Matthias Miersch
Matthias Miersch (* 19. Dezember 1968 in Hannover) ist ein deutscher Politiker der SPD und Rechtsanwalt. Seit 2005 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages und seit dem 7. Mai 2025 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, zu deren stellvertretenden Vorsitzenden er bereits von 2017 bis 2024 zählte. Von 2015 bis 2024 war er dort außerdem einer der Sprecher der Parlamentarischen Linken in der SPD-Bundestagsfraktion. Er ist ordentliches Mitglied im Verwaltungsausschuss und stellvertretendes Mitglied im Wahlausschuss für die Richter des Bundesverfassungsgerichts. Von Oktober 2024 bis Mai 2025 war er kommissarischer Generalsekretär der SPD.
Ausbildung und Beruf
Nach dem Abitur 1988 an der Albert-Einstein-Schule in Laatzen begann Miersch ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Hannover, das er 1993 mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Von 1988 bis 1996 leistete er einen Wehrersatzdienst bei der Johanniter-Unfallhilfe ab. Nach dem Vorbereitungsdienst, in dem er auch ein einsemestriges Ergänzungsstudium an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer absolvierte, bestand er 1997 das zweite Staatsexamen. Zum Dr. jur. wurde er 1999 an der Universität Hannover mit der Dissertation Der sogenannte référé législatif – eine Untersuchung zum Verhältnis Gesetzgeber, Gesetz und Richteramt seit dem 18. Jahrhundert promoviert.
Miersch ist seit 1997 als Rechtsanwalt zugelassen und seit 2000 Fachanwalt für Strafrecht. Miersch lebt in einer eingetragenen Partnerschaft.<ref>Private Website</ref> Er ist evangelisch-lutherischer Konfession.<ref>Deutscher Bundestag - Abgeordnete. Abgerufen am 29. September 2020.</ref>
Partei
Miersch wurde 1990 Mitglied der SPD. Ab 2000 war er stellvertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Hannover-Land, von 2005 bis 2009 des Unterbezirks Region Hannover. Im März 2009 wurde Miersch als Nachfolger Heinrich Allers zum Vorsitzenden des Unterbezirks gewählt. Das Amt hatte er bis April 2019 inne. Seit 2019 ist er Vorsitzender des SPD-Bezirks Hannover. Von 2013 bis 2025 war er Mitglied des SPD-Parteivorstands.<ref>Signal der Geschlossenheit: SPD-Parteitag bestätigt die Führungsspitze. In: Vorwärts. Abgerufen am 10. Dezember 2023.</ref> Am 8. Oktober 2024 wurde er als Nachfolger von Kevin Kühnert zum kommissarischen SPD-Generalsekretär ernannt.<ref>Matthias Miersch soll neuer SPD-Generalsekretär werden. In: Spiegel online. 7. Oktober 2024, abgerufen am 7. Oktober 2024.</ref><ref>Kühnert-Nachfolge: Matthias Miersch ist neuer SPD-Generalsekretär. In: ndr.de. 8. Oktober 2024, abgerufen am 8. Oktober 2024.</ref> Als Generalsekretär wurde er am 12. Mai 2025 von Tim Klüssendorf abgelöst.<ref>Nach Saskia Eskens Rückzug: Klingbeil dankt Esken für „intensive“ Jahre und lobt Bas’ Kandidatur. In: esslinger-zeitung.de. 12. Mai 2025, abgerufen am 12. Mai 2025.</ref>
Abgeordneter
Miersch gehörte in den Jahren 1991 bis 2018 dem Rat seiner Heimatstadt Laatzen an und war dort von 1995 bis 2005 Vorsitzender der SPD-Fraktion.<ref name="FJ001">Dr. Matthias Miersch, MdB. Politischer Werdegang. In: www.matthias-miersch.de. Abgerufen am 31. Januar 2025.</ref><ref name="FJ002">Abgeordnete – Dr. Matthias Miersch, SPD. Rechtsanwalt. In: www.bundestag.de. Deutscher Bundestag, abgerufen am 31. Januar 2025.</ref>
Seit dem Jahr 2005 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Er zog stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Hannover-Land II in den Bundestag ein. Bei der Bundestagswahl 2005 gewann er den Wahlkreis mit 51,5 % der Erststimmen und verteidigte sein Mandat 2009 mit 40,4 %, 2013 mit 43,4 % und 2017 mit 37,0 %. 2021 gewann er das Direktmandat erneut mit 40,7 % vor dem CDU-Kandidaten, dem damaligen Vorsitzenden der Jungen Union, Tilman Kuban mit 25,5 %.<ref name="FJ001" /><ref name="FJ002" />
Miersch war ab 2005 Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, der nach der Bundestagswahl 2013 um den Bereich „Bau“ erweitert wurde. Von 2009 bis 2017 war er umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Am 30. Juni 2015 wurde er zum Sprecher der Parlamentarischen Linken in der SPD-Bundestagsfraktion gewählt und hatte das Amt bis Oktober 2024 inne.<ref name="FJ001" /><ref name="FJ002" /><ref name="FJ003">Dr. Matthias Miersch. SPD. In: www.abgeordnetenwatch.de. Parlamentwatch e. V., abgerufen am 31. Januar 2025.</ref>
In den Jahren 2014 bis 2016 war er – als Mitglied des Deutschen Bundestages – ordentliches Kommissionsmitglied in der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe (Endlagerkommission) gemäß § 3 Standortauswahlgesetz.<ref name="FJ001" /><ref name="FJ002" />
Im 19. Deutschen Bundestag gehörte er als stellvertretendes Mitglied dem Gemeinsamen Ausschuss, dem Ausschuss für Wirtschaft und Energie, dem Tourismusausschuss,<ref>Ausschuss für Tourismus. In: www.bundestag.de. Deutscher Bundestag, abgerufen am 7. Februar 2023.</ref> dem Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz, dem Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, dem Vermittlungsausschuss sowie dem Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit an. Er war von Dezember 2017 bis 2021 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion für die Bereiche Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit; Energie; Ernährung und Landwirtschaft sowie Tourismus.<ref name="FJ001" /><ref name="FJ002" /><ref name="FJ003" />
Im 20. Deutschen Bundestag gehörte er bis Oktober 2024 als stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion für Umwelt, Klimaschutz, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz dem geschäftsführenden Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion an und war beratendes Mitglied der SPD-Fraktion in der Expertenkommission Gas und Wärme. Das Amt des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden legte er nach seiner Ernennung zum Generalsekretär im Oktober 2024 nieder und verblieb als einfaches Mitglied in der Fraktion.<ref name="FJ001" /><ref name="FJ002" /><ref name="FJ003" />
Nach dem Eintritt von Lars Klingbeil in das neue Kabinett Merz wurde Miersch am 7. Mai 2025 zu dessen Nachfolger als Fraktionsvorsitzender gewählt.<ref name="faz.net 2025-05-07">Miersch zum SPD-Fraktionschef gewählt. In: faz.net. 7. Mai 2025, abgerufen am 7. Mai 2025.</ref>
Positionen
In der SPD herrscht Uneinigkeit über den Umgang mit Russland und Altkanzler Gerhard Schröder; so versuchten Teile der Partei, einen Parteiausschluss Schröders zu erreichen.<ref>Elisabeth Woldt: Matthias Miersch entfacht neue Debatte über Umgang mit Gerhard Schröder. In: haz.de. 31. Januar 2025, abgerufen am 7. Februar 2025.</ref><ref>Georg Ismar: Verhältnis zu Russland: Die SPD hadert mit Schröder und dem BSW. In: sueddeutsche.de. 1. November 2024, abgerufen am 7. Februar 2025.</ref> Miersch antwortete in einem Gespräch mit dem Stern im Oktober 2024 auf die Frage, ob Gerhard Schröder zur SPD gehöre, mit „Ja“.<ref>Sophie Garbe: Krieg, Frieden oder irgendwas dazwischen. In: Der Spiegel. 31. Oktober 2024, abgerufen am 8. Februar 2025.</ref><ref>Martin Greive: Wickelt die SPD jetzt die Zeitenwende ab? In: Handelsblatt. 30. Oktober 2024, abgerufen am 8. Februar 2025.</ref><ref>Daniel Wüstenberg, Florian Schillat: Weitere SPD-Politiker fordern Respekt für Schröders Lebensleistung. In: stern. 29. Oktober 2024, abgerufen am 7. Februar 2025.</ref> Zudem forderte Miersch im selben Monat Gespräche mit Russland.<ref>Dietmar Neuerer: SPD-Generalsekretär dringt auf Gespräche mit Russland. In: Handelsblatt. 16. Oktober 2024, abgerufen am 8. Februar 2025.</ref>
Trivia
Als Jugendlicher engagierte er sich als Jugendgruppenleiter in der evangelischen Kirche in Laatzen und beim CVJM.<ref name=":0">Christliche Medieninitiative pro (Hrsg.): Pro. Das christliche Familienmagazin. Nr. 5, 2025.</ref> Sein Vater war Erzieher in einem Jugendheim, seine Mutter arbeitete in einem kirchlichen Krankenhaus.<ref name=":0" /> Als Rechtsanwalt verhinderte Miersch Ende der 1990er Jahre die Abschiebung der Familie von Adis Ahmetovic, seinem späteren Fraktionskollegen.<ref>Für die SPD Hannover im Bundestag: Was Ahmetovic und Miersch verbindet. In: Vorwärts. Abgerufen am 26. Oktober 2021.</ref>
Weblinks
- Persönliche Website
- Biografie beim Deutschen Bundestag
- Matthias Miersch auf abgeordnetenwatch.de
- Heiko Randermann, Conrad von Meding, Simon Benne: Matthias Miersch: Das ist der neue SPD-General aus Hannover in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 8. Oktober 2024
Einzelnachweise
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Bundestag: Matthias Miersch. Landtage: Baden-Württemberg: Sascha Binder. Bayern: Holger Grießhammer. Berlin: Raed Saleh. Brandenburg: Björn Lüttmann. Bremen: Mustafa Güngör. Hamburg: Dirk Kienscherf. Hessen: Tobias Eckert. Mecklenburg-Vorpommern: Julian Barlen. Niedersachsen: Stefan Politze. Nordrhein-Westfalen: Jochen Ott. Rheinland-Pfalz: Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Saarland: Ulrich Commerçon. Sachsen: Henning Homann. Sachsen-Anhalt: Katja Pähle. Schleswig-Holstein: Serpil Midyatli. Thüringen: Lutz Liebscher
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Miersch, Matthias |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (SPD) |
| GEBURTSDATUM | 19. Dezember 1968 |
| GEBURTSORT | Hannover |