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Adamsit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Strukturformel
Struktur von Adamsit
Allgemeines
Name Adamsit
Andere Namen
  • 10-Chlor-5,10-dihydrophenarsazinin (IUPAC)
  • DM
  • Diphenylaminchlorarsin
  • Phenarsazinchlorid
Summenformel C12H9AsClN
Kurzbeschreibung

kanariengelber bis grüner, stechend riechender Feststoff<ref name="GESTIS" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 209-433-1
ECHA-InfoCard 100.008.577
PubChem 11362
ChemSpider 10884
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 277,58 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,65 g·cm−3 (bei 20 °C)<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

195 °C<ref name="GESTIS" />

Siedepunkt

Zersetzung ab 410 °C<ref name="GESTIS" />

Dampfdruck

<0,00011 mmHg (25 °C)<ref>Aberdeen Proving Ground, Transportable Treatment Systems for Non-stockpile Chemical Warfare Materiel: Environmental Impact Statement. 2001 (books.google.de).</ref>

Löslichkeit

nahezu unlöslich in Wasser<ref name="GESTIS" />

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.240.769">Nicht explizit in Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP) gelistet, fällt aber mit der angegebenen Kennzeichnung unter den Gruppeneintrag Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 331​‐​301​‐​410
P: ?
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Adamsit (Trivialnamen: Diphenylaminchlorarsin, Phenarsazinchlorid) ist ein Nasen- und Rachenkampfstoff mit sehr geringem Dampfdruck. Die Verbindung wurde 1913 von dem deutschen Chemiker Heinrich Wieland und 1918 vom US-amerikanischen Kollegen Roger Adams unabhängig voneinander entwickelt. Nach Roger Adams wurde die Substanz benannt.<ref>K. Schoene, H. -J. Bruckert, H. Jürling, J. Steinhanses: Derivatization of 10-chloro-5,10-dihydrophenarsazine (Adamsite) for gas chromatographic analysis. In: Journal of Chromatography A. Band 719, Nr. 2, 1996, S. 401–409, doi:10.1016/0021-9673(95)00751-2.</ref>

Die arsenhaltige organische Verbindung reizt Nase und Rachen. Ihre Wirkung ist vergleichbar mit Diphenylarsinchlorid, übertrifft sie aber. Adamsit war daher im Ersten Weltkrieg als Maskenbrecher beim sogenannten Buntschießen vorgesehen, wurde aber im Gegensatz zu den verwandten Stoffen Diphenylarsinchlorid und Diphenylarsincyanid nicht eingesetzt, obwohl mehrere Kriegsparteien größere Mengen davon produziert hatten. Zuletzt wurde es in den 1960ern im Vietnamkrieg eingesetzt. Im Jahr 2003 wurde berichtet, dass Nordkorea größere Mengen des Stoffes produziere und einlagere.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />North Korea Profile – Chemical Agents (Memento vom 29. Juli 2005 im Internet Archive).</ref>

Wirkung

Adamsit hat eine kurze, aber deutlich ausgeprägte Latenzzeit zwischen Einwirkung des Stoffes und Auftreten der ersten Symptome. Diese Zwischenzeit von bis zu drei Minuten macht das Adamsit als Polizeiwaffe heutzutage nur noch bedingt interessant, da meist weiterentwickeltes Tränengas mit geringerer Latenzzeit von der Polizei eingesetzt wird. Dennoch wird Adamsit auch heute noch in einzelnen Staaten von der Polizei angewendet, um mithilfe der relativ intensiven Wirkung des Kampfstoffes Menschenmassen aufzulösen. Nach der Verzugszeit setzen zunächst Speichelfluss und Absonderung von Nasensekret ein, es folgen Husten und Niesen, Übelkeit und Erbrechen und schließlich Stirnhöhlenschmerzen, Atemnot und starke Schmerzen hinter dem Brustbein, die sich nach Entfernung des Betroffenen aus der vergifteten Atmosphäre oft noch verstärken, stundenlang anhalten und bei dem Vergifteten Angstzustände hervorrufen können.

Einzelnachweise

<references />

Literatur

  • Haas, R. et al. (1998): Chemisch-analytische Untersuchung von Arsenkampfstoffen und ihren Metaboliten. UWSF – Z Umweltchem Ökotox; 10, 289–293; PDF (freier Volltextzugriff)
  • M. Bäsig, H. Gorges, H. Kießlich-Köcher, B. Martin, R. Stohr: Chemische Kampfstoffe und Schutz vor chemischen Kampfstoffen, Militärverlag der DDR, Berlin 1977, S. 136 ff.

Siehe auch