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Bucherer-Reaktion

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Die Bucherer-Reaktion ist eine organisch-chemische Namensreaktion und nach Hans Theodor Bucherer (1869–1949) benannt. Die Reaktion wird auch Bucherer-Lepetit-Reaktion oder fälschlich Bucherer-Le-Petit-Reaktion genannt. Sie beschreibt die Reaktion von Naphtholen zu Naphthylaminen in Gegenwart von Ammoniak und Natriumhydrogensulfit.<ref>Hans Th. Bucherer: Über die Einwirkung schwefligsaurer Salze auf aromatische Amido- und Hydroxylverbindungen. In: Journal für Praktische Chemie. 69, Nr. 1, 1904, S. 49–91, doi:10.1002/prac.19040690105.</ref><ref>H. Seeboth: The Bucherer Reaction and the Preparative Use of its Intermediate Products. In: Angewandte Chemie International Edition in English. 6, Nr. 4, 1967, S. 307–317, doi:10.1002/anie.196703071 (Mechanismus).</ref><ref> R. Adams et al.: Organic Reactions Vol I. Wiley, 1942.</ref><ref>Winfried R. Pötsch u. a.: Lexikon bedeutender Chemiker. Bibliographisches Institut, Leipzig 1989, ISBN 978-3-323-00185-5, S. 71–72.</ref><ref>M. B. Smith, J. March: Advanced Organic Chemistry. Wiley, 2001, ISBN 0-471-58589-0.</ref> Aus 1-Naphthol entsteht 1-Naphthylamin:

Datei:Übersichtsrekation Bucherer-Reaktion V1.svg


Analog erhält man aus 2-Naphthol das stellungsisomere 2-Naphthylamin:

Datei:Übersichtsrekation Bucherer-Reaktion 2-Naphthol-V1.svg

Der französische Chemiker Robert Lepetit entdeckte 1898 als Erster diese Reaktion, jedoch stellte Bucherer, unabhängig von Lepetit, deren Umkehrbarkeit und enorme Möglichkeiten für die chemische Industrie fest. Bucherer publizierte seine Ergebnisse 1904, womit sein Name fest mit der Reaktion verbunden ist.

Die Bucherer-Reaktion verläuft in wässrigem Milieu unter Katalyse durch Sulfit. Dieses greift reversibel am protonierten Aromaten an, tautomerisiert zum Hydrogensulfit und wird von Ammoniak oder einem Amin angegriffen. Nach Abspaltung des Sulfits entsteht das entsprechende Naphthylamin, bei dem die Hydroxygruppe des Naphthols formal durch eine Aminogruppe substituiert ist.

Reaktionsmechanismus

Die Reaktion wird hier am Beispiel von 1-Naphthol beschrieben und läuft nach einem Additions-Eliminierungsmechanismus ab.<ref name="Ernest">Ivan Ernest: Bindung, Struktur und Reaktionsmechanismen in der organischen Chemie. Springer, 1972, ISBN 3-211-81060-9, S. 244–245.</ref> Im ersten Schritt wird ein Proton am Kohlenstoffatom mit der höchsten Elektronendichte, also vorzugsweise am C2 oder C4, des 1-Naphthols (1) angelagert. Dies führt zu dem resonanzstabilisierten Addukt 2. Im nächsten Schritt lagert sich das Hydrogensulfit-Anion an den C3-Kohlenstoff an. Es folgt eine Tautomerisierung zum energetisch günstigeren Molekül 3. Dieses wird nucleophil vom Amin, in diesem Fall Ammoniak, angegriffen. Unter Abspaltung von Wasser bildet sich das resonanzstabilisierte Kation 4. Deprotonierung liefert das Enamin 5. Das Enamin eliminiert das Hydrogensulfit unter Bildung von 1-Naphthylamin (6).

Datei:Reaktionsmechanismus Bucherer-Reaktion 1-Naphthol V4.svg

Die Reaktion ist reversibel und kann wie folgt zusammengefasst werden:

Datei:Zusammenfassende Reaktionsgleichung 1-Naphthol V1.svg

Anwendung

Eine Variante der Bucherer-Reaktion ist die Bucherer-Carbazolsynthese. Dabei reagiert 2-Naphthol oder 2-Naphthylamin mit Phenylhydrazin unter Zugabe von Natriumhydrogensulfit zu einem Carbazol:<ref>Hans Th. Bucherer, André Grolée, (1906) Ueber Nitrile arylirter Glycine. Ber. Dtsch. Chem. Ges., 39: 986–1013, doi:10.1002/cber.190603901154.</ref><ref name=":Wang">Z. Wang: Comprehensive organic name reactions and reagents Volume 1. John Wiley, Hoboken (N.J.) 2009, ISBN 978-0-470-28662-3, S. 549.</ref>

Verbesserte Anwendung Bucherer Carbazol Synthese
Verbesserte Anwendung Bucherer Carbazol Synthese

Einzelnachweise

<references/>