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Hannah-Arendt-Preis

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Mit dem Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken, gestiftet von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Senat der Freien Hansestadt Bremen, werden seit 1995 Personen geehrt, die nach Auffassung einer international besetzten Jury in der Tradition der politischen Theoretikerin Hannah Arendt in besonderer Weise zu öffentlichem politischen Denken und Handeln beitragen.<ref>Website des Vereins</ref> Er ist mit 10.000 Euro dotiert.

Ziel

Der Hannah-Arendt-Preis wurde 1994 mit der Absicht gestiftet, die öffentliche Diskussion über strittige politische Fragen zu stimulieren – ganz im Sinne von Arendts Diktum: „Der Sinn von Politik ist Freiheit.“ Eine besondere Rolle spielt dabei Arendts theoretisches wie praktisches Engagement gegen Totalitarismus jeder Art.

Die Stifter wollen mit dem Preis nicht allein akademische Leistungen, sondern auch ein Wirken in der Öffentlichkeit auszeichnen. Zum Selbstverständnis heißt es: „Geehrt werden Personen, die das Wagnis Öffentlichkeit angenommen haben und das Neuartige in einer scheinbar sich linear fortschreibenden Welt denkend und handelnd erkennen und mitteilen.“

Kritik

Im Jahr 2007 äußerte das Präsidium der Jüdischen Gemeinde im Lande Bremen Irritation über die Verleihung des Preises an Tony Judt, dem sie antizionistische Propaganda vorwarf, welche die Jury in ihrer Begründung nicht problematisiere. Zudem bemängelte die Gemeinde, dass die Preisverleihung an einem Freitagabend und die anschließende Diskussionsveranstaltung an einem Samstagmorgen stattfänden. Dadurch würden Juden, die den Schabbat begehen wollten, von einer Teilnahme ausgeschlossen.<ref>Elvira Noa, Grigori Pantijelew: Offener Brief, 29. November 2007</ref><ref>Jacques Schuster: Empörung über Arendt-Preis für Tony Judt, Die Welt, 30. November 2007</ref>

Als 2023 der Preis an die Buchautorin und Journalistin Masha Gessen verliehen werden sollte, erklärte der Bremer Senat, dass er die Obere Rathaushalle für eine rein feierliche Preisverleihung nicht zur Verfügung stelle. Gessen hatte in einem Essay im New Yorker wenige Tage vor der geplanten Preisverleihung, zwei Monate nach Beginn des Krieges in Israel und Gaza die Situation im Gazastreifen mit den osteuropäischen jüdischen Ghettos verglichen.<ref>Benno Schirrmeister: Keine Feier für Masha Gessen, taz, 13. Dezember 2023</ref><ref>Dirk Peitz: Masha Gessen: Wir müssen reden. In: Die Zeit. 14. Dezember 2023, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 15. Dezember 2023]). (paywall)</ref> Die Jury erklärte dazu, Gessen habe den Preis für ihre Analyse des Putinschen Russland erhalten. Ihr politisches Denken zu Gaza sei nicht preiswürdig.

Der Vorstand des Vereins schwieg zu der Kontroverse. In der Dankesrede bei der späteren Preisverleihung in kleinem Kreis rechtfertigte Gessen ihren Vergleich und erklärte, sie wolle die Öffentlichkeit aufrütteln und hoffe, dass es nicht zu einer Liquidierung der Gaza-Bevölkerung komme.<ref>Masha Gessen: Hannah-Arendt-Preis: "Über Vergleiche erschließen wir uns die Welt". In: zeit.de. 18. Dezember 2023, abgerufen am 27. Januar 2024.</ref>

Nach einer kritischen Debatte im Hannah-Arendt-Verein trat der Vorstand des Vereins zurück, mehrere Vorstandsmitglieder um die langjährige Vorsitzende Antonia Grunenberg traten aus dem Verein aus. Ein neuer Vorstand wurde gewählt. Die Preisverleihung findet seitdem nicht mehr am Freitagabend statt, um jüdischen Interessenten die Teilnahme zu ermöglichen.

Preisträger

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Organe des Vereins

Vorstand

Mitglieder des Vorstandes:

  • Diana Häs
  • Bastian Hermisson
  • Anke Kujawski (stellv. Vorsitzende)
  • Waltraud Meints-Stender (Vorsitzende)

Jury

Mitglieder der Jury:

  • Filipp Dzyadko, russischer Autor, Unterstützer von Memorial (lebt in Berlin im Exil)
  • Alexander Estis (Schriftsteller, Übersetzer und Journalist, Schweiz)
  • Waltraud Meints-Stender (Professorin für Politik und Bildung, Hochschule Niederrhein)
  • Ronya Othmann, Schriftstellerin und Journalistin (Leipzig)
  • Cristina Sanchez (Professorin für Recht an der Autonomen Universität Madrid, UAM Madrid)
  • Facundo Vega, Philosoph, Universidad Adolfo Ibáñez in Santiago (Chile), ICI Berlin


ehemalige Mitglieder:

Weblinks

Einzelnachweise

<references />