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Nationalkonservatismus

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Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 16. Juni 2025 um 08:27 Uhr durch imported>Swann (Parteienlisten: Update da die PVV die Koalition verlassen hat https://de.wikipedia.org/wiki/Kabinett_Schoof).
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Nationalkonservatismus, teilweise auch Rechtskonservatismus genannt, ist ein politischer Begriff zur Beschreibung einer vor allem in Europa verbreiteten Variante des Konservatismus, die nationale Empfindungen sowie die kulturelle und ethnische nationale Identität betont.<ref name="Longchamp">Claude Longchamp: Der nationalkonservative Protest in der Schweiz. Eine Analyse der Nationalratswahlen 1999 aufgrund von Vor- und Nachbefragungen. Modifizierte Fassung des Buchbeitrages für Fritz Plasser (Hrsg.): Wahlen in Österreich 1999. Wien 2000. Abgerufen am 14. September 2017.</ref>

Nationalkonservativen gemeinsam ist eine skeptische bis ablehnende Haltung gegenüber der Zuwanderung und der europäischen Integration,<ref>Richard Stöss: Der rechte Rand des Parteiensystems. In: Oskar Niedermayer (Hrsg.): Handbuch Parteienforschung. VS Springer, Wiesbaden 2013, S. 563–618.</ref> sowie eine Tendenz zum Wertkonservatismus und traditionellen Moralvorstellungen.<ref name="Grimm">Markus Grimm: Die Alleanza Nazionale – Postfaschistisch oder rechts-konservativ? (PDF; 1,7 MB) In: Institut für Politikwissenschaft der Justus-Liebig Universität Gießen. 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. Februar 2014; abgerufen am 22. September 2011.</ref> Sie verstehen den Konservatismus als Korrektiv zu Modernismus und Fortschrittsgläubigkeit und stellen die Gemeinschaft vor das Individuum.<ref name="Grimm" /> Nicht selten geht der Nationalkonservatismus auch Verbindungen zu konservativen religiösen Strömungen ein.<ref>Claude Longchamp: Wahlforschung in Theorie, Empirie und Praxis. In: Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich. 2009, abgerufen am 22. September 2011.</ref> Ökonomisch werden hingegen sowohl sozial-marktwirtschaftliche als auch Laissez-faire-Ansichten vertreten.

19. Jahrhundert

In der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts war der Nationalkonservativismus eine von mehreren Strömungen der Konservativen, neben den Staatskonservativen, Sozialkonservativen und Hochkonservativen. Die Nationalkonservativen wie Joseph von Radowitz strebten einen deutschen Nationalstaat nach britischem Vorbild an, vergleichbar den Nationalliberalen, aber monarchischer ausgestaltet. Somit waren die Nationalkonservativen Vorläufer der Freikonservativen Partei.

Heutiger Begriff

Dem heutigen Nationalkonservatismus ist ebenso zu eigen, dass er die direkte Demokratie als „Hort gegen die internationale Verflechtung“ preist und so die populistische Stimmungslage zwischen dem „einfachen Volk“ und der „classe politique“ einfängt.<ref name="Longchamp" /> Übergänge zum Rechtspopulismus können insofern fließend sein. Für den Nationalkonservatismus hat sich in der Literatur in synonymer Verwendung teilweise auch der Begriff „Rechtskonservatismus“ eingebürgert,<ref name="Grimm" /> jedoch wird der Nationalkonservatismus abweichend davon auch als besonderer Unterfall des Rechtskonservatismus definiert.<ref name="Stöss-578">Richard Stöss: Der rechte Rand des Parteiensystems. In: Oskar Niedermayer (Hrsg.): Handbuch Parteienforschung. VS Springer, Wiesbaden 2013, S. 578.</ref> In dem Fall sollen rechtskonservative Parteien, insofern sie eher „nationale Belange“ in den Mittelpunkt stellen, als „nationalkonservativ“ bezeichnet werden.<ref name="Stöss-578" />

Die Verwendung des Begriffs in den Sozialwissenschaften ist widersprüchlich: Während in der Geschichtswissenschaft der Begriff verwendet wird, um völkisch orientierte Parteien wie die Deutschnationale Volkspartei zu charakterisieren<ref>Heinrich August Winkler: Ganz gewöhnliche Antisemiten. In: Der Spiegel. Nr. 47, 2003 (online).</ref> und eine ähnliche Verwendung für antidemokratische Vorstellungen auch in der politikwissenschaftlichen Diskussion um die Neue Rechte aufzeigbar ist,<ref>Wolfgang Gessenharter: Im Spannungsfeld. Intellektuelle Neue Rechte und Verfassung. In: Wolfgang Gessenharter (Hrsg.): Die Neue Rechte. Eine Gefahr für die Demokratie? S. 32; und ders.: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Brüder im neurechten Geiste. Was Jörg Haider und Ronald Schill eint – aber auch trennt. (Memento vom 27. Februar 2014 im Internet Archive) (PDF) Text auf der Seite Wolfgang Gessenharters an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, gekürzt erschienen in der Frankfurter Rundschau, 12. Juli 2003.</ref> wird andererseits in neuerer Literatur der Parteienforschung der Begriff benutzt, um gerade nicht völkisch oder antidemokratisch orientierte Parteien des rechten konservativen Spektrums zu charakterisieren und von Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus abzugrenzen.<ref name="Stöss-578" />

In der deutschen Parteienlandschaft werden Die Republikaner und die Alternative für Deutschland von Politikwissenschaftlern als nationalkonservativ eingeordnet,<ref>Nikolaus Werz: „Neopopulismos en Europa.“ Tagung der Fundación Pablo Iglesias und der Friedrich-Ebert-Stiftung vom 25. bis 26. März 2015 in Madrid. In: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft. 15. Juli 2015, o. S. doi:10.1007/s12286-015-0245-x</ref> in Österreich gilt die Freiheitliche Partei, in der Schweiz die Schweizerische Volkspartei und in Luxemburg die Alternativ Demokratesch Reformpartei als nationalkonservativ.

Parteienlisten

Liste nationalkonservativer Parteien in den europäischen Nationalparlamenten (Sortiert nach Wahlergebnissen)
Land Partei Logo Parteichef Stimmen in %
(letzte Wahl)
Platzierung
bei letzter Wahl
Sitze
im Parlament
Regierungs-
beteiligung
UngarnDatei:Flag of Hungary.svg Ungarn Fidesz – Ungarischer Bürgerbund Datei:Fidesz 2015.svg Datei:Orbán Viktor 2015 február.jpg
Viktor Orbán
54,1
(2022)
1. 135 von 199 Ja
(Zweidrittelmehrheit)
SerbienDatei:Flag of Serbia.svg Serbien Serbische Fortschrittspartei (SNS) Datei:Serbian Progressive Party logo.svg Datei:Aleksandar Vučić crop.jpg
Aleksandar Vučić
46,8
(2023)
1. 129 von 250 Ja
(absolute Mehrheit)
NordmazedonienDatei:Flag of North Macedonia.svg Nordmazedonien Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation – Demokratische Partei für Mazedonische Nationale Einheit (VMRO-DPMNE) Datei:BMPO Coat of arms.png Datei:Gruevski.jpg
Nikola Gruevski
43,2
(2024)
1. 58 von 120 Ja
(Koalitionspartner)
NordzypernDatei:Flag of the Turkish Republic of Northern Cyprus.svg Türkische Republik Nordzypern Nationale Einheitspartei (UBP) Datei:UBP logo.svg Hüseyin Özgürgün 39,5
(2022)
1. 24 von 50 Ja
(Koalitionspartner)
PolenDatei:Flag of Poland.svg Polen Recht und Gerechtigkeit (PiS) Datei:PiS Teillogo.svg Datei:Jarosław Kaczyński Sejm 2016a.JPG
Jarosław Kaczyński
35,4
(2023)
1. 194 von 460 Nein
KroatienDatei:Flag of Croatia.svg Kroatien Kroatische Demokratische Union (HDZ) Datei:HDZ logo.svg Datei:Andrej Plenković 2015 (cropped).jpg
Andrej Plenković
34,4
(2024)
1.
61 von 151 Ja
(Koalitionspartner)
FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich Rassemblement National (RN) Datei:Logo Rassemblement National.svg Datei:Jordan Bardella - Strasbourg European Parliament September 2022 (cropped).jpg
Jordan Bardella
33,15
(2024)
1. 125 von 577 Nein
OsterreichDatei:Flag of Austria.svg Österreich Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ)
Datei:Logo of Freedom Party of Austria.svg
Norbert Hofer
Norbert Hofer
Herbert Kickl
28,8
(2024)
1. 57 von 183 Nein
(Koalitionsverhandlungen gescheitert)
SchweizDatei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz Schweizerische Volkspartei (SVP) Datei:Logo der Schweizerischen Volkspartei.svg Datei:Marcel Dettling (2019).jpg
Marcel Dettling
27,9
(2023)
1. 62 von 200 Ja
(Zauberformel)
ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien Fratelli d’Italia (FdI) Datei:Giorgia Meloni 2014.JPG
Giorgia Meloni
26
(2022)
1. 119 von 400 Ja
(Koalitionspartner)
NiederlandeDatei:Flag of the Netherlands.svg Niederlande Partij voor de Vrijheid (PVV) Datei:Geert Wilders tijdens een politieke campagne in Spijkenisse (cropped).jpg
Geert Wilders
23,5
(2023)
1. 37 von 150 Nein
(Koalition verlassen)
DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland Alternative für Deutschland (AfD) Datei:AfD Logo 2021.svg Datei:Alice Weidel et Tino Chrupalla.png
Tino Chrupalla
Alice Weidel
20,8
(2025)
2. 152 von 630 Nein
SchwedenDatei:Flag of Sweden.svg Schweden Schwedendemokraten (SD) Datei:Jimmie Åkesson 2016.jpg
Jimmie Åkesson
20,5
(2022)
2. 73 von 349 Tolerierung der Minderheitsregierung
FinnlandDatei:Flag of Finland icon.svg Finnland Perussuomalaiset (PS) Datei:Perussuomalaiset Logo.svg Datei:Riikka-Purra-01 (cropped).jpg
Riikka Purra
20,1
(2023)
2.
46 von 200 Ja
(Koalitionspartner)
PortugalDatei:Flag of Portugal.svg Portugal Chega Datei:Logo Chega!.svg Datei:André Ventura (Agencia LUSA, Entrevista Presidenciais 2021), cropped.png
André Ventura
18,1
(2024)
3.
48 von 230 Nein
EstlandDatei:Flag of Estonia.svg Estland Estnische Konservative Partei (EKRE) Datei:EKRE logo.png Datei:RK Mart Helme.jpg
Mart Helme
16,1
(2023)
2.
17 von 101 Nein
SpanienDatei:Flag of Spain.svg Spanien Vox
Datei:VOX logo.svg
Datei:Santiago Abascal 2022 (cropped).jpg
Santiago Abascal
12,4
(2023)
3. 33 von 350 Nein
LuxemburgDatei:Flag of Luxembourg.svg Luxemburg Alternativ Demokratesch Reformpartei (ADR) Datei:Logo of the Alternative Democratic Reform Party (2022).svg Datei:Fred Keup (Chambre des députés, Luxembourg).png
Fred Keup
9,55
(2023)
4. 5 von 60 Nein
ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien Lega Nord (Lega) Datei:Matteo Salvini 2019 crop.jpg
Matteo Salvini
8,8
(2022)
4. 66 von 400 Ja
(Koalitionspartner)
GriechenlandDatei:Flag of Greece.svg Griechenland Elliniki Lysi (EL) Kyriakos Velopoulos 4,45
(2023)
5. 16 von 300 Nein
SchweizDatei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) Datei:Logo EDU UDF.svg Daniel Frischknecht 1,2
(2023)
8. 2 von 200 Nein
Liste nationalkonservativer Parteien in außereuropäischen Nationalparlamenten (Sortiert nach Wahlergebnissen)
Land Partei Logo Parteichef Stimmen in %
(letzte Wahl)
Platzierung
bei letzter Wahl
Sitze
im Parlament
Regierungs-
beteiligung
JapanDatei:Flag of Japan.svg Japan Liberaldemokratische Partei (LDP) Datei:Liberal Democratic Party of Japan logo.svg Datei:Yoshihide Suga cropped 2 Joint Press Announcement of the Okinawa Consolidation Plan.jpg
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38,5
(2024)
1. 191 von 465 Ja
(Koalitionspartner)
IndienDatei:Flag of India.svg Indien Bharatiya Janata Party (BJP) Datei:Lotos flower symbol.svg Datei:Amit Shah new.jpg
Amit Shah
36,6
(2024)
1. 240 von 543 Ja
(Koalitionspartner)
IsraelDatei:Flag of Israel.svg Israel Likud Datei:Likud Logo.svg Datei:Portrait of Benjamin Netanyahu.jpg
Benjamin Netanjahu
23,41
(2022)
1. 32 von 120 Ja
(Koalitionspartner)

Literatur

Einzelnachweise

<references />