Hexachlorbenzol
Hexachlorbenzol (HCB) ist eine aromatische Verbindung. Das Molekül ist wie Benzol aufgebaut, jedoch sind alle Wasserstoffatome durch Chloratome ersetzt. Es ist ein farbloses, kristallines Pulver, das gegen Säuren und Basen weitgehend beständig ist.<ref name="Römpp" />
Darstellung und Vorkommen
HCB kann durch Chlorierung von Benzol in Gegenwart von Katalysatoren wie Eisen(III)-chlorid (FeCl3) bei über 230 °C in der Flüssig- oder der Gasphase gewonnen werden. Es entsteht auch bei der thermischen Zersetzung von HCH (Hexachlorcyclohexan, siehe Lindan) in Gegenwart von Chlor.<ref name="Römpp" />
Die Chemikalie wurde breit eingesetzt, beispielsweise in der EG 1979 im Ausmaß von 3500 Tonnen.<ref name="lubw bw 2.4">Stoffbericht Hexachlorbenzol (HCB). In: Handbuch Altlasten und Grundwasserschadensfälle; herausgegeben von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, 1. Auflage, Karlsruhe 1995 (Texte und Berichte zur Altlastenbearbeitung 18/95), Kapitel 2.4 Verbrauchsmengen, S. 16 ff, insb. Tabelle 4: Einige Daten zum HCB-Verbrauch.</ref> Damit sind große Mengen in die Umwelt gelangt. Auch nach dem Verwendungsverbot von HCB kommt es noch zu Freisetzungen. Quellen hierfür sind chlorierte Pestizide, unvollständige Verbrennungsvorgänge, Auswaschungen aus Mülldeponien, ungeeignete Herstellungsverfahren oder ungeeignete Abfallbeseitigung von chlorierten Verbindungen wie Lösungsmitteln, aromatischen Verbindungen oder Pestiziden.<ref name="EHC">Vorlage:Inchem</ref>
Verwendung
Hexachlorbenzol ist ein Fungizid, die Wirkung wurde 1945 entdeckt. Es wurde früher als Trockenbeizmittel gegen Pilzerkrankungen wie Zwergsteinbrand bei Getreide eingesetzt, als Desinfektionsmittel in der Getreidelagerung und auch Holzschutzmitteln zugesetzt.<ref name="lubw bw 2.3">Stoffbericht Hexachlorbenzol (HCB). In: Handbuch Altlasten und Grundwasserschadensfälle; herausgegeben von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, 1. Auflage, Karlsruhe 1995 (Texte und Berichte zur Altlastenbearbeitung 18/95), Kapitel 2.3 Anwendungsgebiete, S. 15 f.</ref>
Daneben hat es auch flammhemmende Wirkung und wurde bis in die 1950er Jahre für die Imprägnierung von Nutzholz und bei Kaminauskleidungen verwendet, auch für Kunststoffe, elektrische Isolierungen und Papier.<ref name="lubw bw 2.3"/> Auch wird es in pyrotechnischen Rauchmitteln eingesetzt, das verflüchtigende HCB macht weißen Rauch intensiver, bei hohen Temperaturen (etwa in Leuchtspurmunition) emittiert es zusätzlich beim Zerfall Chloridionen.<ref name="lubw bw 2.3"/>
In der Prozesstechnik dient es als Ausgangsprodukt diverser organischer Verbindungen, wie Pentachlorphenol (PCP) und Pentachlorthiophenol.<ref name="lubw bw 2.3"/>
Als weitere Anwendungen genannt werden: Weichmacher für PVC, Peptisator bei der Reifen-Herstellung, Stabilisator in der Farben- und Kunststoffindustrie, als Mittel zur Kontrolle der Porosität bei der Herstellung von Elektroden, als Fließmittel beim Schmelzen von Aluminium.<ref name="lubw bw 2.3"/>
Biologische Bedeutung
Im Organismus von Warmblütern wird HCB zu Pentachlorbenzol, Tetrachlorbenzol und Pentachlorphenol metabolisiert. Bei kontinuierlicher Aufnahme wurden Anreicherungen im Fettgewebe, Schäden an Leber und Fortpflanzungsorganen, Porphyrie mit Photosensibilität und Porphyrinurie beobachtet. Im Tierversuch wurde bei Hamstern und Mäusen das Auftreten von Tumoren festgestellt, deshalb wird es von der IARC in die Kategorie 2B (möglicherweise krebserregend) eingestuft.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Die erlaubte Tagesdosis (englisch Acceptable Daily Intake, ADI-Wert) beträgt 0,6 μg·kg−1.<ref>Concon: Food Toxicology, Part B, S. 1145, New York: Marcel Dekker 1988.</ref>
Rechtsstatus
Seit 1981 ist Hexachlorbenzol in Deutschland als Pflanzenschutzwirkstoff nicht mehr zugelassen.<ref name="Römpp" /> Ein Verbot in Österreich gilt seit 1992.<ref>Vorlage:Webarchiv.</ref> Seit dem Jahr 2004 gilt im Rahmen des Stockholmer Übereinkommens eine fast weltweit geltende Beschränkung oder ein Verwendungsverbot. Hexachlorbenzol zählt zum sogenannten „Dreckigen Dutzend“.
In den Staaten der EU und in der Schweiz sind keine Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff zugelassen.<ref>Vorlage:PSM-Verz</ref>
Hexachlorbenzol ist unter dem Rotterdamer Übereinkommen über das Verfahren der vorherigen Zustimmung nach Inkenntnissetzung für bestimmte gefährliche Chemikalien sowie Pestizide im internationalen Handel (Anlage III) geregelt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Hexachlorbenzol ist als „prioritärer gefährlicher Stoff“ in Anhang X der europäischen Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) aufgeführt.<ref>Vorlage:EU-Richtlinie. Anhang X.</ref>
Analytischer Nachweis
Der chemisch-analytische Nachweis in Umweltproben, Lebens- und Futtermitteln erfolgt nach geeigneter Probenvorbereitung zur Abtrennung der Matrix und gaschromatographischer Abtrennung von Nebenkomponenten mittels hochauflösender massenspektrometrischer Techniken wie der Flugzeitmassenspektrometrie (Time-Of-Flight-Massenspektrometrie).<ref name="Reiner">Eric J. Reiner, Adrienne R. Boden, Tony Chen, Karen A. MacPherson und Alina M. Muscalu: Advances in the Analysis of Persistent Halogenated Organic Compounds. In: LC GC Europe. 23 (2010), S. 60–70.</ref> Das Europäische Arzneibuch legt als Grenzwert für Hexachlorbenzol-Rückstände in pflanzlichen Drogen 0,1 mg·kg−1 fest.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Hexachlorbenzol in der Umwelt
Aufgrund seiner Persistenz reichert sich Hexachlorbenzol in der Umwelt an. Seine Bioakkumulation führt zu einer Aufnahme durch Biota und in die Nahrungskette. Auch über die Troposphäre kann es über weite Strecken transportiert werden, bevor es in Wasser und Boden gelangt, wo es flächendeckend nachweisbar ist.<ref name=":0" /><ref>Vorlage:Literatur</ref> In der Luft wird HCB langsam photochemisch abgebaut; im Boden findet mikrobielle Zersetzung statt.<ref name="EHC" /> Der Octanol-Wasser-Verteilungskoeffizient (log KOW) beträgt rund 5,3.<ref name="GESTIS" />
Erkrankungen in der Osttürkei
Bei etwa 4000 Menschen trat Ende der 1950er-Jahre in der Osttürkei nach dem Verzehr von aus Saatgut hergestelltem Brot eine Porphyria cutanea tarda auf. Dort trat ebenso die sogenannte Pembe Yara oder Pink Disease auf, die bei Kleinkindern eine Letalitätsrate von 95 % aufwies und mit Durchfall, Fieber und haut- bis rosafarbenen Papeln an Handrücken, Fingeroberseite und Handgelenk, manchmal auch an den Füßen und Beinen, begann. In der Folge entwickelten sich subkutane Abszesse, Lungeninfiltrate, eine Vergrößerung der Leber und eine hypochrome Anämie. Die Krankheitsdauer betrug im Falle einer Genesung gut ein bis zwei Monate.<ref name="inchem">Vorlage:Inchem</ref>
Kärnten – Görtschitztal
Vorlage:Hauptartikel Im März 2014 stellte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit in Lebensmitteln aus dem Görtschitztal in Kärnten Überschreitungen der HCB-Grenzwerte fest.<ref>HCB: Grenzwertüberschreitung seit März bekannt orf.at</ref> Die Kenntnis darüber gelangte im November 2014 an die Öffentlichkeit.<ref>Umweltskandal HCB: Eine Chronologie.</ref>
Literatur
- Stoffbericht Hexachlorbenzol (HCB). In: Handbuch Altlasten und Grundwasserschadensfälle; herausgegeben von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, 1. Auflage, Karlsruhe 1995 (Texte und Berichte zur Altlastenbearbeitung 18/95).
Weblinks
Einzelnachweise
<references> <ref name=":0">Vorlage:Literatur</ref> </references>
Vorlage:Navigationsleiste Hexahalogenbenzole Vorlage:Navigationsleiste Dreckiges Dutzend
- Wikipedia:Maximale Seitengröße durch Vorlageneinbindungen überschritten
- Wikipedia:Maximale Gesamtgröße der Vorlagenparameter überschritten
- Polychlorbenzol
- Fungizid
- Pflanzenschutzmittel (Wirkstoff)
- Persistenter organischer Schadstoff nach Stockholmer Übereinkommen
- Persistenter organischer Schadstoff nach dem Übereinkommen über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung
- Gefährliche Chemikalie nach dem Rotterdamer Übereinkommen
- Beschränkter Stoff nach REACH-Anhang XVII, Eintrag 28