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Ruthild Hahne

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Datei:Bundesarchiv Bild 183-12773-0006, Berlin, Ausstellung, Nagel, Hahne, Pieck.jpg
Ruthild Hahne mit Otto Nagel und Wilhelm Pieck, 1951

Ruthild Hahne (* 19. Dezember 1910 in Deutsch-Wilmersdorf; † 1. September 2001 in Berlin) war eine deutsche Bildhauerin, die ihre Hauptschaffensphase in den ersten Jahren der DDR hatte.

Leben

Datei:Ruth Hahne Thaelmann Modell.JPG
Modell der Thälmann-Statue in Hahnes Atelier
Datei:Gedenktafel Straße 201 1 (Nieds) Ruthild Hahne.jpg
Gedenktafel in der heutigen Beatrice-Zweig-Straße Nr. 1 in Berlin-Niederschönhausen
Datei:Hahne Grab in Pankow.jpg
Grab auf dem Friedhof Pankow III, Abt. 36 U-379

Ausbildung und Zeit des Nationalsozialismus

Ruthild Hahne wuchs als Tochter einer Kaufmanns- und Fabrikantenfamilie in einer großbürgerlichen Villa in Berlin-Schmöckwitz mit Haushälterin, Gärtner und Chauffeur auf. 1920 war sie in Italien, für das sie eine Leidenschaft entwickelte. Sie sprach später fließend Italienisch.<ref>Deike Diening: Ruthild Hahne. Ernst beiseite. In: tagesspiegel.de. 2. September 2013, abgerufen am 31. Dezember 2019.</ref>

Nach dem Besuch des Neuköllner Lyzeums bis 1927 machte sie eine Ausbildung zur orthopädischen Turnlehrerin und Physiotherapeutin an der Universitätsklinik Berlin und arbeitete bis 1936 in diesem Beruf. Obwohl sie in bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen war, hatte sie bereits früh Kontakte zur Arbeiterbewegung und zur KPD. Dabei lernte sie 1930 den Chef der Roten Tänzer Jean Weidt kennen, der sie zum in dieser Gruppe praktizierten Ausdruckstanz brachte. 1933 nahm sie an der ersten Revolutionären Theaterolympiade in Moskau teil. 1936 begann sie, Bildhauerei an der Hochschule der Bildenden Künste zu studieren, wo sie Meisterschülerin von Wilhelm Gerstel war und in Monumentalplastik von Arno Breker unterrichtet wurde. Das Jahr 1941 verbrachte sie als Stipendiatin an der Villa Massimo in Rom. Während dieser Zeit entstanden an den klassischen Formen orientierte Kleinplastiken und Kinderporträts.<ref>Jobst C. Knigge: Die Villa Massimo in Rom 1933–1943. Kampf um künstlerische Unabhängigkeit. Humboldt-Universität Berlin, Berlin 2013, S. 237–243, doi:10.18452/13566.</ref>

Zu den Meisterschülern von Gerstel gehörten neben Hermann Blumenthal, Gustav Seitz und Waldemar Grzimek auch Fritz Cremer und Cay von Brockdorff, über die sie nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten auch in Kontakt mit Wolfgang Thiess kam, in den sie sich verliebte. Aus dem Kreis der Kunststudenten wurde eine Widerstandsgruppe der Roten Kapelle, in der auch Ruthild Hahne aktiv wurde. Unter anderem wurde in ihrer Wohnung in der Nachodstraße 20 in Berlin-Wilmersdorf an der illegalen Zeitung Die Innere Front gearbeitet. Nach der Aufdeckung der Gruppe im Herbst 1942 wurde Wolfgang Thiess zum Tod verurteilt und hingerichtet. Gegen Ruthild Hahne wurde eine vierjährige Zuchthausstrafe verhängt. Im Zug der Wirren der letzten Kriegsmonate des Zweiten Weltkriegs gelang es ihr, aus dem Gefängnis zu fliehen. Sie schlug sich zur Ostfront durch und wechselte auf die sowjetische Seite.

Wirken als Bildhauerin in der DDR

1946/1947 war sie Mitbegründerin der Hochschule für Angewandte Kunst (der heutigen Kunsthochschule Berlin-Weißensee), an der sie auch einige Jahre als Dozentin arbeitete. Künstlerisch konzentrierte sie sich auf die Schaffung von Porträtplastiken, insbesondere von Politikern der kommunistischen Bewegung wie Lenin, Karl Liebknecht und Wilhelm Pieck. Daneben schuf sie auch mehrere Kinderporträts. Bei einer Ausschreibung zur Schaffung eines Denkmals für Ernst Thälmann auf dem Thälmannplatz im traditionellen Berliner Regierungsviertel um die Wilhelmstraße in Berlin-Mitte setzte sie sich gegen 182 Konkurrenten durch. Aus praktischen und finanziellen Gründen sowie aus politischer Überzeugung zog sie 1953 von West- nach Ost-Berlin in die für Kulturschaffende angelegte Straße 201 in Berlin-Niederschönhausen in ein eigenes Atelierhaus um. Im Unterschied zu den meisten Häusern dieser Straße hatte sie sich einen eigenen Architekten dafür aussuchen und bei der Gestaltung mitwirken dürfen. Es wurde nach dem 17. Juni 1953 gegen ihren Willen in kommunales Eigentum überführt. Im nahe gelegenen Atelier im Pankower Bürgerpark entstanden zunächst verkleinerte Modelle des geplanten Denkmals. Dieses besteht aus zwei Strömen von Menschen, die die Arbeiterparteien KPD und SPD symbolisieren sollen, an deren Spitze Ernst Thälmann, eine Hand zur Faust geballt, steht. 1958 wurde ein Teilgips des geplanten Denkmals auf der IV. Deutschen Kunstausstellung der DDR gezeigt.<ref>SLUB Dresden: Vierte deutsche Kunstausstellung Dresden 1958. Abgerufen am 28. September 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Mit dem Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 geriet der vorgesehene Standort am Thälmannplatz in das Sperrgebiet und von einer Aufstellung des Denkmals wurde abgesehen. Auch stand die DDR-Führung nicht mehr hinter der 1951 unter starker Einflussnahme entwickelten Denkmalskonzeption von Ruthild Hahne. 1965 musste sie ihre Arbeit am Thälmann-Denkmal, ihrem zentralen Lebenswerk, beenden. Ein Teil der geschaffenen Modelle wurde vernichtet, andere, so Thälmann als Frontfigur sowie die nachfolgende Gruppe Arbeiter und Bäuerin im Maßstab 1:2 sind heute noch in ihrem Haus Nr. 1 in der Beatrice-Zweig-Straße in einem von ihrem Sohn geführten privaten Museum zu sehen. Dort wurde auch Bronze-Büste von Thälmann an der Terrasse platziert. Das Märkische Museum Berlin bewahrt zwei Reliefteile im Maßstab 1:4 auf.

Nach 1965 arbeitete Hahne weiter als Bildhauerin und schuf noch eine Reihe von Porträt- und Kleinplastiken. Die letzte Ruhe fand sie auf dem Friedhof Pankow III.

Ehrung

1971 wurde sie mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Silber ausgezeichnet.<ref>Berliner Zeitung, 27. Februar 1971, S. 4.</ref>

Das Atelierhaus wurde zum Ateliermuseum Ruthild Hahne und kann auf Anfrage besichtigt werden. Es dient auch gelegentlich als Tagungsstätte.<ref>IBAES10_PROGRAMM. In: .rz.hu-berlin.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. Januar 2009; abgerufen am 31. Dezember 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www2.rz.hu-berlin.de</ref>

Werke (Auswahl)

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Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 1971: Berlin, Galerie im Turm (mit Hans Kies und Heinz Worner)
  • 1979: Berlin, Ausstellungspavillon am S-Bahnhof Friedrichstrasse (mit Ernst Jazdzewski)
  • 1995: Berlin, Schadow-Haus („Ruthild Hahne, Geschichte einer Bildhauerin“)

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)

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  • 1949, 1953/1954, 1958/1959 und 1967/1968: Dresden, Deutsche Kunstausstellung bzw. Kunstausstellung der DDR
  • 1951: Berlin, Museumsbau am Kupfergraben (Künstler schaffen für den Frieden)
  • 1960: Berlin, Pavillon der Kunst (Frauenschaffen und Frauengestalten in der bildenden Kunst. 50 Jahre Internationaler Frauentag)
  • 1968: Halle/Saale (Sieger der Geschichte)
  • 1970: Berlin (Auferstanden aus Ruinen)
  • 1970: Berlin, Altes Museum (Im Geiste Lenins)
  • 1970: Berlin, Akademiegalerie (Die Akademie ehrt Lenin)
  • 1970/1971: Linz, Neue Galerie der Stadt Linz (Berliner Bildhauer – Deutsche Demokratische Republik)
  • 1971: Berlin, Altes Museum (Das Antlitz der Arbeiterklasse in der bildenden Kunst der DDR)
  • 1979: Berlin, Altes Museum (Weggefährden – Zeitgenossen)
  • 1979: Berlin, Altes Museum (Jugend in der Kunst)
  • 1981: Dresden (25 Jahre NVA)
  • 1982: Berlin, Treptower Park (Plastik und Blumen)

Bildnerische Darstellung

Literatur

  • Jutta Schmitt: Wirken für die Sache der Arbeiterklasse. Zu Leben und Werk von Ruthild Hahne, Hans Kies und Heinz Worner. In: Bildende Kunst, Berlin 1971, S. 289–294.
  • Gertrud Heider: Für eine bessere Zukunft. Ruthild Hahne zum 75. Geburtstag. In: Bildende Kunst, Berlin 1985, S. 558–560.
  • Stefan Eitze, Stefan Grunert, Stefan Hahne: Unter Bäumen regnet es länger. über Leben und Werk der Bildhauerin Ruthild Hahne. Stefan Eitze, Berlin 2016, DNB 1081668083 (136 S.).
  • Jörg Fidorra, Katrin Bettina Müller: Ruthild Hahne – Geschichte einer Bildhauerin. Katalog. Hrsg.: Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e. V. Schadow-Gesellschaft, Berlin 1995, ISBN 3-9802288-8-6.
  • Astrid von Killisch-Horn: Bürgerpark Pankow – Grüner Lebensraum im Zeitenwandel. Rudolstadt 2007, ISBN 978-3-00-021923-8, S. 167, 175–181. (Ausführlicher, bebilderter Text zum Wirken Ruthild Hahnes in ihrem Atelier im Bürgerpark Pankow 1951–1963, wo die Modelle zum Thälmann-Denkmal entstanden.)
  • Peter Michel: Schlichtheit und Größe. Eine Erinnerung an die Bildhauerin Ruthild Hahne anlässlich ihres 110. Geburtstages am 19. Dezember. In: junge welt, 18. Dezember 2020
  • Stefan Roloff: Die Rote Kapelle. Ullstein 2002. ISBN 3-548-36669-4.
  • Gert Rosiejka: Die Rote Kapelle. „Landesverrat“ als antifaschistischer Widerstand. Mit einer Einführung von Heinrich Scheel. ergebnisse, Hamburg 1986, ISBN 3-925622-16-0.
  • Hahne, Ruthild. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 307.

Weblinks

Commons: Ruthild Hahne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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