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Waldemar Otto

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Datei:Waldemar Otto 2013.jpg
Waldemar Otto, 2013

Waldemar Otto (* 30. März 1929 in Petrikau, Polen; † 8. Mai 2020 in Worpswede, Deutschland) war ein deutscher Bildhauer und Künstler. Er vertrat die moderne figurative Bildhauerei nach 1945 in Deutschland und knüpfte damit an den bestehenden Diskurs des Existentialismus an, der u. a. durch Künstler wie Francis Bacon, Alberto Giacometti und Alfred Hrdlicka vertreten wurde.

Leben

Otto war der Sohn des lutherischen Pfarrers Heinrich Otto und dessen Ehefrau Theodora geb. Koschelik.<ref>Eduard Kneifel: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen Eging 1967, S. 144.</ref> Er wuchs zunächst in Lodz und Kohlo auf, bis die Familie 1945 zur Flucht nach Halle an der Saale gezwungen wurde, wo er 1948 sein Abitur ablegte. Noch im selben Jahr begann er sein Studium der Bildhauerei unter der Direktion von Karl Hofer an der Hochschule für bildende Künste in West-Berlin. Dort studierte er bei Bernhard Heiliger, Gustav Seitz, Renée Sintenis und Alexander Gonda, dessen Meisterschüler er wurde.

Ein Stipendium des DAAD führte ihn 1954 für ein Jahr nach Florenz.<ref>Ausst. Kat.: Waldemar Otto. Keine Retrospektive!, Gerhard-Marcks-Haus, Bremen 2009</ref> 1955 begann er seine freischaffende Tätigkeit in Berlin. Otto erzielte bereits 1957 einen großen Erfolg, als ihm der Preis der Großen Berliner Kunstausstellung verliehen wurde.

Ab 1961 entstanden schließlich seine ersten Torsi, die charakteristisch für sein Œuvre sind und die er stetig weiterentwickelte. Von 1963 bis 1965 war Otto als Artist-in-Residence an der University of Notre Dame in Indiana in den USA tätig. Bis 1973 arbeitete er erneut als freischaffender Künstler in Berlin und wurde noch im selben Jahr Professor für Bildhauerei an der Hochschule für Gestaltung in Bremen.<ref>Abschied von Professor Waldemar Otto. In: hfk-bremen.de. 19. Mai 2020, abgerufen am 26. März 2026.</ref> 1976 folgte der Umzug in das Künstlerdorf Worpswede, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 2020 lebte und arbeitete.

Internationale Bekanntheit erlangte Otto durch verschiedene Auszeichnungen, Arbeitsaufenthalte und Ausstellungen im Ausland. So war er 1981 als Ehrengast in die Villa Massimo in Rom geladen und erhielt 2000 eine Einzelausstellung im Museo Nacional de Bellas Artes in Santiago, Chile.<ref>Exposiciones históricas 2001. In: mnba.gob.cl. Abgerufen am 26. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Erwähnenswert ist auch eine ihm gewidmete Einzelausstellung in der Eremitage in St. Petersburg im Jahr 1997.<ref>Ausst.-Kat.: Waldemar Otto. Skulptur, Eremitage, St. Petersburg 1997</ref>

Werk

Otto vertritt mit seinen Bronzefiguren eine Bildhauerei, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte und die von der menschlichen Gestalt ausgeht. Dabei stellt der Künstler die fragile Individualität des Menschen in den Mittelpunkt seines Schaffens. Besondere Merkmale seines Œuvres sind die Deformation des Körpers und das Zusammenspiel von Figur, Raum und Volumen. Diese Merkmale entwickelt er in verschiedenen Werkphasen stetig weiter.<ref>Werkgruppen. In: waldemar-otto.org. Van Ham Art Estate, abgerufen am 26. März 2026.</ref>

In einer ersten Werkphase der 1960er Jahre arbeitet Otto mit leidvoll geprägten, menschlichen Torsi, deren Gliedmaßen zumeist wie abgerissen erscheinen und die den Menschen in seiner Verletzlichkeit und inneren Zerrissenheit zeigen. Das erlittene Leid des Menschen im Zweiten Weltkrieg, stets erkennbar, variiert in seinem Ausmaß.

In den 1970er Jahren bezieht Otto einzelne Raumelemente in die Figuren mit ein. Als Resultat entstehen innovative Figur-Wand-Skulpturen aus Bronze.

Eine neue Werkphase beginnt Otto in den 1980er Jahren mit seinen Sockeltorsi. Jetzt entwachsen monumental anmutende Figuren ihren Sockeln, wodurch Figur und Sockel miteinander verschmelzen. Innerhalb dieser Werkphase greift Otto nunmehr auch Themen der griechischen und römischen Mythologie auf.

Auch in den 1990er und 2000er Jahren arbeitet Otto primär mit dem menschlichen Torso. Dieser wird nun allerdings in einer stark reduzierten Körperlichkeit gezeigt. Der Herausarbeitung der plastisch-formalen Aspekte des Menschen steht nun die Behandlung der Oberfläche gegenüber. In den 2000er und 2010er Jahren erweitert er diese Vorgehensweise, spielt mit glatten und glänzenden Oberflächen und fokussiert außerdem die Bewegung der abstrakten Körperform.

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen

  • 1968: Waldemar Otto. Plastik und Grafik aus den Jahren 61-68, Neue Münchener Galerie, München
  • 1973: Waldemar Otto, Neuer Berliner Kunstverein, Berlin
  • 1976: Waldemar Otto. Plastiken, Kunsthalle Wilhelmshaven, Wilhelmshaven
  • 1980: Waldemar Otto. Skulpturen, Kunsthalle Bremen, Bremen
  • 1997: Waldemar Otto. Skulptur, Eremitage, St. Petersburg
  • 1994: Waldemar Otto. Torsi, Galerie Heimeshoff, Essen
  • 2001: Waldemar Otto. Bildhauerische Spannungen, Museo Nacional de Bellas Artes, Santiago
  • 2004: Waldemar Otto. Mensch und Maß, DASA Galerie, Dortmund
  • 2009: Waldemar Otto. Keine Retrospektive!, Gerhard-Marcks-Haus, Bremen

Gruppenausstellungen

  • 1961: Berliner Maler und Bildhauer, Erholungshaus Leverkusen, Leverkusen
  • 1969: Beispiele europäischer Plastik heute, Wiener Secession, Wien
  • 1978: Abbilder – Leitbilder. Berliner Skulpturen von Schadow bis heute, Neuer Berliner Kunstverein, Berlin
  • 1979: Beispiele realistischer Plastik in Europa, Kunsthalle Bremen / Gerhard-Marcks-Haus, Bremen
  • 1980: Kunst im Zwanzigsten Jahrhundert. Neuerwerbungen aus Sechs Jahren, Kunsthalle Bremen, Bremen
  • 1981: Anthropos. Die menschliche Natur in der zeitgenössischen Plastik. Europäische Bilderausstellung Josefsplatz/Schweizerhof/Michaelerplatz, Wien
  • 1992: Große Kunstausstellung Düsseldorf ‘92. Neunzig Jahre im Kunstpalast. Ein Markt für Kunst und Künstler, Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen, Düsseldorf
  • 2006: Was ist Plastik? 100 Jahre – 100 Köpfe. Das Jahrhundert moderner Skulptur, Lehmbruck Museum, Duisburg
  • 2011: Ein Streifzug durch die Moderne, Galerie Koch, Hannover
  • 2023: Werke aus einer Privatsammlung – Von Bourgeois bis Valdés, Beck & Eggeling, Düsseldorf

Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl)

Werke im öffentlichen Raum (Auswahl)

  • Flucht nach Ägypten, 1968, Bronze, ca. 170 cm, Berlin<ref>Flucht nach Ägypten. In: bildhauerei-in-berlin.de. Abgerufen am 26. März 2026.</ref>
  • Mann aus der Enge heraustretend II, 1971–72, Bronze, 300 cm, Oldenburg<ref>„Mann aus der Enge heraustretend“. In: oldenburg.de. Stadt Oldenburg, 2. Mai 2023, abgerufen am 26. März 2026.</ref>
  • Alte Frau im Sessel, 1973, Bronze und Polyester, 105 cm, Düsseldorf<ref>Waldemar Otto - Alte Frau im Sessel. In: skulpturen.kulturraum.nrw. Abgerufen am 26. März 2026.</ref>
  • Heinrich-Heine-Denkmal, 1981, Bronze und Sandstein, ca. 500 cm, Hamburg, Rathausmarkt<ref>Waldemar Otto: Denkmal für Heinrich Heine. In: sh-kunst.de. 18. Oktober 2022, abgerufen am 26. März 2026.</ref>
  • Franz Haniel-Denkmal, 1992, Bronze, ca. 700 cm, Duisburg<ref>Waldemar Otto - Franz-Haniel-Denkmal. In: skulpturen.kulturraum.nrw. Abgerufen am 26. März 2026.</ref>
  • Möwenbrunnen, 2001, Bronze, ca. 700 cm, Rostock<ref>Möwenbrunnen Rostock. In: treffpunkt-ostsee.de. Abgerufen am 26. März 2026.</ref>
  • Neptunbrunnen, 1991, Bronze und Andeer Granit, ca. 400 cm, Bremen

Auszeichnungen

  • 1955: Preis der Karl-Hofer-Stiftung, Berlin
  • 1957: Preis der Großen Berliner Kunstausstellung
  • 1958: Preis im Portraitwettbewerb der Freunde der Bildenden Künste, Berlin
  • 1960: Berliner Kunstpreis „Junge Generation“

Nachlass

Seit 2024 kooperiert VAN HAM Art Estate mit dem künstlerischen Nachlass von Waldemar Otto.

Literatur (Auswahl)

Weblinks

Commons: Waldemar Otto – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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