Hans Tuppy
Hans Tuppy (* 22. Juli 1924 in Wien; † 24. April 2024 ebendort<ref>Medizinischen Universität Wien: MedUni Wien trauert um Hans Tuppy | MedUni Wien. Abgerufen am 9. Mai 2024.</ref><ref>FWF trauert um seinen ehemaligen Präsidenten Hans Tuppy APA-OTS vom 8. Mai 2024, abgerufen am 8. Mai 2024</ref>) war ein österreichischer Biochemiker und Politiker. In der Bundesregierung Vranitzky II war er für die ÖVP Bundesminister für Wissenschaft und Forschung.
Leben
Herkunft
Hans Tuppy war ein Sohn des späteren österreichischen Staatsanwaltes Karl Tuppy. Sein Vater hatte 1934 die Anklage gegen die nationalsozialistischen Mörder des Reichskanzlers Dollfuß vertreten. Die beiden Haupttäter, Otto Planetta und Franz Holzweber, wurden hingerichtet. 1939 kam sein Vater, nach seiner Verhaftung Mitte März 1938, ins KZ Sachsenhausen und wurde dort so stark misshandelt, dass er Mitte November 1939 starb. Haupttäter war der spätere SS-Unterscharführer Roland Puhr.
Werdegang
Hans Tuppy engagierte sich schon während seines Chemiestudiums im wissenschaftspolitischen Bereich und war Mitbegründer der Katholischen Hochschulgemeinde und der „Freien österreichischen Studentenschaft“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. ORF/APA, 10. März 2006.</ref>
Tuppy promovierte 1948 an der Universität Wien mit dem Thema Synthese des Cuskhygrins. Versuche zu einer Synthese des Dictamnins zum Dr. phil.<ref>Dissertation: Synthese des Cuskhygrins. Versuche zu einer Synthese des Dictamnins, Wien, Univ., 1948 – Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund</ref> 1956 folgte seine Habilitation.<ref>Beiträge zur Konstitutionsermittlung biologisch aktiver Polypeptide und Proteine, Wien, Habil.-Schrift, 1956 – Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund</ref>
Ab 1958 war er außerordentlicher Professor für Biochemie an der Universität Wien und ab 1963 Ordinarius am neu eingerichteten Institut für Biochemie an der medizinischen Fakultät der Universität. Für zwei Jahre war er ab 1970 Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Als Rektor der Universität Wien war er von 1983 bis 1985 eingesetzte und zeitgleich Vorsitzender der Österreichischen Rektorenkonferenz.
Von 1974 bis 1982 war er zusätzlich Präsident des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF). Er war von 1985 bis 1987 gewählter Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
In der Bundesregierung Vranitzky II war er mit der Einrichtung Ende Januar 1987 österreichischer Bundesminister für Wissenschaft und Forschung und blieb dies bis April 1989. Erhard Busek übernahm das Bundesministerium. Tuppy kehrte an die Universität zurück. 1994 wurde er emeritiert.
Von 2003 bis 2008 war er Vorsitzender des Universitätsrates der Universität für Bodenkultur Wien.<ref>Hans Tuppy. In: kurienwissenschaftundkunst.at. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. März 2016; abgerufen am 19. Februar 2017.</ref>
Stationen, Preise und Auszeichnungen
Hans Tuppy wurden in seiner langjährigen Tätigkeit diverse Ehrendoktorate, 1975 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst<ref>Handakten der ÖAW (PDF; 27 kB)</ref>, 1978 die Wilhelm-Exner-Medaille sowie 2002 der Ludwig-Wittgenstein-Preis der Österreichischen Forschungsgemeinschaft<ref name="wittgenstein"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hans Tuppy. ( vom 1. Oktober 2013 im Internet Archive) ÖFG, 2002, abgerufen am 17. Februar 2012.</ref> verliehen. Er wurde auch in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften<ref>Ulrich Nersinger: Geschichte und Ziele der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. In: zenit.org. 12. Oktober 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Februar 2017; abgerufen am 19. Februar 2017.</ref> berufen. 2011 erhielt er das Goldene Komturkreuz des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich.<ref>Universitäts- und Forschungszentrum Tulln eröffnet. Artikel vom 29. September 2011, abgerufen am 16. August 2017.</ref> 2014 erhielt Tuppy den Großen Preis des Kardinal-Innitzer-Preises sowie das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich.<ref>derStandard.at – Republik ehrt Hans Tuppy mit Ehrenzeichen zum 90. Geburtstag. Artikel vom 23. September 2014, abgerufen am 2. Juni 2015.</ref> Er war Ehrendoktor, Ehrenringträger und Ehrensenator der Universität für Bodenkultur Wien.<ref>Ehrenkategorien der Universität für Bodenkultur Wien auf boku.ac.at, abgerufen am 28. Juli 2024.</ref>
Als junger Forscher arbeitete Hans Tuppy in Cambridge mit Frederick Sanger an der Sequenzaufklärung des Insulins.<ref>Hans Tuppy: Aminosäure-Sequenzen in Proteinen. In: Naturwissenschaften. Band 46, Nr. 2, 1959, S. 35–43, doi:10.1007/BF00599080.</ref> Frederick Sanger erhielt 1958 für diese Arbeit den Nobelpreis, seither gilt Tuppy als „Fast-Nobelpreisträger“.
Nach Cambridge ging Tuppy an das Karlsberg-Laboratorium in Kopenhagen, Dänemark, und kehrte erst 1951 wieder nach Wien zurück, wo er Assistent am II. Chemischen Institut der Universität Wien wurde. Tuppy spezialisierte sich nie auf nur ein Thema, sondern versuchte immer, möglichst breit in seinen Interessen zu bleiben. Beispiele sind Arbeiten an Nukleinsäuren, Kohlenhydraten oder Viren. Mit Helmut Schenkel-Brunner arbeitete er etwa an der enzymatischen Umwandlung von Blutgruppensubstanzen des AB0-Systems. Mit Peter Meindl gelang ihm die Entdeckung einer Gruppe von Neuraminsäurederivaten mit antiviraler Wirksamkeit.
Nicht nur wissenschaftlich sehr erfolgreich engagierte sich Tuppy auch wissenschaftspolitisch. Er arbeitete an der Formulierung des Forschungsförderungsgesetzes mit,<ref>R. Fialka: Die finanzielle Entwicklung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung seit der Gründung 1967. Wien, 2007 (Diplomarbeit, PDF; 906 kB).</ref> führte während seiner Präsidentschaft beim Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung das Peer-Review-Verfahren ein und setzte während seiner politischen Funktion als Bundesminister für Wissenschaft und Forschung einige Neuerungen um.
Tuppy war ab 1965 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina<ref name="wittgenstein"/> und ab 1967 wirkliches Mitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.<ref>Mitgliederverzeichnis: Hans Tuppy. ÖAW, abgerufen am 2. Mai 2024.</ref> 1989 wurde er als ordentliches Mitglied in die Academia Europaea aufgenommen.<ref>Mitgliederverzeichnis: Hans Tuppy. Academia Europaea, abgerufen am 3. August 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
2022 war er Vorsitzender der Findungskommission für die Präsidentschaft der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.<ref>science ORF at/Agenturen red: Drei Kandidaten für Zeilinger-Nachfolge. 31. Januar 2022, abgerufen am 18. März 2022.</ref> Er wurde am Grinzinger Friedhof bestattet.<ref name="Verstorbenensuche">Vorlage:Verstorbenensuche Wien</ref>
Weblinks
- Literatur von und über Hans Tuppy im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Ausstellung über das Leben von Hans Tuppy
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gehrer gratuliert Tuppy zum 80. Geburtstag ( vom 27. Juni 2006 im Internet Archive)
- Eintrag zu Hans Tuppy im Austria-Forum (im AEIOU-Österreich-Lexikon)
- Eintrag über Hans Tuppy in der Datenbank der Wilhelm-Exner-Medaillen-Stiftung.
- Aufnahmen mit Hans Tuppy im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek (Interviews, Radiobeiträge)
- Hans Tuppy auf der Website des österreichischen Parlaments
- Hans Tuppy im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- Hans Tuppy im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
- Informationen zu und akademischer Stammbaum von Hans Tuppy bei academictree.org
Einzelnachweise
<references />
<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />
Franz Vranitzky | Alois Mock / Josef Riegler
Karl Blecha | Erhard Busek | Alfred Dallinger | Johannes Ditz | Johanna Dohnal | Harald Ettl | Franz Fischler | Marilies Flemming | Egmont Foregger | Walter Geppert | Robert Graf | Hilde Hawlicek | Ferdinand Lacina | Robert Lichal | Franz Löschnak | Heinrich Neisser | Wolfgang Schüssel | Rudolf Streicher | Günter Stummvoll | Hans Tuppy
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang
Unterrichtsminister – Erste Republik: Pacher | Renner | Eldersch | Breisky | Glanz | Breisky | Waber | Breisky | Schneider | Resch | Rintelen | Schmitz | Czermak | Schober | Srbik | Czermak | Rintelen | Schuschnigg | Pernter | Menghin
Unterrichtsminister – Zweite Republik: Fischer | Hurdes | Kolb | Drimmel | Piffl-Perčević | Mock | Gratz | Sinowatz | Zilk | Moritz | Hawlicek | Scholten | Busek | Gehrer | Schmied | Heinisch-Hosek | Hammerschmid | Faßmann | Rauskala
Wissenschaftsminister (1970–2000): Firnberg | Fischer | Tuppy | Busek | Scholten | Einem
Bildungsminister (2000–2007): Gehrer
Wissenschaftsminister (2007–2018): Hahn | Karl | Töchterle | Mitterlehner | Mahrer | Schramböck
Bildungsminister (seit 2018): Faßmann | Rauskala | Faßmann | Polaschek | Wiederkehr
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Navigationsleiste Präsidenten der Österreichischen Universitätenkonferenz
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tuppy, Hans |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Politiker und Biochemiker |
| GEBURTSDATUM | 22. Juli 1924 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 24. April 2024 |
| STERBEORT | Wien |
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:österreichbezogen
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Webarchiv
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Biochemiker
- Hochschullehrer (Universität Wien)
- Rektor (Universität Wien)
- Wissenschaftsminister (Österreich)
- Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Träger des österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst
- Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich
- Träger des Goldenen Komturkreuzes des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich
- Ludwig-Wittgenstein-Preisträger
- Erwin-Schrödinger-Preisträger
- Träger der Wilhelm-Exner-Medaille
- Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften
- Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert)
- Mitglied der Academia Europaea
- Ehrendoktor der Universität für Bodenkultur Wien
- Ehrensenator der Universität für Bodenkultur Wien
- Ehrenringträger der Universität für Bodenkultur Wien
- Kardinal-Innitzer-Preisträger
- ÖVP-Mitglied
- Österreicher
- Geboren 1924
- Gestorben 2024
- Mann