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Gaylord

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Gaylord (<phonos file="AE Gaylord GT.ogg">Anhören</phonos>/?) bzw. Gaillard (<phonos file="FR Gaillard GT.ogg">Anhören</phonos>/?) ist ein männlicher Vorname und ein Familienname.<ref>Rosa Kohlheim, Volker Kohlheim: Duden. Lexikon der Vornamen. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04946-2, S. 154.</ref>

Herkunft und Bedeutung

Für das französische Gaillard existieren zwei Herleitungen:<ref name="usFamilyNames">Patrick Hanks: Dictionary of American Family Names. Oxford University Press, 2003, ISBN 0-19-508137-4 (Auszug bei ancestry.com Gaillard, Gale, Gail)</ref>

  • Mit der Bedeutung „stark, kräftig“ vom gallischen galia „Kraft, Stärke“ und der Endung -ard.
  • Vom altfranzösischen gaile „fröhlich, lustig“, welches einen germanischen Ursprung hat.

Als alter Ortsname existiert das Château-Gaillard, welches Richard Löwenherz ab 1196 in der Normandie erbauen ließ. Mit französischen Protestanten gelangte der Name nach England, die ersten dürften während der Regentschaft Eduard VI. (ab 1547) dort sesshaft geworden sein. Danach wurde dort der Name zu Gaylord anglisiert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The Descents of William Gaylord – The Gaylord Family (Memento vom 14. Mai 2009 im Internet Archive), Version: 17. Dezember 2000.</ref> Gaylord ist daher besonders mit den Hugenotten assoziiert.<ref name="usFamilyNames" /> Zum altfranzösischen gaile gab es im Mittelenglischen ein Pendant mit ga(i)le „heiter, rauflustig“.<ref name="usFamilyNames" /> Im Englischen wurde es später zu gay und im französischen entwickelte es sich zu gai bzw. gaie.

Varianten

Bekanntheit und zweite Bedeutung

Das Grundwort gai bzw. gay hat im Englischen über die Jahre einen Bedeutungswandel erfahren. Neben den ursprünglichen Bedeutungen „voller Freude“ und „voller Fröhlichkeit“ ab dem 12. Jahrhundert und „glänzend und auffallend“ ab dem 13. Jahrhundert, taucht die allgemeine Konnotation der Sexualität, der Unmoral ab 1637 auf. So ist etwa ein in den 1890er Jahren bezeichnetes gay house ein Freudenhaus, ein Bordell.<ref name="oed">gay, Online Etymology Dictionary, Abruf: 7. Juni 2009.</ref> Auch die Bedeutung „sorglos, sorgenlos“ ist enthalten.<ref>Adam Sherwin: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gay means rubbish, says BBC (Memento des Vorlage:IconExternal vom 30. April 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/entertainment.timesonline.co.uk, 6. Juni 2007.</ref> Gaillard bzw. Gaylord hatten auch die Nebenbedeutung „Dandy“.<ref>Patrick Hanks, Flavia Hodges: Dictionary of First Names. Oxford University Press, 1996, ISBN 0-19-280050-7.</ref>

In diesem Bereich treten Hinweise auf eine – nicht immer exklusive, aber auch gemeinte – Bedeutung in Richtung „homosexuell“ ab 1880 auf und verstärken sich ab 1920, primär in den USA. Hierbei hatte es durch die Doppelbedeutung ebenso eine euphemistische Funktion. Das Oxford English Dictionary gibt als ersten Fund für eine eindeutige Bedeutung von „homosexuell“ das Jahr 1951 an.<ref name="oed" /> Im Jahre 1963 war diese Bedeutung bekannt genug, dass es Albert Ellis in seinem Buch The Intelligent Woman’s Guide to Man-Hunting verwendete. Als Substantiv tritt es erstmals 1971 in Erscheinung.<ref name="oed" /> Gaylord rangierte in den USA von 1900 bis 1940 unter den 600 bis 700 beliebtesten Vornamen. Dies fiel dann rapide ab, so dass er 1960 nicht mehr unter den 1000 beliebtesten Vornamen vertreten ist.<ref name="babyGaylord">Gaylord, thinkbabynames.com</ref>

Die alten Bedeutungen von gay blieben die ganze Zeit erhalten. Im Jahre 1949 wurde die Vokalgruppe The Gay Lords gegründet, welche sich später in The Gaylords umbenannte und heute in anderer Besetzung als Vocal-Comedy-Duo noch immer auftritt.<ref>JCMarion: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Spinning A Web : The Gaylords (Memento des Vorlage:IconExternal vom 14. Juni 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/home.earthlink.net, 2004.</ref><ref>www.thegaylords.com</ref> Von 1966 bis 1974 existierte die Gruppe The Gaylords of Dominica.<ref>Jocelyne Guilbault: Garland Encyclopedia of World Music. Volume 2. Routledge, 1999, ISBN 0-8153-1865-0, „Dominica“ S. 840–844.</ref>

Das Kompositum gaylord (AE [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈgeɪˌlɔ(ə)rd]; BE [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈgeɪlɔːd]) oder gay lord aus gay („schwul“) und lord („Fürst“) in der Bedeutung von „Schwulenfürst“ bzw. „schwuler Fürst“ ist wohl wortspielerisch dem Namen nachgebildet, erstmals 1976 schriftlich belegt und hauptsächlich ein britischer Jargonausdruck. Er ähnelt dem schon 1945 belegten gay boy für einen schwulen Mann.<ref>Oxford English Dictionary Online, „gaylord, n.“, Draft Entry Juni 2008; Erstnennung W. Trevor: Children of Dynmouth, vii, S. 141, Bodley Head, 1976.</ref> In den 1980er Jahren wurden Gaylord und Abwandlungen wie Lord of the Gays („Herr/Herzog der Schwulen“) oder auch Duke of Queerdom („Herzog des Seltsamenreichs“) als Beleidigung auf US-amerikanischen Schulhöfen populär.<ref>Gaylord Ben Ransom alias „mcd“: Gaylord, 14. März 2003, everything2.com</ref> Dahinter steckt die Vorstellung, dass Schwule eine komplexe Hierarchie aufgebaut hätten und die betreffende Person wurde jeweils als ihr Anführer porträtiert. Es ist damit auch eine Steigerung der abwertenden Verwendung von gay und wird auch bei als besonders effeminiert angesehenen Personen verwendet, bei denen alle zugesprochenen Vorurteile besonders stark zu finden sein sollen.<ref>Gaylord, urbandictionary.com: 1. „The Ultimate insult …“, 9. „The ultimate insult, cannot be stopped by anything.“, 4. „A lord of gayness. One who is extremely gay“, 7. „A real faggot“, 8. „a super gay person“ etc. (Aufruf: 7. Juni 2009)</ref> Auf dieser Bedeutung gründet sich auch ein Streich: Man fragt das Gegenüber, ob dieses gestern den Film Gaylords Say No („Gaylords sagen nein“) gesehen habe. Da es ein fiktiver Filmtitel ist, kann man nur mit „nein“ antworten und ist somit ein „Gaylord“; ein „Ja“ würde einen ebenfalls suspekt erscheinen lassen.<ref>Gaylords Say No, urbandictionary.com, Abruf: 7. Juni 2009.</ref>

Durch die Filmkomödie Meine Braut, ihr Vater und ich und ihre beiden Fortsetzungen erlangte der doppeldeutige Name ab Dezember 2000 auch im deutschsprachigen Raum Bekanntheit.

Das Schimpfwort Gaylord wird auch im deutschen Sprachraum verwendet und zählt zu den gängigen Schimpfwörtern aus diesem Themenkreis.<ref>Gaylord, mundmische.de, Abruf: 7. Juni 2009.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wer sich nicht wehrt lebt verkehrt – Gängige Schimpfwörter (Memento vom 28. August 2007 im Internet Archive), gay-tip.com, Abruf: 7. Juni 2009.</ref> Es kann auch als „Homofürst“ übersetzt werden,<ref>gaylord, dict.cc, „gaylord [coll.] [hum.] / Homofürst {m} [ugs.] [hum.]“, Abruf: 7. Juni 2009.</ref><ref>Homofürst, mundmische.de, Abruf: 7. Juni 2009.</ref> wobei trotz der durchaus korrekten geschlechtsneutralen Übersetzung von gay- als „Homo-“ damit fast ausschließlich Männliches gemeint ist.<ref>Homofürst, sprachnudel.de, Abruf: 7. Juni 2007.</ref>

Namensträger

Vorname

Familienname

Fiktion

Literatur

  • William H. Gaillard: The History and Pedigree of the House of Gaillard Or Gaylord in France England and the United States. Cincinnati 1872.

Einzelnachweise

<references />