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Reinhold Habisch

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Alter St.-Thomas-Friedhof – Grab Reinhold Habisch – Grabstein

Franz Reinhold Habisch, genannt Krücke (* 8. Januar 1889 in Berlin; † 7. Januar 1964 ebenda<ref>Standesamt Berlin-Kreuzberg, Sterbeurkunde Nr. 109 vom 9. Januar 1964 (Landesarchiv Berlin)</ref>), war ein Berliner Original. Er machte den sogenannten „Sportpalastwalzer“ weltberühmt.

Leben

Mit dem Radsport kam er in Berührung, als er auf der Radrennbahn Treptow als jugendlicher Aushilfskellner arbeitete.<ref name="IllustrierterRadrennsport" /> Habisch verlor 1905 als junger Mann durch einen Unfall ein Bein, als er auf regennasser Straße ausgerutscht und unter eine Straßenbahn geraten war. Da ihm der erträumte eigene sportliche Erfolg dadurch verwehrt blieb, wurde er Stammgast beim Berliner Sechstagerennen, das seit 1911 im Sportpalast ausgetragen wurde.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Krücke – Berlins größte Pfeife (Memento vom 27. Juli 2012 im Internet Archive)</ref> Mit Klamauk und Witzen stieg Krücke in den 1920er Jahren von den billigen Plätzen, dem so genannten Heuboden, zum festen Bestandteil der Veranstaltung auf.<ref name="Luise">Vorlage:LuiseBMS</ref>

Überregional bekannt wurde er im Zusammenhang mit dem „Sportpalastwalzer“. Die Komposition Wiener Praterleben von Siegfried Translateur wurde erstmals 1923 während des Sechstagerennens gespielt. In der dritten Walzersequenz pfiff Krücke den dritten Takt laut mit und trug dabei maßgeblich zum Aufstieg der Melodie zur Hymne der Sechstagerennen bei.<ref name="focus-364120">SID: Radsport – 6-Tage-Rennen: Zabel tritt zum letzten Mal in die Pedale. In: Focus Online. 22. Januar 2009, abgerufen am 14. Oktober 2018.</ref> In spätere Versionen der Komposition wurden die Pfiffe bewusst eingebaut. Habisch wurde auch zu Radrennen in anderen Städten eingeladen, um während des „Sportpalastwalzers“ ins Mikrofon zu pfeifen. Zu sehen und zu hören war er neben Siegfried Arno und Lucie Englisch in einem Cameo-Auftritt in der Filmkomödie Um eine Nasenlänge von 1931. Als sein schönstes Erlebnis bezeichnete er die Begegnung mit dem Tenor Richard Tauber. „In Hemdsärmeln und auf Socken bat Krücke den sich weigernden Sänger seine Stimme erschallen zu lassen“ und sang selber „O Richard, mein Richard, wie lieb ich dich.“ Daraufhin willigte Tauber ein und sang.<ref>Bund Deutscher Radfahrer (Hrsg.): Radsport. Nr. 3. Deutscher Sportverlag Kurt Stoof, Köln 1964, S. 9.</ref><ref>Friederike bei den Sechstäglern. In: Deutsche allgemeine Zeitung vom 5. November 1929 [1] und Tauber im Rennpalast. In: Bochumer Anzeiger vom 9. November 1929, S. 17 [2]</ref>

Datei:Alter St.-Thomas-Friedhof - Grab Reinhold Habisch.jpg
Grabstätte

In der Berliner Kommandantenstraße betrieb Krücke einen Zigarrenladen. Diesen hatte ihm der Boxer Max Schmeling, dem er eine große Karriere prophezeit hatte, aus Dankbarkeit eingerichtet.<ref name="Luise" /> Das Geschäft verlor er bei einem Bombenangriff während des Zweiten Weltkrieges, er versuchte danach, sich mit einem mobilen Obst- und Gemüsestand in Berlin-Reinickendorf den Lebensunterhalt zu verdienen.<ref name="IllustrierterRadrennsport">Generalsekretariat der Sektion Radfahren der DDR (Hrsg.): Illustrierter Radrennsport. Nr. 10. Berlin 1950, S. 8.</ref> Habisch starb auf dem Transport in ein Krankenhaus einen Tag vor seinem 75. Geburtstag und liegt in einem Ehrengrab des Landes Berlin in der Abteilung KG 1-40 auf dem Neuen Teil des Kirchhofs der St.-Thomas-Gemeinde II in Berlin-Neukölln begraben.<ref>Grab von Reinhold Habisch. knerger.de</ref>

Trivia

Zu seinem Spitznamen kam er nach eigener Aussage während eines Besuches in einem Berliner Biergarten beim Schafkopf-Spiel. Seine Freunde hatten seine Krücke in einem unbeobachteten Moment an einem Fahnenmast aufgehängt. Habisch vermisste diese natürlich irgendwann und rief laut immer wieder nach der Krücke. Die Freunde riefen ihn von diesem Tage an Krücke.<ref name="IllustrierterRadrennsport" /><ref> Rennbahn-Original „Krücke“ auf Tri-Ergon TE 5896</ref>

Als Habisch im November 1927 Ella Hartmann heiratete, war er so bekannt, dass zu seiner Hochzeit in einer Kreuzberger Kneipe über achtzig Gäste kamen, darunter zahlreiche Prominente, so die Sängerin Fritzi Massary oder Karl Zörgiebel, der Polizeipräsident von Berlin.<ref>Knerger</ref>

Schriften

  • Reinhold Habisch. Bearbeitet von Hans Höppner: Deutschlands Original Krücke auf Rennbahnen unter Rennfahrern. Info-Verlag, Berlin-Spandau 1950.

Filme

  • Um eine Nasenlänge (1931)
  • Sechstagerennen Berlin 1949 (Kurzdokumentarfilm über das erste Berliner Nachkriegs-Sechstagerennen im Dezember 1949; 12 Minuten)<ref>Filmportal.de</ref>

Tonträger

  • Rennbahn-Original „Krücke“ (Reinhold Habisch erzählt). Tri-Ergon TE 5896 (Matr.-Nr. 03515/16-m1). Aufgenommen ca. Juni 1930. Anzuhören auf youtube.
  • Auf'm Heuboden und Sportpalast-Walzer mit dem Original „Krücke“. Grammophon-Ensemble mit Alexander Fleßburg und Chor. Grammophon 1256 (Matr.-Nr. 5082 ½ BD). Aufgenommen im Dezember 1932. Anzuhören auf youtube.
  • Sportpalast-Walzer. Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Dirigent: Obermusikmeister Heinz Winkel. Pfeif-Solo: Das Berliner Original „Krücke“. Telefunken A 11 531 (Matr.-Nr. 37128). Aufgenommen im Oktober 1953. Anzuhören auf youtube.
  • Sportpalastwalzer. Gespielt von der Kapelle Otto Kermbach und gepfiffen von „Krücke“. Kindl Pils/Teldec BKB 1872. Aufgenommen um 1960, veröffentlicht um 1973. Anzuhören auf youtube.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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