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Walter von Keudell

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Datei:KeudellWaltervon.jpg
Walter von Keudell, 1924
Datei:Bundesarchiv Bild 102-04216A, Walter von Keudell auf der Jagd.jpg
Generalforstmeister von Keudell auf der Wildschweinjagd für die Winterhilfe im Staatsforst Springe bei Hannover am 14. Dezember 1934

Walter von Keudell (* 17. Juli 1884 in Castellammare di Stabia (Italien); † 7. Mai 1973 in Bonn) war ein deutscher Forstmann, Jurist und Politiker (DNVP, CNBLP, NSDAP und CDU).

Leben und Wirken

Walter von Keudell war der Sohn von Robert von Keudell und dessen zweiter Ehefrau Alexandra von Grünhof,<ref>Alexander Freiherr von Dachenhausen: Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1894. 19. Jahrgang, Friedr. Irrgang, Brünn, München Oktober 1894, S. 215 f.</ref> Adelsstand 1860 in Hessen-Homburg, Tochter der Natalie von Grünhof, eigentlich Natalie Eschborn, und des Herzogs Ernst von Württemberg. Er war der ältere Bruder des Otto von Keudells. Seine Kindheit verbrachte Keudell größtenteils auf dem Gut der Großeltern in der Neumark.<ref>Crafft Botho Freiherr von Eberstein (Hrsg.): Gesellschaft von Berlin. Hand- und Adreßbuch für die Gesellschaft von Berlin, Umgebung, Charlottenburg. 3. Jahrgang, I. Band des „Almanach der Guten Gesellschaft Deutschlands“, W. Gronau, Berlin 1893/4, S. 201.</ref><ref>Marcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels. 2. Band, Hrsg. Königliches Herolds-Amt, Hans von Borwitz und Harttenstein, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1893, S. 373.</ref>

Nach einer praktischen land- und forstwirtschaftlichen Grundausbildung und dem Studium der Rechtswissenschaft trat er in den preußischen Staatsdienst ein, war Regierungsassessor und Mitarbeiter<ref>Zentralblatt der Preußischen Hauptlandwirtschaftskammern. 14. Jahrgang, Hrsg. Deutscher Landwirtschaftsrat, Berlin 1915, S. 231.</ref> der Reichsgetreidestelle und wurde 1916 Landrat des Kreises Königsberg Nm. Im Zusammenhang mit dem Kapp-Putsch wurde er 1920 in den Ruhestand versetzt. Bereits 1903 hatte er den väterlichen Gutsbesitz in Hohenlübbichow, Kreis Königsberg, geerbt, Besitzgröße 2526 ha.<ref>Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. (1914). Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfe. Handbuch der Königlichen Behörden. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 254 f.</ref> Das Gut wurde 1914 von einem Administrator geleitet, 1929 von einem Verwalter.<ref>Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. (1929). Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, 4. Auflage, Band Regierungsbezirk Frankfurt a. O. Kreis Königsberg, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Verlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 219.</ref>

Keudell gehörte von 1924 bis 1930 dem Deutschen Reichstag als Abgeordneter an. Im vierten Kabinett Marx amtierte er von Januar 1927 bis Juni 1928 als Reichsminister des Innern. Keudell scheint als Reichsminister seine Reden im Deutschen Reichstag vorgelesen zu haben. Als im Juni 1928 Reichstagspräsident Paul Löbe das Rednerpult abschrauben ließ, um dem Verlesen von Reden Einhalt zu gebieten, erschien im Lübecker Volksfreund eine Karikatur, in der im Vordergrund ein Herr in gehobener Garderobe steht, aus dessen weißem Hemd ein Monokel herunterhängt. Die Bildunterschrift lautet: „von Keudell: Glück im Unglück! Solange ich Ministerreden halten mußte [sic!], stand das Pult noch da.“<ref>Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Lübecker Volksbote Tageszeitung für das arbeitende Volk, 35. Jahrgang, Nr. 139 vom Sonnabend, 16. Juni 1928, (unpaginiert), S. 3. (PDF/Online)</ref>

Im Mai 1928 lehnte das Reichsgericht seinen Antrag ab, den kommunistischen Roten Frontkämpferbund zu verbieten. 1929 verließ Keudell aus Protest gegen den Kurs Alfred Hugenbergs die DNVP und wurde Mitglied im Landvolk.

Ab 1932 begann von Keudell, sich für die NSDAP einzusetzen, in die er zum 1. März 1933 auf Wunsch Hermann Görings auch eintrat (Mitgliedsnummer 1.429.388).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/19970908.</ref> Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er im März 1933 zum Präsidenten des Landkreistages gewählt und am 4. August 1933 zum preußischen Oberlandforstmeister (Chef der preußischen Staatsforstverwaltung) und am 3. Juli 1934 dann zum Generalforstmeister und Staatssekretär im Reichsforstamt in Berlin unter Reichsforstmeister Hermann Göring ernannt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hohenlübbichow 2008 –. Naturgemäße Waldwirtschaft zwischen Verklärung und Realität. (Memento vom 27. Januar 2016 im Internet Archive) Publikation der Brandenburgischen Landesforsten</ref> Seit dem 14. August 1933 war von Keudell zudem Führer (ab 1935 „Leiter“ genannt) des Deutschen Forstvereins. Zum 1. November 1937 trat er von seinem Amt als Generalforstmeister zurück. Dem Rücktritt vorausgegangen war ein Streit um den verpflichtenden Holzeinschlag in Privatforsten, bei dem Keudell sich den Forderungen Görings widersetzte.<ref>Meldung der Neuen Freien Presse vom 3. November 1937</ref> Zu seinem Nachfolger wurde der forstlich nicht qualifizierte Friedrich Alpers bestimmt, der ihm 1938 auch als Vereinsleiter des Forstvereins nachfolgte. Keudell erhielt danach eine Stellung als Generalsachverständiger für den Waldbau beim Reichsforstmeister ohne Einfluss und war ab 1937 Mitglied des Reichsverkehrsrats.<ref>Biographie laut Bundesarchiv</ref> Von 1941 bis 1943 amtierte er nochmals als Landrat des Kreises Königsberg/Nm.<ref>Johannes Weck: Walter von Keudell 75 Jahre. In: Forstarchiv. 30. Jahrgang, Heft 7/1959, Schaper, Hannover 1959, S. 135.</ref>

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1948 Mitglied der CDU und betätigte sich im Bereich der Vertriebenenpolitik. 1950 unterschrieb er die Charta der deutschen Heimatvertriebenen als Sprecher der Landsmannschaft Berlin-Mark Brandenburg. Zudem wurde er der Vorsitzende der Vereinigten Landsmannschaften der Sowjetzone (VLS).<ref name="Oeckl1957">Albert Oeckl: Taschenbuch des Öffentlichen Lebens 1957. Festland Verlag GmbH, Bonn 1957, S. 315.</ref><ref name="Prehn2013">Ulrich Prehn: Max Hildebert Boehm. Radikales Ordnungsdenken vom Ersten Weltkrieg bis in die Bundesrepublik, In: Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte; Band 51, Wallstein, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8353-2472-5, S. 479. Titel-Vorgabe.</ref> Im Jahr 1958 wurde er zum Vorsitzenden der Abendländischen Akademie gewählt. Keudell gehörte dem 1959 von Rainer Barzel und anderen CDU/CSU-Politikern gegründeten antikommunistischen Komitee Rettet die Freiheit<ref>Komitée "Rettet die Freiheit".- Vorbereitung, Gründung, Geschäftsführung.- Schriftwechsel, Materialien., Bundesarchiv, BArch N 1371/431. In: Deutsche Digitale Bibliothek.</ref> an, dessen Präsidentschaft und Vereinsvorsitz er nach dem Ausscheiden Barzels 1960 übernahm.<ref>Freiheit mit Fernglas. In: Der Spiegel. 28/1960. (abgerufen am 9. Mai 2014)</ref>

Familie

Keudell heiratete 1912 in Dresden-Blasewitz Johanna von Kyaw (* 5. Januar 1890 in Dresden; † 17. Februar 1946 in Vresdorf bei Bardowick). Sie war die Tochter der Esther von Carlowitz und des Juristen Curt von Kyaw. Johanna und Walter von Keudell hatten vier Kinder, der älteste Sohn Leopold von Keudell fiel als Leutnant 1941 in der Sowjetunion. Auch starb im Krieg der erste Mann der Tochter Irmgard von Keudell, Oberleutnant Horst von Wallenberg. Der Diplomat Wilhelm von Keudell war sein Neffe. Die Tradition im Forstwesen setzte der Neffe Walter von Keudell fort und wurde Forst-Oberrat.

Ehrungen

Literatur

  • Andreas Gautschi: Walter von Keudell. Das bewegte Leben des Reichsministers und Generalforstmeisters durch vier deutsche Epochen. C. A. Starke Verlag, Limburg/Lahn 2017, ISBN 978-3-7980-0587-7.
  • Albrecht Milnik: Walter von Keudell. In Albrecht Milnik u. a. (Hrsg.): Im Dienst am Wald: Lebenswege und Leistungen brandenburgischer Forstleute. Brandenburgische Lebensbilder. Verlag Kessel, Remagen-Oberwinter 2006, ISBN 3-935638-79-5, S. 297–301.
  • Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser / B (Briefadel / nach 1400 nobilitiert) 1981, Band XIV, Band 78 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Ausschuss für adelsrechtliche Fragen der deutschen Adelsverbände in Gemeinschaft mit dem Deutschen Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg/Lahn 1981, ISSN 0435-2408, S. 322–323.
  • Johannes Weck: Walter von Keudell 75 Jahre. In: Forstarchiv. 30. Jahrgang, Heft 7/1959, Schaper, Hannover 1959, S. 135.
  • Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist`s?. Eine Sammlung von rund 18000 Biographien. X. Ausgabe 1935, Verlag Hermann Degener, Berlin 1935, S. 805.

Weitere Literatur

  • Andreas Gautschi: Der Reichsjägermeister. Fakten und Legenden um Hermann Göring. 3. Auflage, Nimrod, Hanstedt 2000, ISBN 3-927848-20-4. (Enthält viele biografische Details über von Keudell).
  • Walter von Keudell: Führer zur Revierfahrt am 17. Juni 1920 in Hohenlübbichow. Erg. u. weiterbearb. f. verschied. Sommer-Exkursionen d. J. 1921, Hrsg. Märkischer Forstverein, J. Neumann, Neudamm 1921.

Weblinks

Commons: Walter von Keudell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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VorgängerAmtNachfolger
Günther Reichsgraf Finck von FinckensteinDeichhauptmann des Oderbruchs
1918–1923
Peter Fritz Mengel

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