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Mottramit

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Mottramit
Datei:Mottramite-174237.jpg
Traubiges Mottramit-Aggregat aus der „Tsumeb Mine“, Namibia
(Größe: 13,5 × 9,5 × 6,0 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Mott<ref name="Warr" />

Andere Namen

Vesbin<ref name="Rösler" /><ref name="MindatVesbin" />

Chemische Formel
  • PbCu(VO4)(OH)<ref name="IMA-Liste" />
  • Pb(Cu,Zn)[OH|VO4]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/B.11b
VII/B.27-030<ref name="Lapis" />

8.BH.40
41.05.02.02
Ähnliche Minerale Descloizit, Turanit
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe Pnam (Nr. 62, Stellung 6)Vorlage:Raumgruppe/62.6<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 7,68 Å; b = 9,32 Å; c = 6,05 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Häufige Kristallflächen {111}, {101}, {201}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3 bis 3,5<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: ≈ 5,9; berechnet: 6,187<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit keine
Bruch; Tenazität kleinmuschelig bis uneben; spröde<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe grasgrün, olivgrün, gelblichgrün, zeisiggrün, braunrot über braunschwarz bis fast schwarz<ref name="Lapis" /><ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe hellgelb bis gelblichgrün<ref name="Lapis" />
Transparenz durchsichtig bis fast opak<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Fettglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 2,17(2)<ref name="Mindat" />
nβ 2,26(2)<ref name="Mindat" />
nγ 2,32(2)<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,150<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 73° (gemessen); 46° (berechnet)<ref name="Mindat" />
Pleochroismus Sichtbar, schwach bis stark:<ref name="Mindat" />
X = Y = kanariengelb bis grünlichgelb
Z = bräunlichgelb

Mottramit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der MineralklassePhosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung PbCu[OH|VO4].<ref name="IMA-Liste" />

Mottramit ist das Kupfer-Analogon zu Descloizit (PbZn[OH|VO4]<ref name="IMA-Liste" />) und bildet mit diesem eine lückenlose Mischreihe. In natürlichem Mottramit ist daher meist ein geringer Teil Kupfer durch Zink ersetzt (substituiert), was in der Formel mit in runden Klammern gesetzten Elementsymbolen ausgedrückt wird: Pb(Cu,Zn)[OH|VO4].<ref name="StrunzNickel" /> In jedem Mischungsverhältnis bilden sich orthorhombische Kristalle mit ähnlichen kristallographischen und physikalischen Eigenschaften. Allerdings ändert sich die Farbe immer mehr in ein bräunliches, fast schwarzes Rot, je höher der Zinkanteil wird. Beim kupferreichen Mottramit ist die Farbe dagegen olivgrün bis schwarzgrün.<ref name="SchröckeWeiner" />

Das Mineral entwickelt meist unterschiedlich gut geformte Kristalle, kommt aber auch in Form traubiger, dendritischer oder massiger Aggregate sowie Kusten und Überzüge vor. Häufig finden sich auch verschiedene Pseudomorphosen von Mottramit nach Calcit oder Kupfer.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Mottramit als kristalline Verkrustungen auf Keuper-Sandstein nahe Alderley Edge und Mottram St. Andrew in der englischen Grafschaft Cheshire und an anderen Fundorten. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral 1876 durch Henry Enfield Roscoe, der es nach dessen Typlokalität Mottram benannte.<ref name="Roscoe" />

Da der Mottramit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Mottramit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Mottramit lautet „Mott“.<ref name="Warr" />

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung des Natural History Museum in London (England) unter den Inventarnummern BM 2314 bis 52315 aufbewahrt.<ref name="Handbookofmineralogy" /><ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Mottramit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserfreie Phosphate, Arsenate und Vanadate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Adelit, Austinit, Descloizit, Duftit, Gabrielsonit, Konichalcit, Pyrobelonit, Tangeit und Turanit in der „Descloizit-Reihe“ mit der Systemnummer VII/B.11b steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/B.27-030. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Phosphate, mit fremden Anionen F,Cl,O,OH“, wo Mottramit zusammen mit Arsendescloizit, Čechit, Descloizit und Pyrobelonit die „Descloizitgruppe“ mit der Systemnummer VII/B.27 bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Mottramit in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- beziehungsweise Vanadatkomplex (RO4). Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und meist großen Kationen; (OH usw.) : RO4 = 1 : 1“ zu finden, wo es zusammen mit Čechit, Descloizit und Pyrobelonit die „Descloizitgruppe“ mit der Systemnummer 8.BH.40 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Mottramit die System- und Mineralnummer 41.05.02.02. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)2(XO4)Zq“ in der „Descloizitgruppe“, in der auch Descloizit, Pyrobelonit, Čechit und Duftit-Alpha eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Mottramit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pnam (Raumgruppen-Nr. 62, Stellung 6)Vorlage:Raumgruppe/62.6 mit den Gitterparametern a = 7,68 Å; b = 9,32 Å und c = 6,05 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Mottramit ist ebenso wie Descloizit ein typisches Sekundärmineral, das sich in der Oxidationszone von vanadiumhaltigen Buntmetall-Lagerstätten bildet. Als Begleitminerale können neben Descloizit unter anderem noch Azurit, Cerussit, Dioptas, Duftit, Mimetesit und Wulfenit auftreten.<ref name="Handbookofmineralogy" /> Unter anderem in der Tsumeb Mine in Namibia tritt das Mineral auch vergesellschaftet mit Calcit und im Bergbaurevier Mibladen in der marokkanischen Provinz Midelt mit Vanadinit und Baryt auf (siehe Bilder).

Als eher seltene Mineralbildung kann Mottramit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 470 Vorkommen dokumentiert (Stand 2026).<ref name="Mindat-Anzahl" /> Neben seiner Typlokalität Mottram trat das Mineral im Vereinigten Königreich noch an mehreren Orten in den Grafschaften Cornwall, Cumbria und Leicestershire sowie in der „Pim Hill Mine“ bei Shrewsbury und im Steinbruch „Judkins“ bei Nuneaton in England auf. In Schottland konnte Mottramit unter anderem in der Umgebung von Wanlockhead (Dumfries and Galloway) und Leadhills (Strathclyde) gefunden werden.

Reichhaltige Mottramitfunde kennt man vor allem aus der Tsumeb Mine in Namibia, wo neben unterschiedlichen Paragenesen auch Pseudomorphosen nach Calcit und Kupfer zutage traten.

In Deutschland trat das Mineral bisher vor allem im Schwarzwald (z. B. Grube Clara) in Baden-Württemberg, in der Gemeinde Lautertal im hessischen Odenwald, bei Bad Lauterberg und Sankt Andreasberg in Niedersachsen, in der Grube „Ferdinande“ nahe Heiligenhaus im Kreis Mettmann in Nordrhein-Westfalen, an mehreren Orten in der Eifel (Andernach, Ettringer Bellerberg), von Nordrhein-Westfalen bis Rheinland-Pfalz, bei Krettnich/Wadern im Saarland, bei Sayda und Schneeberg im sächsischen Erzgebirge sowie an der Nordküste von Helgoland in Schleswig-Holstein auf.

In Österreich fand sich Mottramit bisher im Kleinelendtal in der Ankogelgruppe und im Dornergraben (nächst Plachgraben) in der Koralpe in Kärnten,<ref name="Puttner-1996" /> am Nasenkopf im Habachtal sowie in der Grube „Stüblbau“ bei Schellgaden in der Salzburger Region Lungau (Bezirk Tamsweg),<ref name="Puttner-1994" /> im Basalt-Steinbruch in der steiermarker Gemeinde Klöch und in der Grube „Fuchsloch“ im Tiroler Teil des Inntals.

In der Schweiz ist Mottramit bisher nur vom Albignagletscher im Kanton Graubünden und aus Saint-Luc VS im Kanton Wallis bekannt.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Chile, Frankreich, Gabun, Kanada, Kirgisistan, der Demokratischen Republik Kongo (Zaire), Italien, Japan, Madagaskar, Mexiko, Polen, Russland, Sambia, Schweden, Spanien, Südafrika, Tschechien sowie mehrere Bundesstaaten in den USA.<ref name="Fundorte" />

Verwendung

Mottramit hat außer als Mineralprobe keine besondere wirtschaftliche Bedeutung.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Mottramit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 21. Februar 2026. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – M. (PDF 326 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 21. Februar 2026 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Mottramite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 21. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Mottramite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 21. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatVesbin"> Vesbin – A synonym of Mottramite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 21. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Puttner-1994"> </ref> <ref name="Puttner-1996"> </ref> <ref name="Roscoe"> </ref> <ref name="Rösler"> </ref> <ref name="SchröckeWeiner"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Mottramite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 21. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>