Michael Schmidt-Salomon
Michael Schmidt-Salomon (* 14. September 1967 in Trier als Michael Schmidt) ist ein deutscher Philosoph, Autor sowie Mitbegründer und Vorstandssprecher der evolutionär-humanistischen Giordano-Bruno-Stiftung (gbs).<ref>Vorstand der Giordano Bruno Stiftung. Giordano Bruno Stiftung, abgerufen am 8. November 2022.</ref>
Leben und Werdegang
Michael Schmidt-Salomon entstammt einer „liberal-katholischen“ Familie.<ref>So in diesem Interview und dieser Autorenbiografie (PDF; 0,2 MB) Es ist unklar, ob damit eine Mitgliedschaft in der liberal-katholischen Kirche gemeint ist, oder nur ein katholischer Hintergrund mit geringem Rigorismus. In einem späteren Interview spricht er von liberalem Katholizismus, vgl. Michael Schmidt-Salomon: „Die Stärke unserer offenen Gesellschaft ist die Bildung“. Interview vom 22. Dezember 2016 auf Galore. Online.</ref> Seine Eltern, Horst und Doris Schmidt, betrieben einen Obst- und Gemüsegroßhandel. Er studierte Erziehungswissenschaften an der Universität Trier, erwarb dort 1992 sein Diplom in Pädagogik und promovierte im selben Fach 1997 zum Dr. phil. mit dem Dissertationsthema Erkenntnis aus Engagement. Grundlegungen zu einer Theorie der Neomoderne mit der Bewertung summa cum laude.<ref>Referent Michael Schmidt-Salomon, Verein Philosophicum Lech. Archivversion vom 3. März 2016 in der waybackmachine, und Autorenbiografie. (PDF; 0,2 MB) Promo-Website zu Leibniz war kein Butterkeks.</ref>
1998 erhielt er den Ethik-Preis des Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts. Von 1992 bis 2001 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der Universität Trier. Ab 2002 arbeitete er als Dozent, u. a. am Institut d’Études Éducatives et Sociales (IEES) in Luxemburg. Er war von 1999 bis 2007 Redakteur der Zeitschrift Materialien und Informationen zur Zeit.<ref>Michael Schmidt-Salomon. Der Religionskritiker. In: Tagesspiegel, 30. März 2008</ref> 2004 wurde er für seine Arbeit und für den Roman Stollbergs Inferno von 2003 mit dem Ernst-Topitsch-Preis der Kellmann-Stiftung ausgezeichnet.<ref>Ernst-Topitsch-Preis – Preisträger 2004: Dr. Michael Schmidt-Salomon. In: Kellmann-Stiftung. 6. April 2006, abgerufen am 26. September 2012.</ref> 2019 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität in Liberec.<ref>hpd: Ehrendoktor für Michael Schmidt-Salomon, vom 5. November 2019</ref>
Er war zunächst mit der Diplom-Pädagogin Natascha Salomon verheiratet, mit der er eine Tochter hat (* 1990).<ref>Biografie Lea Salomon. (PDF; 0,2 MB) Michael Schmidt-Salomons und Lea Salomons Seite zur Buchveröffentlichung Leibnitz war kein Butterkeks.</ref><ref>Michael Schmidt-Salomons: Die zarteste Verblödung, seit es Esoterik gibt. New cAge – Esoterik 2.0, Mai 2017.</ref> Mit seiner zweiten Frau, der Diplom-Psychologin Elke Held, bildete er von 2001 bis 2005 das Text- & PR-Büro Held & Salomon, das 2001 für das Projekt Porta-L den Multimediapreis des Landes Rheinland-Pfalz erhielt. Auch aus dieser Ehe ging ein Kind hervor, ein Sohn (* 2001).<ref>Biografie Michael Schmidt-Salomon. (PDF; 0,2 MB) Michael Schmidt-Salomons und Lea Salomons Seite zur Buchveröffentlichung Leibnitz war kein Butterkeks.</ref>
Wirken
Gesellschaftliches Engagement
Im Jahr 2004 gründete Michael Schmidt-Salomon mit Herbert Steffen die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs). Er war bis 2006 geschäftsführendes Vorstandsmitglied und ist seit 2006 Vorstandssprecher der Stiftung. Mit der gbs koordiniert er jährlich etwa 150 Veranstaltungen,<ref>Termine. Abgerufen am 17. April 2020.</ref> außerdem Konferenzen und Kampagnen mit teilweise hoher gesellschaftlicher und medialer Resonanz – angefangen von der Veranstaltungsreihe Religionsfreie Zone: Heidenspaß statt Höllenqual! anlässlich des katholischen Weltjugendtags 2005 in Köln.<ref>Weltjugendtag – Die Ketzer von Köln. In: Stern, 20. August 2005</ref><ref>Daniel Wüstenberg: „Staat diskriminiert die Haltung von Millionen Menschen“ – Stiftung will weniger Macht der Kirchen. In: stern.de. Abgerufen am 13. November 2021.</ref>
Im Jahr 2005 veröffentlichte er das Manifest des evolutionären Humanismus, dessen Thesen er regelmäßig in die Öffentlichkeit einbringt.<ref>Michael Schmidt-Salomon im Gespräch mit Susanne Fritz: Evolutionärer Humanismus als Glaubensform – „Ich glaube an den Menschen“. Deutschlandfunk, abgerufen am 17. April 2020.</ref><ref>Michael Schmidt-Salomon: Bioethik im Evolutionären Humanismus. Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 17. April 2020.</ref> Das Manifest erfuhr mit einer verkauften Auflage von 50.000 Exemplaren eine weite Verbreitung im deutschsprachigen Raum.<ref>Buchhinweis: Manifest des evolutionären Humanismus. Abgerufen am 17. April 2020.</ref> Insgesamt wurden seine Bücher nach eigenen Angaben über 300.000 Mal verkauft, zudem erschienen Übersetzungen u. a. in Polen, China, Südkorea, Italien und Schweden.<ref>M.S.Salomon: Zur Person. Abgerufen am 17. April 2020.</ref>
Er ist Gründungsmitglied der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid), des Humanistischen Pressedienstes (hpd), des Instituts für Weltanschauungsrecht (ifw) und des Hans-Albert-Instituts (HAI). Zudem koordinierte er u. a. 2007 die islamkritische Kampagne „Wir haben abgeschworen!“ und wirkte bei der Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime und der Gründung der Säkularen Flüchtlingshilfe mit.
Laut Global Thought Leader Index zählt Schmidt-Salomon zu den einflussreichsten Ideengebern im deutschsprachigen Raum.<ref>Rangliste Deutsch 2016. In: Global Influence. Abgerufen am 17. April 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Er gilt als Deutschlands bekanntester Religionskritiker.<ref>Achim Bogdahn: Michael Schmidt-Salomon, Philosoph. BR Eins zu Eins. Der Talk. In: ardaudiothek.de. 4. März 2021, abgerufen am 13. November 2021.</ref>
Kinderbuchautor
Im Jahr 2008 veröffentlichte Schmidt-Salomon mit dem Illustrator Helge Nyncke das religionskritische Kinderbuch Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel. Im Dezember 2007 beantragte das Bundesfamilienministerium, dieses Buch auf die Liste der jugendgefährdenden Schriften zu setzen, was die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien jedoch ablehnte.<ref>Religionskritisches Kinderbuch soll Jugend gefährden. In: Die Presse, 29. Januar 2007</ref><ref>Religionskritisches Kinderbuch darf weiter erscheinen. In: Tagesspiegel, 6. März 2008</ref> Nachdem der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller in einer Predigt Schmidt-Salomon wegen des Buches u. a. als „geistigen Amokläufer“ bezeichnet hatte, verklagte dieser den Bischof.<ref>Paul Tiedemann: Religionsfreiheit - Menschenrecht oder Toleranzgebot? Springer (2012), S. 39.</ref> Die Klage wurde in erster Instanz aus formalen Gründen abgewiesen. Im Berufungsverfahren stellte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof fest, dass die Behauptungen des Bischofs im Widerspruch zu Schmidt-Salomons Veröffentlichungen standen und geeignet waren, dessen Ansehen in der Öffentlichkeit zu schaden. Der Bischof habe seine „Pflicht zur Sorgfalt, Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit“ nicht erfüllt. Das Gericht verurteilte die Diözese Regensburg zur Erstattung der vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten an Schmidt-Salomon.<ref>Predigt muss korrekt zitieren. In: sueddeutsche.de. 4. März 2011, abgerufen am 5. März 2011.</ref><ref>Fiona Lorenz: Auch Bischöfe müssen bei der Wahrheit bleiben. In: hpd.de. 4. März 2011, abgerufen am 5. März 2011.</ref> Dieses Urteil wurde vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt.<ref>Grenzen der Verkündigung. In: Süddeutsche Zeitung, 24. August 2011</ref>
Eine weitere Zusammenarbeit mit Nyncke ist das 2008 erschienene Kinderbuch Die Geschichte vom frechen Hund. Warum es klug ist, freundlich zu sein, das den Anspruch hat, Kindern eine naturalistisch begründete Ethik zu vermitteln.<ref>Nyncke / Schmidt-Salomon, Die Geschichte vom frechen Hund. Alibri Verlag Forum für Utopie und Skepsis, abgerufen am 17. April 2020.</ref>
Zum 200. Geburtstag Charles Darwins erschien 2009 das Buch Susi Neunmalklug erklärt die Evolution.<ref>Mirjam Zimmermann: Von Religionskritischen „Buskampagnen“, „Heiliger Scheiße“ und Besserwissern wie „Susi Neunmalklug“. Didaktische Anregungen zur Auseinandersetzung mit medialer Religionskritik. In: Theo-Web. Zeitschrift für Religionspädagogik, 2013, 12, Heft 1, S. 170</ref>
2015 veröffentlichte er Big Family – Die phantastische Reise in die Vergangenheit gemeinsam mit der Illustratorin Anne-Barbara Kindle<ref>Big Family – Die phantastische Reise in die Vergangenheit (Buch). Abgerufen am 17. April 2020.</ref>. Darin geht es um die Darstellung der Geschichte der Evolution als Familiengeschichte, bei der die Leser über ihre Mutter, Großmutter und Urgroßmutter zu ihren Vorfahren bis zu dem Ursprung allen Lebens auf der Erde zurückreisen. Aus dem Buch entstand ein Kurzfilm<ref>Big Family - Die phantastische Reise in die Vergangenheit (Video). Abgerufen am 17. April 2020.</ref>, der u. a. zusammen mit dem Buch in den Evokids-Lehrmaterialien<ref>EvoKids-Lehrmaterialien. Abgerufen am 17. April 2020.</ref> für Grundschulen verwendet wird.<ref>Markus C. Schulte von Drach: Biologie an Grundschulen – Evolution der Papierflieger. Süddeutsche Zeitung, 9. November 2015, abgerufen am 17. April 2020.</ref>
Musiker
Schmidt-Salomon komponierte und textete Anfang der 1990er Jahre das Musical Das Maria-Syndrom als Hommage an den US-amerikanischen Komponisten Frank Zappa. Das Stück wurde 1994 unter Bezugnahme auf § 166 StGB (Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen) verboten.<ref>Christian Schicha, Carsten Brosda (Hrsg.): Handbuch Medienethik. Springer VS (2010), S. 410–411. ISBN 978-3-531-92248-5</ref>
Im Darwin-Jahr 2009 komponierte und textete er Children of Evolution für das gleichnamige Musikvideo von Ricarda Hinz. In der Rolle des rockenden Darwin ist der Schauspieler Walter Gontermann zu sehen. Die gbs verwendete das Video bei der Kampagne „Evolutionstag statt Christi Himmelfahrt“.<ref>Children of Evolution (Video). Abgerufen am 17. April 2020.</ref>
Positionen
Weltanschauliche Positionen
Schmidt-Salomon vertritt einen „evolutionären Humanismus“, den er im Manifest des evolutionären Humanismus beschreibt. Programmziel ist eine säkulare Weltanschauung auf naturwissenschaftlicher Basis, die die Religion in sozialen und persönlich-spirituellen Belangen ersetzen soll. Schmidt-Salomon betont jedoch, dass der evolutionäre Humanismus nicht von unerschütterlichen Dogmen ausgeht, sondern von Hypothesen, die ständiger Revision durch die Wissenschaft unterliegen. Er richtet sich gegen die Idee ewiger Wahrheiten, heiliger Schriften oder unfehlbarer Propheten.<ref>Kai Kupferschmidt: Eine Ethik für nackte Affen. In: Der Tagesspiegel. 30. April 2008, abgerufen am 17. Oktober 2014.</ref><ref>Michèle Binswanger: Unmündigkeit wird sozial erworben. In: Tages-Anzeiger. 31. Januar 2012, abgerufen am 17. Oktober 2014.</ref>
Schmidt-Salomon nimmt Anleihen bei Positionen Peter Singers. Wie dieser kritisiert er Speziesismus, plädiert für Grundrechte für Menschenaffen und die Förderung von effektivem Altruismus.<ref>Grundgesetz für Gorillas? Zeit online, 31. Juli 2012</ref> 2015 sagte er jedoch eine Beteiligung als Laudator am Festakt zur Verleihung eines Tierschutzpreises an Singer ab. Bereits im Vorfeld hatte es Proteste von Behinderten-Organisationen gegeben. Anlass war ein Interview Singers in der Neuen Zürcher Zeitung, in dem dieser seine angegriffenen Positionen klarstellte und bekräftigte.<ref>„Peter Singer hat in diesem Interview Positionen vertreten, die meines Erachtens nicht nur im Widerspruch zu einem humanistisch-emanzipatorischen Politikverständnis, sondern auch im Widerspruch zu seinen früheren Standpunkten stehen.“ Von Menschen und anderen Tieren. Zeit online Blog, 26. Mai 2015</ref><ref>Laudator von Philosoph Peter Singer sagt ab. Welt online, 26. Mai 2015</ref><ref>Philosophiefestival lädt Bioethiker Singer aus. In: Süddeutsche Zeitung, 28. Mai 2015</ref><ref>Interview: Nina Streeck: Ethik: «Ein Embryo hat kein Recht auf Leben». In: NZZ. Abgerufen am 10. Februar 2017.</ref> Die Idee der absoluten Willensfreiheit und die Kategorien von „Gut“ und „Böse“ lehnt Schmidt-Salomon aus evolutionsbiologischen sowie ethischen Erwägungen ab und bezieht sich dabei auf Friedrich Nietzsche. Von einer Aufgabe dieser Denkweisen verspricht er sich eine Stärkung des ethischen Bewusstseins und zugleich eine „entspanntere […] Weltsicht“, nicht im Sinne eines „Paradies[es] auf Erden“ ohne Konflikte, aber einer vernünftigeren, gelasseneren und humorvollen Grundhaltung.<ref>Jenseits von Gut und Böse. 2009, S. 9–22</ref><ref>Rolf Dietrich Herzberg: Willensunfreiheit und Schuldvorwurf. Mohr Siebeck Verlag, 2010, S. 41.</ref>
Regelmäßig bezieht Schmidt-Salomon auch Position in aktuellen Debatten. In der Beschneidungsdebatte fordert er das Verbot von Beschneidungen an Minderjährigen zu nichtmedizinischen Zwecken, zudem vertritt er das Recht auf Sterbehilfe.<ref>Aktive Sterbehilfe bleibt verboten. SWR, 6. November 2015</ref><ref>Braucht die Beschneidungs-Debatte ein Update? In: FAZ, 23. August 2012</ref> Gemeinsam mit Uwe-Christian Arnold verfasste Schmidt-Salomon das Werk Letzte Hilfe, in dem er sich für das Recht auf Sterbehilfe einsetzt. Die Idee einer multikulturellen Gesellschaft, in der verschiedene Kulturen nebeneinander existieren, sieht er als gescheitert an und bietet stattdessen eine transkulturelle Gesellschaft als Alternative.<ref>Hoffnung Mensch. 2014, S. 294–303</ref> Durch Kontakt mit Michael Braungart ist er überzeugter Verfechter des Cradle-to-Cradle-Prinzips geworden.<ref>Monika Griefahn, Edda Rydzy: Der Grundwiderspruch der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Cradle to Cradle als möglicher Lösungsweg. Ansatzpunkte und strategische Potentiale von Kulturpolitik. Berlin (2012). S. 369–370</ref>
Laut Schmidt-Salomon ist die offene Gesellschaft, die sich an den Prinzipien der Freiheit, Gleichheit, Individualität und Säkularität orientiert, durch Islamismus und Rechtspopulismus bedroht. So unterschiedlich deren Ziele auch seien, sei beiden Bewegungen gemeinsam, dass sie individuelle Freiheitsrechte dogmatisch beschränken wollen. In der Auseinandersetzung mit diesen plädiert er für eine rationale Streitkultur und eine Bekämpfung sozialer Ungleichheiten.<ref>Markus C. Schulte von Drach: Solange Rechtspopulisten oder Islamisten keine Gesetze verletzen, müssen sie toleriert werden". Interview mit Michael Schmidt-Salomon. Süddeutsche Zeitung, 29. November 2016.</ref> In seinem Buch Die Grenzen der Toleranz (2016) befasste er sich mit Prinzipien und Grenzen einer offenen Gesellschaft<ref>„Wir leben im Zeitalter des Empörialismus. Wer auf die Gefahren des politischen Islam hinweist, wird im Handumdrehen als Rassist abgestempelt, wer aufzeigt, dass nicht alle Muslime vom Dschihad träumen, als unverbesserlicher Gutmensch vorgeführt“. Michael Schmidt-Salomon, Philosoph: Setzt sich mit der offenen Gesellschaft auseinander. SWR, 19. September 2018.</ref><ref>Nina Saam: Michael Schmidt-Salomon im Club Voltaire, Baden Online, 10. April 2018.</ref> und kritisierte die Haltung des sogenannten „Empörialismus“, bei dem es nur darum gehe, moralisch „auf der richtigen Seite“ zu stehen und aufrichtig empört zu sein.<ref>Florian Chefai: Gespräch mit Michael Schmidt-Salomon über die „Philosophie der Gelassenheit“: Was im Leben wirklich zählt. Humanistischer Pressedienst, 13. März 2019.</ref><ref>Armin Pfahl-Traughber: Rezension: "Die Grenzen der Toleranz" – der neue Michael Schmidt-Salomon. Humanistischer Pressedienst, 17. Oktober 2016.</ref>
Debatte mit Joachim Kahl
Mit Joachim Kahl, den er 1998 bei einer Veranstaltung am Bodensee kennenlernte, führte Schmidt-Salomon 2006 eine Auseinandersetzung in mehreren Veröffentlichungen, in der es um die Unterschiede zwischen Kahls „weltlichem“ und Schmidt-Salomons „evolutionärem“ Humanismus geht bzw. um die Frage, welcher Variante ein moderner Humanismus folgen sollte.<ref>Der Humanismus mit der Bügelfalte – Kritische Überlegungen zu Joachim Kahls Buch „Weltlicher Humanismus“. (PDF; 0,1 MB) Redebeitrag zum Streitgespräch „Humanismus zwischen Lebenskunst und Kirchenkritik“, 27. Juni 2006, abgerufen am 29. November 2016</ref>
In seiner Kritik zu Schmidt-Salomons Manifest des evolutionären Humanismus warf Joachim Kahl 2005 dem Autor unterbewusste „kryptoreligiöse, ja Allmachtsphantasien“ vor und kritisierte dessen Zehn Angebote des evolutionären Humanismus als „Türöffner der Beliebigkeit“.<ref>Joachim Kahl: Fehlstart. (PDF) Zur Kritik an Michael Schmidt-Salomons „Manifest des evolutionären Humanismus. Plädoyer für eine aufgeklärte Gegenwartskultur. (2005)“. 27. Juni 2006, S. 3, abgerufen am 22. Juli 2014.</ref> Seinerseits kritisierte Schmidt-Salomon Kahls Werk Weltlicher Humanismus, das er als eine „humanistische Besinnungsfibel“ abtat. An einer Veranstaltung der Humanistischen Akademie Bayern warf er Kahl vor, ein zu „konservatives“ Weltbild für einen „zeitgemäßen Humanismus“ zu besitzen, und ergänzte: „Der Begriff ‚Mainstream-Philosophie‘ scheint mir die Philosophie Joachim Kahls über weite Strecken recht gut zu beschreiben. Kahls Philosophie ist eine ‚Philosophie des Ausgleichs‘, […] [er] versucht zu vermitteln zwischen fortschrittlichem und konservativem Denken. […] Kahls Extremismus ist der Extremismus der Mitte.“<ref>Michael Schmidt-Salomon: Der Humanismus mit der Bügelfalte – Kritische Überlegungen zu Joachim Kahls Buch „Weltlicher Humanismus“. (PDF) Redebeitrag zum Streitgespräch „Humanismus zwischen Lebenskunst und Kirchenkritik“ (Fürth, 27. Juni 2006, Veranstalter: Humanistische Akademie Bayern). 27. Juni 2006, S. 1 ff., abgerufen am 22. Juli 2014.</ref><ref>Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen: Was Humanismus heute alles heißen kann. Materialdienst 3/2008. Autor: Reinhard Hempelmann.</ref>
Kahl antwortete in seiner Rezension von Schmidt-Salomons Hoffnung Mensch. Er bemängelte, Schmidt-Salomon habe sich noch nicht von seiner „religiösen Nabelschnur“ gelöst und erhebe einen „religiösen Anspruch“.<ref>Joachim Kahl: Zwischen Reduktionismus und Heilshoffnungen. Michael Schmidt-Salomon unterwegs zu einer neuen Religion?! Sein gerade erscheinendes Buch „Hoffnung Mensch. Eine bessere Welt ist möglich“ mündet in ein „alternatives Glaubensbekenntnis“, das in der bombastischen Verheißung gipfelt: „Ich glaube an den Menschen / Der die Hoffnung der Erde ist / Nicht in alle Ewigkeit / Doch für Jahrmillionen.“ In: diesseits.de. 11. März 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2014; abgerufen am 22. Juli 2014.</ref>
Einer der wesentlichen Streitpunkte der beiden Philosophen sind die Begrifflichkeiten von „Gut“ und „Böse“. Kahl meinte, die von Schmidt-Salomon<ref>Vgl. etwa Michael Schmidt-Salomon: Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind.</ref> vertretene Aufhebung dieser moralischen Kategorien käme einer Aufhebung der Unterscheidung von Recht und Unrecht gleich. Schmidt-Salomon wies diesen Vorwurf eines ethischen Relativismus jedoch zurück.<ref>Michael Schmidt-Salomon: Wer den Schuss nicht gehört hat, sollte nicht von Fehlstart sprechen … Replik auf Joachim Kahls Kritik am Manifest des evolutionären Humanismus. 2005, S. 5, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2014; abgerufen am 22. Juli 2014.</ref>
2007 publizierte der Alibri Verlag im Rahmen der Schriftenreihe der Humanistischen Akademie Bayern eine Sammlung ausgewählter Texte Schmidt-Salomons und Kahls unter dem Titel Was heißt Humanismus heute? Ein Streitgespräch zwischen Joachim Kahl und Michael Schmidt-Salomon.
Publikationen
Bücher
- Erkenntnis aus Engagement – Grundlegungen zu einer Theorie der Neomoderne. Eine Studie zur (Re-)Konstruktion von Pädagogik, Wissenschaft und Humanismus. Alibri, Aschaffenburg 1999, ISBN 3-932710-60-6.
- Stollbergs Inferno. Roman. Alibri, Aschaffenburg 2003, ISBN 3-86569-049-1.
- Manifest des evolutionären Humanismus. Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur. Alibri, Aschaffenburg 2005, ISBN 3-86569-011-4.
- Die Kirche im Kopf. Von „Ach Herrje!“ bis „zum Teufel!“ Alibri, Aschaffenburg 2007, ISBN 978-3-86569-024-1 (mit Carsten Frerk).
- Auf dem Weg zur Einheit des Wissens. Die Evolution der Evolutionstheorie und die Gefahren von Biologismus und Kulturismus (= Schriftenreihe der Giordano Bruno Stiftung. Band 1). Alibri, Aschaffenburg 2007, ISBN 978-3-86569-200-9.
- Vom Virus des Glaubens. Deschner-Preis 2007 (= Schriftenreihe der Giordano Bruno Stiftung. Band 2). Alibri, Aschaffenburg 2008, ISBN 978-3-86569-201-6 (mit Richard Dawkins, Karlheinz Deschner und Franz M. Wuketits).
- Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind. Pendo, München / Zürich 2009, ISBN 978-3-86612-212-3.
- Happy Birthday, Charly! Darwin-Jahr 2009. Band 3. Alibri, Aschaffenburg 2009, ISBN 978-3-86569-202-3.
- Grundrechte für Menschenaffen. Ethik-Preis 2011 (= Schriftenreihe der Giordano Bruno Stiftung. Band 4). Alibri, Aschaffenburg 2011, ISBN 978-3-86569-203-0 (mit Paola Cavalieri, Colin Goldner, Peter Singer und Volker Sommer).
- Leibniz war kein Butterkeks. Den großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur. Pendo, München 2011, ISBN 978-3-86612-280-2 (mit Lea Salomon).
- Anleitung zum Seligsein. Alibri-Verlag, Aschaffenburg 2011, ISBN 978-3-86569-068-5 (mit Karikaturen von Jacques Tilly).
- Keine Macht den Doofen. Eine Streitschrift. Piper, München 2012, ISBN 978-3-492-27494-4.
- Hoffnung Mensch. Eine bessere Welt ist möglich. Piper, München 2014, ISBN 978-3-492-05608-3.
- Letzte Hilfe. Rowohlt, Berlin 2014, ISBN 978-3-498-09617-5 (mit Uwe-Christian Arnold).
- Die Grenzen der Toleranz. Piper, München 2016, ISBN 978-3-492-31031-4 (Ausschnitte bei Google Books).
- Entspannt euch! Eine Philosophie der Gelassenheit. Piper, München 2019, ISBN 978-3-492-05950-3.
- Die Evolution des Denkens: Das moderne Weltbild – und wem wir es verdanken. Piper, München 2024, ISBN 978-3-492-07262-5.
Kinderbücher
- Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel. Alibri, Aschaffenburg 2007, ISBN 978-3-86569-030-2 (mit Helge Nyncke als Illustrator).
- Die Geschichte vom frechen Hund: Warum es klug ist, freundlich zu sein. Alibri, Aschaffenburg 2008, ISBN 978-3-86569-041-8 (mit Helge Nyncke).
- Susi Neunmalklug erklärt die Evolution: Ein Buch für kleine und große Besserwisser. Alibri, Aschaffenburg 2009, ISBN 978-3-86569-053-1 (mit Helge Nyncke).
- Big Family. Eine phantastische Reise in die Vergangenheit. Alibri, Aschaffenburg 2015, ISBN 978-3-00-050236-1 (mit Anne-Barbara Kindler (Illustratorin)).
Herausgeber
- Karlheinz Deschner: Aufklärung ist Ärgernis. Alibri, Aschaffenburg 2006, ISBN 3-86569-003-3.
- Aufklärung im 21. Jahrhundert. Giordano Bruno Stiftung, Oberwesel 2011 (mit Elke Held).
Diskografie
- Salomon (2001, Promo-CD)
- Krank wie das System (2004, Demo-CD)
- Die offizielle CD zum Weltjugendtag (2005)
- Soundtrack zum Film Aufklärung ist Ärgernis (2006)
- Liebt euch (2006)
- Mit Üebermutter – Unheil (2008)
- Mit Darwin & The Naked Apes – Children of Evolution (2009)
Literatur
- Die Welt verändern. Der Komponist, Musiker und Schriftsteller Michael Schmidt-Salomon. In: Krautgarten. Forum für junge Literatur, Nr. 20, 1992, ISSN 0771-6079.
- Florian Ossadnik: Spinoza und der „wissenschaftliche Atheismus“ des 21. Jahrhunderts. Ethische und politische Konsequenzen frühaufklärerischer und gegenwärtiger Religionskritik. In: Ludwig Tavernier (Hrsg.): Studies In European Culture. Band 8. VDG Weimar, Kromsdorf/Weimar 2011, ISBN 978-3-89739-705-7.<ref>Der Band geht auf die Brights und u. a. Schmidt-Salomon ein. Der „neue Atheismus“ erscheint dem Autor als im Wesentlichen inhaltlich nicht erweiterte Wiederaufnahme alter atheistischer Argumente. So heißt es im Klappentext. 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. März 2012; abgerufen am 17. April 2011: „Diese Arbeit unternimmt einen kritischen Vergleich der frühaufklärerischen Religionskritik Baruch de Spinozas (1632–1677) mit dem gegenwärtigen „neuen Atheismus“, der von den sogenannten „Brights“ (R. Dawkins u. a.) gegen die Offenbarungsreligionen ins Feld geführt wird. […] Es kann deutlich gemacht werden, dass Spinoza in einem umfassenden und keineswegs bloß entfernten Sinne als Vordenker der bright’schen Religionskritik gelten darf. Zudem drängt sich die Wahrnehmung auf, dass die „neuen Atheisten“ – trotz ihres Ausgangs bei gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Theorien – keine in einem eigentlichen Sinne neue Religionskritik formulieren, sondern lediglich jene Topoi der aufklärerischen Orthodoxie-Kritik des 17. und 18. Jahrhunderts sowie deren ethische und politisch-philosophische Implikationen variieren – ohne diese jedoch inhaltlich zu erweitern.“ Rezension auf und von Till Kinzel für den IFB (PDF; 11 kB).</ref>
Weblinks
- Website von Michael Schmidt-Salomon
- Vorlage:IMDb/1
- Literatur von und über Michael Schmidt-Salomon im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Interview: Religionskritiker & evolutionärer Humanist Michael Schmidt-Salomon - Jung & Naiv
Einzelnachweise
<references />
Vorlage:Klappleiste/Anfang
Sachbücher
Erkenntnis aus Engagement |
Manifest des evolutionären Humanismus |
Die Kirche im Kopf |
Jenseits von Gut und Böse |
Leibniz war kein Butterkeks |
Anleitung zum Seligsein |
Keine Macht den Doofen. Eine Streitschrift. |
Hoffnung Mensch |
Letzte Hilfe |
Die Grenzen der Toleranz
Romane
Stollbergs Inferno
Kinderbücher
Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel |
Die Geschichte vom frechen Hund |
Susi Neunmalklug erklärt die Evolution |
Big Family
Vorlage:Klappleiste/Ende
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schmidt-Salomon, Michael |
| ALTERNATIVNAMEN | Schmidt, Michael (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Philosoph, Autor und religions- und kulturkritischer Publizist |
| GEBURTSDATUM | 14. September 1967 |
| GEBURTSORT | Trier, Rheinland-Pfalz, Bundesrepublik Deutschland |
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- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Michael Schmidt-Salomon
- Hochschullehrer (Universität Trier)
- Autor
- Schriftsteller (Trier)
- Journalist (Deutschland)
- Kinder- und Jugendliteratur
- Literatur (21. Jahrhundert)
- Literatur (Deutsch)
- Vertreter des Agnostizismus
- Vertreter des Naturalismus (Philosophie)
- Evolutionärer Humanismus
- Religionskritiker
- Literatur (Humanismus)
- Herausgeber
- Philosoph (21. Jahrhundert)
- Person (Giordano-Bruno-Stiftung)
- Deutscher
- Geboren 1967
- Mann
- Vertreter des Atheismus