brugia malayi.JPG

Brugia malayi

Systematik
Stamm: Fadenwürmer (Nematoda)
Ordnung: Rollschwänze (Spirurida)
Überfamilie: Filarien (Filarioidea)
Familie: Filariidae
Gattung: Brugia
Art: Brugia malayi
Wissenschaftlicher Name
Brugia malayi
(Brug, 1927)

Brugia malayi ist ein tropischer Fadenwurm aus der Gruppe der Filarien. Er parasitiert beim Menschen und kann eine lymphatische Filariose und das Krankheitsbild der Elephantiasis verursachen.

Merkmale

Die adulten Würmer weisen die fadenwurmtypische längliche Struktur auf. Sie werden bis zu 2,5 cm (Männchen) bzw. 6 cm (Weibchen) lang<ref name="John 2006">David T. John, William A. Petri: Markell and Voge's Medical Parasitology. 9th edition, Saunders Elsevier, St. Louis 2006.</ref>.

Die Larven (Mikrofilarien, Larve 3) haben eine Größe von 200–300 µm und besitzen eine Hülle, die sich bereits über dem Ei findet und erst im Verdauungstrakt des infizierten Insekts aufgelöst wird. In dieser Form zirkulieren sie auch im menschlichen Blutkreislauf.<ref name="John 2006" />

Verbreitung

Brugia malayi ist eine Tropenkrankheit, deren Verbreitungsgebiet in Südostasien liegt. Der Besiedelungsschwerpunkt liegt in Indien und China, andere betroffene Länder sind Indonesien, Thailand, Malaysia, die Philippinen und Vietnam<ref name=Braun>Ralf Bialek, Rüdiger W. Braun, Burchard-Fröhlich-Eckhart-Nothdurft: Reise- und Tropenmedizin: Kursbuch für Weiterbildung, Praxis und Beratung. Schattauer, Stuttgart 2005, ISBN 3-7945-2286-9.</ref>.

Lebenszyklus

Datei:Brugia malayi LifeCycle.gif
Lebenszyklus

Die Übertragung erfolgt durch Mücken der Arten Aedes, Culex, Anopheles und Mansonia.

Die adulten Filarien sitzen in den Lymphgefäßen, dort werden behüllte Mikrofilarien (über ein kurzes Ei Stadium) gebildet. Die Mikrofilarien – insbesondere jene aus Infektionen im Bereich offener Sumpfgebiete und Reisfelder – unterliegen einem Tagesrhythmus: Nachts werden sie im Blut verteilt und können so von Blut saugenden Insekten verbreitet werden; tagsüber reichern sie sich – als Folge des erhöhten Sauerstoffgehalts – in den kleinen Gefäßen der Lunge an.<ref>F. Hawking: The 24-hour periodicity of microfilariae: biological mechanisms responsible for its production and control. In: Proceedings of the Royal Society B. Band 169, Nr. 1014, 1967, doi:10.1098/rspb.1967.0079</ref> Die größte Anzahl an Mikrofilarien ist im Blut zwischen Mitternacht und 2 Uhr früh nachweisbar.<ref name="Edeson 1964" /> In Bruchwäldern können jedoch auch Varianten vorkommen, die tagsüber im Blut verbreitet werden.

Im Verdauungssystem der Mücken löst sich die Hülle um die Mikrofilarien auf. Mithilfe einer Chitinaseaktivität können sie den Mitteldarm verlassen und sich im Thorax festsetzen. Dort entwickelt sich die L1 (Larve 1). Aus der L1 geht dann die L3 (Larve 3) hervor, die sich in der Speicheldrüse des Moskitos ansiedelt. Die Anzahl der Mikrofilarien, die das L3 Stadium im Insekt erreichen, ist sehr gering, daher reicht für die Infektion des Wirbeltierwirts (Mensch, Hauskatze etc.) ein einmaliger Stich nicht aus. Zudem entwickeln sich nur rund 10 % der L3 zum adulten Wurm, der sich in den Lymphgefäßen festsetzen kann.<ref>P. Fischer, S. M. Erickson, K. Fischer, J. F. Fuchs, R. U. Rao, B. M. Christensen, G. J. Weil: Persistence of Brugia Malayi DNA in vector and non-vector mosquitoes: implication for xenomonitoring and transmission monitoring of lymphatic filariasis. In: American Journal of Tropical Medicine Hygiene. Band 76, Nr. 3, 2007, S. 502–507.</ref> Die Entwicklung infektiöser Larven in den Mücken erfordert hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit. Nach einer Infektion siedeln sich die Filarien in Lymphbahnen an. Die Adultwürmer setzen nach etwa 3 Monaten Mikrofilarien ab. Über Aufnahme der Mikrofilarien durch einen erneuten Mückenstich schließt sich der Kreis. Die erwachsenen Würmer können 5 bis 15 Jahre im Wirt überleben.

Systematik

Brugia malayi wurde erstmals 1927 von Lichtenstein und Brug innerhalb der Filarien abgegrenzt und als Filaria malayi beschrieben. Zuvor wurden sie als aufgrund der Ähnlichkeit zu Wuchereria bancrofti gezählt<ref>Manabu Sasa: A review on classification and geographic distribution on brugian filariasis. (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF; 473 kB (Memento vom 4. Juni 2011 im Internet Archive)) Joint WPRO/SEARO Working Group on Brugian Filariasis. WHO World Health Organization 1979.</ref>. Diese Abgrenzung basierte auf den Mikrofilarien (dem Larvenstadium) der Fadenwürmer. Allgemeine Anerkennung fand diese Hypothese erst, als Rao und Maplestone in den 1940er Jahren zwei Exemplare des Adulten Wurmes in Indien fanden, der sich von Wuchereria bancrofti unterschied. Sie beschrieben die neue Art als Wuchereria malay<ref>Liu Shiyung: Filaria and plasmodium: distribution of endemic diseases and western plain exploitation in Taiwan. (PDF; 1,3 MB) XIV International Economic History Congress, Helsinki 2006, Session 46.</ref>.

Die heutige Einteilung in die zwei Gattungen Wuchereria und Brugia stammt vom Parasitologen J. S. Buckley.<ref name="Edeson 1964">J. F. B. Edeson, T. Wilson: The epidemiology of filariasis due to Wuchereria Bancrofti and Brugia Malayi. In: Annual Review Entomology. 1964.</ref>

Literatur

  • Fritz H. Kayer: Taschenlehrbuch medizinische Mikrobiologie. 13., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Thieme, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-13-444813-9.

Einzelnachweise

<references />