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Ettingshausen

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Ettingshausen
Gemeinde Reiskirchen
Das Ortswappen bitte nur als Dateipfad angeben!
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(1977)&title=Ettingshausen 50° 34′ N, 8° 54′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(1977) 50° 33′ 36″ N, 8° 54′ 21″ O
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Höhe: 191 m ü. NHN
Fläche: 9,05 km²<ref name="DF" />
Einwohner: 1977 (31. Dez. 2019) HW+NW<ref name="DF">Haushaltsplan 2021. (PDF; 12 MB) In: Webauftritt. Gemeinde Reiskirchen, S. 15 (Vorbemerkungen), abgerufen im März 2022.</ref>
Bevölkerungsdichte: 218 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 35447
Vorwahl: 06401

Ettingshausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Reiskirchen im mittelhessischen Landkreis Gießen. Er hat rund 1900 Einwohner und ist der südlichste und schon zur Wetterau zählende Ortsteil von Reiskirchen.

Ortsgeschichte

Vor- und Frühgeschichte

Eine frühe Besiedlung beweisen Hügelgräber aus der Bronzezeit in der näheren Umgebung.

Mittelalter

Die Ersterwähnung des Orts datiert vom 4. April 1286.<ref name="lagis" /> Erwähnt wird eine Mühle, gelegen in „Ytinshausen“ (molendium situm in Ytinshusen).<ref>StAD, Urkunden Oberhessen. Wirberg.</ref> Die Siedlungsform villa wird für 1298 urkundlich für Ettingshausen verwendet.<ref>StAD, Urkunden Oberhessen. Wirberg.</ref> In zwei Urkunden, die zu Beginn des 14. Jahrhunderts ausgestellt wurden, unterscheidet man zwischen Klein-Ettinshusen („de minori Ittinshusen“) im Jahr 1304<ref>Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Band 1. Nr. 1313, S. 885.</ref> und 1323 kennt einen „Johannes dictur Faber“ (Johannes genannt der Schmied) „de inferiori Ittingishusen“ (von Nieder-Ettingshausen) „ante superiorem villam Ittingishusin“ (vor dem Dorf Ober-Ettingshausen).<ref>Ludwig Baur:Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. (AUB). Nr. 557, S. 885.</ref>

Der Ortsname leitet sich ab von dem Rufnamen „Ittin“ bzw. „Hittin“.<ref>Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 114.</ref> Ettingshausen wurde einst als Gewanndorf mit Dreifelderwirtschaft angelegt. Im Mittelalter unterstand es dem Gericht Münster, zählte dann längere Zeit zu Solms-Lich und kam schließlich 1806 an das Großherzogtum Hessen.

Neuzeit

1675 war der Ortsname „Öttingshaußen“.<ref>Archiv Lich, Urkunden Solms. Kasten 3.</ref>

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der zu Ettingshausen gehörende Flugplatz militärisch genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in dessen Nähe eine Siedlung, die heutige „Flugplatzsiedlung“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Flugplatzsiedlung (Memento vom 3. März 2007 im Internet Archive)</ref> Dort fanden vor allem Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten eine neue Heimat.

Von der einst verkehrenden Butzbach-Licher Eisenbahn sind nur noch der ehemalige Bahnhof und Teile des Bahndammes erhalten.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. Januar 1977 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbstständige Gemeinde Ettingshausen durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen in die Gemeinde Reiskirchen eingegliedert.<ref>Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen (GVBl. II 330–28) vom 13. Mai 1974. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 17, S. 237 ff., § 6 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 1,2 MB]).</ref> Für Ettingshausen wurde wie für die übrigen Reiskirchener Ortsteile ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.<ref>Hauptsatzung. (PDF; 143 kB) § 5. In: Webauftritt. Gemeinde Reiskirchen, abgerufen im August 2020.</ref>

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Ettingshausen angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>

Gerichte seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter beziehungsweise Standesherren vorgenommen und somit war für Ettingshausen ab 1806 das „Patrimonialgericht der Fürsten Solms-Hohensolms-Lich“ in Lich zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- beziehungsweise Stadtgerichte übertragen. Ab 1822 ließen die Fürsten Solms-Hohensolms-Lich ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Lich“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Ettingshausen zuständig war.<ref name="PF" /> Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.<ref>Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren vom 7. August 1848. In: Großherzog von Hessen (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1848 Nr. 40, S. 237–241 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 42,9 MB]).</ref>

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Lich“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.<ref>Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 17,8 MB]).</ref> Zum 1. Januar 1882 wurde Ettingshausen an das Amtsgericht Laubach abgegeben.<ref>Bekanntmachung, die Bildung der Amtsgerichtsbezirke Hungen, Lich, Laubach, Grünberg, Homberg, Alsfeld, Vilbel und Friedberg betreffend vom 24. Dezember 1881. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1881 Nr. 203, S. 203–204 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,6 MB]).</ref> Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Laubach und Ettingshausen wurde dem Sprengel des Amtsgerichts Gießen zugeteilt.<ref>Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 c) und Artikel 2, Abs. 4 d) (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 298 kB]).</ref>

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011 in Ettingshausen 1779 Einwohner. Darunter waren 45 (2,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 348 Einwohner unter 18 Jahren, 753 zwischen 18 und 49, 387 zwischen 50 und 64 und 197 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 741 Haushalten. Davon waren 186 Singlehaushalte, 219 Paare ohne Kinder und 243 Paare mit Kindern, sowie 75 Alleinerziehende und 18 Wohngemeinschaften. In 132 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 528 Haushaltungen lebten keine Senioren.<ref name="Z2011E" />

Einwohnerentwicklung

Ettingshausen: Einwohnerzahlen von 1830 bis 2019
Jahr  Einwohner
1830
  
539
1834
  
616
1840
  
693
1846
  
698
1852
  
656
1858
  
578
1864
  
556
1871
  
582
1875
  
614
1885
  
578
1895
  
547
1905
  
568
1910
  
617
1925
  
639
1939
  
636
1946
  
944
1950
  
989
1956
  
851
1961
  
777
1967
  
779
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.779
2012
  
1.927
2015
  
1.936
2019
  
1.977
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: <ref name="lagis" />; nach 1980: Gemeinde Reiskirchen (HW+NW-Sitze) im Haushaltsplan Vorbericht<ref name="DF" />; Zensus 2011<ref name="Z2011E" />

Historische Religionszugehörigkeit

• 1830: 521 evangelische (= 96,7 %), 18 jüdische (= 3,3 %) Einwohner<ref name="lagis" />
• 1961: 643 evangelische (= 82,8 %), 121 katholische (= 15,6 %) Einwohner<ref name="lagis" />

Historische Erwerbstätigkeit

• 1961: Erwerbspersonen: 146 Land- und Forstwirtschaft, 170 Produzierendes Gewerbe, 45 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 41 Dienstleistungen und Sonstiges.<ref name="lagis" />

Politik

Wappen: Am 17. August 1965 wurde der Gemeinde Ettingshausen ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Rot über einem silbernen Herzen mit zwei aufsitzenden, einander zugewandten goldenen Vögeln mit blauen Schnäbeln und Füßen ein goldener sechsstrahliger Stern, darüber eine silberne fünfzackige, mit blauen und roten Steinen belegte Krone.<ref>Genehmigung eines Wappens und einer Flagge der Gemeinde Ettingshausen, Landkreis Gießen vom 13. August 1965. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1965 Nr. 36, S. 1045, Punkt 847 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 3,2 MB]).</ref>

Kirche

Datei:Kirche-ettingshausen.jpg
Kirche

Die Evangelische Kirche befindet sich im Ortszentrum an der Hauptstraße. Sie wurde um 1260 als Wehrkirche erbaut und diente neben Gottesdiensten auch zum Schutz der Bürger. Quer gegenüber befinden sich das Pfarramt und ein Gemeindehaus.

Infrastruktur

Datei:Ettingshausen Schule.jpg
Schulgebäude in Ettingshausen

Im Zentrum wurde in den 1990er Jahren eine Art „Marktplatz“ geschaffen, um den herum sich ein Komplex mit kleinen Läden und einer Bank, sowie gegenüber ein Jugendzentrum, eine Gaststätte und die Sport- und Kulturhalle anschließen. Es ist ein beliebter Treffpunkt.

Grundschule

Die Grundschule Ettingshausen ist eine öffentliche Schule. Das Gebäude wurde 1895 erbaut. Auf der ehemaligen Festwiese hinter der Schule wurde in den 1990er Jahren ein weiteres zweistöckiges Gebäude errichtet, um die Kapazität der Schule zu vergrößern. In der unteren Etage befindet sich auch ein Teil des Kindergartens, der somit auch erweitert wurde.

Schwimmbad

Am nördlichen Ortsrand befindet sich das örtliche Freibad. Neben dem Schwimmbecken (30 m × 11 m) gibt es auch ein Kleinkinderbecken. Das Angebot umfasst eine 4000 m² große Liegewiese, einen Spielplatz, sowie ein Beach-Volleyballfeld und Tischtennisplatten. Das Schwimmbad ist eines der wenigen in der Umgebung und deshalb auch in den Nachbarorten sehr beliebt.

Literatur

Weblinks

Commons: Ettingshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

Anmerkungen <references group="Anm." />

Einzelnachweise <references> <ref name="lagis"> Ettingshausen, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 28. September 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände – Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 424 (online in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="PF"> Theodor Hartleben (Hrsg.): Allgemeine deutsche Justiz-, Kameral- und Polizeifama, Teil 1. Band 2. Johann Andreas Kranzbühler, 1832, S. 271 (online in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="PR"> Vorlage:BibOCLC </ref> <ref name="RB1937"> Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]). </ref> <ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 8 und 48, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020;. </ref> </references>

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