Richard Angst
Richard Angst (* 23. Juli 1905 in Zürich; † 24. Juli 1984 in Berlin) war ein Schweizer Bergsteiger, Skiläufer und Kameramann.<ref name="Filmportal">Richard Angst, auf: filmportal.de</ref><ref>Angst, Richard. In: Liz-Anne Bawden (Hrsg.): Rororo Filmlexikon, Bd. 4. Rowohlt, Reinbek 1983, S. 796.</ref><ref>Angst, Richard. In: Hans-Michael Bock (Hrsg.): Lexikon Regisseure und Kameraleute. Von A-Z. Rowohlt, Reinbek 1999, ISBN 3-499-60651-8, S. 24f.</ref><ref>Angst, Richard. In: Michael Esser (Hrsg.): Gleißende Schatten – Kamerapioniere der zwanziger Jahre. Henschel Verlag, Berlin 1994. ISBN 3-89487-216-0, S. 124f.</ref><ref>Angst, Richard. In: Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts, Bd. 1. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 119.</ref>
Leben
Familie und Schule
Er war der Sohn des Schweizer Architekten Robert Angst und dessen deutscher Ehefrau Elise Anna Klara, geborene Vaihinger. Im Jahr 1938 heiratete er Ilse Charlotte, geborene Lange.<ref name="Girod">Martin Girod: Richard Angst. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2. August 2000, abgerufen am 25. Juni 2019.</ref><ref>Angst, Richard. In: Hervé Dumont: Geschichte des Schweizer Films – Spielfilme 1896–1965. Schweizer Filmarchiv/Cinémathèque Suisse (Hrsg.), Lausanne 1987. ISBN 2-88267-001-X.</ref>
Angst wuchs in Pforzheim auf, dem Herkunftsort seiner Mutter,<ref name="Girod" /> wo er die Volksschule und danach eine Handelsschule besuchte.<ref name="Walk">Ines Walk: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Richard Angst ( vom 20. Juni 2018 im Internet Archive), auf: film-zeit.de</ref>
Berufliche Entwicklung
Als 18-Jähriger lernte er Sepp Allgeier kennen; beide waren begeisterte Skifahrer und Bergsteiger. Bei ihm und Arnold Fanck lernte und arbeitete er in der Folge als Kameraassistent und Fotolaborant in der Berg- und Sport-Film G.m.b.H. in Freiburg im Breisgau.<ref name="Walk" /> Dort wurde er Teil der Freiburger Schule.<ref name="Blitz">Lisa Blitz: Freiburg als Wiege des deutschen Bergfilms, 17. Juli 2017, Ausstellung im Museum für Stadtgeschichte, Freiburg im Breisgau, auf: freiburg.de</ref><ref>Frieda Grafe: Sieg des Willens und der Duldung. In: Die Tageszeitung Nr. 6262 vom 5. Oktober 2000, auf: taz.de</ref> In den Credits des Stummfilms Milak, der Grönlandjäger (Regie: Georgi Asagarow und Bernhard Villinger) und Der große Sprung (Regie: Arnold Fanck) wurde er 1927 erstmals als Kameraassistent erwähnt, im ersten auch als Darsteller. Dabei arbeitete er mit den Kameraleuten Sepp Allgeier, Albert Benitz, Charles Métain, Kurt Neubert und Hans Schneeberger zusammen.<ref>Milak, der Grönlandjäger, auf: filmportal.de</ref><ref>Milak, der Grönlandjäger, auf: berlinale.de</ref><ref>Der große Sprung, auf: filmportal.de</ref> Bei den bedeutenden Bergfilmen jener Zeit zählte Angst zu den Stammkameraleuten von Regisseur Fanck,<ref name="Girod" /> bei Die weiße Hölle vom Piz Palü (1929) und Stürme über dem Mont Blanc (1930). 1932 reiste das Filmteam nach Grönland, um dort den Film S.O.S. Eisberg zu drehen. Von dieser Reise wurde seinerzeit im Film-Kurier kolportiert, Angst habe seinen Kollegen Schneeberger vor dem Ertrinken gerettet.<ref>Fanck-Expedition vom Tode bedroht – Udet beinahe am Eisberg zerschellt – Richard Angst rettet Hans Schneeberger vor dem Ertrinken. In: Film-Kurier Nr. 170 vom 21. Juli 1932, auf: cinegraph.de</ref><ref>Leni Riefenstahl: Memoiren. Albrecht Knaus, München 1991. ISBN 978-3-8135-0154-4, S. 160–172.</ref>
Mitte der 1930er Jahre nahm Angst an der Expedition nach Borneo die von Victor von Plessen geführt wurde teil. Aus den dort entstandenen Aufnahmen wurde der Film Die Kopfjäger von Borneo gefertigt.<ref>Die Kopfjäger von Borneo. Schweizer Film - Film Suisse: offizielles Organ der Schweiz, abgerufen am 7. Juni 2020.</ref>
Angst nahm auch an der Expedition nach Japan teil, wo er für das japanische Marineministerium arbeitete und von Filmproduzent Takeo Ogasawara einen Dreijahresvertrag erhielt. In einem Vorort von Tokio mietete er sich ein Haus, das er mit seiner Braut Ilse bezog.<ref>Hans-Joachim Bieber: SS und Samurai: Deutsch-japanische Kulturbeziehungen 1933–1945. ISBN 978-3-8620-5043-7, S. 506–508.</ref> Dort entstanden mit diversen Regisseuren Kulturfilme und der Fanck-Film Die Tochter des Samurai.<ref name="Walk" /><ref name="Karg">Ann-Catherin Karg: Richard Angst in Japan, auf: filmreporter.de</ref>
Im Rahmen der „Internationale Himalaya-Expedition 1934“ wurde der Film Der Dämon des Himalaya gedreht. Die Expedition wurde von Günter Oskar Dyhrenfurth geleiteten. Angst nahm mit seiner Frau Friedel als Kameramann an der Himalaya-Expedition teil.<ref>Richard Angst: Der Dämon des Himalaya, 1934. Schweizer Film - Film Suisse: offizielles Organ des Schweiz, abgerufen am 7. Juni 2020.</ref>
Einen der wenigen Bezugspunkte von Richard Angst zur Schweiz setzt sein Film Kleine Scheidegg nach dem Drehbuch von Richard Schweizer.<ref name="Girod" /> Nach 1939 kehrte er nach Deutschland zurück. Dort ist er an dem Remake des bereits 1921 verfilmten Stoffs Die Geierwally (1940) von Hans Steinhoff beteiligt. Mit diesem dreht er auch die filmische Biographie Rembrandt (1942). Er arbeitete auch mit den Regisseuren Philipp Lothar Mayring, Günther Rittau und Paul Verhoeven.<ref name="Walk" />
Als die Luftangriffe auf Berlin zunahmen, zog sich Angst nach Tirol zurück, wo er diverse Heimatfilme drehte. Gleich nach Kriegsende drehte er mit Irving Allen den Spielfilm High Conquest (1946), der Aufnahmen der Schweizer Bergwelt enthält.<ref name="Girod" /> Aus diesem Material entstand ein Kurzfilm über die Besteigung des Matterhorns, der mit dem Kurzfilm-Oscar prämiert wurde.<ref name="Walk" /> Ab den 1950er Jahren gut ausgelastet, war er unter anderem an einem Remake von Die weiße Hölle vom Piz-Palü (1929) beteiligt, das unter dem Titel Föhn (1950) mit Hans Albers und Liselotte Pulver in die Kinos kam. Er drehte wiederholt mit den Regisseuren Franz Josef Gottlieb und Kurt Hoffmann. Ende der 1950er Jahre holte ihn Artur Brauners CCC-Film wieder nach Berlin. Einer der Höhepunkte seiner Arbeit war 1958/59 das Remake von Das indische Grabmal und Der Tiger von Eschnapur für mit dem nach Deutschland zurückgekehrten Regisseur Fritz Lang.<ref name="Walk" /> Auch mit Robert Siodmak arbeitete Angst zusammen. Er stand für die Filme De Sade und Die Hochzeitsreise (1969) hinter der Kamera.<ref>Robert Charles Reimer, Carol J. Reimer: The A to Z of German Cinema. Rowman & Littlefield, Lanham, MD, 2010. ISBN 978-0-8108-7611-8, S. 40–41.</ref>
Enttäuscht über den Verfall im deutschen Filmwesen zog er sich ins Privatleben zurück und eröffnete in Berlin-Moabit das Restaurant Provinz.<ref name="Karg" /><ref name="Walk" /><ref>Hans-Michael Bock: The Concise Cinegraph – Encyclopaedia of German Cinema. Berghahn Books, New York und Oxford 2009. ISBN 978-0-8574-5565-9, S. 12–13.</ref> Im Ruhestand schrieb Angst mit Unterstützung des Journalisten Hans Borgelt seine bislang unveröffentlichten Memoiren mit dem Arbeitstitel 47 Jahre objektiv gesehen. Als Dozent lehrte er an der Hochschule für Fernsehen und Film München.<ref name="Karg" /> Daneben drehte er noch einige Werbefilme. 1983 wurde über ihn im Deutschen Fernsehen ein Porträt von Jörg Moser-Mötius gesendet.<ref name="Walk" /> Richard Angst starb einen Tag nach seinem 79. Geburtstag am 24. Juli 1984.<ref name="Walk" /> Seine Urne wurde auf dem Waldfriedhof in Grünwald bei München beigesetzt. Die Grabstätte wurde inzwischen aufgelassen. Die Deutsche Kinemathek verwaltet seinen Nachlass.
Filmografie
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Auszeichnungen
- 1971: Filmband in Gold – Bundesfilmpreis für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Richard Angst ( des Vorlage:IconExternal vom 12. Juni 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Filmband in Gold 1971, auf: deutscher-filmpreis.de</ref>
Literatur
- Hans-Michael Bock: Richard Angst – Kameramann. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 7, 1986
- Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 1: A – C. Erik Aaes – Jack Carson. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 119 f.
Weblinks
Einzelnachweise
<references responsive />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Angst, Richard |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Kameramann |
| GEBURTSDATUM | 23. Juli 1905 |
| GEBURTSORT | Zürich |
| STERBEDATUM | 24. Juli 1984 |
| STERBEORT | Berlin |