Hexachlorbenzol
| Strukturformel | |||||||||||||||||||
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| Strukturformel von Hexachlorbenzol | |||||||||||||||||||
| Allgemeines | |||||||||||||||||||
| Name | Hexachlorbenzol | ||||||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | C6Cl6 | ||||||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
farbloser, kristalliner Feststoff<ref name="Römpp">Eintrag zu Hexachlorbenzol. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref> | ||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | |||||||||||||||||||
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| Eigenschaften | |||||||||||||||||||
| Molare Masse | 284,76 g·mol−1 | ||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | ||||||||||||||||||
| Dichte |
2,049 g·cm−3 (20 °C)<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> | ||||||||||||||||||
| Schmelzpunkt |
231 °C<ref name="GESTIS" /> | ||||||||||||||||||
| Siedepunkt |
323–326 °C<ref name="GESTIS"/> | ||||||||||||||||||
| Dampfdruck |
6,0·10−4 Pa (20 °C)<ref name="Gückel">Gückel, W.; Kästel, R.; Lewerenz, J.; Synnatschke, G.: A Method for Determinating the Volatility of Active Ingredients Used in Plant Protection. Part III: The Temperature Relationship Between Vapour Presure and Evaporation Rate in Pestic. Sci. 13 (1982) 161–168.</ref> | ||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
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| Sicherheitshinweise | |||||||||||||||||||
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| Toxikologische Daten | |||||||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | |||||||||||||||||||
Hexachlorbenzol (HCB) ist eine aromatische Verbindung. Das Molekül ist wie Benzol aufgebaut, jedoch sind alle Wasserstoffatome durch Chloratome ersetzt. Es ist ein farbloses, kristallines Pulver, das gegen Säuren und Basen weitgehend beständig ist.<ref name="Römpp" />
Darstellung und Vorkommen
HCB kann durch Chlorierung von Benzol in Gegenwart von Katalysatoren wie Eisen(III)-chlorid (FeCl3) bei über 230 °C in der Flüssig- oder der Gasphase gewonnen werden. Es entsteht auch bei der thermischen Zersetzung von HCH (Hexachlorcyclohexan, siehe Lindan) in Gegenwart von Chlor.<ref name="Römpp" />
Die Chemikalie wurde breit eingesetzt, beispielsweise in der EG 1979 im Ausmaß von 3500 Tonnen.<ref name="lubw bw 2.4">Stoffbericht Hexachlorbenzol (HCB). In: Handbuch Altlasten und Grundwasserschadensfälle; herausgegeben von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, 1. Auflage, Karlsruhe 1995 (Texte und Berichte zur Altlastenbearbeitung 18/95), Kapitel 2.4 Verbrauchsmengen, S. 16 ff, insb. Tabelle 4: Einige Daten zum HCB-Verbrauch.</ref> Damit sind große Mengen in die Umwelt gelangt. Auch nach dem Verwendungsverbot von HCB kommt es noch zu Freisetzungen. Quellen hierfür sind chlorierte Pestizide, unvollständige Verbrennungsvorgänge, Auswaschungen aus Mülldeponien, ungeeignete Herstellungsverfahren oder ungeeignete Abfallbeseitigung von chlorierten Verbindungen wie Lösungsmitteln, aromatischen Verbindungen oder Pestiziden.<ref name="EHC">Environmental Health Criteria (EHC) für Vorlage:Linktext-CheckVorlage:Abrufdatum</ref>
Verwendung
Hexachlorbenzol ist ein Fungizid, die Wirkung wurde 1945 entdeckt. Es wurde früher als Trockenbeizmittel gegen Pilzerkrankungen wie Zwergsteinbrand bei Getreide eingesetzt, als Desinfektionsmittel in der Getreidelagerung und auch Holzschutzmitteln zugesetzt.<ref name="lubw bw 2.3">Stoffbericht Hexachlorbenzol (HCB). In: Handbuch Altlasten und Grundwasserschadensfälle; herausgegeben von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, 1. Auflage, Karlsruhe 1995 (Texte und Berichte zur Altlastenbearbeitung 18/95), Kapitel 2.3 Anwendungsgebiete, S. 15 f.</ref>
Daneben hat es auch flammhemmende Wirkung und wurde bis in die 1950er Jahre für die Imprägnierung von Nutzholz und bei Kaminauskleidungen verwendet, auch für Kunststoffe, elektrische Isolierungen und Papier.<ref name="lubw bw 2.3"/> Auch wird es in pyrotechnischen Rauchmitteln eingesetzt, das verflüchtigende HCB macht weißen Rauch intensiver, bei hohen Temperaturen (etwa in Leuchtspurmunition) emittiert es zusätzlich beim Zerfall Chloridionen.<ref name="lubw bw 2.3"/>
In der Prozesstechnik dient es als Ausgangsprodukt diverser organischer Verbindungen, wie Pentachlorphenol (PCP) und Pentachlorthiophenol.<ref name="lubw bw 2.3"/>
Als weitere Anwendungen genannt werden: Weichmacher für PVC, Peptisator bei der Reifen-Herstellung, Stabilisator in der Farben- und Kunststoffindustrie, als Mittel zur Kontrolle der Porosität bei der Herstellung von Elektroden, als Fließmittel beim Schmelzen von Aluminium.<ref name="lubw bw 2.3"/>
Biologische Bedeutung
Im Organismus von Warmblütern wird HCB zu Pentachlorbenzol, Tetrachlorbenzol und Pentachlorphenol metabolisiert. Bei kontinuierlicher Aufnahme wurden Anreicherungen im Fettgewebe, Schäden an Leber und Fortpflanzungsorganen, Porphyrie mit Photosensibilität und Porphyrinurie beobachtet. Im Tierversuch wurde bei Hamstern und Mäusen das Auftreten von Tumoren festgestellt, deshalb wird es von der IARC in die Kategorie 2B (möglicherweise krebserregend) eingestuft.<ref>IARC Monographs on the Identification of Carcinogenic Hazards to Humans. IARC, 7. März 2022, abgerufen am 22. März 2022.</ref> Die erlaubte Tagesdosis (englisch Acceptable Daily Intake, ADI-Wert) beträgt 0,6 μg·kg−1.<ref>Concon: Food Toxicology, Part B, S. 1145, New York: Marcel Dekker 1988.</ref>
Rechtsstatus
Seit 1981 ist Hexachlorbenzol in Deutschland als Pflanzenschutzwirkstoff nicht mehr zugelassen.<ref name="Römpp" /> Ein Verbot in Österreich gilt seit 1992.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hexachlorbenzol: Eine der gefährlichsten Substanzen ( vom 31. Dezember 2014 im Internet Archive).</ref> Seit dem Jahr 2004 gilt im Rahmen des Stockholmer Übereinkommens eine fast weltweit geltende Beschränkung oder ein Verwendungsverbot. Hexachlorbenzol zählt zum sogenannten „Dreckigen Dutzend“.
In den Staaten der EU und in der Schweiz sind keine Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff zugelassen.<ref>Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Kommission: Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der EU-Pestiziddatenbank; Eintrag in den nationalen Pflanzenschutzmittelverzeichnissen der Schweiz, Österreichs und DeutschlandsVorlage:Abrufdatum</ref>
Hexachlorbenzol ist unter dem Rotterdamer Übereinkommen über das Verfahren der vorherigen Zustimmung nach Inkenntnissetzung für bestimmte gefährliche Chemikalien sowie Pestizide im internationalen Handel (Anlage III) geregelt.<ref>Annex III Chemicals. In: pic.int. Abgerufen am 6. Januar 2026.</ref>
Hexachlorbenzol ist als „prioritärer gefährlicher Stoff“ in Anhang X der europäischen Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) aufgeführt.<ref>Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik in der konsolidierten Fassung vom 20. November 2014Vorlage:Abrufdatum. Anhang X.</ref>
Analytischer Nachweis
Der chemisch-analytische Nachweis in Umweltproben, Lebens- und Futtermitteln erfolgt nach geeigneter Probenvorbereitung zur Abtrennung der Matrix und gaschromatographischer Abtrennung von Nebenkomponenten mittels hochauflösender massenspektrometrischer Techniken wie der Flugzeitmassenspektrometrie (Time-Of-Flight-Massenspektrometrie).<ref name="Reiner">Eric J. Reiner, Adrienne R. Boden, Tony Chen, Karen A. MacPherson und Alina M. Muscalu: Advances in the Analysis of Persistent Halogenated Organic Compounds. In: LC GC Europe. 23 (2010), S. 60–70.</ref> Das Europäische Arzneibuch legt als Grenzwert für Hexachlorbenzol-Rückstände in pflanzlichen Drogen 0,1 mg·kg−1 fest.<ref>Europäisches Arzneibuch 10.0. Deutscher Apotheker Verlag, 2020, ISBN 978-3-7692-7515-5, S. 433.</ref>
Hexachlorbenzol in der Umwelt
Aufgrund seiner Persistenz reichert sich Hexachlorbenzol in der Umwelt an. Seine Bioakkumulation führt zu einer Aufnahme durch Biota und in die Nahrungskette. Auch über die Troposphäre kann es über weite Strecken transportiert werden, bevor es in Wasser und Boden gelangt, wo es flächendeckend nachweisbar ist.<ref name=":0" /><ref>Marc Marx, Juliane Ackermann, Simone Schmidt, Jens Utermann, Bernd M. Bussian: Occurrence and Spatial Distribution of Selected Organic Substances in Germany’s Forest Soils. In: Status and Dynamics of Forests in Germany. Band 237. Springer International Publishing, Cham 2019, S. 231–259, doi:10.1007/978-3-030-15734-0_8 (springer.com [abgerufen am 24. März 2023]).</ref> In der Luft wird HCB langsam photochemisch abgebaut; im Boden findet mikrobielle Zersetzung statt.<ref name="EHC" /> Der Octanol-Wasser-Verteilungskoeffizient (log KOW) beträgt rund 5,3.<ref name="GESTIS" />
Erkrankungen in der Osttürkei
Bei etwa 4000 Menschen trat Ende der 1950er-Jahre in der Osttürkei nach dem Verzehr von aus Saatgut hergestelltem Brot eine Porphyria cutanea tarda auf. Dort trat ebenso die sogenannte Pembe Yara oder Pink Disease auf, die bei Kleinkindern eine Letalitätsrate von 95 % aufwies und mit Durchfall, Fieber und haut- bis rosafarbenen Papeln an Handrücken, Fingeroberseite und Handgelenk, manchmal auch an den Füßen und Beinen, begann. In der Folge entwickelten sich subkutane Abszesse, Lungeninfiltrate, eine Vergrößerung der Leber und eine hypochrome Anämie. Die Krankheitsdauer betrug im Falle einer Genesung gut ein bis zwei Monate.<ref name="inchem">Poisons Information Monograph (PIM) für Vorlage:Linktext-CheckVorlage:Abrufdatum</ref>
Kärnten – Görtschitztal
Im März 2014 stellte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit in Lebensmitteln aus dem Görtschitztal in Kärnten Überschreitungen der HCB-Grenzwerte fest.<ref>HCB: Grenzwertüberschreitung seit März bekannt orf.at</ref> Die Kenntnis darüber gelangte im November 2014 an die Öffentlichkeit.<ref>Umweltskandal HCB: Eine Chronologie.</ref>
Literatur
- Stoffbericht Hexachlorbenzol (HCB). In: Handbuch Altlasten und Grundwasserschadensfälle; herausgegeben von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, 1. Auflage, Karlsruhe 1995 (Texte und Berichte zur Altlastenbearbeitung 18/95).
Weblinks
- Environmental Health Criteria (EHC) für Vorlage:Linktext-CheckVorlage:Abrufdatum
Einzelnachweise
<references> <ref name=":0">Bernhard Aichner, Bernd Bussian, Petra Lehnik-Habrink, Sebastian Hein: Levels and Spatial Distribution of Persistent Organic Pollutants in the Environment: A Case Study of German Forest Soils. In: Environmental Science & Technology. Band 47, Nr. 22, 19. November 2013, S. 12703–12714, doi:10.1021/es4019833 (researchgate.net [abgerufen am 24. März 2023]).</ref> </references>
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- Beschränkter Stoff nach REACH-Anhang XVII, Eintrag 28